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InaiMathi Blog

Little Big Planet 3

Little Big Planet 3 - © Sony Computer Entertainment Europe

Vor ein paar Jahren, als ich meine Videospiel-Leidenschaft betreffend noch im giftgrünen Xbox-Lager ansässig war und mich aufgrund meiner damaligen Überzeugungen noch nicht der großartigen PlayStation-Nation angeschlossen hatte, blickte ich von Zeit zu Zeit ein wenig neidisch über den sprichwörtlichen Tellerrand. Die PlayStation-Jünger nannten nämlich einen Exklusivtitel ihr Eigen, von dem stets in den allerhöchsten Tönen gesprochen wurde und der in schöner Regelmäßigkeit als ein guter Grund aufgeführt wurde, weshalb man sich doch lieber bevorzugt eine PlayStation 3 ins Wohnzimmer neben den Fernseher stellen sollte, anstatt die DirectX-Box aus Redmond. Die Rede ist von „Little Big Planet“, dem Kreativbolzen der Videospiel-Landschaft.

Als Sackboy neue phantastische Welten erschaffen, seiner unbändigen Kreativität freien Lauf lassen und zusammen mit dem kleinen braunen Wollbuben immer wieder neue von der unfassbar aktiven „LBP“-Community erstellte Abenteuer erleben – das Erfolgsrezept der Jump’n’Run-Reihe ist einfach wie genial. Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Ableger für Sonys Next-Gen-Konsole PlayStation 4 angekündigt werden würde. Im Rahmen der diesjährigen GamesCom in Köln war es dann schließlich soweit: Im Rahmen der Sony-Pressekonferenz wurde u.a. „Little Big Planet 3“ geteasert, und so konnte auch ich endlich meiner ersten „LBP“-Erfahrung entgegenfiebern.

Doch wie das öfters mal der Fall ist, folgt auf die überschwängliche Euphorie gerne mal die totale Ernüchterung – leider auch im Fall von „Little Big Planet 3“. Warum das – wieder einmal – so gekommen ist und weshalb ich absolut nichts verpasst hätte, wenn ich mir auch diesen Serienteil nicht für meine Spielesammlung zugelegt und stattdessen einfach mal zwei, drei Jahre auf den Nachfolger gewartet hätte, klärt meine ausführliche Spielerezension zur vom britischen Entwicklerstudio Sumo Digital verantworteten PS4-Fassung von „Little Big Planet 3“.

Little Big Planet 3
2014, Jump’n’Run, PlayStation 4
Sumo Digital / Sony Computer Entertainment
www.LittleBigPlanet.com

Spieletrailer

Beschreibung
„In ‚Little Big Planet 3‘ wird Sackboy auf einen neuen Planeten namens Bunkum verfrachtet – ein kreatives Paradies, wo wunderbare Ideen in Hülle und Fülle durch die Lüfte schweben. Dort hilft Sackboy versehentlich dabei, die mythischen Titanen zu befreien, die darauf aus sind, Bunkum zu zerstören und den unfähigsten Schöpfer der Welt – Newton – in ein schreckliches Monster zu verwandeln. Um das Gleichgewicht wiederherstellen zu können, braucht Sackboy die Hilfe der alten Helden von Bunkum: Toggle, OddSock und Swoop.“ – Quelle

Kritik
„Little Big Planet 3“ – ein Wunderland der Kreativität und absolutes El Dorado zum schnellen vorweihnachtlichen Geld scheffeln! Das Game umfasst eine als Abenteuer getarnte Ansammlung von Tutorial-Missionen und einen Herausforderungsmodus für PopIt-Fetischisten, der über einhundert Missionen umfasst, welche ausschließlich unter Zuhilfenahme der Editor-Bauwerkzeuge gelöst werden können. Zudem feiert der hinlänglich bekannte, viel gepriesene LBP-Editor aka das Herzstück von „Little Big Planet“, mit dessen Hilfe User unendlich viele Custom-Abenteuer für Sackboy und seine neuen Freunde erstellen können, seine wenig überraschende Rückkehr.

