Marathon_

Neu          12. März 2026          Review          "Werbung"

Ich weiß nicht, wann ein neues Videospiel zuletzt so kontrovers diskutiert wurde wie „Marathon“, der neue Extraction-Shooter von Bungie, jenem Studio, das uns erst den legendären Xbox-Shooter „Halo“ gab und zuletzt dank „Destiny“ von sich reden machte.

Die einen loben „Marathon“ in den höchsten Tönen, preisen etwa das „beefige“ Game- und Gunplay des Spiels, die anderen können mit der ein wenig an „Mirror’s Edge“ und „Apex Legends“ erinnernden Optik und dem abgespaceten Sci-Fi-Settings nichts oder nur ausgesprochen wenig anfangen – und die allermeisten wiederum lässt das Spiel vollkommen kalt. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man sich etwa die Spielerzahl auf der SteamCharts-Website anschaut, die sich seit dem Launch am 5. März diesen Jahres nicht sonderlich positiv entwickelt, oder sich einmal die diversen User-Reviews auf Steam zu Gemüte führt.

Nachdem ich mich „Marathon“ zuerst rigoros verweigert hatte, ist die PC-Fassung inzwischen dann doch in meine Spielesammlung gewandert – und ich habe einige Stunden in das Spiel versenkt. Wie sich der ambitionierte Extraction-Shooter im Vergleich mit den beiden unangefochtenen Genre-Primi „Escape From Tarkov“ von BattleState Games und Cryteks „Hunt: Showdown 1896“ schlägt, wo die Jungs und Mädels von Bungie voll ins Schwarze getroffen und wo meilenweit am Ziel vorbeigeschossen haben, habe ich in meiner nachfolgenden ausführlichen Videospiel-Review zur Version 1.0.0.4 der PC-Fassung des Spiels aufgeschrieben.

Trailer

Review

Mit dem Extraction-Shooter „Marathon“ unternimmt Sony Interactive Entertainment einen weiteren Anlauf, abseits der vielfach ausgezeichneten, aber eben in den Augen einiger nicht mehr zeitgemäßen Story-getriebenen Singleplayer-Videospiele ein Bein auf den Boden zu bekommen. Dies versuchten die Japaner bereits mit dem exklusiv für PlayStation 5 erschienenen Hero-Shooter „Concord“, legten mit diesem jedoch, wie sich der ein oder andere vielleicht noch erinnert, eine hochnotpeinliche Bruchlandung hin; als nach noch nicht einmal einem Monat, angesichts desaströser Spielerzahlen, bereits schon wieder der Stecker gezogen wurde. Nun soll es also „Marathon“ richten, das unlängst für PlayStation 5, Xbox Series sowie den PC erschienen ist. Für die Entwicklung zeichnet niemand geringeres als das legendäre Studio Bungie verantwortlich, das mit namhaften Shootern wie „Halo“ und „Destiny“ bereits bewiesen hat, dass es Shooter kann.

In allerbester Bungie-Manier verzichtet auch „Marathon“ auf überflüssigen Schnickschnack und wirft den Spieler nach dem ersten Spielstart direkt mitten hinein ins Geschehen, – da das Spiel leider, auch wenn der oben verlinkte Trailer etwas anderes suggeriert, nicht über eine Singleplayer-Kampagne verfügt, die neue Spieler mit dem Universum vertraut gemacht und tiefer in die Welt hinein gezogen hätte, bedeutet das: ein Extraction-Match. In „Marathon“ schlüpft der Spieler, beziehungsweise dessen digitalisiertes Bewusstsein in einen namenlosen Androiden – eine „Hülle“ – und tritt als sogenannter Runner auf dem unwirtlichen, einst von der inzwischen wohl ausgestorbenen (oder zumindest nicht mehr länger vor Ort präsenten) Menschheit besiedelten Planeten Tau Ceti IV gegen andere Runner und umherstreifende UESC-Roboter – gewissermaßen eine Art verbliebener Sicherheitsdienst auf dem Planeten – an, um stellvertretend für eine von insgesamt sechs Fraktionen (Arachne, CyberAcme, NuCaloric, Sekiguchi, Traxus und MIDA) um Ausrüstung, Reichtum sowie um Ruhm und Ehre zu kämpfen.

