
Seit vergangenen Januar nenne ich einen schmucken Amazon Kindle mein Eigen. Lange hatte ich mich vor E-Books gedrückt, doch nachdem ich in letzter Zeit gemerkt hatte, dass immer mehr Leser auf einen E-Reader umsatteln, stand für mich fest, dass auch ich nicht mehr lange um einen solchen herumkommen würde.
Nun unterscheidet sich die Lektüre auf einem E-Reader, ganz egal auf welchem Modell schlussendlich gelesen wird, ob nun auf dem Klassiker schlechthin, dem Kindle eReader von Amazon, dem ebenfalls sehr populären Sony Reader oder aber weniger verbreiteten Modellen wie beispielsweise dem iRiver HD
, welcher unter anderem in den Filialen der Mayerschen Buchhandlung angeboten wird, sehr stark von der Lektüre eines “echten” Buches. Für mich, der sich nicht unbedingt als Vielleser bezeichnen würde, war die Umstellung keine große Sache. Wer jedoch tagtäglich mit Büchern zu tun hat und sich über Jahre an das haptische Leseerlebnis gewöhnt hat, für den kommt der Umstieg auf einen “kalten” E-Reader einer erheblichen Umstellung gleich.
Worin genau die Unterschiede liegen, worauf man bei der Anschaffung eines neuen E-Readers auf alle Fälle achten sollte und wie sich der kleine Amazon Kindle im knallharten Praxiseinsatz bewährt hat, darüber soll dieser Produkttest, mein erster wohlgemerkt, Auskunft geben!
Kindle E-Reader
WiFi, 15cm E-Ink-Display, 2GB Speicher
www.Amazon.de/kindle
Beschreibung
“Der Kindle E-Reader von Amazon ist ein tragbares, drahtloses Lesegerät, mit dem Sie ganz einfach Bücher, Zeitschriften und Zeitungen herunterladen und sofort lesen können.” - Quelle
Produkttest
Wer sich bei Amazon.de einen Kindle bestellt, erhält ein paar Tage später, in meinem Fall waren es lediglich derer drei, Post von Amazon. Wirft man einen Blick ins Päckchen hinein, wird man von seinem neuen, auf Hochglanz polierten Kindle E-Reader angestrahlt. Zusammen mit dem Kindle liegen noch ein USB Sync- & Ladekabel, sowie eine kurz und knapp formulierte Gebrauchsanweisung für die Erstinbetriebnahme mit im Paket. In meinem Fall war der Kindle – warum auch immer – nicht vollständig geladen, so dass ich ihn mittels des Kabels zu allererst einmal für ein paar Stunden an mein MacBook anschließen musste, um den Akku aufzuladen. Die beiden haben sich vom Fleck weg blendend verstanden, Probleme gab es keine. Nach gut drei Stunden war meine neuste Gadget-Errungenschaft dann endlich komplett geladen und ich konnte mich dransetzen, ihn anzuschalten und einzurichten. Ersteres geschieht ein wenig hakelig über einen ins Gehäuse eingelassenen Power-Button an der Unterseite des Kindles.
Die Hardware ist über jeden Zweifel erhaben und stellt für mich persönlich den Inbegriff eines E-Readers dar. Ich nenne den kleinsten Kindle mein Eigen, und dieser passt von seinen kompakten Dimensionen (166mm x 114mm x 8,7mm) her wunderbar in meine Hand, ist mit einem Gewicht von lediglich 170 Gramm nicht zu leicht und nicht zu schwer, und macht überhaupt einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck. Das ins Gehäuse eingelassene Display des Amazon Kindle misst eine Diagonale von 15cm (6 Zoll), verfügt über eine Auflösung durchaus beachtliche von 600 x 800 Pixel bei 167 dpi und setzt wie beispielsweise auch die Konkurrenz aus dem Hause Sony auf die ausgezeichnete E-Ink-Technologie, mit der 16 klar von einander differenzierte Graustufen visualisiert werden können. Besagte E-Ink-Technologie hat den Vorteil, dass sie Texte und Grafiken überaus lebensnah und für das menschliche Auge schonend gerendert werden. Allerdings, und das ist für mich persönlich ein ziemlicher Tiefschlag, verfügt das