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InaiMathi Blog

Formel 1: FIA beschließt bizarre Regeländerungen für die F1-Saison 2014

F1 - © www.Formula1.comDie Formel 1 ist tot. Nein, das schreibe ich nicht einfach so aus einer vor Provokanz triefenden Laune heraus, sondern aus tiefster Überzeugung. Die Formel 1, einst die Königsklasse des Motorsports, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und liegt bereits auf dem Sterbebett, ihre letzten leisen Atemzüge ein- und aushauchend. Nur: Die Herren der FIA und allen voran Bernie Ecclestone, der nach wie vor als Oberguru im Hintergrund die Strippen zieht, merken scheinbar nicht, wie schlecht es um die Formel 1 bestellt ist.

Seit Jahren sind die TV-Quoten weltweit im steilen Sinkflug. Hierzulande ist RTL im Free-TV mittlerweile meilenweit entfernt von den einstigen Top-Werten entfernt, die die F1-Rennen in ihrer Hochzeit, als ein gewisser Michael Schumacher im Ferrari einen Weltmeistertitel nach dem anderen einfuhr. Einzig Sky Deutschland frohlockt über eine stetig wachsende Fanbase, die sich die Grand Prix im Bezahlfernsehen anschaut. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich bei weitem nicht mehr so viele Menschen für die Formel 1 interessieren, wie noch vor ein paar Jahren. Woran liegt’s? Hört man sich um, liest in einschlägigen Foren und überfliegt die Kommentarspalten auf dem ein oder anderen Sportportal, so kommt man nicht umher zu bemerken, dass es vielen Fans, um nicht zu sagen der überwältigen Mehrheit der Formel-1-Fans schlicht an Spannung fehlt. Das einstige Spektakel Formel 1 ist keines mehr.

Ich für meinen Teil kann mich noch an die goldenen Zeiten meiner Jugend zurück erinnern, als ich sonntags vor dem TV saß, Formel 1 auf RTL eingeschaltet hatte und mich von Schumi und Konsorten unterhalten lies. Da wurde einem einiges geboten – und das, obwohl der Sieger in der Regel immer Schumacher oder eben dessen jeweils härtester Konkurrent war. Dennoch: Jedes Rennen war ein Event und trotz Dominanz von Schumi und Co. sehenswert. Überholmaneuver waren anders als heute keine Mangelwahre, es wurde hart gefightet und um die Positionen gekämpft. Rad an Rad, oft auch über dem Limit, aber meist fair und stets auf hohem Niveau. In den Monoposti saßen noch echte Kerle, die wussten, dass die ihr Sport kein Kindergeburtstag ist, die ihren Gegner, ihre Nemesis bis aufs Blut gehasst haben.

Heute dagegen gewinnt Sebastian Vettel jedes Rennen mit Leichtigkeit. Andere Teams wie Ferrari, Mercedes, Lotus oder McLaren, scheinen zumeist chancenlos gegen die Dominanz von Red Bull powered by Dietrich Mateschitz. Positionskämpfe werden hart geahndet. Kollisionen, die früher unter Rennunfall abgehakt wurden, werden heuer mit Durchfahrtsstrafen oder sogar einer Rückversetzung um so und so viele Startplätze beim nächsten Rennen bestraft. Der gesamte Sport wirkt von oben kontrolliert, überreglementiert und in ein so dermaßen enges Korsett gesteckt, dass es nicht mehr schön anzusehen ist. Der Formel 1, der einstigen Königsklasse des Motorsports, jenem Sport, den ich so viele Jahre innig geliebt und dementsprechend alle zwei Wochen ausgiebig zelebriert habe, ist ist ihr Spirit, ihre Seele verloren gegangen.

Es begann schon letztes Jahr, als ich bewusst einige Rennen nicht geschaut hatte. Ganz einfach, weil ich von vornherein wusste, wer gewinnt, wenn nicht etwas unvorhersehbares passieren würde. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es je dazu kommen würde! Dieses Jahr folgte dann die Eskalation: So war mir die Saison, obwohl das von mir bejubelte Mercedes AMG-Team in der ersten Hälfte gut mit der Spitze mithalten und sogar drei Rennsiege (Monaco, Großbritannien und Ungarn) einfahren konnte, sowas von egal. Ebenfalls, weil sich spätestensbeim Rennen im belgischen Spa Francorchamps herauskristallisiert hat, dass am Saisonende erneut der alte auch der neue Weltmeister sein würde.

Und was macht die FIA? Die setzen sich in großer Runde zusammen, um das Trauerspiel zu analysieren, ziehen ihre Schlüsse aus dem Debakel aka Saison 2013 und evaluieren Strategien, um der grassierenden Langeweile einen Riegel vorzuschieben. Und wie wollen sie das bitte anstellen, wird der geneigte Formel-1-Fan fragen, der seinen geliebten Sport noch nicht gänzlich abgeschrieben hat. – Nun, indem einige neue Regeln verabschiedet wurden. Einige lediglich oberflächlicher Natur, andere hingegen tiefgreifend – und bizarr anmutend.