Der grundsätzliche Gameplay-Loop von „Marathon“ gestaltet sich dabei wie folgt:

Vor Beginn einer neuen Spielrunde wählt der Spieler für seinen Runner eine verfügbare Hülle aus einer von insgesamt sechs unterschiedlichen Klassen aus. Zur Auswahl stehen der vor brachialer Feuerkraft nur so strotzende Destroyer, die höchst agile Vandal, der mit seinen zig Sensoren auf dem Schlachtfeld und darüber hinaus stets den Überblick behaltende Recon, die aus den allesverhüllenden Schatten heraus agierende Assassin, der stets im Hinterhalt operierende Thief sowie last but not least die Heilklasse Triage, die insbesondere im Team-Gameplay ein absolutes Muss und integraler Bestandteil eines jeden Runner-Trios ist. Darüber hinaus kann der Spieler auch in die Rolle eines sogenannten Rooks schlüpfen, dazu gleich mehr. Jede Klasse nennt wiederum spezielle Fähigkeiten, die sie im Kampf einsetzen kann, sowie eigene Attribute ihr Eigen. Diese beeinflussen wiederum Core-Stats des vom Spieler kontrollierten Bewusstseins, zum Beispiel Heat (Ausdauer), Agilität, Loot Speed, Hardware, Firewall und Tactical Recovery, um an dieser Stelle nur einige zu nennen.

Wurde die Klasse festgelegt, stellt der Spieler sich anschließend noch die Ausrüstung seiner Hülle zusammen, wählt etwa aus zig verfügbaren Primär- und Sekundärwaffen, Schilden, Verbrauchsgütern, Modifikationen für die Waffen und diversen aktiven wie passiven Verbesserungen – sogenannte Kerne und Implantate – für die Hülle aus. Ziemlich genau so, wie man das aus dem Genre-Primus „Escape From Tarkov“ oder auch „Ark Raiders“ kennt. Mods sowie Verbesserungen sind in „Marathon“ in diversen Raritätsstufen vorhanden: Gewöhnlich (Grau), Außergewöhnlich (Grün), Besonders (Blau), Selten (Lila), Episch (Gold) sowie Megasuperdupergigantomatiko (Rot). Wie gut eine ausgerüstete Waffe ist, wird indes einzig und allein durch die an ihr angebrachten Mods beeinflusst, ihre Core-Stats sind derweil immer gleich. So ist es beispielsweise möglich, aus einer bei einem besiegten Gegner gefundenen neuen gewöhnlichen Waffe in Windeseile eine epische Waffe zu machen, indem einfach entsprechende Mods aus der eigenen Waffe entnommen und in die gefundene eingebaut werden.

Abschließend wird noch die Location bestimmt, auf der man in die Schlacht ziehen will; zum Launch können bis auf Weiteres erst einmal lediglich drei Core-Maps namens Grenzbereich („Perimeter“), Düstermoor („Dire Marsh“), Außenposten („Outpost“) sowie die exklusiv für das Endgame von „Marathon“ reservierte Map Cryo Archiv („Cryo Archive“) bespielt werden. Die Map Außenposten wurde zudem mit einer Levelbegrenzung versehen, muss also erst „freigespielt“ werden. Das klingt nach wenig, und das ist es auch für ein Spiel, das so viele Jahre in Entwicklung war. Bungie hat aber bereits für die kommende Season 2 eine erste neue Map in Aussicht gestellt. Ob diese allein ausreichen wird, um langfristig für mehr spielerische Abwechslung zu sorgen, bleibt abzuwarten. Vor dem Abflug zur Map kann zudem bestimmt werden, ob man alleine oder im Team gemeinsam mit zwei weiteren Runnern in Richtung Planeten-Oberfläche aufbrechen will: Wer als Lone Wolf aka Solo antritt, sieht sich auf den Maps mit bis zu 5 weiteren Runnern konfrontiert, im Team sind es bis zu 5 weitere Teams auf die man im Verlauf der Runde treffen kann – aber nicht unbedingt muss, da viele Spieler erfahrungsgemäß eher passiv unterwegs sind.