Bis letzterer allerdings in einigermaßen produktiver Manier genutzt werden kann, um total kreative Abenteuer zu erstellen, müssen wie schon in den bisherigen „LBP“-Iterationen erst einmal massig Levelbestandteile, Texturen und sonstige mehr oder weniger kreative Editor-Items eingesammelt und/oder durch mehr oder minder erfolgreich absolvierte Missionen freigeschaltet werden. Dies geschieht unter anderem, indem die knapp dreißig mal mehr, mal weniger kreativ gestaltete Levels umfassende, auf insgesamt vier HUB-Welten aufgesplittete Haupthandlung von „Little Big Planet 3“ gespielt wird. Die Geschichte, die währenddessen erzählt wird, bzw. versucht wird zu erzählen, gestaltet sich wirr und alles in allem ziemlich vergessenswert – zumindest für Videospieler, die das zehnte Lebensjahr bereits weit hinter sich gelassen haben. Mich hat jedenfalls nicht im Geringsten tangiert, was da storytechnisch vorangetrieben wurde. Zudem sollte der grundsätzlich viel zu einfache Anspruch des Games niemanden, der in seinem Leben schon einmal ein Jump’n’Run gezockt hat, vor ersthafte Probleme stellen. Nach gerade einmal sechs Stunden bekam ich bereits die Credits zu Gesicht und ich fragte mich, ob es das denn nun tatsächlich allen Ernstes schon gewesen sein kann. – Japp, kann es. Hätte ich die einzelnen Level mehrmals gespielt, um etwa wirklich alle Editor-Items einzusammeln und darüber hinaus alle PopIt-Herausforderungen gelöst – was mich ebenfalls absolut nicht gereizt hat -, wären am Ende eine Gesamtspielzeit von vielleicht zehn Stunden herausgekommen.

Neben dem bereits aus den Vorgängern bekannten Sackboy treten in „Little Big Planet 3“ erstmals drei weitere Helden ins Rampenlicht, die allesamt eine Spezialfähigkeit im Gepäck haben, um das seit dem ersten Teil nur marginal weiterentwickelte Gameplay ein wenig aufzupeppen. So kann Hundeverschnitt Odd Sock spektakuläre Wall-Runs ausführen, an Wänden entlang laufen und sich von eben diesen nach oben abstoßen, um für die anderen Figuren normalerweise unerreichbare Stellen im Level zu erreichen. Fettsack Toggle verwandelt sich auf Tastendruck in eine kleine, immens viel leichtere Version seiner selbst, um auf diese Weise vorzugsweise zur Lösung eher simpler physikbasierter Rätsel beizutragen. Und zu guter Letzt wäre da noch Swoop zu nennen, eine Vogel-Sackfigur, die sich dank ihrer wollenen Flügel in luftige Höhen aufschwingen und auf Tastendruck in einen Kamikaze-Sturzflug übergehen kann, etwa um Hindernissen auszuweichen oder einen der seltenen Gegner auszuschalten. Klingt durchaus cool und auch sinnig, nach inzwischen zwei erfolgreichen Konsolen-Vorgängern langsam mal ein wenig am Gameplay zu schrauben und Abwechslung rein zu bringen. Allerdings kommen die Spezialfähigkeiten der drei neuen Helden lediglich in sehr wenigen Levels zum Einsatz – wer sich auf die Suche begibt, findet eventuell noch einen speziell auf jeden einzelnen Helden zugeschnittenen Masterlevel, der ihren Einsatz erfordert. Außerdem ein letztes Mal im Rahmen des finalen Bosskampfes, der ebenfalls nicht der Rede wert ist. Alles in allem fand ich die drei neuen Helden Odd Sock, Toggle und Swoop, so witzig sie auch sein mögen, aufgesetzt, wenngleich mir durchaus bewusst ist, dass viele Enthusiasten da draußen sicherlich absolut zockenswerte Abenteuer für sie aus dem Ärmel schütteln werden, was auch der Grund sein dürfte, weshalb sie überhaupt erst ins Spiel eingebaut wurden.

Auch Sackboy, der Veteran unter den vier Woll-Helden, selbst hat in „Little Big Planet 3“ ein paar neue Fähigkeiten verpasst bekommen: So kann er unter Zuhilfenahme einer Saugpistole schwere Gegenstände zu sich heranziehen, beziehungsweise eben diese von sich weg schubsen. Mit einem Hakenhelm kann der braune Held sich an Rohrleitungen entlang hangeln, und dank kleiner, bei Bedarf unter seinen Füßen angebrachter Schubdüsen sind Doppelsprünge möglich. Dumm nur: Jede der genannten Fähigkeiten kommt lediglich in einem oder zwei aufeinander folgenden Leveln zum Einsatz. Zudem ist ein hin und her Wechseln innerhalb eines Levels so gut wie nie vonnöten. Wie bereits eingangs geschrieben: Man hat wirklich das ungute Gefühl, lediglich ein über die Maßen aufgeblasenes Tutorial zu zocken, in dessen Rahmen jede Fähigkeit exakt einmal zum Einsatz kommt.