So wird zum Beispiel für die Saison 2015 eine Budgetobergrenze angestrebt. Die Königsklasse wird dann also auch für Sparfüchse stemmbar sein – toll!

Bereits in der kommenden Saison 2014 wird es erstmals frei wählbare Startnummern geben. Zwar wird die Startnummer 1 auch weiterhin für den amtierenden Weltmeister reserviert bleiben, wenn dieser diese denn nutzen will, doch grundsätzlich soll jeder Fahrer die Startnummer, mit der er antreten will, selbst wählen können. Mit Ausnahme der negativ vorbelasteten 13 (Aberglaube und so…) stehen den 22 F1-Piloten alle Nummern von 1 bis 99 zur Verfügung. Sollten zwei Fahrer dieselbe Nummer favorisieren, entscheidet die bessere Platzierung in der Vorsaison darüber, wer Fahrer den Vorzug bekommt. Das System ist ganz offensichtlich von dem aus der US-Nascar-Serie oder der MotoGP inspiriert. Auch dort behalten die Fahrer ihre Startnummer in der Regel bei. Einige Nummer haben sich dort sogar zu regelrechten Marken entwickelt, die bei den Fans mit einem bestimmten Fahrer assoziiert werden. – Grundsätzlich eine gute Änderung, wie ich finde.

Doch nun zur bis dato wohl bizarrsten Regeländerung für die kommende Saison 2014: Nach dem Willen der FIA soll das Saisonfinale in Abu Dhabi mit den doppelten Punkten gewertet werden. Heißt: Der Sieger bekommt nicht wie üblich 25 Punkte gutgeschrieben, sondern stolze 50. Heißt im Umkehrschluss: Wer beim letzten Rennen mit stolzen 47 Punkten vor seinem härtesten Konkurrenten liegt, dann jedoch ausfällt, während dieser den Sieg einfährt, hat den Titel auf den letzten Metern noch verloren. Anscheinend rechnet die FIA auch in der kommenden Jahren mit einer Dominanz eines bestimmten Teams, der man zumindest ein wenig vorbeugen will, indem man Alonso/Ferrari, bzw. dem härtesten Verfolger bis zuletzt die Chance offen hält, sich doch noch irgendwie den Titel schnappen zu können. – Ganz ehrlich: Wie bescheuert ist das denn bitte? Wenn es ein Team in den ersten 18 Rennen nicht geschissen bekommen hat, dem Weltmeister, bzw. dem führenden Fahrer/Team ordentlich Parolie zu bieten, wieso sollte es dann belohnt werden, weil es im letzten Rennen einen großen Rückstand doch noch aufholen kann, weil es – warum auch immer – wahllos einfach mal mit doppelten WM-Zählern gewertet wird?! Das grenzt in meinen Augen schon fast an Wettbewerbsverzerrung!

Verehrte Herren in den Gremien der FIA, welche Praktikantin hat euch denn bitte das letzte verbliebene Hirn rausgevögelt, dass ihr auf eine solche unfassbare abstruse Idee kommt – und diese auch noch beschließt und als verbindlich ins Regelwerk schreibt?!

Mein Gott, mir fallen spontan zig geeignetere Ideen an, wie man ein Rennwochenende aufwerten, bzw. den kompletten Saisonverlauf spannender gestalten könnte. Beispielsweise indem man endlich, endlich, endlich mal Punkte für die Startaufstellung vergibt: 10 Punkte an den Pole-Sitter, acht für den Zweitplatzierten und so weiter. Oder wie wäre es, wenn endlich mal Bonus-Punkte für die Schnellste Runde eines Rennens vergeben werden würden, schließlich bekommt diese im Rahmen der TV-Übertragungen einige Aufmerksamkeit eingeräumt? Ich bin mir sicher, wenn es für die schnellste Rennrunde ein paar Zähler (z.B. 3 Punkte) extra geben würde, wäre dies für einige Fahrer (gerade für solche aus kleineren Teams) Ansporn, obwohl ein Rennsieg unmöglich erscheint, alles zu geben, um so wenigstens diese paar Zähler mitzunehmen und so im WM-Klassement weiter nach vorne zu rutschen. Auch nett wären Extra-Punkte für den schnellsten Boxenstopp des Rennens, welche sowohl dem Team auf die Konstrukteurs-WM als auch dem jeweiligen Fahrer auf sein Konto angerechnet werden würden. Eine solche Maßnahme würde sicherlich ebenfalls den Team-Spirit fördern und den Konkurrenzkampf unter den Teams noch einmal zusätzlich schüren.

Stattdessen gibt’s in der kommenden Saison im letzten Rennen einfach mal plump die doppelten WM-Punkte, um – wie man nicht müde wird zu betonen – im Sinne der Fans Spannung zu generieren. Tja, das nennt man dann wohl die Holzhammer-Methode, unterstützt von der Populismus-Keule. – Erbärmlich!

Update, 13. Dezember 2013
Die Herren der FIA haben sich weiter Gedanken gemacht und weitere Regeländerungen für die F1-Saison 2014 rausgehauen. Eine bekloppter als die andere. – Gute Nacht, Formel 1!

— InaiMathi, am 9. Dezember 2013
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