Marathon

Ein kurzer Einwurf zum User-Interface des Spiels: Dieses ist den Machern meiner Meinung nach wirklich misslungen! Ich weiß nicht, wer es für eine gute Idee gehalten hat, weiße Schrift auf einen tiefschwarzen Hintergrund zu setzen – gilt bekanntlich als ein absolutes No-Go -, zudem mindestens drei unterschiedliche Schriftarten zu verwenden und Schaltflächen so dermaßen unintuitiv zu platzieren, dass auch nach zig Spielstunden immer noch jeder Flow verloren geht, sobald man zurück ins Menü katapultiert wird?! Auch die Verwaltung der Ausrüstungsgegenstände im Inventar, die bei einem Extraction-Shooter standesgemäß einen Großteil der Zeit abseits des Schlachtfelds in Anspruch nimmt, gestaltet sich aufgrund des klobigen, durch und durch unintuitiv konzipierten Interfaces leider nicht selten als Herausforderung. Warum, um mal ein konkretes Beispiel zu nennen, ist es etwa nicht möglich, Gegenstände, die nicht benötigt werden, per Rechtsklick zu verkaufen, bzw. zu verschrotten? Warum muss stattdessen die „F“-Taste mehrere Sekunden lang gedrückt werden, ein simpler Rechtsklick plus Dropdown-Menü wäre schneller?! Auch erschließt es sich mir nicht, warum Gegenstände, die im Verlauf eines Runs per Linksklick aus in der Welt befindlichen Loot-Containern eingesammelt wurden, nicht auch wieder per Linksklick aus dem aktiven ins passive Inventar transferiert werden können? Warum muss um eben dies zu erledigen zusätzlich die „STRG“-Taste gedrückt werden?!

Auch weitere Aktionen innerhalb der Inventar-Verwaltung sind ausschließlich per Tastendruck möglich, nicht jedoch per Maus. Das mag all jene, die „Marathon“ per Controller zocken, nicht stören, mich als PC-Spieler, der Maus und Tastatur als Eingabemethode verwendet, stört es hingegen sehr, dass die steuerungstechnischen Vorteile der PC-Plattform so schamlos ignoriert werden!

Zurück zum Gameplay-Loop: Ein Extraction-Match in „Marathon“ dauert maximal 25 Minuten. Das Spiel gibt sich dabei merklich Mühe, den Spieler möglichst immer in solche Matches zu laden, die entweder gerade neu starten oder zumindest gerade erst begonnen haben. Das ist meiner Meinung nach ähnlich gut gelöst wie in „Hunt: Showdown“ und ein wirklicher Pluspunkt im Vergleich zu Genre-Schwergewichten „Escape From Tarkov“ oder auch „Ark Raiders“, wo man nicht selten in Partien geladen wird, bei denen die noch verbleibende Zeit bis zur finalen Extraction bereits zur Hälfte (oder sogar darüber hinaus) verstrichen ist und man sich fragt, was man nun, da die Map bereits von den berühmt-berüchtigten Loot-Goblins „abgegrast“ wurde und das Gros der Spieler und Teams bereits schon extractet hat, noch großartig machen und erreichen soll.

Nachdem dem Materialisieren in der Spielwelt fällt auf: das schaut ja gar nicht mal so gut aus. Die drei in der Launch-Version von „Marathon“ enthaltenen Core-Maps Grenzbereich, Düstermoor und Außenposten sind alle recht weitläufig und wirken leer. Um die in der Regel in der Mitte der Karte platzierten überdimensionalen Gebäudekomplexe und Strukturen, die aus irgendeinem unerfindlichen Grund alle irgendwie würfelförmig angelegt wurden, meist begehbar und somit für das ein oder anderen Katz-und-Maus-Spiel mit anderen Runnern und Ki-Gegnern gut sind, wurden oftmals lediglich ein paar generische Bäume, Felsen, Zäune als Hindernisse und die ein oder andere Anhöhe platziert. Die Weitsicht wird in der Regel durch Wettereinflüsse wie übermäßig starken Sonnenschein, Nebel oder Regen begrenzt. Einen wechselnden Tag- und Nachtverlauf gibt es nicht, auch spezielle Varianten einer Map (z.B. Schnee), wie man sie in letzter Zeit etwa in „Ark Raiders“ gesehen hat, fehlen komplett. Die Maps sind überdies nicht sonderlich groß; wer vom einen Ende der Map zum gegenüberliegenden laufen will, schafft dies mittels Dauersprint in vielleicht knapp 3 Minuten. Sie nennen allerdings eine gewisse Vertikalität ihr Eigen und sind zudem in mehrere miteinander geschickt verflochtene Ebenen aufge- bzw. unterteilt, wodurch sich Spieler, Teams und KI-Gegner gut auf der Map verteilen. – Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte den Machern an dieser Stelle nichts unterstellen, aber die Maps hätte eine mittelmäßige KI wohl nicht viel anders konzipiert!

