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InaiMathi Blog

Alan Wake

Alan Wake - © Microsoft Game Studios


Die Geschichte von „Alan Wake“ ist eine lange und wendungsreiche: Erstmals angekündigt wurde der „psychological Action-Thriller“, wie der Titel von Publisher Microsoft Game Studios vermarktet wurde, im Jahre 2002, damals noch für allererste Xbox und den PC. Dann wurde es lange Zeit recht still: die Jahre zogen ins Land, von „Alan Wake“ keine Spur. Irgendwann tauchte das finnische Entwicklerstudio Remedy Entertainment, auf dessen Konto unter anderem das vielfach prämierte „Max Payne“-Franchise geht, wieder aus der Versenkung auf, und ließ eine für viele Fans sicherlich schmerzhafte Bombe platzen: „Alan Wake“ werde als einer der Launch-Titel exklusiv für Xbox 360 erscheinen, die Arbeiten an der parallel entwickelten PC-Version seien bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Haha, Launch-Titel… der war gut (nicht): Als „Alan Wake“ Anfang 2010, also mt gut vierjähriger Verspätung, dann endlich veröffentlicht wurde, habe ich es innerhalb von nur ein, zwei Tagen wie im Rausch durchgespielt, und es bis heute als eines jener Videospiele in Erinnerung behalten, die ihr Genre in vielerlei Hinsicht revolutioniert haben. Der Titel mag, zumindest was die Verkaufszahlen betrifft, zwar nicht der absolute Blockbuster gewesen sein, für mich gehört „Alan Wake“ dennoch zu den absoluten Schätzen meiner Sammlung und ganz ohne Zweifel zu den besten Spielen, die bis dato für die Xbox 360 erschienen sind!

Im Februar 2012, gut zwei Jahre nach dem Release der Konsolen-Fassung, erscheint nun endlich auch die von zahlreichen Fans sehnsüchtig erwartete PC-Umsetzung von „Alan Wake“, und mit „Alan Wake: American Nightmare“ (exklusiv auf Xbox LIVE Arcade) nur wenig später der inoffizielle Nachfolger. Dies nehme ich zum Anlass, dem ersten Teil eine ausführliche Spielekritik zu widmen…

Alan Wake
Action-Adventure, 2010
Remedy Entertainment / Microsoft Game Studios
www.AlanWake.com

Trailer

Beschreibung
„Als die Frau des Bestsellerautors Alan Wake im Urlaub verschwindet, stößt er bei seiner Suche auf Seiten aus einem Thriller, den er geschrieben haben muss, obwohl er sich nicht daran erinnert. Das Dunkel sucht die Kleinstadt Bright Falls heim und treibt Wake an den Rand des Wahnsinns, während er versucht, das Geheimnis zu lösen und seine Frau zu retten.“ – Quelle

Kritik
Schaut man sich das Portfolio von Remedy Entertainment, dem Entwicklerstudio hinter „Alan Wake“ an, so fällt auf: in den bisherigen spielerischen Erzeugnissen der Finnen, „Max Payne“ und dessen direkter Nachfolger „Max Payne 2 – The Fall of Max Payne“, wurde vor allem eins: extrem viel geballert und in die Luft gejagt. Und das nicht zu knapp! Dies ist zwar auch in „Alan Wake“ über weite Strecken der Fall, schließlich handelt es sich bei dem Titel immer noch um einen lupenreinen 3rd-Person-Shooter mit hier und da eingestreuten Adventure-Elementen – und doch ist das Spiel anders. Es wurde seinerzeit groß als „psychologischer Action-Thriller“ angepriesen, und was auf den ersten Blick wie hohles Geschwätz direkt aus der Microsoft’schen Marketingabteilung klingt, ist gar nicht so weit hergeholt, denn ein großer Teil des Gameplays spielt sich, genau wie bei einem richtig guten, da atmosphärisch dichten Horror-Movie, im Kopf ab! Überhaupt sollte man „Alan Wake“ nicht einfach als irgendein „dummes“ Videospiel abtun, denn den Machern ist etwas gelungen, was sonst nur sehr wenige Spiele von sich behaupten können: es erzählt neben aller Action eine richtig gute Geschichte – und das sehr, sehr grandios und mitreißend!

Das liegt zum einen an der Art und Weise, wie die Geschichte um den namensgebenden Schreiberling präsentiert wird: „Alan Wake“ ist wie eine klassische TV-Serie aufgebaut, sprich: in mehrere Kapitel, beziehungsweise Episoden unterteilt, von denen jede die Handlung ein Stückchen weiterspinnt, neue Charaktere einführt, und auch mal mit einem spannenden Cliffhanger endet. Zu Beginn einer jeden Folge wird der Spieler mit einer Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse begrüßt, zum Schluß gibt’s einen Abspann samt thematisch passendem, von Folge zu Folge wechselndem musikalischen Outro, und ab und an sogar einen Ausblick auf all das, was da noch so kommen möge.