Wer Lust hat, bzw. genügend Motivation aufbringen kann, kann abseits des Haupt-Handlungsstrangs die ein oder andere optionale Nebenmission erledigen, was selbstverständlich ebenfalls mit zahlreichen freigeschalteten PopIt-Items goutiert wird. Gleich zu Beginn des Spiels will beispielsweise ein fahrbarer Untersatz konstruiert und anschließend ein Dragster-Rennen gewonnen werden. Bis man die nötigen Bauteile zusammengesammelt hat, um ein solches Gefährt überhaupt erst konstruieren zu können, vergeht allerdings erst einmal ein ganzes Weilchen. Kleiner Tipp: Ein alter muffiger Schlittschuh, zwei Tennisbälle sowie ein Luftballon plus auf Knopfdruck auslösbarer Druckluftpumpe geben einen ganz famosen Rennwagen ab – zumindest in der bekloppten Recycling-Welt von „Little Big Planet“!

Wurde das Hauptabenteuer abgeschlossen, was wie geschrieben bei den allermeisten Spielern nach spätestens sechs Stunden der Fall sein dürfte, und auch alle Popit-Herausforderungen erledigt, war es das eigentlich auch schon. Mit mehr von Haus aus mitgelieferten Inhalte kann Sonys Exklusivtitel „Little Big Planet 3“ nicht aufwarten. Dafür 60 Euro zu verlangen, empfinde ich persönlich als eine absolute Frechheit! Mir ist wie gesagt durchaus bewusst, dass die Reihe einen Großteil ihrer Faszination und immenser Popularität insbesondere aus der Möglichkeit bezieht, sich eigene Missionen, Level und ganze Abenteuer zu erstellen und diese dann mit anderen Spielern zu teilen, und selbst wiederum von der aktiven „LBP“-Community kreierte Inhalte zu zocken, das ganze dann unter Umständen noch zusammen mit der vom zugegebenermaßen recht knuffigen Sackboy total faszinierten Freundin. – Nichtsdestotrotz prangere ich an, dass sechzig Euro für ein paar nicht allzu spannende, als Story-Modus verpackte Tutorial-Missionen, knapp einhundert Popit-Herausforderungen und den grundlegenden Zugang zum Leveleditor von „Little Big Planet 3“, dessen eigentliche Baumaterialien ich mir jedoch auch erst mühselig zusammensammeln muss, recht happig, nein, äußerst unverschämt sind!
Inhalte wie zur Genüge vorhandenen Community-Abenteuer können, wie ich finde, nicht in die Bewertung mit einfließen, da sie schlicht und ergreifend nicht auf dem Mist des verantwortlichen Entwicklerstudios Sumo Digital gewachsen sind.

Naja, wie dem auch sei…

Die Steuerung von „Little Big Planet 3“ folgt dem gängigen Genre-Standards: Die Spielfigur wird per linkem Stick gesteuert, auf den rechten Tasten liegen grundlegende Funktionen wie Springen und Benutzen, per Druck auf die Quadrat-Taste des DualShock 4-Controllers (siehe meinen Produkttest) wird zudem das mehrfach erwähnte PopIt-Menü aufgerufen, über das beispielsweise die Optik von Sackboy und seinen neuen Freunden nach eigenem Gusto verändert oder in speziellen Arealen der mächtige Editor benutzt und so die Spielwelt gezielt manipuliert werden kann. Mit der Kreistaste kann darüber hinaus ein Auswahlmenü geöffnet werden, mit dessen Hilfe Sackboys aktive Spezialfähigkeit eingestellt werden kann – Schubdüsen, Hakenhelm, Objektsauger, Taschenlampe und so weiter und so fort.

