Logitech G512X Gaming-Tastatur_

Neu          2. Juni 2026          Review          7 Min  •  1.366 Wörter          "Werbung"

Ich finde es wirklich, wirklich schade, dass es Roccat nicht mehr gibt. Ich mochte sowohl die Marke, als auch die gebotene Herstellungsqualität der Produkte sehr und war einigermaßen erstaunt, dass das Unternehmen vor rund zwei Jahren vom Markt verschwunden ist. Wobei, gänzlich verschwunden ist es nicht; das Produkt-Lineup wurde in Turtle Beach integriert. Das US-Unternehmen hatte Roccat in 2018 übernommen und erst als eigenständige Marke weiterlaufen lassen, bis man schließlich auf die Idee kam, sich die Produkte einzuverleiben und die Marke auf den Komposthaufen der Geschichte zu werfen.

Wer einen Blick auf mein aktuelles Linux-Gaming-Setup wirft, wird feststellen, dass ich nicht mehr allzu viele Roccat-Produkte auf meinem Schreibtisch stehen und liegen habe: Das Streamer-Mic „Roccat Torch“ (siehe meine Review) wurde zwischenzeitlich ersetzt und so ist es aktuell wirklich nur noch die Tastatur, auf der ich gerade diese Review tippe – und ganz ehrlich: Ich bin wechselwillig! Da wirkte es schon beinahe wie ein Fingerzeig des Schicksals, als vergangene Woche ein Paket von Logitech auf der Türschwelle lag. Darin lag, gut verpackt, eine Gaming-Tastatur: die „Logitech G512X“ in heller Optik als 98-Tasten-Variante mit Num-Pad und ohne dedizierte Funktionstasten!

In den letzten Tagen habe ich die Tastatur, die erst vor wenigen Tagen auf den Markt gekommen ist, auf Herz und Nieren testen können. Wie sich die „Logitech G512 X“-Gaming-Tastatur beim Webbrowsen, Coden und Zocken geschlagen hat, klärt mein ausführlicher Produkttest.

Bei dem Produkt handelt sich um ein Testprodukt, das vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist. Dies hat auf die Bewertung allerdings keinerlei Einfluss! Bitte trotzdem den Disclaimer zur Kenntnis nehmen!

Review

Die „Logitech G512 X“-Gaming-Tastatur kommt in einem gebrandeten und mit einer Produktabbildung (allerdings der QWERTY-Version) versehenen Karton, in dem sich neben der eigentlichen Hardware zudem noch ein knapp ein Meter langes (oder eher kurzes) USB-Anschlusskabel sowie eine Betriebsanleitung und einige Ersatzteile befinden. Die Tastatur wurde lobenswerterweise mit einer dünnen Folie umwickelt, um sie – insbesondere wohl die bedruckten Key-Caps – vor Beschädigungen zu schützen.

Die zum Betrieb der Tastatur benötigte Software „G HUB“ kann auf der offiziellen Website von Logitech heruntergeladen werden. Das Programm ist vonnöten, um etwa auf die Makro-Funktionalität der Tastatur zugreifen und die RGB-Effekte konfigurieren zu können. Auf Logitech.com stehen Versionen für Windows und Mac OS zum Download bereit, Linux-User in die Röhre. Für letztgenannte gibt es auf Github allerdings eine gute Alternative zu „G HUB“: „Solaar“. Wer indes lediglich die RGB-Effekte nach seinen Wünschen einstellen möchte, beispielsweise die Hintergrund-Beleuchtung der einzelnen Tasten oder die Farbgebung der ausladenden RGB-Bar unterhalb der Leertaste, ist mit dem Programm „OpenRGB“ gut beraten.

Logitech G512X

Zugeschickt wurde mir die „Logitech G512 X“ in heller Optik mit in Pastellgrün farblich abgesetzten Tasten und Drehreglern (für System-Lautstärke und Helligkeit der RGB-Beleuchtung), analogen und mechanischen Switches, deutschem QWERTZ-Tastenlayout ohne Funktionstasten-Bereich, dafür aber mit komplettem Num-Pad. Ich hatte mal eine Zeit lang eine Tastatur ohne Num-Pad – und ich hab’s recht schnell immens vermisst! Eine Besonderheit dieser Tastatur ist ein kleines unscheinbares Staufach an der Stirnseite des Gehäuses, hinter der sich Platz findet für bis zu Ersatz-Switches, -Key-Caps, SAPP-Ringe und zum Austausch eben dieser benötigtes Werkzeug. Einige Ersatz-Switches und -Key-Caps sowie SAPP-Ringe und Austausch-Werkzeug sind im Lieferumfang enthalten. Erwähnt werden sollen zudem die beiden ausklappbaren Standfüße, mit deren Hilfe der Anstellwinkel der Tastatur verändert werden kann. An der Unterseite sind sie zudem mit einer Gummischicht versehen, was ein unbeabsichtigtes Verrutschen der Tastatur auf dem Schreibtisch erschweren soll.

So weit, so gut; das waren die harten Fakten. Kommen wir zum berühmt-berüchtigten ersten Eindruck: Die kabelgebundene Gaming-Tastatur „Logitech G512 X“ macht auf mich einen ausgesprochen billigen, minderwertigen Eindruck. Das gesamte Gehäuse der Tastatur wurde aus Plastik gefertigt. Nimmt man es in beide Hände, lässt es sich ohne große Schwierigkeiten verwinden. Liegt die Tastatur auf der Schreibtischplatte auf, kommt es während längerer Belastung durch die ein oder andere Multiplayer-Session oder längere Schreibarbeiten nicht selten zu unschönen Knackgeräuschen, was den billigen Gesamteindruck nochmals verstärkt. Selbst meine alte Roccat Vulcan nennt einen Aluminium-Body ihr Eigen, was ihr eine grundsätzliche Stabilität verleiht, die man bei diesem Produkt vergeblich sucht.

