Rollei 540 Action-Cam

18. Februar 2019     /     Review     /     "Werbung"

Glaubt es oder nicht, aber dass das Thema Action-Cams für mich noch einmal interessant wurde, nachdem ich sie jahrelang erfolgreich ignoriert hatte, habe ich einem in nahezujeder Hinsicht herausragend bescheidenen B-Movie namens „Exists“ zu verdanken. In diesem spielen die kleinen handlichen Dinger nämlich eine tragende Rolle. Jetzt muss ich sagen, dass ich anders als – laut Werbewirtschaft – viele meiner Mitmenschen da draußen nicht jeden Tag an irgendwelchen Bergwänden abhänge, nicht morgens um sieben schon beim Kite-Surfen bin, und nein, ich bin auch kein besonders herausragender Skater, der jeden zweiten geglückten Grind einer Parkbank gleich bei YouTube oder Facebook der Welt präsentieren muss. Mit anderen Worten: Ich bin nicht unbedingt die primäre Zielgruppe für eine Action-Cam. Oder doch? Whatever…

Wie ich in der Dokumentation von Projekt Kotori bereits geschrieben habe, werde ich meine just für einen verhältnismäßig schmalen Euro neu erworbene „Rollei 540 Action-Cam“ anders einzusetzen. Beispielsweise als Interieur-Cam für meinen Wagen oder als Ersatz für meine bisherige Dash-Cam (siehe meine Review). Und wenn die Liebste und ich dann doch mal den Wagen verlassen, kommt sie mit ins Handgepäck und ist somit immer für einen Schnappschuß und/oder ein lässig aus der Hüfte geschossenes Video am Start. Denn, Social Media hat uns gelehrt: Nichts, aber auch wirklich rein gar nichts ist belanglos genug, um nicht für die Nachwelt, die sich mit Sicherheit ihren Teil denken wird, festgehalten zu werden! 😉 Zum „warm werden“ habe ich mich ganz bewusst für ein gleichwohl kostengünstiges, aber nichtsdestotrotz hochwertiges Modell entschieden. Nö, eine GoPro musste es definitiv nicht unbedingt sein, wenn die Action-Cams des in D ansässigen Herstellers Rollei ein annähernd ebenso gutes Standing ihr Eigen nennen, mit einigem Zubehör ausgeliefert werden, allerdings lediglich einen Bruchteil einer vergleichbaren GoPro kosten.

Was die von mir ausgesuchte „Rollei 540“ taugt, klärt mein ausführlicher Produkttest.

Review

Die „Rollei Action-Cam 540“ kommt in einer kleinen, dem Inhalt angemessenen Umverpackung geliefert, in welcher sich neben der eigentliche Kamera-Hardware zudem noch diverse Zubehörteile sowie eine ausreichend umfangreiche Bedienungsanleitung befinden. Erwähntes Zubehör besteht aus einem wasserdichten Schutz-Case (laut Hersteller wasserdicht bis zu einer Tiefe 40 Metern), einer direkt in der Kamera wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterie (3,7Volt, 750 mAh), einem Halterahmen, um die Rollei 540″ beispielsweise als klassische Dash-Cam nutzen oder aber mit Hilfe eines weiteren (nicht enthaltenen Adapters) an einem Fahrrad- und/oder Motorradlenker befestigen zu können, fünf weiteren Adaptern für unterschiedliche Befestigungs-Szenarien, sowie einem praktischem Schwimmgriff und einem gebrandeten Haltebändchen zur Fixierung der Kamera am Handgelenk des Trägers. Last but not least liegt auch noch ein Micro-USB-Kabel bei, mit dessen Hilfe die Action-Cam zwecks Datenübertragung oder Wiederaufladen des Akkus an einen Computer angeschlossen werden kann. ALles in allem kann sich das Zubehör durchaus sehen lassen. Für Einsteiger in die Action-Cam-Thematik, an die sich die „Rollei 540“ primär richten dürfte, reichen die beigelegten Zubehörteile jedenfalls allemal aus, wie ich finde.