Und überhaupt: die ganze Inszenierung ist den Entwicklern von Remedy außerordentlich superb gelungen: die in Spielgrafik gehaltenen Zwischensequenzen wurden hollywoodreif in Szene gesetzt. Die Charaktere im Spiel, von denen es zwar nicht allzu viele gibt, doch jene, die einem im Verlauf der gut 10-stündigen, vor unvorhersehbaren Wendungen nur so strotzenden Geschichte über den Weg laufen, weisen alle ihre eigenen kleinen und großen Eigenarten und Macken auf. Einige sind einem auf Anhieb sympathisch, andere hingegen haben etwas mysteriöses und geheimnisvolles an sich, und wieder andere wecken sofortige Antipathie. Der großartigste Charakter von allen ist natürlich Alan Wake himself: mit jeder neuen Episode bekommt der Spieler am Gamepad immer tieferen Einblick in Wakes maltretiertes, teils tiefschwarzes Seelenleben geboten, erfährt weitere oftmals verstörende Details über seinen Background, seine Gefühle und Ängste. Das macht ihn menschlich, greifbar und lässt mit der Zeit eine persönliche Identifikation mit ihm zu! Er ist einem nicht egal, man leidet mit ihm mit, und ja, er wächst einem sogar ein wenig ans Herz – genau wie so mancher Darsteller in der präferierten Lieblingsserie!

Innerhalb einer Episode wird das Gameplay regelmäßig von längeren Skript-Sequenzen unterbrochen, mit deren Hilfe der rote Handlungsfaden weitergesponnen wird. Unterwegs gibt es zudem mal mehr, mal weniger offensichtlich drapierte gut versteckten Buchseiten zu entdecken, die Wake während seiner Wanderung durch die unwirtlichen Waldgebiete rund um Bright Falls aufsammeln kann. Auch finden sich hier und da alte Fernseher und Radios, die vom Protagonisten eingeschaltet werden können, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, welch‘ mysteriöse Dinge in der Gegend um das kleine verträumte Bergkaff noch so geschehen. Cool: im TV laufen ständig neue Folgen einer Mysteryserie, die frappierend an den Klassiker „Twilight Zone“ erinnert, im Radio eine „echte“ Call-In-Sendung, der man schon mal gut und gern mehrere Minuten lauschen kann, ehe sich das Empfangsgerät den Geist aufgibt. Die Macher schreiben dem Spieler allerdings zu keiner Zeit zwingend vor, die Augen nach diesen mal mehr, mal weniger gut versteckten Story-Fetzen offenhalten zu müssen, vielmehr steht es ihm frei, dies zu tun oder eben bleiben zu lassen. Macht er sich dennoch auf die Suche, wird er mit einer sehr dichten Geschichte belohnt, die was das Storytelling angeht – ohne übertreiben zu wollen – Massstäbe im Genre setzt, und einen so schnell nicht wieder loslässt – auch nachdem die Konsole schon längst ausgeschaltet wurde!

„If our lives are already written, it would take a courageous man to change the script.“ – Alan Wake

Eines der wenigen Mankos, mit denen man sich in „Alan Wake“ herumschlagen muss, sind die relativ variationsarmen, fast ausschließlich menschlichen Gegner, die dem Protagonisten immer mal wieder über den Weg laufen und kurz drauf auch ans Leder wollen. Im Prinzip gibt es lediglich fünf unterschiedliche Gegnertypen. Die meisten von ihnen erfordern keine besondere Taktik, um sie nach kurzem „Gerangel“ staubigen Staub fressen zu lassen: Taschenlampe anschalten, den Gegner so lange anstrahlen, bis sich die mysteriöse Dunkelheit um ihn verzogen hat, und ihn anschließend unter Zuhilfenahme einer der vier verschiedenen Waffen (Revolver, Shotgun, Pumpgun, Jagdgewehr) mit Blei vollpumpen, nachladen – fertig! Lediglich Angriffe der lokalen Fauna und jenes Gesindel, das mit einer Kettensäge oder ähnlichen Waffe im Gepäck unterwegs ist, machen es dem einem etwas schwerer. Die finsteren Gestalten tauchen bevorzugt im Rudel auf und verfügen durchaus über so etwas wie künstliche Intelligenz: mal schleichen sie sich feige hinterrücks an, mal umzingeln sie Wake geschickt von allen Seiten, mal ziehen sie sich taktisch zurück, um sich anschließend wieder zu sammeln und einen verzweifelten finalen Angriff zu starten, um dem gefallenen Autoren ein für alle Mal das Lebenslicht auszuknipsen. Alles in allem kann man sagen, dass die Kämpfe in „Alan Wake“ zwar nicht sonderlich schwierig, geschweige denn anspruchsvoll sind, aber durchaus Spaß machen. Allerdings stellt sich nach einer Zeit eine gewisse Monotonie ein, da man sich auf nahezu jeden Gegnertyp relativ zügig eingestellt hat, und somit weiß, wie man fortan zu reagieren hat, um mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen.