Display des Kindles nicht über eine Hintergrundbeleuchtung, was das Lesen im Schatten recht schwer und im Dunkeln vollkommen unmöglich macht. – Schade! Im Inneren des Gehäuse befindet sich eine Flash-HD mit einem Datenvolumen von 2GB, von denen maximal 1,25GB für Inhalte zur Verfügung stehen. Laut Amazon reicht dies für knapp 1400 E-Books, – jedenfalls wenn man vornehmlich auf das vom Kindle nativ unterstützte .AZW-Format setzt. E-Books, die hingegen als .PDF, .MOBI, etc. vorliegen, nehmen erfahrungsgemäß mehr Speicherplatz in Anspruch. Doch selbst wenn’s nur 1000 Bücher sein sollten, die auf dem kleinen Kindle Platz finden, empfinde ich persönlich die Zahl noch immer als utopisch hoch und somit als mehr als ausreichend! Der Akku des E-Readers verfügt nach Angaben von Amazon über eine beachtliche Laufzeit von rund einem Monat. Dies ist grundsätzlich zutreffend, allerdings hat sich eine durchweg aktive WLan-Verbindung wenig überraschend als echter Akku-Fresser herauskristallisiert. Macht aber nix, denn diese kann im Handumdrehen deaktiviert werden, und selbst wenn der Kindle zwischendrin mal schlapp machen sollte: Schon nach drei, vier Stunden am Netz ist er wieder voll geladen und für jede literarische Schandtat bereit. – In diesem Sinne…
Wird der Kindle zum ersten Mal gebootet, gelangt man nach dem Start nicht sofort ins Hauptmenü, sondern wird von so einer Art Tutorial-Bildschirm begrüßt. Dort wird einem leicht verständlich und auch für technisch eher unversierte Leute nachvollziehbar erläutert, wie man seinen Kindle in nur wenigen Schritten an seine individuellen Bedürfnisse anpasst, wie neue E-Books installiert werden und vieles mehr. Wer vor hat, künftig direkt über den Amazon Kindle Store neuen Lesestoff zu erstehen, muss seinen Kindle E-Reader einmalig mittels seiner bei Amazon.de hinterlegten E-Mail Adresse bei Amazon registrieren. Dies ist ohne viel Aufwand erledigt. Durch die Registrierung wird außerdem die Möglichkeit der Synchronisierung von neuen E-Books, gesetzten Lesezeichen und dem allgemeinen Lesefortschritt via Whisper-Sync freigeschaltet. Des weiteren wird man im Rahmen des Tutorials aufgefordert, seine WiFi-Verbindung zu konfigurieren. Dies ist ebenfalls recht zügig mit nur wenigen Handgriffen erledigt, kann aber auch übersprungen werden. Bereits hier fällt auf: die Navigation und insbesondere das Tippen und Schreiben über das Cursor-Pad des Kindle ist eine echte Qual! Jeder Buchstabe muss einzeln per Cursor ausgewählt und durch einen separaten Tastendruck bestätigt werden. Was bei der E-Mail-Adresse noch einigermaßen zügig von statten geht, kann bei der Eingabe von Netzwerkschlüssels und Passwort des WLan-Routers zu einer echten Nervenprobe ausarten. Vertippt man sich versehentlich, beginnt die ganze Aktion von vorn. Extrem nervig! Wer also vor hat, auf dem Ding ellenlange Romane zu schreiben, sollte besser zu einem Kindle mit Hardware-Tastatur greifen. – Ist all das erledigt, ist der Kindle E-Reader im Prinzip ready to read! Bei Bedarf kann man im Options-Menü noch ein wenig Feintuning betreiben – “muss man aber nicht” (O-Ton Brina) -, um etwa seiner neuesten Errungenschaft einen eigenen Namen zu geben, die Systemsprache auf seine Vorlieben anzupassen, oder den Kindle und die auf ihm installierten E-Books mittels eines Passworts vor unerlaubtem Zugriff durch neugierige Familienmitglieder zu schützen. Der Kindle lässt sich sogar mit den beiden Social Networks Twitter und Facebook verbinden, um seine Lesefortschritte, Anmerkungen, Notizen zu bestimmten Buchpassagen, etc. mit nur einem Klick mit Freunden und Followern zu teilen.
