Knapp zwei Jahre ist es her, da gab es nach langem hin und her endlich grünes Licht für die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft. Ein paar Jahre zuvor hatte der Redmonder Software-Konzern mit dem wahnsinnig guten Gespür für Business-Entscheidungen und deren Kommunikation sich bereits Zenimax Media, das Mutterunternehmen von Bethesda Softworks (u.a. „Fallout“, „The Elder Scrolls“), id Software (u.a. „Doom“, „Rage“, „Quake“) und weiteren vielfach ausgezeichneten Entwicklerstudios, sowie mehrere hochkarätige Independent-Studios wie Ninja Theory, Compulsion Games und Double Fine Productions samt deren IPs einverleibt. Beide Übernahmen zusammen sollen Microsoft um die 100 Milliarden US-Dollar gekostet haben.
Inzwischen ist die enthusiastische Aufbruchsstimmung verkaterter Ernüchterung gewichen, denn bei Microsofts Gaming-Sparte Xbox läuft es nicht mehr allzu berauschend: Die Konsolen-Hardware mit dem wohlklingenden Namen „Xbox Series X/S“ liegt wie das sprichwörtliche Blei in den Händlerregalen von Amazon und Co., First-Party-Spiele verkauften sich dem Vernehmen nach auch schon mal besser (z.B. das alt-ehrwürdige „Call of Duty“-Franchise) und selbst der über Jahre hinweg von vielen Fans sowie Presse gelobte „Xbox GamePass“, ein monatliches Abo, das Zugriff auf mehrere Dutzend aktuelle Konsolen- und PC-Spiele – darunter sämtliche First-Party-Titel der Xbox Game Studios – bietet, stand aufgrund seiner zuletzt extrem abgehobenen Preisgestaltung in der Kritik. Letztere führte offenbar zu einem so exorbitant hohen Imageschaden und Abonnentenschwund, dass sich das Unternehmen unlängst gezwungen sah zurückzurudern und die erst wenige Monate zuvor vorgenommene Erhöhung der Abopreise rückgängig zu machen – natürlich nicht ohne in typischer Microsoft-Fashion das eigentliche Angebot gleichzeitig ebenfalls etwas zu stutzen.
Asha Sharma, seit dem Abgang von Phil Spencer Anfang diesen Jahres die neue CEO von Xbox, machte unlängst mit der Ansage Schlagzeilen, sie wolle Xbox bis 2030 zur weltweit führenden Plattform für Gaming und Entertainment machen. – Das ist schön, ich will auch so vieles, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie nicht die Einzige ist, die dies mit der ihr anvertrauten Plattform vorhat. Ich kann mir überdies vorstellen, dass der zwischenzeitlich enteilte Marktführer Sony da auch ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat, ganz zu schweigen von nicht zu unterschätzenden Playern wie Nintendo und Steam. Der geneigte Branchenbeobachter frug sich jedenfalls, wie Sharma dieses ambitionierte Ziel denn erreichen will. Verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen ist bekanntlich weitaus schwieriger als es zu verspielen. Aber das werden die Technokraten in Redmond sicherlich irgendwann auch noch begreifen, dass es da mehr braucht als ein redesigntes Logo.
Inzwischen wurde jedenfalls bekannt: Unter anderem durch exzessive Kosteneinsparungs- und Restrukturierungs-Maßnahmen – oder wie es im pseudo-lässigen Microslop-Gamer-Slang heißt: durch einen Reset. Xbox, eigentlich jedoch die gesamte Gaming-Sparte von Microsoft soll einem Reset unterzogen, einmal von links auf rechts gedreht werden. Besagter Reset manifestiert sich etwa in Form von Entlassungen zahlreicher Kreativer sowie Schließungen ganzer Entwicklerstudios, die man ein paar Jahre zuvor erst noch aufgekauft, mit Lob überschüttet und in der großen Xbox-Familie willkommen geheißen hatte. Von den angedrohten Schließungen betroffen sein sollen unter anderem das von alten Lucas-Arts-Veteranen wie Tim Schafer aus der Taufe gehobene Studio Double Fine Productions (u.a. „“), Ninja Theory (u.a. „Senua“-Reihe) mit Sitz im UK sowie der kanadische Entwickler Compulsion Games (u.a. „We Happy Few“), dessen Schließung als bereits ausgemacht gilt. Alles vielfach ausgezeichnete Spieleschmieden, die nun wohl abgewickelt werden sollen, um dadurch die Bilanz eines Unternehmens, das pro Tag rund 280 Millionen US-Dollar Gewinn macht, weiter aufzuhübschen.
Ich habe bereits drüben auf Mastodon ein wenig zynisch geschrieben: „Forza Horizon“, ein Arcade-Racer, bei dem sich alle Jahre mal das Setting ändert und ein paar neue Sportwagen-Modelle hinzugefügt werden, und „Gears of War“, ein dumpfer Deckungs-Shooter, dessen grundlegendes Gameplay nicht anspruchsloser sein könnte, beides Franchises der Xbox Game Studios, die noch nicht vollends gegen die Wand gefahren wurden – sprich: die noch einen gewissen Hype entfachen und sich verkaufen -, lassen sich im ausgerufenen „KI-Zeitalter“ zur Not auch auf Basis des jeweiligen Vorgängers von einer KI vibecoden; da braucht es nicht allzu viel für.
Den von den Kosteneinsparungs- und Restrukturierungs-Maßnahmen bei den Xbox Game Studios betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wünsche ich, dass sie eine neue Stelle in einem Unternehmen finden, das ihre Arbeit mehr wertschätzt. Wir dürfen nicht vergessen: Videospiele sind Kunst, die Menschen, welche diese erschaffen, nicht beliebig austausch- und ersetzbar!
Für mich steht fest: Microslop ist zu meiden – nun auch endgültig im Videospiel-Bereich!
Update, 16. Juni 2026
Hätte ich als Angestellter diese Ansammlung von typisch-amerikanischem Bullshit-Bingo, Schönrechnerei und Buzzwords in meinem eMail-Postfach vorgefunden, ich wäre aus dem Lachen nicht mehr rausgekommen! Aber ich mache der neuen CEO da keinen Vorwurf; das KI-Modell, das diesen Text wahrscheinlich für sie zusammengesch***** hat, wurde wohl einfach noch nicht ausreichend trainiert.