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InaiMathi Blog

Rezensionsrichtlinien für Buchblogger

Ein Aufschrei geht dieser Tage durch die Lit-Blogosphäre, denn – oh Schreck! – etwas gar fürchterliches hat sich ereignet: Sebastian Rothfuss, seines Zeichens PR-Mensch bei den zu Random House gehörenden Verlagslabels Blanvalet, Limes und Penhaligon, hat sich doch tatsächlich erdreistet, klare Rezensionsrichtlinien für Lit-Blogger auszugeben! Offenbar, um die oftmals relativ unterirdische Qualität der Rezensionen auf einigen so genannten Bücherblogs zumindest ein Quentchen anzuheben.

Besagte Rezensionsrichtlinien kann man sich hier ansehen.

Einige Buchblogger (bzw. Leute, die sich dafür halten) fühlen sich nun natürlich auf den (nicht existenten) Schlips getreten und echauffieren sich mit erhobenem Zeigefinger ob der – zumindest ihrer Meinung nach – unsäglichen Dreistigkeit des Herrn Rothfuss. Was ihm denn bloß einfallen würde, plötzlich solche Vorschriften rauszuhauen, das habe doch mit entspanntem Lesen nichts mehr zu tun, und so weiter und so fort. Man kann sich’s denken.

Wer meinen Blog verfolgt, wird wahrscheinlich wissen, dass ich eine eindeutige Meinung zu Bücherblogs und Rezensionsexemplaren habe: Beim entspannten Durchschmökern der hiesigen Lit-Blogosphäre drängt sich mir oftmals der ungute Eindruck auf, viele sogenannte Rezensenten legen sich ihren Literaturblog einzig und allein aus dem Grund an, um von einem oder mehreren Verlagen ihr Hobby finanziert zu bekommen, welches – je nachdem, wie viele Bücher man im Monat so „wegliest“ – ziemlich schnell ganz schön kostspielig werden kann. Ein recht gutes Erkennungsmerkmal für solche Schnorrer unter den Buchrezensenten sind Rezensionen und Kritiken, die sich beispielsweise größtenteils aus anderswo zusammenkopierten, streckenden Inhalten wie Inhaltsangaben, Klappentexten, Buchzitaten, etcpp. zusammensetzen und deren einzige nennenswerte Leistung es ist, eine eigene Meinung in die Tasten zu hauen, die es – wenn’s hoch kommt – auf vielleicht vier, fünf Zeilen bringt. So nach dem Motto: 10 Minuten investierte Freizeit ist schon fast zu viel Aufwand. Von mangelnder Artikulationsfähigkeit und den mannigfaltigen grammatikalischen Unzulänglichkeiten, die mir schon so oft die Tränen in die Augen getrieben haben, insbesondere wenn mir diese bei Leuten auffallen, die sich einst in aller Ausführlichkeit über ihr bestandenes Mega-Abi ausgelassen haben, will ich gar nicht erst anfangen.

Wer den oben verlinkten Mail-Anhang des Herrn Rothfuss einmal ein wenig genauer studiert, anstatt sich pauschal über das Vorgehen des hinter ihm stehenden Verlagshauses auszulassen, dürfte feststellen, dass das, was er da als Richtlinien festgehalten hat, so besonders gar nicht ist. Sondern vielmehr exakt das, was schlicht und ergreifend in eine jede anständige Rezension und in jede Buchkritik, die was auf sich hält und ernst genommen werden will, hinein gehört. Zweifler suchen nun einfach mal bei Wikipedia nach der Definition einer Rezension – danke! Und ganz ehrlich: Wer sich – wie so viele – auf Kosten der Verlage durchliest, hat die ggf. aufgestellten Richtlinien einfach mal zu befolgen, bzw. sich bei der Gestaltung seiner Rezensionen an ihnen zu orientieren – oder kauft sich seine Bücher in Zukunft zur Abwechslung einfach selbst. Punkt. Gar keine Diskussion!

Wer Schwierigkeiten hat, irgendwelche geforderten Snippets, etc. in seinen Blog einzubinden, sollte sich, bevor er oder sie die Klappe aufreißt, um sich über Random House aufzuregen, vielleicht erst einmal fragen, ob das Medium Blog das richtige für ihn oder sie ist. Insbesondere zu den beiden Anbietern Blogger.com und WordPress.com, bei denen gefühlte 90 Prozent der Lit-Blogger da draußen ihren Bücherblog gehostet haben, gibt es im Web unheimlich gute Dokumentationen und Foren, die dem geneigten Blogger bei (Blog-)Problemen aller Art hilfreich unter die Arme greifen können. Auch die Lektüre solcher Websites wie DrWeb.de oder SmashingMagazine.com kann weiterhelfen. Wer auch dann noch Probleme hat, eine grundsätzlich furchtbar simple PHP-Anwendung wie einen Blog nach seinen Vorstellungen zu konfigurieren… – nun ja, ich sag‘ mal so: Ohne die erforderlichen Skills in Form eines ordentlich erworbenen Bootsführerscheins darf ich auch nicht einfach so über den Rhein schippern!

Ich für meinen Teil begrüße die ausgegebenen Richtlinien für Rezensionen von Random House und hoffe, dass weitere Verlagshäuser sich einen Beispiel daran nehmen und zeitnah nachziehen werden! Einzig und allein durch solch konsequentes Vorgehen, wie es Random House nun an den Tag legt, hat man die Chance, die Spreu vom Weizen zu trennen und den Mitläufern, diesen schon fast ekelhaft dreisten Rezi-Schmarotzern endlich ein für alle mal einen Riegel vorzuschieben.

Von daher: Bitte weitermachen!

— InaiMathi, am 20. April 2013
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