Logitech G512 X Gaming-Tastatur_

Neu          2. Juni 2026          Review          9 Min  •  1.813 Wörter          "Werbung"

Ich finde es wirklich, wirklich schade, dass es Roccat nicht mehr gibt. Ich mochte sowohl die Marke, als auch die gebotene Herstellungsqualität der Produkte sehr und war einigermaßen erstaunt, dass das Unternehmen vor rund zwei Jahren vom Markt verschwunden ist. Wobei, gänzlich verschwunden ist es nicht; das Produkt-Lineup wurde in Turtle Beach integriert. Das US-Unternehmen hatte Roccat in 2018 übernommen und erst als eigenständige Marke weiterlaufen lassen, bis man schließlich auf die Idee kam, sich die Produkte einzuverleiben und die Marke auf den Komposthaufen der Geschichte zu werfen.

Wer einen Blick auf mein aktuelles Linux-Gaming-Setup wirft, wird feststellen, dass ich nicht mehr allzu viele Roccat-Produkte auf meinem Schreibtisch stehen und liegen habe: Das Streamer-Mic „Roccat Torch“ (siehe meine Review) wurde zwischenzeitlich ersetzt und so ist es aktuell wirklich nur noch die Tastatur, auf der ich gerade diese Review tippe – und ganz ehrlich: Ich bin wechselwillig! Da wirkte es schon beinahe wie ein Fingerzeig des Schicksals, als vergangene Woche ein Paket von Logitech auf der Türschwelle lag. Darin lag, gut verpackt, eine Gaming-Tastatur: die „Logitech G512 X“ in heller Optik als 98-Tasten-Variante mit Num-Pad und ohne dedizierten Funktionstastenblock!

In den letzten Tagen habe ich die Tastatur, die erst vor wenigen Tagen auf den Markt gekommen ist, auf Herz und Nieren testen können. Wie sich die „Logitech G512 X“-Gaming-Tastatur beim Webbrowsen, Coden und Zocken geschlagen hat, klärt mein ausführlicher Produkttest.

Bei dem rezensierten Produkt handelt sich um ein Testmuster, das vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Dies hat auf die Bewertung allerdings keinen Einfluss! Bitte trotzdem den Disclaimer zur Kenntnis nehmen!

Review

Die kabelgebundene „Logitech G512 X“ kommt in einem Karton auf dem eine Produktabbildung zu sehen ist, die mit dem eigentlichen Inhalt nicht ganz identisch ist, denn sie zeigt das QWERTY-Tastenlayout anstatt des hierzulande geläufigen QWERTZ-Layouts. Im Karton befinden sich neben der Gaming-Tastatur zudem noch ein knapp ein Meter langes (oder eher kurzes) USB-Kabel für den Anschluss am PC sowie eine Betriebsanleitung und einige Ersatzteile. Lobenswerterweise wurde die Tastatur mit einer dünnen Folie umwickelt, um sie – insbesondere wohl die bedruckten Key-Caps – vor Beschädigungen zu schützen.

Die zur vollumfänglichen Nutzung der Tastatur notwendige Software „G HUB“ kann auf der offiziellen Logitech-Website heruntergeladen werden. Das Programm ist nicht zwingend vonnöten, muss jedoch auf dem System installiert sein, um etwa auf die Makro-Funktionalität der Tastatur zugreifen und RGB-Effekte konfigurieren zu können. Auf Logitech.com stehen App-Versionen für Windows und Mac OS zum Download bereit, Linux-User gucken hingegen in die Röhre. In Anbetracht der Tatsache, dass inzwischen mehr PC-Spieler eine Linux-Distro als Betriebssystem nutzen als Mac OS, ist das eine unverständliche Business-Entscheidung seitens Logitech. Für Linuxer gibt es auf Github allerdings eine gute Alternative zu der für sie nicht vorhandenen „G HUB“-App: „Solaar“. Wer lediglich die RGB-Effekte nach seinen Wünschen konfigurieren möchte, beispielsweise die Hintergrund-Beleuchtung der einzelnen Tasten oder die Farbgebung der ausladenden RGB-Bar unterhalb der Leertaste, ist indes mit dem Programm „OpenRGB“ gut beraten.

