Kfz-Tuningteile aus Kunststoff für die Montage vorbereiten & lackieren

17. September 2018   •   How-To Guide, Projekt Kotori

How-To GuideDie Tage habe ich mir zwei neue ATH Frontspoiler-Flaps für meinen Mazda 3 Sport aka Projekt Kotori gegönnt. Diese wurden vom Hersteller unlackiert und von ihrer oberflächlichen Anmutung her in einem tendenziell eher rohen Zustand geliefert. Bis ich die Flaps an die Karosserie des M3 schrauben (lassen) kann, muss also noch einiges erledigt werden. Als da wären: das Abschleifen der Kunststoff-Oberfläche, die Behandlung eben dieser mit Haftgrund, optionales Auftragen einer anständigen Grundierungsfarbe, um die anschließende Lackierung brillanter werden zu lassen, sowie das finale Lackieren der Teile in der gewünschten Farbe.

Im Rahmen dieses Posts möchte ich jeden Arbeitsschritt in aller Ausführlichkeit dokumentieren und damit all jenen, die sich in dieser Hinsicht vielleicht nicht ganz sicher sind wie sie vorgehen müssen, einen hoffentlich hilfreichen How-To Guide zum Thema Kunststoff-Lackierung an die Hand geben. Bevor jemand fragt, sei darauf hingewiesen, dass ich diesen Guide nicht veröffentliche, weil ich MeToo-mäßig auch in der Googlesuche auftauchen will, sondern weil ich schlicht keinen einzigen Guide zum Thema gefunden habe, in welchem die einzelnen Schritte nachvollziehbar und gleichzeitig mit ausreichend Bildmaterial dokumentiert wiedergegeben werden – vom ein oder anderen Foreneintrag mal abgesehen.

Disclaimer: Die nachfolgende Anleitung sowie die darin gegebenen Tipps basieren auf eigenen Erfahrungen und wurden nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Befolgung ausdrücklich auf eigene Gefahr; ich übernehme keine Haftung für eventuelle Schäden!

Einkaufsliste

Für die Lackierung wird folgendes wird benötigt:

Da ich felsenfest davon ausgehe, dass ich die beiden Frontspoiler-Flaps nicht nur einmal lackieren muss, sondern aufgrund ihrer sehr niedrigen Lage und dem Umstand, dass solche Teile Kratzer und Beschädigungen durch Steinschlag etc quasi magisch anziehen, stattdessen mehr oder weniger in schöner Regelmäßigkeit. Vielleicht sogar alle ein, zwei Jahre, – ich weiß es nicht genau, da ich auf keinerlei Erfahrungswerte mit speziell diesem Anbauteil zurückblicken kann.

Jedenfalls habe ich keine Unsummen für die Materialien ausgegeben. Natürlich kann, wer mag, anstelle der oben verlinkten Produkte auch anderen Marken den Vorzug geben. 😉

How-To Guide

1. Kunststoff-Oberfläche anschleifen
Zu Beginn muss die Kunststoff-Oberfläche des Anbauteils erst einmal mithilfe von grobem Schleifpapier (400er-Körnung) gleichmäßig abgeschliffen werden; bei großflächigen Teilen kann man dies auch mithilfe eines Excenterschleifers und entsprechenden Schleifaufsätzen erledigen. Dadurch werden kleine im Rahmen des Produktionsprozesses entstandene Makel wie beispielsweise eine unebene Struktur, Kratzer und Rillen ausgebessert. Danach mit etwas weniger grobem Schleifpapier (800er-/1000er-Körnung) gegebenenfalls vorhandene Aufrauungen vorsichtig wegschleifen.

Ab dem nächsten Arbeitsschritt sollten durchgehend Schutzhandschuhe getragen werden! Allein schon der aggressiven Chemikalien wegen, mit denen nun gearbeitet wird. Allerdings auch, um die Oberfläche vor an der Haut anhaftenden Fetten, Ölen sowie Schweiß zu schützen.