Dafür empfinde ich den Anschlagspunkt der Tasten (einstellbar zwischen 0,1 – 4,0mm) sowie das von ihnen in Verbindung mit mechanischen Switches erzeugte „Tippgeräusch“ als ausgesprochen angenehm. Im sogenannten „Game Mode“, der über eine kleine Taste an der Stirnseite der Tastatur aktiviert werden kann, liegt die Übertragungsrate der Eingabesignale bei bis zu 8000/s, was in Spielen präzise, perfekt getimte Maneuver ermöglichen soll.

Was ich wiederum nicht verstehe: Wenn man auf einer Gaming-Tastatur schon einzelne Tasten und Bedienelemente farblich vom Rest absetzt, wieso um alles in der Welt nimmt man dann ausgerechnet u.a. die vier Pfeiltasten und nicht W-A-S-D und die Leertaste dafür her?! W-A-S-D und Leertaste sind bekanntlich die Grundbelegung eines jeden Shooters für vor und zurück Gehen, Strafen und Springen. Auch andere Genres werden heutzutage per W-A-S-D gesteuert. Die Pfeiltasten hingegen nimmt im Gaming-Bereich quasi niemand mehr für irgendwas her, diese Tasten wurden zuletzt Anfang der 2000er Jahre als Standard-Tastenbelegung eines PC-Spiels verwendet und erfreuen sich seitdem konstanter Nichtbeachtung.

Ganz eindeutig Kosten eingespart wurden vom Hersteller Logitech zudem bei der Beschriftung der Key-Caps: Zwar kommt die „Logitech G512 X“ nicht, wie etwa auf der Produktabbildung auf dem Karton zu sehen, mit komplett englischsprachigen Caps (z.B. „CTRL“ statt „STRG“), einige Aufdrucke wurden dennoch nicht übersetzt. So wurden die entsprechenden Caps etwa mit „PRNT“ (Print) statt „DRUCK“ und „DEL“ statt „ENT“ bedruckt. Apropos bedruckt: Die Oberfläche der einzelnen Caps ist leider nicht immer ganz gleichmäßig, so dass hier und da doch mal etwas zu viel Licht durchscheint und die Konturen der Buchstaben nicht immer ganz scharf sind. Vielleicht habe ich aber auch nur ein Montagsgerät erwischt…

Besagte Caps sind übrigens super-schnell ausgetauscht, falls im Eifer des Gefechts dann doch mal eines zu Bruch gehen sollte. Selbes gilt für die verbauten Switches, denn bei der „Logitech G512 X“ handelt es sich um eine Gaming-Tastatur, die auf „Dual-Swap-Technology“ setzt. Aus dem Marketing-Sprech übersetzt bedeutet dies, dass die standardmäßig verbauten Switches und Caps vom Nutzer in Eigenregie ausgebaut und ersetzt werden können. Bei Bedarf ist sogar ein Wechsel von magnetischen analogen auf mechanische Schalter – und vice versa – möglich. Wer mag, kann die Key-Caps auch einfach „just for Fun“ tauschen, um etwa von der meiner Meinung nach recht gruseligen pastellgrünen Farbgebung der abgesetzten Tasten wegzukommen.

Zum Abschluss sei nochmals die RGB-Funktionalität der „Logitech G512 X“ erwähnt. Zu RGB-Beleuchtung an Hardware, Maus und Tastatur kann man bekanntlich stehen wie man will. Ich persönlich mag RGB und nutze es auch exzessiv, um Maus, Tastatur sowie das Innenleben meines Gaming-PCs optisch miteinander harmonieren zulassen. Bei der rezensierten „Logitech G512 X“ fällt mir allerdings der ausladende RGB-Streifen unterhalb der Leertaste extrem negativ auf. Stellt man in „G HUB“ oder einer alternativen RGB-Software eine mittlere Leuchtintensität ein, ist der Streifen bereits extrem hell, während sich die Helligkeit der einzelnen Tastenbeschriftungen noch in Grenzen hält, ja im Vergleich beinahe schon zu schwach ist. Das beschriebene Problem verstärkt sich weiter, wenn man die Tastatur in Verbindung mit der optional erhältlichen Handballenauflage nutzt. Diese verlängert den Leuchtbereich des RGB-Streifens in Richtung Schreibtischkante. Ich persönlich empfinde dieses intensive Leuchten am unteren Rand der Tastatur jedenfalls als extrem ablenkend.

Fazit

Die „Logitech G512 X“ ist eine solide, allerdings nicht beeindruckende Gaming-Tastatur, die einzig mit ihren wertig verarbeiteten Switches, einem guten Anschlagpunkt der Tasten sowie einem angenehmen Klang eben dieser punkten kann. Dem gegenüber stehen eine billige Verarbeitung, die mit ganz viel Plastik daher und ohne hochwertige Materialien auskommt, eine diskussionswürdige Auswahl der farblich abgesetzten Tasten sowie eine RGB-Leiste, die eher vom Geschehen auf Monitor ablenkt als bloß gut auszusehen. Dass Hersteller Logitech nach wie vor keinen offiziellen Support für Linux in Form einer nativen „G HUB“-App bietet, kommt erschwerend hinzu.

Ich persönlich würde für diese Logitech-Gaming-Tastatur keine 220 Euro ausgeben.

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