Logitech G512X

Für diese Review zur Verfügung gestellt wurde die „Logitech G512 X“ nicht etwa in der weit verbreiteten dunklen, sondern in einer schmucken hellen Ausführung, bei der die Pfeiltasten und Escape sowie die beiden neckischen Drehregler für die System-Lautstärke und die Helligkeit der RGB-Beleuchtung in Pastellgrün farblich abgesetzten wurden. Die Tastatur kommt mit analogen und mechanischen Key-Switches, einem deutschem QWERTZ-Tastenlayout mit wegrationalisierten Funktionstasten, dafür jedoch mit Num-Pad. Ich hatte vor ein paar Jahren mal eine Zeit lang eine Tastatur ohne Num-Pad – und hab’s recht schnell sehr vermisst! Natürlich ist eine Tastatur mit Num-Pad immer etwas größer dimensioniert als beispielsweise eine TKL-Tastatur, aber das macht mir persönlich nichts aus.

Eine Besonderheit der „G512 X“ ist das kleine Staufach an der zum Monitor gerichteten Stirnseite des Tastatur-Gehäuses. In diesem können Ersatz-Switches und -Key-Caps, optional einsetzbare SAPP-Dämpfungsringe sowie das zum Ein- und Ausbau benötigte Werkzeug aufbewahrt werden. Ein paar Ersatz-Switches, -Key-Caps und SAPP-Ringe sind im Lieferumfang enthalten, damit das Flach gleich befüllt werden kann. Erwähnt werden sollten zudem auch die beiden ausklappbaren Standfüße, mit deren Hilfe der Anstellwinkel der Tastatur verändert werden kann. An ihrer Unterseite sind diese mit einer dünnen Gummischicht versehen, wodurch ein unbeabsichtigtes Verrutschen der Tastatur auf der Schreibtischplatte verhindert werden soll.

So weit, so gut; das waren die harten Fakten. Kommen wir zum berühmt-berüchtigten ersten Eindruck nach dem Auspacken: Ich sag’s mal ganz frei raus: Die „Logitech G512 X“ Gaming-Tastatur macht auf mich einen ausgesprochen billigen, minderwertigen – ok, vielleicht ein wenig positiver ausgedrückt: einen nicht ganz wertigen Eindruck. Das gesamte Gehäuse der Tastatur wurde aus Plastik gefertigt: Die Schale, die Seitenwände, der Bereich unter den Tasten, einfach alles! Nimmt man die Tastatur in beide Hände, lässt sie, beziehungsweise ihr Plastikgehäuse sich ohne größere Schwierigkeiten um ein, zwei Millimeter verwinden. Liegt die Tastatur auf der Schreibtischplatte auf, kommt es während längerer intensiver Belastung durch die ein oder andere Multiplayer-Session oder längere Schreibarbeiten nicht selten zu unschönen Knackgeräuschen, was den billigen Gesamteindruck nochmals verstärkt. Zum Vergleich: Meine ein wenig in die Tage gekommene „Roccat Vulcan“ nennt einen Aluminium-Body ihr Eigen, was ihr eine grundsätzliche Stabilität und optische Wertigkeit verleiht, die man bei diesem deutlich hochpreisigeren Produkt vergeblich sucht. Da knackt nichts, da lässt sich nichts verwinden.

Dafür empfinde ich den von 0,1 – 4,0mm feinjustierbaren Anschlagspunkt der Tasten sowie ihr Spacing als ausgesprochen angenehm. Auch das von angeschlagenen Tasten in Verbindung mit den beiliegenden mechanischen Switches erzeugte dezente „Tippgeräusch“ kann sich meiner Meinung nach hören lassen! Zumindest wenn es um Gaming geht, mag ich meine Tastaturen gerne leise. Wenn’s um Schreibarbeit und Coding geht, darf sie hingegen gern ein bisschen lauter sein. Die „G512 X“ trifft bei diesem Punkt also voll ins Schwarze!

Auch cool: Im sogenannten „Game Mode“, einem Betriebsmodus, der über eine kleine Taste an der Stirnseite der Tastatur an- und ausgeschaltet und über die „G HUB“-App konfiguriert werden kann, liegt die Übertragungsrate der Eingabesignale bei bis zu 8K/s, was in PC-Spielen – zumindest in der Theorie – super-schnelle Reaktionen und präzise, perfekt getimte Maneuver ermöglichen soll. Überprüfen kann ich diese Aussagen des Herstellers, die gefährlich nach Marketing-Bullshit-Bingo klingen, freilich nicht.