2. Oberfläche mit Nitro-Verdünnung säubern
Anschließend wird die Oberfläche des Anbauteils mithilfe von Nitro-Verdünnung oder einem speziellen Silikon-Entferner gereinigt und von ausgedünsteten und noch auf der Oberfläche anhaftetenden Trennmittelrückständen befreit. Dazu ausreichend Verdünnung/Silikonentferner auf ein altes Tuch geben und gründlich über die Oberfläche gehen, so dass die Flüssigkeit auch in die Pohren eindringen und Verschmutzungen sowie Rückstände vom vorangegangenen Abschleifen etc vollständig entfernen kann. Ansonsten könnte es passieren, dass Grundierung und Lackschicht keine optimale Verbindung mit der Kunststoffoberfläche eingehen können und sich nach einiger Zeit wieder ablösen.

Die Flaps schauten nach Fehlerkorrektur und anschließender Reinigung wie folgt aus:

ATH Frontspoiler-Flaps "Gen2" für Mazda 3

3. Haftgrund auftragen
Nachdem das Kunststoffteil abgeschliffen, gründlich gesäubert und anschließend komplett abgetrocknet wurde, kann der Haftgrund (aka Primer) aufgetragen werden. Dieser fungiert als zusätzliche Schlicht zwischen Kunststoff und der eigentlichen Grundierung und gewährleistet einen optimalen Halt der noch folgenden Schichten. In meinem Fall habe ich den Haftvermittler direkt aus der Spraydose heraus im Kreuzstrich aufgetragen. Insgesamt zwei deckende Schichten. Bei großformatigeren Anbauteilen würde ich hingegen einen Auftrag mittels Lackierpistole empfehlen. Den Haftgrund nun ausreichend trocknen lassen; dazu unbedingt die Verarbeitungshinweise des Herstellers beachten!

4. Grundierungsschicht auftragen
Im nächsten Arbeitsschritt wird eine anständige Grundierungsfarbe aufgetragen. Diese gleicht letzte Unebenheiten in der Oberfläche aus und sorgt darüber hinaus für ein ansehnlicheres Endergebnis. Auch hier würde ich zwei Schichten, die nacheinander im Kreuzstrich aufgegeben wurden, empfehlen. Die Grundierungsschicht sollte hell, im Idealfall weiss sein, ganze egal in welcher Farbe das Anbauteil anschließend lackiert wird. Der Grund: Je heller die Grundierung, desto besser wird das durch die oberste Lackschicht durchscheinende Licht refelktiert, was wiederum für eine strahlendere, „herauspoppendere“ Optik der Lackschicht sorgt. Auch hier unbedingt die Ablüftzeit beachten und die Grundierung ausreichend trocknen lassen! Wie geschrieben: Dieser Arbeitsschritt ist optional und entfällt in der Regel, da die meisten Haftgrund-Produkte inzwischen eine weisse oder zumindest sehr helle Farbgebung ihr Eigen nennen.

Nachdem die aufgetragene Grundierungsschicht zirka 24 Stunden lang trocknen und aushärten konnte, schauten die Flaps wie folgt aus:

ATH Frontspoiler-Flaps "Gen2" für Mazda 3 nach Grundierung

Vergleicht man das obere Foto mit jenem ganz am Anfang dieses How-To Guides, erkennt man gut, dass kleinere Makel, die nach dem anfänglichen Abschleifen und Säubern noch vorhanden waren, von der Grundierungsschicht ausgeglichen und kaschiert wurden. Die Oberfläche fühlt sich nun extrem glatt an, und eignet sich aufgrund dessen natürlich nicht für eine sofortige Lackierung im finalen Farbton.

5. Grundierung anschleifen
Ist die Grundierung vollständig durchgetrocknet, muss sie von Hand mit Schleifpapier (400er-Körnung) nochmals leicht angeschliffen werden, um die letzten verbliebenen Makel wie zum Beispiel Laufnasen, die sich im Zuge des Auftragens der Grundierung ausgebildet haben, auszubessern, bzw. zu entfernen. Beim Anschleifen der Grundierung tunlichst darauf achten, nicht zu viel Druck auszuüben, damit die Grundierung nicht bis auf den Haftgrund / Untergrund abgetragen wird! Insbesondere an Ecken und Kanten ist die Lackschicht in der Regel sehr dünn, weshalb man an solchen Stellen mit viel, bzw. noch einem Ticken mehr Gefühl vorgehen sollte! Anschließend den Anschliff mit geeignetem Nass-Schleifpapier von 700/1000er-Körnung nassschleifen, bis wieder ein harmonisches Oberflächenbild entstanden ist.