Wie schon das zuvor beschriebene Einrichten des Kindle, wird auch die Navigation durch das Kindle OS über die große, unter dem Display zentriert angebrachte Cursor-Taste abgewickelt. Links neben dem Cursor befindet sich zum einen die Zurück-Taste, mit deren Hilfe – man ahnt es – der zuvor getätigten Navigationsschritt rückgängig gemacht werden kann, und zum anderen eine Taste, mit der die virtuelle Tastatur des Kindles aufgerufen werden kann. Mit den beiden Knöpfen rechts neben dem Cursor werden das Menü “Einstellungen”, sowie das Hauptmenü angesteuert. In den Einstellungen kann nachträglich die WiFi-Verbindung konfiguriert und gegebenenfalls aktiviert, bzw. deaktiviert werden. Zudem ist es möglich, den Kindle-Shop direkt aus dem Reader heraus anzusteuern und eventuell mit dem ein oder anderen neuen E-Book wieder zu verlassen. Darüber hinaus ist es möglich, die Schriftgröße auf dem Display auf seine Vorlieben und Sehgewohnheiten anzupassen, und mit dem Menüpunkt “Gehe zu…” ein direkt bestimmtes Kapitel anzusteuern. Bei Bedarf kann auch ein neues Lesezeichen gesetzt, und ein Wörterbuch aufgerufen werden, was insbesondere bei ausländischer Lektüre zeitweise enorm hilfreich sein kann.
Das Hauptmenü ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt einer jeden Lesetour: Hier werden alle auf dem Kindle installierten E-Books aufgelistet. Um auch bei zig hundert installierten Schmöckern stets eine optimale Übersicht zu gewährleisten, können die E-Books nach bestimmten Kriterien sortiert werden, beispielsweise nach ihrem Genre, dem Autor oder dem publizierenden Verlag. Weiters ist es möglich, einzelne Bücher in Ordnern zusammenzufassen, um Reihen, Trilogien oder einfach nur alle Werke seines Lieblingsautoren besser im Blick zu haben. Unter dem Titel jedes einzelnen E-Books wird sein Umfang, die Seitenanzahl und der bereits erlesene Fortschritt visualisiert, rechts daneben wird der verantwortliche Autor gelistet. Ein Klick auf die Cursortaste schlägt das aktuell ausgewählte E-Book auf der zuletzt gelesenen Seite auf. Die Navigation durch die Menüstruktur des Kindles geht flüssig und unkompliziert von der Hand. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme, mich in den zig Menüs und Untermenüs zurecht zu finden. Das Interface wirkt schlicht und minimalistisch, verzichtet auf unnötige Spielereien und rückt stattdessen die unumstrittenen Stars eines jeden Kindles ins Rampenlicht: die E-Books.
Die Synchronisation der eigenen E-Book-Kollektion mit dem Kindle ist denkbar simpel: Entweder verbindet man den Reader unter Zuhilfenahme des mitgelieferten USB-Kabels mit seinem Computer und befüllt den Kindle per Drag and Drop mit neuen Inhalten, ganz so wie man es beispielsweise auch bei einer externen Festplatte tun würde. Oder man nutzt alternativ die Kindle Software von Amazon und synchronisiert neue E-Books via Whister-Sync mit dem E-Reader. Letzteres funktioniert allerdings nur mit bei Amazon gekauften Titeln, die im .AZW-Format vorliegen; .PDF und weitere Dateiformate werden von dem Programm hingegen nicht erkannt.
Lesen auf dem Kindle E-Reader ist ein Traum! Das großzügig bemessene Display und die verwandte E-Ink-Technologie ermöglichen ein Leseerlebnis, wie man es bis dato nur von physischen Büchern her kannte. Das, was dort auf dem Display zu sehen ist, mutet in der Tat wie eine echte Buchseite an! Selbst während einem mehrere Stunden langen Lesemarathon ermüden die Augen kaum – solange für ausreichend Licht gesorgt ist. Im direkten Vergleich zum doch arg augenstrapazierenden iPad oder anderen, von ihrer Machart her eher minderwertigen E-Readern ist der Kindle von Amazon eine wahre Wohltat. Ein – für einige Leute sicherlich sogar dicker – Minuspunkt ist hingegen die Darstellung der Buchcover: Diese werden wie der Text lediglich in diversen Graustufen gerendert und erstrecken sich nicht einmal mehr über die gesamte Diagonale des Displays, sondern nehmen nur einen kleinen Ausschnitt in Anspruch, was in meinen Augen zwar ärgerlich ist, aber letzten Endes ein Manko, mit dem ich persönlich ganz gut lesen leben kann. Wiederum ein Pluspunkt sind der bereits mehrfach thematisierte kompakte Formfaktor des Kindle und sein geringes Gewicht von lediglich 170 Gramm, was Hand und Arm kaum ermüden lässt, und ihn mit Leichtigkeit in so mancher Tasche verschwinden lässt. Hält man den Kindle in der Hand, liegt der Daumen, ganz egal, ob man nun rechts- oder doch virtuoser Linkshänder ist, ziemlich exakt auf der seitlich am Gehäuse befindlichen Umblätter-Taste; großartige Fingerakrobatik ist nicht nötig. Zurückgeblättert wird eine Etage höher mit dem Zeigefinger.
