Es ist vollbracht: Harald Schmidt, Deutschlands unangefochtener König der Latenight, ist zurück in Sat.1. Vor wenigen Minuten ging die erste “neue” Harald Schmidt Show zuende und ich möchte an dieser Stelle einfach mal kurz ein paar Gedanken zu Schmidt, seiner neuen alten Show und dem, was mir heute Abend gefallen, bzw. weniger gefallen hat, loswerden.

Fangen wir mit dem an, was meiner Meinung nach ziemlich gelungen war: Zu allererst wäre da der neue Vorspann der Show zu nennen. Der wirkt von seiner Anmutung her absolut hochwertig, kommt angenehm amerikanisch rüber und erinnert Dank einer von Bandleader Helmut Zerlett komponierten neuen Variante der Originalmusik aus den späten Sat.1-Jahren an die “gute alte Zeit”, die wir Fans uns während Schmidts Kreativpause bei der ARD doch so zurückgewünscht hatten. Dann wäre da das Bühnenbild im Studio 449 in Köln-Mülheim: Die viel zu helle Farbgebund der ARD-Kulissen, mit der ich mich irgendwie nie so recht anfreunden konnte, hat zum Glück ausgedient! In Sat.1 hält Schmidt seine Monologie wieder vor der Kölner Skyline mit – natürlich – dem Kölner Dom, Hochhäusern und der Hohenzollernbrücke, sowie markant-düsterer Backsteinwand. Überhaupt wirkt das gesamte Studio wie eine dezent modernisierte und an die heutige Zeit angepasste Version des Originals. Vom Aufbau her hat sich ebenfalls nicht viel getan: Links stehen nach wie vor Zerlett und seine Band, rechts ist der Schreibtisch, welcher im Übrigen ebenfalls an das Model aus Schmidts alter Sat.1-Show erinnert (es fehlen lediglich das nicht angeschlossene “Muss-ich-ne-0-vorwählen”-Telefon, der Beistelltisch auf dem Schmidts kultige Schildpattbrille liegt und der Aufsteller mit den Lieblingen des Monats) und in der Mitte ist Platz für die obligatorischen Monologe und diverse Studioaktionen, von denen wir in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren hoffentlich wieder reichlich zu sehen bekommen werden.
Ein Wermutstropfen: Nicht mehr mit von der Partie sind Manuel Andrack, seines Zeichens ehemaliger Redaktionsleiter der Show und Schmidts langjähriger Sidekick, Madame Natalie, die Stimme der Show, und Suzana. Und ja: Alle drei werden schmerzlich vermisst!
Zum grundlegenden Ablauf: Bestand Schmidts Sendung in der ARD zuletzt vor allem aus diversen Einspielern und mehr oder weniger lustigen Ensemble-Aktionen im Studio, nähert sich der Altmeister in Sat.1 wieder dem klassischen Latenight-Format an, wie man es beispielsweise von populären US-Talkern wie David Letterman und Conan O’Brien kennt. Heißt konkret: Die neue Harald Schmidt Show begann mit einem (wenn man ein Auge zudrückt) tagesaktuellen Monolog (Themen: Jauchs revolutionärer Polittalk in der ARD, Anne Will, Danksagung an die Fans), anschließend folgte die Schreibtisch-Phase, danach kam der Talkgast (Hape Kerkeling) und abgeschlossen wurde die Show durch einen Musikakt (Guano Apes). Zwischendrin gab Schmidt zweimal in die Werbung ab, jeweils nach dem Monolog sowie nach dem Talk.
Letzteren bestritt Schmidt bei seiner Premiere in Sat.1 mit Hape Kerkeling, der ja, wie man allgemein bekannt sein dürfte, ein wirklich sehr, sehr dankbarer, unkomplizierter Gast ist, was aus dem Talk eine angenehm kurzweiligen Angelegenheit machte. Was auffiel: Das Gespräch nam für Schmidt’sche Verhältnisse relativ viel Zeit in Anspruch: Gut zwanzig Minuten vor Ende der Show wurde Kerkeling bereits auf die Bühne gerufen, was auch nicht verkehrt war, denn bis dahin fehlte es der Show so ein bisschen an echten Highlights.
Launig war zweifelsohne das Gespräch mit Überraschungsgast Olli Dietrich, mit dem Schmidt sich über Rudi Carrells “Gemüsebrühenautomaten” unterhielt, einen Haufen alter Kalauer abfeuerte und massig Scherze auf seine Kosten und die seines Arbeitgebers Sat.1 machte. Doch das war es dann eigentlich auch schon. Ansonsten merkte man leider erschreckend, wie sehr Schmidt seit Andracks Abgang jemand fehlt, mit dem er sich auf “vertrauter Ebene” den Ball hin und her werfen, mal spontan sein kann. Mit anderen Worten: Schmidt braucht einfach wieder einen ordentlichen Sidekick! Besonders krass fiel mir dies während der gerade erwähnten Aktion mit Olli Dietrich auf: Das Gespräch verlief angenehm locker-flockig kurzweilig, hatte Stil, Klasse und machte aus Zuschauersicht einfach Spaß. Doch kaum war der Kollege wieder weg, verfiel Schmidt plötzlich in den ätzenden Duktus eines dienstalten Tagesschausprechers: schwer, träge… – es zog sich, Längen wurden überdeutlich, das Timing stimmte nicht mehr, Witze zündeten nicht, der Schmidt-typische Biss ging verloren.
Nochmal: Ich bin heilfroh, dass Schmidt zurück ist in Sat.1 und seine Harald Schmidt Show nach altem Schema wieder aufleben lässt! Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass es erst einmal ein wenig Anlaufzeit braucht, um irgendwann vielleicht wieder jenes Niveau zu erreichen, das man als Fan in den Jahren 2001 – 2003 so liebgewonnen hat. Dass das jemals gelingen wird, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln, was nicht unmaßgeblich am Fehlen Andracks liegt (und einen neuen Sidekick aufzubauen – sollte es denn noch mal einen geben – dauert leider seine Zeit, und überhaupt: wer sollte es denn machen?), aber man wird ja wohl noch hoffen dürfen. Und so darf die erste Ausgabe der neuen Harald Schmidt Show trotz einiger Längen und ein paar eher mittelprächtiger Gags (wer schreibt die eigentlich mittlerweile?) als durchaus gelungen bezeichnet werden. Auch wenn es noch deutlich Luft nach oben gibt…
Bin gespannt auf die zweite Harald Schmidt Show morgen Abend! :)
P.S: Wer die Show vorhin verpasst hat, kann sie innerhalb von sieben Tagen nach Ausstrahlung auf www.Schmidt.de on demand “nachschauen”…



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