Die Kamera ist mit ihren Maßen von 60 x 42 x 25mm eine extrem kompakt geratenes Hardware und wiegt mit eingelegtem Akku lediglich 57 Gramm. Dementsprechend aufwandslos lässt sie sich mitnehmen. Möglich macht dies die bei Action-Cams bevorzugte Leichtbauweise: Das Gehäuse kommt ohne unnötigen Schnick-Schnack aus und ist aus mattem schwarzen Kunststoff gefertigt. Verbaut wurden insgesamt vier Bedienelemente (Power, Auslöser, Toggle 1&2) sowie auf der Rückseite ein lediglich 2 Zoll kleines, ausdrücklich nicht entspiegeltes LCD-Display, welches es auf eine Bilddiagonale von 5,08cm bringt und unterwegs eine ausreichend gute SIcht auf die gemachten Aufnahmen ermöglicht. Über ein Branding des Herstellers Rollei verfügt die Cam ebenfalls: Dieses ist auf der Vorderseite des Gerätegehäuses neben dem Objektiv aufgedruckt und auch sichtbar, wenn die Hardware das durchsichtige Schutz-Case angelegt bekommen hat.

Kommen wir zu den technischen Daten der „Rollei 540 Action-Cam“: Der verbaute Sony 1/3.2″ BSI CMOS8MP-Bildsensor sowie das Super-Weitwinkel-Objektiv (146 Grad) der Cam lieferen im Zusammenspiel eine maximale Bildauflösung von 3.840 x 2.160 Pixel, was – zumindest auf dem Papier – 4K-Qualität entspricht. Allerdings handelt es sich dabei ausdrücklich nicht um natives, sondern um interpoliertes 4K, sprich nachträglich hochgerechnetes, was niemals dieselbe Brillanz erreichen kann. Zur Wahl stehen indes insgesamt sieben Auflösungen, je nachdem in welchem Szenario man die „Rollei 540“ einsetzen möchte. Für Videoaufnahmen sind es die nachfolgend gelisteten:

  • 4K / 30 FPS (3.840 x 2.160 Pixel)
  • 2,7K / 30 FPS (2688 x 1520 Pixel)
  • Full-HD / 60FPS (1920 x 1080 Pixel)
  • Full-HD / 30 FPS (1920 x 1080 Pixel)
  • HD / 120 FPS (1280 x 720 Pixel)
  • HD / 60 FPS (1280 x 720 Pixel)
  • HD / 30 FPS (1280 x 720 Pixel)

Fotos kann die „Rollei Action-Kamera 540“ derweil in fünf unterschiedlichen Qualitätsstufen aufnehmen. Auch hier sei angemerkt, dass die beiden höchsten Qualitätsstufen lediglich über ein Interpolations-Verfahren im Post-Processing erreicht werden:

  • 16 Megapixel (interpoliert)
  • 12 Megapixel (interpoliert)
  • 8 Megapixel
  • 5 Megapixel
  • 2 Megapixel

Neben der Aufnahme klassischer Videos und Fotos stehen darüber hinaus noch weitere Aufnahme-Modi zur Auswahl: So lassen sich mithilfe der „Rollei 540“ Intervallaufnahmen anfertigen (Foto all 3, 10, 15, 20 oder 30 Sekunden), Zeitraffer-Videos erstellen (0,5, 1, 2, 5, 10, 30, 60 Sekunden) sowie Loop-Aufnahmen mit einer Länge von 2, 3 oder 5 Minuten anfertigen. Letztere machen die Action-Cam quasi zu einer guten Alternative für eine klassische Dash-Cam – ohne dabei jedoch deren für gewöhnlich gebotene Komfort-Features (autom. Aufnahmebeginn etc) bieten zu können.