Was mir überdies nicht wirklich gefällt, sind die Modelle der Waffen. Diese sind rein fiktiv und schauen für meine Begriffe größtenteils aus, als stammten sie direkt aus „Minecraft“, so eckig und kantig und überhaupt nicht nett anzusehen wie sie sind.

Ebenfalls nicht nett anzusehen sind imho die einzelnen Charaktermodelle der Runner-Hüllen, die sich allesamt mit dem Wort „random“ beschreiben lassen. Ok, vielleicht noch ergänzt durch „austauschbar“ und „unpassend“. – Auch hier hätte eine mittelmäßige KI bei der Konzeption wohl nicht allzu viel anders gemacht.

Kämpfe gegen feindliche Spieler und Trios finden jedoch in der Regel an immer denselben Örtlichkeiten und Choke-Points statt. Meist sind es Engstellen, Gebäude oder andere im brutalistisch-futuristisch anmutender Optik aus dem Boden gestampfte Points-of-Interest, die als Schauplatz für die Kämpfe dienen. Selbes gilt für die Auseinandersetzungen mit den KI-gesteuerten UESC-Robotern, die in jeder neuen Runde auf den immer gleichen Routen die immer selben Locations stoisch vor sich hin patroullieren. Zieht man Aggro, was durch sowohl visuell durch den Wechsel des am Kopf montierten LED-Scheinwerfers hin zu Grellrot als auch per eindeutigem Sound-Hinweis angedeutet wird, noch bevor das eigene Schild den ersten Schaden nimmt, so bleibt es selten bei einer einzelnen, isolierten Auseinandersetzung; die KI-Widersacher rufen nämlich meist schnell Verstärkung herbei – und die hat es, was die schiere Feuerkraft betrifft, durchaus in sich, insbesondere wenn der eigene Runner noch nicht über vorzeigenswerte Ausrüstung verfügt, sondern mit Standard-Kram unterwegs ist. Genau wie Runner (je nach gewählter Klasse) können auch KI-Gegner sich unsichtbar machen, per übergroßem Schild vor Schaden schützen, unter Zuhilfenahme eines Jetpacks binnen Sekundenschnelle große Distanzen überwinden und sogar gezielt einzelne Systeme des eigenen Runners außer Gefecht setzen.

Ein kleines Easter-Egg, das „Halo“-Fans auffallen dürfte: Die normale Variante der USEC-Blechgesellen hat einen netten Seitwärts-Ausfallschritt im Repertoire, dessen Animation frappierend an jenen der Covenants erinnert.

Während der Feuergefechte gegen PVP- und PVE-Gezeuch wird einem schnell wohlig-bewusst, dass man es mit einem waschechten Bungie-Shooter zu tun hat: Die Waffen fühlen sich angenehm „beefy“ an, es gibt ordentlich Feedback und die Time-to-Kill (TTK) ist – nennen wir es „zügig“. Wer erst großartig nachdenkt, anstatt beim Erspähen eines feindlichen Runners sofort den Abzug zu ziehen, hat in der Regel bereits verloren; insbesondere, wenn der Gegner auf den Headshot geht. Die TTK ist wirklich schnell, sehr schnell, beinahe schon zu schnell! Gerade für Neueinsteiger ins Genre dürfte sich „Marathon“ extrem unbarmherzig anfühlen, was wiederum für Überforderung sorgen und gegebenenfalls auch den Frustlevel in die Höhe schießen lassen kann. – Ob „Marathon“ vor der Veröffentlichung ein grundlegendes Balancing durchlaufen hat – unklar.

Marathon Maps

Besiegte UESC-Roboter und nicht zuletzt niedergestreckte konkurrierende Runner können genre-üblich nach Herzenslust gelootet werden. So ist es etwa möglich, in allerbester Zero-to-Hero-Manier quasi ohne nennenswerte Ausrüstung in ein neues „Marathon“-Match zu laden (vorausgesetzt man hat die weiter oben beschriebene Ausrüstungsphase übersprungen) und mit etwas Fortune irgendwo eine von einem über den digitalen Jordan beförderten Runner fallengelassene brauchbare Waffe, ein noch funktionierendes Schutzschild sowie weitere Gegenstände im Wert von Tausenden und Zehntausenden Credits aufzuklauben. Um diese Gegenstände schließlich in das eigene permanente Inventar – den sogenannten „Tresor“ – transferieren zu können, muss ein Runner einen von mehreren auf der Map vorhandenen Exfil-Points aufsuchen, dort eine Zeit lang verweilen – zirka 60 Sekunden, um präzise zu sein – und schließlich die Runde beenden, indem die Map per Teleport verlassen wird. Das mag easy klingen, ist es jedoch nicht, denn sobald der Teleport veranlasst wird, bekommen dies alle anderen Spieler, die sich noch auf der Map befinden, ebenfalls mit: Erstens durch einen akkustischen Hinweis, zum anderen mittels einer deutlich sichtbaren Lichtsäule, die gen Himmel aufsteigt und die genaue Position des Teleporters markiert. Zusätzlich setzen sich auch in der Nähe patroullierende PVE-Bots in Bewegung, um nachzuschauen, was denn dort am Teleporter so los ist.

