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InaiMathi Blog

Chernobyl Diaries

Chernobyl Diaries - © Warner Bros.

Als ich dem gelangweilt dreinschauenden Schaltermenschen die ziemlich wucheresquen 22,50 Euro (!) für die zwei Kinokarten für „Chernobyl Diaries“ in die Hand drückte, konnte ich den Beginn des Films gar nicht mehr erwarten. Meine Vorfreude war nicht grundlos, immerhin steht hinter dem im vergangenen Juni in den hiesigen Kinos angelaufenen Horrorfilm niemand geringeres als Oren Peli, seines Zeichens der Schöpfer und kreative Kopf hinter der von Kritikern hoch gelobten und auch was das internationale Box Office-Ergebnis betrifft unfassbar erfolgreichen „Paranormal Activity“-Reihe (siehe meine Rezensionen), die ich persönlich für eines der besten, weil durch und durch authentisch und gewissermaßen bodenständig inszeniertes Horror-Franchises der letzten ein, zwei Jahrzehnte halte. Die drei bisher erschienenen Filme erbringen auf beeindruckende Manier den Beweis, dass es keines gigantischen Budgets bedarf, um handwerklich gut gemachten Horror zu inszenieren und Spukfans rund um den Globus das Fürchten zu lehren.

Mit seinem aktuellen filmerischen Ausflug in die kontaminierte Ukraine, welcher erneut bewusst mit einem eher überschaubar gehaltenen Budget realisiert wurde, wollte Peli ganz offensichtlich mal etwas anderes ausprobieren. Weg von den übersinnlichen, ja paranormalen Phänomenen, den heimsuchenden Geistern und bissigen Dämonen, hin zu derbst verseuchten Mutantenwesen und zähnefletschenden Bachforellen in der hochgradig strahlenverseuchte Gegend in und um Prypyat. Dort ereignete sich, die älteren meiner Leser werden’s sicherlich noch vor Augen haben, als wäre es gestern gewesen, am 26. April 1986 das katastrophale Reaktorunglück im Block 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl ereignet hat, dessen verheerende Auswirkungen auf Land und Leute, sowie die lokale Flora und Fauna noch heute, über ein Vierteljahrhundert später zu spüren sind. – Klingt doch eigentlich nach einem ziemlich spannenden Location für einen Horrorstreifen mit einem leicht durchschimmernden Science Fiction- und/oder Fantasy-Einschlag, oder?

Ohne an dieser Stelle zu viel vorweg nehmen zu wollen: Oren Peli und sein Team hatten bei der Umsetzung für die große Leinwand kein glückliches Händchen! – Wieso, weshalb und vor allem warum das – zumindest meiner bescheidenen Meinung nach – so ist, klärt meine Filmkritik zu „Chernobyl Diaries“

Chernobyl Diaries
mit Jesse McKartneyIngrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko, u.a.
Horror, USA, 2012
Alcon Entertainment / Warner Bros.
ChernobylDiaries.WarnerBros.com

Filmtrailer

Inhalt
„Osteuropa, Gegenwart: Sechs Urlauber zwischen 20 und 30 buchen eine ‚Extremtour‘ in die verlassene Stadt Pripyat in der Ukraine. Trotz der Warnungen, die das Betreten des Ortes untersagen, führt der mit einem Geigerzähler bewaffnete Reiseleiter die Gruppe in das Sperrgebiet. Als die Nacht anbricht, wird deutlich, dass die Touristen nicht allein sind…“ – Quelle

Kritik
Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen: Die „Chernobyl Diaries“ haben mit drei ganz gewaltigen Problemen zu kämpfen, die den Film in seiner Gesamtheit allesamt so dermaßen runterziehen, dass es nicht mehr feierlich ist. Zum einen wäre da das grundsätzlich zwar unheimlich spannende, für einen SciFi-Horror-Streifen gerade zu prädestinierte Setting um die noch heute hochgradig atomar verstrahlte Gegend in und um die verlassene Geisterstadt Prypyat und den namensgebenden Atomreaktor von Tschernobyl. Da fallen mir jetzt auf die Schnelle zig verschiedene Stories sein, die ich in der Location umsetzen würde. Doch Oren Peli und seine Crew vom verantwortlichen Produktionsstudio Alcon Entertainment kamen mit einem so dermaßen langweiligen, trivialen und gradlinigen Skript um die Ecke, dass selbst dieses „wohlwollende“ Szenario nicht mehr ausreicht, dem Film handlungstechnisch irgendetwas gutes abgewinnen zu können.
Im Prinzip lässt sich die gesamte Handlung des Films wie folgt zusammenfassen: Sechs US-Touristen auf ihrem Euro-Trip lassen sich auf eine haarsträubend anmutende Erlebnistour in die kontaminierte Todeszone rund um Tschernobyl ein. Entgegen der ursprünglichen Planung ihres zwielichtigen Reiseführers kommen sie von dort nicht mehr weg. Sie geraten – natürlich – in Panik, verschanzen sich in ihrem liegengebliebenen Transporter, um auf Hilfe zu warten und als wäre das allein nicht schon genug, haben es nachts auch noch hochgradig verstrahlte Mutantenwesen und durch die Zone streunende Hunde auf die abgesehen. Ihr anschließender Irrlauf durch die Wildnis rund um den unter seinem Betonsarkophag vor sich hin strahlenden Reaktor endet schließlich in einem so unrealistischen Showdown, der… – nun ja, der diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient hat und ein bisschen gewollt und an den Haaren herbeigezogen anmutet.