Abgespeichert werden die gemachten Aufnahmen als MP4 (H.264) sowie, im Falle von geschossenen Fotos, als JPEG-Datei. Beides Standard-Dateiformate, die sich mit entsprechender Software ohne großen Aufwand bearbeiten lassen. Die Action-Cam unterstützt dabei Micro-SD-Speicherkarten (SDHC, Klasse 10) mit einer Speichergröße bis zu 64 Gigabyte. Eine solche ist im Lieferumfang nicht enthalten, muss also nicht besorgt werden. Ohne eingelegte SD-Karte ist die Kamera mangels internen Speichermedium nicht funktionsfähig wirklich nutzbar! Irgendwie muss der günstige Preis ja erreicht worden sein. Wieviel Material auf die eingelegte Speicherkarte opassen, ist natürlich immer stark von der gemachten Aufnahme abhängig. Ein Beispiel, nach dem man sich richten kann: Auf einer 32GB-Speicherkarte ist ausreichend Platz für rund 75 Minuten Video in Full-HD-Qualität (1080p/30 FPS) sowie zusätzlich noch knapp zwei Dutzend Fotos in normaler, nicht interpolierter Qualität.

Die Qualität der gemachten Videos, Fotos und sonstigen Aufnahmen würde ich, ein absoluter Anfänger auf dem Gebiet der Action-Kameras, der sich durchaus darüber im Klaren ist, dass er für lediglich 60 investierte Euro nicht allzu viel erwarten kann, durchaus als gut beurteilen. Beispiele für mit der „Rollei 540 Action-Cam“ aufgenommene Fotos lassen sich unter anderem hier und hier auf Instagram begutachten. Mir gefallen die allgemeine Bildschärfe sowie die guten Farben und der gebotene Kontrast der Aufnahmen. Die Qualität liegt deutlich über dem, womit ich bei der Bestellung gerechnet hatte! Ähnlich gut performt die Hardware bei bewegten Bildern. Auch diese können mit einer guten Bildschärfe, schönen Farben sowie ansehnlichen Kontrasten aufwarten. Unschöne Zeilenversätze und/oder Bildartefakte habe ich indes nicht feststellen können. Ob diese auftreten oder nicht, könnte u.U. auch von der allegemeinen Qualität des eingelegten Speichermediums beeinflusst werden. Wenn hier das Streaming nicht optimal läuft, kann es schon mal zu unschönen Bildfehlern kommen. Also: Nicht am falschen Ende sparen! 😉 Mit einer 4K-ready Micro-SD-Speicherkarte sollte man auf jeden Fall auf der sicheren Seite sein!

Update: Für Nachtaufnahmen, beziehungsweise Aufnahmen bei extrem schlechten Lichtbedingungen, ist die Cam absolut nicht geeignet. In beiden Situationen kommt i.d.R. am Ende lediglich ein annähernd vollständig schwarzes Bild bei raus. Schade!

Die Achillesferse der „Rollei 540 Action-Cam“ ist meiner bescheidenen Meinung nach die Akkulaufzeit: Hier werden vom Hersteller immerhin 90 Minuten Laufzeit (bei Videoaufnahme in 1080p/60 FPS und ausgeschaltetem Wifi) in Aussicht gestellt, im realen Einsatz kann man sich glücklich schätzen, wenn es dann am Ende 60 Minuten werden. Wer Material in 4K-Qualität aufnimmt, muss mit einer nochmal merklich kürzeren Akkulaufzeit rechnen, was angesichts des Umstand, dass die Hardware massiv mit ihrer 4K-Fähigkeit beworben wird/wurde, schon enttäuschend ist. Enttäuschend und schade, denn durch die überschaubare Akkulaufzeit wird der Aufnahme von längeren Sessions ein Riegel vorgeschoben. Wer also nicht ständig eine Power-Bank mit sich herumschleppt oder den Akku anderweitig unterwegs wieder mit frischem Saft versorgen kann, sollte sich also überlegen, ob es sich nicht vielleicht lohnen würde, in einen zusätzlichen Akku zu investieren, der im Fall der Fälle binnen weniger Sekunden ausgewechselt ist.