Wird der Kindle eine Zeit lang nicht genutzt, schaltet der Kindle in einen Energiesparmodus, in welchem das Display mit einem von vielen verschiedenen monochromen Motiven abgeblendet wird. Ein Druck auf den Power-Knopf haucht dem Kindle neues Leben ein.
Was ich, als alter Fan des in sich geschlossenen Apple-Ecosystems, am Kindle sehr schätze, ist die Tatsache, dass ich Hardware und Inhalte – wenn ich dies denn will – aus einer Hand angeboten bekomme, und darauf vertrauen kann, dass Amazon das Angebot nicht mangels Erfolg in ein paar Jahren wieder einstampft, sondern langfristig verfolgt. Ich liebe den Fakt, dass ich einfach den Kindle E-Book Store öffnen brauche und eine Auswahl von mehreren zehn- wenn nicht sogar hunderttausenden E-Books geboten bekomme, die ich mit nur einem einzigen Klick kaufen und im Anschluss via Whisper-Sync in Sekunden schnelle auf den Kindle, meinen Computer, mein iPhone oder jedes andere Gerät, auf dem die Kindle Software installiert ist, downloaden kann. Der Kindle mag zwar, im krassen Unterschied zu so manch anderem E-Reader, Amazons proprietäres .AZW-Format bevorzugen, doch auch andere Dateiformate wie zum Beispiel .PDF, .MOBI, .HTML, .TXT u.a. werden problemlos wiedergegeben. Wer seine E-Books nicht direkt bei Amazon kaufen oder sie sich schlicht und ergreifend in einem anderen Format zulegen möchte, kann dies ebenfalls tun. Zur Not lassen sie sich mit einem Tool wie u.a. dem kostenlosen E-Book-Manager “Calibre” für Windows, Mac OS X und Linux ohne großen Aufwand in ein Kindle-freundliches Format konvertieren.
Übrigens: Dem Hersteller Amazon vorzuwerfen, dass der Kindle nur das hauseigene eBook-Format unterstützt, das ebenfalls populäre ePub-Format jedoch außen vor lässt, finde ich gelinde gesagt etwas naiv. Nach dieser Logik müsste sich auch jeder Besitzer eines Diesels darüber aufregen, dass er kein normales Benzin tanken kann. Er dürfte vor dem kauf klar sein, worauf man sich einlässt, zumal es, wie bereits oben geschrieben, zig kostenlose Möglichkeiten gibt, sich mit diese Restriktion seitens Amazon zu arrangieren.
| Pro + Hardware & Inhalte aus einer Hand + augenschonendes E-Ink Display + kompakte Maße + nur 170g leicht + großzügige 2GB Speicher + lange Akkulaufzeit + riesiger E-Book Shop von Amazon + Whisper-Sync via WLan / USB |
Contra - ePub-Format wird nicht unterstützt - frickelige Menüführung via Cursor - Power Button schlecht platziert - Lesen im Dunkeln unmöglich |
Fazit
Für mich stellt der Amazon Kindle den Inbegriff eines modernen E-Readers dar. Er weiß durch seine qualitativ hochwertige Verarbeitung, sowie seine einfache Bedienung und diverse Komfortfunktionen zu überzeugen, und bietet dem geneigten Leser alles, was er zur entspannten Lektüre seines Lieblingsbuchs benötigt. Darüber hinaus ist der enorme Backkatalog sehr beeindruckend: der offizielle E-Book Shop auf Amazon.de bietet inzwischen mehrere zehntausend verschiedene deutschsprachige Bücher zum Download an; annährend jeder deutsche Verlag, der was auf sich hält, ist dort mit einem Großteil seiner Neuerscheinungen vertreten.
Wer sich auf das Amazon-Ecosystem einlässt und kein Problem mit der recht eingeschränkten Anzahl der kompatiblen E-Book-Formate hat, dürfte im Kindle E-Reader von Amazon sein Glück finden! – Ganz klare Kaufempfehlung!
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