Apropos heile Haut: „Alan Wake“ nennt sicherlich nicht die schönste Grafikengine mit den bombastischsten Effekten aller Zeiten sein Eigen, dennoch weiß der visuelle Stil des Spiels zu überzeugen. Dieser ist – wie sich das für ein anständiges Adventure im Horror-Setting gehört – durchgängig sehr bedeckt und düster gehalten. Ein Großteil der Handlung spielt nachts, nur selten ist Alan Wake auch mal tagsüber in und um Bright Falls unterwegs, weshalb die Entwickler ein besonderes Augenmerk auf ansehnliche Licht- und Schatteneffekte gelegt haben, die echt was her machen! Tiefe dunkle Wälder wechseln sich mit einsamen Berghängen, Geistersiedlungen und so manchem lauschigen Tal und Bergrücken ab. Die Szenarien präsentieren sich durch die Bank liebevoll modelliert, machen überhaupt einen sehr organischen Eindruck, und wurden mit zig kleinen und großen Details ausgeschmückt, die immer mal wieder dazu verleiten, das eigentliche Missionsziel aus den Augen zu verlieren und abseits des Pfades auf Entdeckungstour zu gehen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass „Alan Wake“ kein Open-World-Spiel ist, man stößt also irgendwann, eigentlich sogar ziemlich zügig auf unüberwindbare unsichtbare Levelgrenzen und muss zwangsläufig umdrehen.

Getrübt wird der gute grafische Eindruck, wenn auch nur ein klein wenig, von den teils etwas abgehackt wirkenden Animationen der Figuren. Wenn Alan Wake zum Beispiel zum Sprint ansetzt, um seine garstigen Verfolger abzuschütteln oder sich schnell aus einer Gefahrenzone zurückzuziehen, wirken die Bewegungsabfolgen doch sehr steif und heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß. In den Zwischensequenzen, die ansonsten Motion Capturing sei Dank einen tadellosen Eindruck machen, springen zudem die begrenzten Mimikfähigkeiten der Charaktere negativ ins Auge. Titel wie „Hard Rain“ haben ganz klar aufgezeigt, das es auch besser und vor allem realistischer geht – auch damals Anfang 2010 schon. In der Hektik des Geschehens fallen weiters vereinzelt unschöne Zeilenverschiebungen auf. Außerdem leidet „Alan Wake“ unter dem ein oder anderen Framerate-Einbruch, was allerdings wirklich nur sehr selten vorkommt.

Äußerst gut gelungen ist Remedy die Vertonung des Spiels: die englischen Synchronstimmen passen größtenteils wie die Faust aufs Auge, insbesondere Matthew Porretta sei hier erwähnt, der den namensgebenden Alan Wake eingesprochen hat: er haucht seinem Charakter im wahrsten Sinne des Wortes Leben ein! Nicht mal ansatzweise mithalten kann da die deutsche Lokalisation, die übrigens von Microsoft Deutschland in Auftrag gegeben wurde, was nicht nur Bände spricht, sondern auch massiv peinlich ist – jedenfalls in meinen Augen. Die hiesigen Sprecher sind gelinde gesagt einfach nur unfassbar schlecht, geradezu grottig! Beinahe jeder Satz klingt wie abgelesen, von schauspielerischem Einsatz absolut keine Spur! Wer des Englischen mächtig ist, sollte daher die Sprachausgabe auf jeden Fall entsprechend umstellen! Gerade bei dialogintensiven Titeln wie „Alan Wake“ einer ist, kann wegen einer verkorksten Synchronisation schon mal einiges an Atmosphäre den Bach runtergehen.

Daran könnte dann selbst die ansonsten wirklich grandiose, mehrfach ausgezeichnete Musik- und Soundkulisse nichts mehr ändern. Jeder Level hat einen thematisch passenden Track spendiert bekommen, der während des Abspanns noch einmal in aller Ausführlichkeit gefeatured wird. Herausstellen möchte ich an dieser Stelle insbesondere die Songs „A Writer’s Dream“, „The Clicker“ und „Welcome To Bright Falls“ aus der Feder von Spielekomponist Petri Alanko, sowie „How Can I Be Sure“ von Anomie Belle und „The Poet And The Muse“ von The Old Gods of Asgard.

It’s not a lake, it’s an ocean! – Alan Wake

Fazit
Mit dem Action-Adventure „Alan Wake“ ist den Jungs und Mädels von Remedy Entertainment nicht weniger als ein Meisterwerk gelungen! Der Titel bringt Story-Telling in Videospielen auf ein neues Level und weiß Dank seiner fantastischen Inszenierung und den einzigartigen Charakteren für Stunden zu fesseln – wie ein gutes Buch, das man erst wieder aus der Hand legt, wenn auch die letzte Seite ausgelesen wurde. – „Alan Wake“ ist zweifelsohne eines der besten Action-Adventures für die Xbox 360!

— InaiMathi, am 22. Januar 2012

Alan Wake

Genre: Horror-Adventure
Release: 2010
Spielzeit: 12 Stunden
Entwicklerstudio: Remedy Entertainment
Publisher: Microsoft Game Studios
Wertung
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