Als großes Manko habe ich während des Tests die meiner Meinung nach verhältnismäßig schwammige Sprungsteuerung des Spiels empfunden. Nur selten hatte ich das Gefühl, meine Spielfigur wirklich unter Kontrolle zu haben und präzise Sprungpassagen meistern zu können ohne Gefahr zu laufen, im tiefen Abgrund zu landen und gezwungenermaßen zu einem der innerhalb der Levels größtenteils fair platzierten Speicherpunkte zurück teleportiert zu werden. Kein Vergleich zu dem in dieser Beziehung schon fast perfekten „Rayman Legends“ (siehe meine Review). Auch die hier und da nötigen Hangeleinlagen sind mir als äußerst friemelige Angelegenheit mit gesteigerter Tendenz zum vermeidbaren Fehlschlag in Erinnerung geblieben.

Aus technischen Gesichtspunkten betrachtet ist „Little Big Planet 3“ ein zweischneidiges Schwert: Während die Optik sich gewohnt charmant, knallbunt und an allen Ecken und Enden verschnörkelt und verspielt präsentiert, ist eben dieser Look nach all den Jahren, die das Franchise nun bereits auf dem Buckel hat, nichts wirklich Besonderes mehr. Cashcow-Fanservice á la „Mehr vom Selben“ trifft es ziemlich gut, wie ich finde. Lässt sich übrigens vom gesamten Spiel behaupten. Dafür läuft „LBP 3“ mit 60FPS vollkommen ruckelfrei und wird in inzwischen quasi vorausgesetzter 1080p-Auflösung, also in Full-HD-Qualität präsentiert. Extrem nervig sind die extrem langen Ladepausen des Spiel, mit denen man in schöner Regelmäßigkeit konfrontiert wird.

Ähnlich verhält es sich mit der Soundkulisse von „Little Big Planet 3“: Die fängt äußerst grandios an – die Rock’n’Roll-Tracks feat. Marlon Brandung sind der Hammer! – und lässt ziemlich schnell stark nach, bis letztlich nur noch uninspiriertes Gedudel übrig bleibt. Spätestens in der Lagune, dem vierten und letzten Story-Szenario, hat mich die Musikuntermalung jedenfalls nur noch gelangweilt.
Die deutschen Synchronsprecher machen alles in allem einen soliden Job, – dafür werden sie jedoch auch bezahlt. Natürlich stinkt die hiesige Besetzung enorm ab, wenn man sie mit dem britischen Originalcast vergleicht, welcher mit großen Namen wie Stephen Fry und Hugh Laurie auftrumpfen kann. Tendenziell also zur die englische Originalfassung umswitchen!

Pro
+ charmante Optik
+ teils tolle Musikuntermalung
+ theoretisch endloser Levelnachschub
Contra
– gefühlte Demoversion zum Vollpreis
– kurze, uninspirierte Handlung
– neue Helden & ihre Fähigkeiten wirken aufgesetzt
– schwammige Steuerung
– häufige & lange Ladepausen

Fazit
Als jemand, der zuvor noch kein Videospiel aus dem „LBP“-Franchise gezockt hatte, bin ich von „Little Big Planet 3“ sehr enttäuscht. Da ich nie vor hatte, mich stundenlang am mächtigen Editor auszutoben, habe ich wenigstens ein handwerklich gut gemachtes Solo-Abenteuer erwartet, das mich vor kniffelige Sprungpassagen und einige anspruchsvolle Rätsel-Herausforderungen stellt. Das ganze eingerahmt von atmosphärischer, gewohnt knuffiger Grafik und netten Klängen aus den Boxen. – Nichts davon wurde mir geboten! „Little Big Planet 3“ macht auf mich den Eindruck eines durch und durch seelenlosen Aufgusses; es wirkt wie ein 0815-Jump’n’Run, das einzig und allein aufgrund seiner starken Lizenz aus der grauen Masse heraussticht – wenngleich auch nur marginal. „Little Big Planet 3“ mutet an wie ein auf Kommerz getrimmter Stiefbruder der beiden Vorgänger, der einzig und allein aus dem Grund veröffentlicht wurde, um das nahende Weihnachtsgeschäft mitnehmen zu können.

„Little Big Planet 3“ ist in meinen Augen eine herbe Enttäuschung und reicht – wie ich mir habe sagen lassen – nicht mal ansatzweise an die beiden genialen Konsolen-Vorgänger heran.

— InaiMathi, am 2. Dezember 2014

Little Big Planet 3

Genre: Jump'n'Run
Release: 26. November 2014
Plattform: PlayStation 4
Spielzeit: 8 Stunden
Entwicklerstudio: Sumo Digital
Publisher: Sony Computer Entertainment Europe
Wertung
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