Videospiel-Entwickler Bungie, seines Zeichens Teil von Sonys PlayStation Studios, hat sich zu den enttäuschenden Verkaufs- und Spielerzahlen seines Online-Shooters „Marathon“ (siehe meine Review) geäußert und ist in einem Anfall von Arroganz zu dem Schluss gekommen, der Titel sei schlicht zu schwierig gewesen für den Großteil der Spieler, was wiederum der Grund für den ausbleibenden Erfolg wäre.
Hahahahahahaha hahahaha haha ha… ja, genau.
Nein, Bungie, da liegt ihr falsch. Euer Machwerk ist weder „zu schwierig“ noch „zu komplex“. Ich würde fast meinen, das genaue Gegenteil ist der Fall! „Marathon“ ist schlicht für die meisten da draußen nicht zockenswert, weswegen die täglichen Steam-Spielerzahlen schon seit der ersten Woche nach Release auf einem extrem bescheidenen Niveau vor sich hin dümpeln. Auf PlayStation, neben dem PC die zweite Release-Plattform, dürfte es nicht anders ausschauen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig:
- keine Singleplayer-Kampagne
- seelenloses und generisches Spieleuniversum
- unansehnlich wie AI-Slop
- extrem eintöniger Gameplay-Loop
- fragwürdige Time-To-Kill (TTK)
- nur fünf Maps, die allesamt nicht sonderlich anspruchsvoll zu spielen sind
- generisch anmutende Loot-Items
- unübersichtlich angelegte Menüstruktur
- uvm.
In meinen speziellen Fall war außerdem die Tatsache, dass „Marathon“ aufgrund des eingesetzten Anti-Cheats unter Linux nicht zum Laufen zu bekommen ist, ein Dealbreaker.
Wenn man schon vom Mutterkonzern für ein Projekt den Stecker gezogen bekommt, sollte man bei der Analyse, warum dieses gefloppt ist (zwar nicht so enorm wie einst Concord, aber dennoch), schon die richtigen Schlüsse ziehen und nicht die Realität leugnen, indem man arroganterweise annimmt, die Spieler wären spielerisch überfordert gewesen oder hätten einfach das geniale Konzept hinter dem Titel nicht verstanden. Steigt aus eurer realitätsfernen Bubble und hört euch um, was die Leute da draußen wollen!
Das, was unter dem Namen „Marathon“ in die Game-Stores gerotzt wurde, ist es jedenfalls nicht!