Nassschleifen unterscheidet sich vom normalen Schleien darin, dass das Schleifpapier nass gehalten und auch die zu schleifende Oberfläche immer ausreichend mit Wasser bedeckt gehalten wird. Die abrasive Struktur des verwendeten Schleifpapiers sollte zudem regelmäßig von Abtrag befreit werden, indem es kurz unter fließendes Wasser gehalten wird. Nassschleifen verringert den Abtrag des Schleifpapiers enorm und sorgt überdies für ein spürbar glatteres Schleifergebnis.

Nach dem Nassschliff ist das Anbauteil bereit für die finale Lackierung.

6. Oberfläche lackieren & versiegeln
Im letzten Arbeitsschritt wird die Oberfläche des Anbauteils in der gewünschten Farbe lackiert. In meinem Fall ist dies ein mattes Schwarz, da dies ganz hervorragend zu den im gleichen Farbton gehaltenen Nebelscheinwerferblenden des Mazda 3 passt. Auch hier mehrere Schichten nacheinander im Kreuzstrich aufsprühen; dabei jede aufgegebene Schicht kurz antrocknen lassen, erst dann die nächste nachlegen. Auch beim Lackieren sollten unbedingt die Verarbeitungshinweise des Herstellers beachtet werden!

Nach dem Abtrocknen kann, bzw. sollte die Lackoberfläche nun noch mit einer schützenden Klarlackschicht versiegelt werden, um die Haltbarkeit der Beschichtung zu erhöhen. Dabei ist darauf zu achten, dass bei matten Lacken auch ein entsprechend matter Klarlack verwendet wird.

Und so schaut das fertige Endergebnis aus:

ATH Frontspoiler-Flaps "Gen2" für Mazda 3

Die lackierten Tuningteile sind nun bereit für die Montage am Fahrzeug.

Tipps & Tricks

Zu guter Letzt, gewissermaßen als Rausschmeißer, nun noch einige grundlegende Tipps und Tricks für das Schleifen und Lackieren von Kunststoff-Anbauteilen:

  • Mund- & Augenschutz tragen!
  • Einmalhandschuhe benutzten, um die Kunststoffoberfläche vor auf der Haut anhaftenden Fetten, Ölen und Schweiß zu schützen.
  • Die Umgebung, in der lackiert wird, sollte möglichst staubfrei sein.
  • Nicht in der prallen Sonne lackieren…
  • …jedoch sollten auch nicht zu kühle Temperaturen (<15 Grad) vorherrschen!
  • Sprühdose kurz vor Arbeitsbeginn in warmes Wasser stellen. Dadurch steigt der Innendruck, was wiederum für einen feineren Sprühnebel, bzw. ein feineres Sprühbild sorgt.
  • Sprühdose unmittelbar vor Arbeitsbeginn mehrere Minuten lang gut schütteln, um eine optimale Vermischung des Inhalts zu erreichen. Dabei zu den meist auf der Dosenrückseite angegebenen Minutenzahl ruhig noch zwei, drei Minuten hinzu geben.
  • Haftgrund, Grundierung sowie Sprühlack stets im sogenannten Kreuzstrich auftragen. Diese Technik ermöglicht eine optimale Abdeckung des lackierten Untergrunds.
  • Niemals punktuell sprühen – sprich länger auf ein und der selben Stelle verweilen -, da dies unschöne Läufer und Farbnasen verursacht!
  • Weniger ist auch beim Lackieren mehr: Haftgrund, Grundierung und Farbe immer in mehreren Schichten aufsprühen. Jede Schicht kurz antrocknen lassen, bevor eine weitere nachgelegt wird.

P.S: Wen es interessiert, wie es mit den lackierten Frontspoiler-Flaps weitergegangen ist, sollte einen Blick in die Dokumentation von Projekt Kotori werfen.

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