Ok, die Story ist den Machern also recht dünn geraten. Doch das wäre ja noch nicht einmal so tragisch, wenn denn wenigstens die Präsentation der Geschehnisse stimmen würde. So hätte ich den Streifen ohne größere Gewissensbisse unter ‚Trash‘ abheften können und gut wär’s gewesen. Doch auch hier haben sich handwerkliche Fehler en masse eingeschlichen: Die für die Aufnahmen eingesetzte Wackelkamera lässt zwar ein paar wenige wirklich sehenswerte Einstellungen zu, bei denen man gar nicht auf die Idee käme, anzunehmen, dass der gesamte Film überhaupt nicht in der Gegend um das verlassene Prypyat in der Ukraine abgedreht wurde, sondern gänzlich im deutlich weniger kontaminierten Ungarn sowie in der benachbarten Slowakei.
Doch leider unterstützt die gewählte Kameraperspektive nicht sonderlich das „Mittendrin statt nur dabei“-Gefühl, welches dem Film so unglaublich gut getan hätte und beispielsweise beim von mir hoch verehrten B-Movie „The Blair Witch Projekt“ so grandios rüberkam. Auch fällt äußerst unangenehm auf, dass man nach der ersten noch halbwegs ordentlich aufgezogenen Hälfte des Films nicht mehr allzu viel mehr zu sehen bekommt als ziemlich düstere Dunkelheit, durch welche die Protagonisten auf ihrer Suche nach einem Ausweg aus der Todeszone irren. Das mag sich zwar auf den ersten Blick recht spannend klingen und reichlich potenzielle Schockmomente versprechen, – doch will man im eh schon stockdunklen Kino wirklich nur Einstellungen sehen, die in absoluter Dunkelheit gedreht wurden und nur alle paar Umschnitte mal von ein, zwei Lichtstrahlen oder einer Taschenlampe aufgehellt werden? Was ich ebenfalls nicht ganz nachvollziehen kann: Wieso wurde während des gesamten Films lediglich in zwei Situationen kurz auf den Umstand hingewiesen, dass sich die Gruppe in einem hochgradig verseuchten Gefahrenareal aufhalten, wo allein die mehrstündige ungeschützte Anwesenheit zu irreparablen Gesundheitsschäden führen kann? Exakt ein einziges Mal war so etwas wie ein knacksender Geigerzähler im Bild, anschließend wird man nur noch einmal kurz gegen Ende auf die die Protagonisten umgebende atomare Strahlung aufmerksam gemacht – das war’s. Der Atmosphäre des Films hätte dieser immer währende, unsichtbare Gefahrenherd so unfassbar gut getan!
Ebenfalls ein echter Genickbruch für einen jeden Horrorfilm: Schockeffekte, die den Zuschauer am A**** vorbei gehen, weil sie ihn einfach nicht, nun ja, schocken. Ich weiß nicht, woran genau es gelegen hat, dass mich während des gesamten FIlms einfach nichts wirklich „gekriegt“ hat. Nichts, absolut gar nichts! Lag es vielleicht an der ziemlich seichten Musikuntermalung, die selbst in kritischen Szenen, also solchen, die den Zuschauer ganz offensichtlich so etwas wie schocken sollten, nie merklich anzog oder sowas wie aufkeimende Anspannung zu suggerieren versuchte? Oder eventuell am durch die Bank komplett unsympathischen Cast, für den ich keinerlei Mitleid empfand, weshalb es mir schlicht strunzpiepegal war, was mit den einzelnen Mitgliedern dieses ganz speziellen Erlebnistrips passiert? Oder etwa doch an der offensichtlichsten Tatsache, dass man – wie bereits erwähnt – in der zweiten Filmhälfte oft absolut nichts gesehen hat, was eventuell bedrohlich hätte wirken können?

An dieser Stelle noch ein paar Worte zum Cast: Ich weiß nicht wann mir zuletzt eine so über die Maßen unsympathische Darstellerriege wie die von „Chernobyl Diaries“ vorgesetzt wurde?! Sicherlich verfolgte man seitens der Produktion die Absicht, wie schon in „Paranormal Activity“ auf eher unverbrauchte Schauspieler zu setzen, die ihr Gesicht bis dato noch nicht vor jede sich anbietende / anbiedernde Kamera gehalten haben: Jesse McKartneyIngrid Bolsø BerdalDevin KelleyNathan PhillipsJonathan Sadowski und zu guter Letzt Dimitri Diatchenko – für mich sind das, mit Ausnahmen von McKartney, alles keine sonderlich großen Namen, die man als Cineast oder Serienjunkie zwingend kennen muss. Insofern: Mission accomplished –  aber mussten es denn unbedingt solche Unsympathen sein? – Auch hier: Massig verschenktes Potenzial!

Fazit
Oren Pelis „Chernobyl Diaries“ sind – und es tut mir wirklich leid, das sagen zu müssen – ein kompletter Schuss in den Ofen. Die Storyline ist dünn und wenig mitreißend, der besetzte Cast agiert durch die Bank eher blass, die wenigen Schockeffekte, die es hier und da in den Film geschafft haben, reißen niemanden ernsthaft vom Hocker und auch was die Präsentation des Films anbelangt, sieht man über weite Strecken im wahrsten Sinne des Wortes schwarz. Im Endeffekt ist die neueste Low-Budget-Produktion des „Paranormal Activity“-Schöpfers ein unterirdischer unterdurchschnittlicher, recht billig anmutender Horrorfilm im leider immer noch präsenten Tschernobyl-Setting, den die Welt nicht braucht. – Vielleicht irgendwann mal für 3,99 Euro vom Grabbeltisch mitnehmen.

— InaiMathi, am 5. Juli 2012

Chernobyl Diaries

Genre: Horror
Release: 2012
Laufzeit: 86 Minuten
Studio: Alcon Entertainment
Publisher: Warner Bros.
Wertung
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