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InaiMathi Blog

„Okay“: Sky stellt die ‚Harald Schmidt Show‘ ein

Sky LogoNach langen Jahren im Programm von Sat.1 , einem verstörenden Intermezzo bei der ARD, der gefeierten kurzen Rückkehr zu Sat.1 und dem spektakulären Wechsel hinter die Paywall zu Sky Deutschland, läuft Harald Schmidts einst gefeierte LateNight-Show mittlerweile seit Herbst 2012 beim Unterföhringer Pay-TV-Sender. Ich bin seit vielen Jahren ein großer Fan von Harald Schmidt und seiner Show, habe diese bereits in noch recht jungen Jahren immer wieder geschaut, obwohl sie damals zu gar unchristlichen Zeiten lief und oftmals Themen behandelt wurden, die den normalen 16-Jährigen nun nicht zwingend interessieren, geschweige denn die ein solcher witzig finden. Dennoch: ich fand Schmidt cool und das war auch gut so! Dementsprechend euphorisch war ich als es vergangenes Jahr hieß, mein in Würde gealterter LateNight-Hero würde ins bessere Fernsehen zu Sky wechseln, um dort in der Nische, vom quälenden Quotendruck befreit, wieder zu alter Stärke zurückzufinden.

Doch was schon bei seiner gescheiterten Rückkehr ins Programm des nach wie vor händeringend nach Profil suchenden Berliner Bällchensenders Sat.1 abzusehen war, hat sich mit fortlaufender Sendezeit bei Sky Deutschland leider bestätigt: Schmidt macht einen müden, matten EIndruck, scheint kaum noch Bock zu haben auf seine Show und spult selbige in der Regel nur noch lustlos ab, bedankt sich und verlässt die Bühne in Richtung Garderobe. Wurde früher im Zusammenspiel mit Andrack, Zerlett, Suzanna und Co. noch ein Gag-Feuerwerk abgebrannt, zünden diese mittlerweile nicht mehr oder – die Todesstrafe für jedes Comedy-Format – gehen im Gähnen der nicht selten durch Freikarten in die Show gelotsten Zuschauer unter. Selbstredend war auch früher nicht jede Show gelungen, auch wenn einige Fans ein wenig verklärt eben diese Ansicht vertreten. Früher war das, was Schmidt und sein Team uns unter der Woche geboten haben, schlicht und ergreifend bessere Unterhaltung. So grundlegend. In der güldenen Ära 2000 bis 2003 sogar grandiose, meiner Meinung nach bis dato unübertroffene LateNight-Comedy. Das beste an seiner aktuellen Sendung, so war immer wieder von Zuschauern zu hören, sei in der Regel das Warm-Up vor Aufzeichnungsbeginn gewesen. Doch sobald die Kameras liefen, hätte ein wie ausgewechselt anmutender Harald Schmidt am Schreibtisch Platz genommen, der wie ein Schatten seiner Selbst gewirkt habe. Ich habe mich in letzter Zeit nicht selten dabei erwischt, wie ich „Die Harald Schmidt Show“ beim abendlichen Zappen durchs TV-Programm mit Nichtbeachtung gestraft habe, obwohl es sich um eine Erstausstrahlung gehandelt hat. Harald Schmidt ist, zumindest da, wo es wirklich drauf ankommt, nämlich in seiner eigenen Show, einfach nicht mehr witzig! Traurig, aber leider bittere Realität.

Erst vor ein paar Tagen habe ich Schmidt im Rahmen des WDR2-Talkformats „MonTalk“ gesehen – und mich mehrere Male weggeschmissen vor lauter lachen. Da war er wieder, der einstige Chefzyniker mit seinem bissigen Humor, seinen unterschwelligen Seitenhieben gegen alles und jeden und seiner ganz eigenen genialen, unnachahmlichen Art, das Publikum für sich zu gewinnen – oder eben nicht für sich zu gewinnen. Das war der Harald Schmidt, den ich bis zu seinem ersten Weggang von Sat.1 so gemocht, ja als Comedian und LateNight-Host geradezu vergöttert habe! Wer will, kann sich die gut und gerne zweistündige Wiederholung des „MonTalk“ mit Harald Schmidt vom 16. Dezember 2013 hier anschauen und nebenbei ein wenig in Erinnerungen schwelgen an die gute alte Zeit. Auch YouTube ist eine gute Anlaufstelle für Fans, zumindest wenn nicht gerade eine neue Schmidt-DVD-Box (siehe links) veröffentlicht wird und der Publisher nahezu alle Schmidt-Videos sperren lässt.

Noch vor ein paar Wochen hatte er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, die Show bei Sky definitiv weiterführen zu wollen: „Ich geh‘ da jeden Tag hin, das ist für mich ein großer Stabilitätsfaktor. […] Ich bin ja seit 1998 im selben Studio. Mit demselben Team, nur der Sender wechselt halt. Wenn der Sender mich nicht rausschmeißt…“ Genau dazu kommt es nun: Im März 2014 ist nach anderthalb Jahren und insgesamt 146 Folgen im Bezahlfernsehen endgültig Schluss für „Die Harald Schmidt Show“. Sky Deutschland zieht den Stecker und im Studio 449 in der Schanzenstrasse in Köln-Mülheim bleiben in Sachen LateNight fortan die Lichter aus. Grund für den nicht verlängerten Vertrag sollen laut „Spiegel Online“ nicht etwa die eher mauen Quoten gewesen sein, sondern „vielmehr der nachlassende Ehrgeiz des Moderators“, was sich negativ auf die Qualität des Formats durchgeschlagen hätte. Schmidt selbst kommentiert das nun besiegelte Aus bei seiner, wie er immer wieder betont hat, letzten TV-Station – für meinen Geschmack einen Ticken zu gleichgültig – mit „Okay“. Schade, aber konsequent, denn genau diese Gleichgültigkeit, und sei sie auch nur gespielt, passt ganz vortrefflich zu Harald Schmidt und seiner Show, wie wir beide in den letzten Jahren erlebt haben.

Von daher: Schade, aber fehlen wird mir „Die Harald Schmidt Show“ nicht mehr.

— InaiMathi, am 20. Dezember 2013
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