Nach einem erfolgreichen Exfil, allerdings auch, sollte der eigene Runner im Verlauf einer Runde ins Gras gebissen haben – was in „Marathon“ nicht selten vorkommt -, wird ein Resumee der Spielrunde gezogen. Zudem gibt es Erfahrungspunkte für getötete gegnerische Runner, auseinandergenommene USEC-Roboter und erfolgreich abgeschlossene Fraktions-Aufträge. Letztere bieten mittelfristig zudem die Möglichkeit, die Core-Stats des eigenen Runners permanent zu verbessern, indem in mehreren Skill-Trees, von denen jeweils einer einer Fraktion zugeordnet ist, neue Upgrades freigeschaltet und aufgelevelt werden. Erbeutete Waffen, Mods, Verbesserungen und sonstige aufgesammelten Gegenstände werden nur dann in den Tresor verschoben, wenn zuvor eine erfolgreiche Extraction stattgefunden hat. Wer von anderen Runnern oder der UESC im Rahmen eines Matches getötet wird, verliert stattdessen alle Items, die sich zum Todeszeitpunkt im Inventar befunden haben! – So stellt sich mit peu á peu immer besser werdender Ausrüstung durchaus ein gewisser Gear-Fear ein, der sich allerdings dank des beschriebenen Raritäts-Systems der Gegenstände dann doch irgendwo noch in Grenzen hält. Natürlich schmerzt es, einen top-ausgestatteten Runner zu verlieren, aber es ist kein Vergleich zu dem brennenden Schmerz und den seelischen Qualen, die man bei einem Charakter-Tod in „Escape From Tarkov“ erleidet. 😉

Mit bedeutend weniger Schmerzen werden indes Spieler konfrontiert, die für ihre Runner-Hülle die Rook-Klasse ausgesucht haben: Rooks spielen sich vergleichen mit den anderen Klassen sehr speziell, denn sie starten mit sehr begrenzter Ausrüstung (meist nur eine Pistole, ein schwaches Schild sowie zwei Verbrauchsgegenstände) und starten erst dann in die Runde, wenn das Gros der anderen Spieler entweder bereits ins Gras gebissen oder die Map bereits schon wieder per Extraction verlassen hat, ungefähr mit 12 bis 8 noch verbleibenden Minuten auf der Uhr. Rooks sind somit quasi die Scavanger-Klasse von „Marathon“. Sie streifen umher, immer auf der Suche nach Waffen, Mods und sonstigen Gegenständen, und sind dabei tunlichst darauf bedacht, jeder Konfrontation mit anderen Runnern als auch mit KI-Gegnern aus dem Weg zu gehen. Denn: Rooks sind für jede der anderen Klassen ein ziemlich mühelos zu erledigendes Ziel!

Apropos „mühelos“; kurz noch ein paar Worte zur Technik:

„Marathon“ profitiert enorm davon, dass es von Bungie als PlayStation-First-Party-Studio für die aktuelle Konsolen-Generation entwickelt wurde und grafisch mit seiner kunterbunten semi-realistischen Comic-Optik, die ganz offensichtlich irgendwann im Entwicklungsprozess einmal von Spielen wie „Apex Legends“ und „Mirror’s Edge: Catalyst“ inspiriert wurde, nun auch kein absolutes Brett ist. Somit läuft es auch auf nicht mehr ganz so aktueller PC-Hardware noch ausgesprochen gut und performant – bei hochgedrehten Details, wohlgemerkt. Auf meinem Gaming-PC (siehe System-Specs) sind in 1440p über 250 FPS möglich. Wer mag, kann seinem System von Nvidia DLSS und dem AMD-Pendant FSR ein wenig unter die Arme greifen lassen. Schlechte Nachrichten gibt’s indes für alle Linux-Gaming-Enthusiasten da draußen: „Marathon“ läuft nicht unter Linux, zumindest zum Release nicht. Schaut man sich Bungies Track-Record bei der „Destiny“-Reihe an, so habe ich leider kaum Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird. Verhindert wird das Ausführen von „Marathon“ unter Linux durch den BattlEye-Anti-Cheat, beziehungsweise durch die Weigerung Bungies, diesen zur Nutzung unter Linux freizugeben.