Per mitgeliefertem Mikro-USB-Ladekabel angeschlossen an meinen Desktop-PC dauert es rund 30 Minuten, bis ein leerer Akku wieder vollständig aufgeladen ist. Während die direkte Verbindung mit dem Computer besteht, kann man sich die Zeit vertreiben mit dem DUrchforsten des aufgenommenen Footage und sich dieses zur späteren Bearbeitung auf die PC-Festplatte rüberziehen. Dateimanagement ist via Computer indes nicht möglich. Um Videos, Fotos und sonstiges Material auf der in die Action-Cam eingelegten SD-Speicherkarte umbenennen oder löschen zu können, muss dies direkt über das Menü der Cam erledigt werden. Natürlich ist es möglich, den Schreibschutz der SD-Karte händisch zu entfernen, für „Otto-Normal-User“ dürfte die einzelnen notwendigen Schritte jedoch nicht offensichtlich sein. Zum Glück gibt’s im Web diverse Anleitungen.

Ebenfalls als negativ empfinde ich die Länge des Bootvorgangs: Der Power-Knopf muss knapp 3 Sekunden gehalten werden, um die Kamera einzuschalten. Das anschließende Booten dauert dann nochmal gut und gerne 2 Sekunden. Wer dann lediglich ein schnelles Foto aufnehmen möchte, muss nochmal per Knopfdruck den Aufnahme-Modus wechseln, was erneut mindestens zwei Sekunden in dauert. Für schnelle Schnappschüsse ist die „Rollei 540“ damit nicht wirklich geeignet. Zumindest, wenn man sie nicht ständig im akkuzehrenden Ruhemodus mit sich herumschleppt, was sich angesichts der oben beschriebenen eher wenig berauschenden Akkuleistung nicht sonderlich anbietet.

Abschließend noch ein Tipp von mir: Ich würde empfehlen, die „Rollei 540 Action-Cam“ auch außerhalb des kühlen Nass stets in ihrem durchsichtigen Schutz-Case zu lassen. Erstens schaut die Cam darin extrem stylish aus, zweitens ist sie durch das Case vor Beschädigungen aller Art geschützt, wenn sie dann doch einmal herunterfällt, irgendwo gegen stößt oder einen (unbeabsichtigten) Ausflug in die ein oder andere Pfütze unternimmt. Zumal sämtliche Bedienelemente auch mit angelegtem Schutz-Case nach wie vor in vollem Unfang zugänglich und verfügbar sind.

Fazit

Es brauchte nicht lange, da war mir die gerade erst frisch ausgepackte „Rollei 540 Action-Cam“ schon ans Herz gewachsen. Für 60 Euro (Stand: Mitte Februar 2019) bekommt man hier eine imho gute Einsteiger-Kamera mit einigem Zubehör nach Hause geliefert, die vor teils deutlich kostenintensiveren Geräten nicht verstecken braucht. Die gebotene Bildqualität bei Videos und Fotos ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Der einzige wirklich nicht zu übersehene Makel, den ich der Hardware attestieren würde, ist die zu geringe Leistung des im Lieferumfang enthaltenen Akkus. Hier sollte man in einen leistungsstärkeren, bzw. einen zweiten zum zügigen Austausch investieren, um jederzeit auf der sicheren Seite zu sein.

Wer auf der Suche ist nach einer qualitativ guten Action-Cam, die nicht allzu sehr auf die Haushaltskasse durchschlägt, liegt mit der „Rollei 540“ ziemlich richtig.

Update, 18. Februar 2019
Für die Installation im Innenraum meines Mazda 3 Sport habe ich mir eine Saugnapfhalterung von Wicked Chili bestellt. Mit dieser werde ich die Cam dann wahrscheinlich am Beifahrer-Seitenfenster fixieren.

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