Hinsichtlich des Sounddesigns haben die Jungs und Mädels von Bungie ganze Arbeit geleistet: Die Waffen klingen überwiegend wunderbar kernig, entfernte Schüsse und Explosionen lassen sich überall auf den Maps gut verorten, Geräusche innerhalb Gebäuden hallen realistisch nach, werden jedoch nach außen hin gedämpft. Selbes gilt für die Schritte feindlicher Runner, die ebenfalls gut auszumachen sind, wenn man denn einmal realisiert hat, auf welche Sound-Hinweise zu achten ist, um einen umherlaufenden oder schleichenden Feind auszumachen.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte verlieren zu einem Thema, das mich seit den traumatischen Erfahrungen bei „Call of Duty: Black Ops 6“ und „BO7“ quasi verfolgt: Cheating. Ja, auch in „Marathon“ gibt es offensichtliche Cheater, die Wall-Hacks und Aim-Bots laufen haben. Von den ganzen Cronus-Usern und ihren Skripts auf PlayStation und Xbox fange ich gar nicht erst an. Gefühlt ist das Cheater-Aufkommen jedoch nicht ansatzweise so hoch wie in „CoD“, eher vergleichbar mit „Battlefield 6“, wo man alle paar Lobbies mal über einen mehr oder weniger offensichtlichen Cheat-User stolpert.

Fazit

Ganz ehrlich: So motivierend und spannend der Gameplay-Loop von „Marathon“, das unaufhörliche Sammeln von immer besseren Waffen, Mods, Hüllen-Verbesserungen und sonstigen Gegenständen, sowie der Nervenkitzel bei jedem einzelnen Exfil in den ersten Spielstunden auch waren: Es hat sich schnell abgenutzt! Wozu mache ich das alles überhaupt, was bringt es mir langfristig gesehen? Wer bin ich überhaupt und warum wird mein Bewusstsein immer und immer wieder in irgendwelche Androiden übertragen, auf dass ich im Auftrag von diversen merkwürdigen Fraktionen auf den immer selben dreieinhalb Maps durch die Gegend ballere? – „Marathon“ bleibt viele Antworten schuldig, da helfen auch nicht die zig Lore-Fetzen, die sich überall im unübersichtlichen Menü tummeln, oder die ein oder andere kryptische Zwischensequenz, wenn eine neue Fraktion-Mission angenommen wird. Das Spiel wirkt leider über weite Stecken ausgesprochen seelenlos, gewissermaßen – um mal im Duktus des Spiels zu bleiben – wie eine leere „Hülle“, die nicht ausreichend mit interessanten Inhalten gefüllt wurde.

Ja, die PVP-Kämpfe gegen andere Spieler und ganze Teams machen dank der Bungie-typischen Zutaten einigen Spaß und selbst die PVE-Fights gegen die UESC-Roboter können oftmals allein ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit geschuldet eine Herausforderung sein. Doch das trägt sich nicht auf Dauer; das, was der Spieler in der Release-Version geboten bekommt, ist alles in allem ziemlich dünne! Gäbe es nicht die strategisch geschickt gesetzte Level-Hürde bei der Außenposten-Map sowie das ein wenig merkwürdig anmutende ARG, das nun um die Enthüllung der vierten Map, auf der irgendwann einmal das Endgame steigen soll, veranstaltet wird, – der Spieler hätte nach vielleicht 10 Stunden bereits alles gesehen was „Marathon“ Stand jetzt zu bieten hat.

Für ein Spiel, das seit 2019 in Entwicklung war und sich im Grunde genommen nach wie vor noch in Entwicklung befindet – inzwischen also seit nunmehr sechs Jahren -, ist das nicht weniger als ein absolutes Armutszeugnis! Nein, zum jetzigen Zeitpunkt ist das, was Bungie und Sony da für immerhin knapp 40 Euro anbieten, kein Marathon, sondern eher ein 100-Meter-Lauf bei den Bundesjugendspielen!

gnubreW

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