Platzhalter

Was ich wirklich nicht verstehe: Wenn man auf einer sogenannten Gaming-Tastatur schon einzelne Tasten und Bedienelemente vom Rest optisch absetzt, indem man ihnen eine andere Farbgebung verpasst, wieso um alles in der Welt nimmt man dann ausgerechnet u.a. die vier Pfeiltasten statt der naheliegenden Kombination W-A-S-D und Leertaste dafür her?! W-A-S-D und Leertaste sind bekanntlich seit vielen Jahren für die meisten Maus-und-Tastatur-Zocker die Standard-Tastenbelegung eines jeden Shooters für vor und zurück Gehen, Strafen und Springen. Auch andere Genres werden heutzutage, so sie denn mit Maus und Tastatur gezockt werden, in der Regel per W-A-S-D gesteuert. Die Pfeiltasten hingegen nimmt im Gaming-Bereich quasi niemand mehr für irgendwas her, diese Tasten wurden zuletzt Anfang der 2000er Jahre als Standard-Tastenbelegung verwendet und erfreuen sich seitdem konsequenter Nichtbeachtung. Überhaupt wurde bei der optischen Gestaltung der Tastatur einiges an Potenzial liegen gelassen. Beliebte Marken wie Ducky zeigen mit ihren verspielten Designs, was in der Hinsicht so alles möglich ist.

Ganz eindeutig Kosten eingespart wurden vom Hersteller zudem bei der Beschriftung der Key-Caps: Zwar kommt die „Logitech G512 X“ nicht, wie etwa auf der Produktabbildung auf dem Karton zu sehen, mit komplett englischsprachigen Beschriftungen der Caps (z.B. „CTRL“ statt „STRG“), einige Aufdrucke wurden aber dennoch nicht ins Deutsche übersetzt. So wurden die entsprechenden Caps etwa mit „PRNT“ (Print) statt „DRUCK“ und „DEL“ statt „ENT“ bedruckt. Apropos bedruckt: Die Oberfläche der einzelnen Caps ist leider nicht immer ganz gleichmäßig geraten, so dass hier und da dann doch mal etwas zu viel Licht durchscheint oder die Konturen der Buchstaben nicht immer ganz scharf sind. Dies fällt insbesondere in einem abgedunkelten Raum negativ ins Auge. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur ein Montagsgerät samt qualitativ passender Caps erwischt…

Besagte Key-Caps sind übrigens super-schnell ausgetauscht, wenn im Eifer des Gefechts dann doch mal eine zu Bruch gehen oder sich abgenutzt haben sollte; die Caps sind nur aufgesteckt. Selbes gilt für die in der Tastatur verbauten Switches, die nicht fest verbaut, sondern lediglich in ihre „Hot-Swap“-fähigen Sockel eingeklipst sind und dementsprechend gewechselt werden können. Bei der „Logitech G512 X“ handelt es sich um eine Gaming-Tastatur, die auf die „Dual-Swap-Technology“ setzt, was aus dem Marketing-Sprech übersetzt in etwa bedeutet, dass die verbauten Switches und Caps vom Nutzer in Eigenregie ausgebaut, gewartet und gegebenenfalls auch ersetzt werden können. Bei Bedarf ist sogar ein Wechsel von magnetischen analogen auf von mir stets bevorzugte mechanische Switches – und vice versa – möglich. Wer mag, kann Switches und Caps auch einfach „just for Fun“ tauschen, etwa um von der meiner Meinung nach recht gruseligen pastellgrünen Farbgebung der abgesetzten Tasten wegzukommen.

Zum Abschluss sei nochmals die RGB-Funktionalität der „Logitech G512 X“ erwähnt. Zu knallig-bunter RGB-Beleuchtung an PC-Hardware, Maus und Tastatur kann man bekanntlich stehen wie man will. Ich persönlich mag RGB und nutze es, um Maus, Tastatur sowie das Innenleben meines Gaming-PCs optisch miteinander harmonieren zu lassen und auf meinem Schreibtisch einen stimmigen Gesamteindruck zu erzeugen. Bei der reviewten „Logitech G512 X“ fällt mir allerdings der ausladende, sich über die gesamte Breite des Tastatur-Gehäuses erstreckende RGB-Streifen unterhalb der Leertaste extrem negativ auf. Stellt man in „G HUB“ oder einer alternativen RGB-Software eine mittlere Leuchtintensität ein, ist der Streifen schon extrem hell, während sich die Helligkeit der einzelnen Tastenbeschriftungen noch in Grenzen hält, ja im Vergleich beinahe schon zu schwach ist. Das beschriebene Problem verstärkt sich weiter, wenn man die Tastatur in Verbindung mit der optional erhältlichen Handballenauflage nutzt. Dieses meiner Meinung nach absurd teure Addon vergrößert den Leuchtbereich des RGB-Streifens in Richtung Schreibtischkante nochmals um einige Zentimeter. Ich persönlich empfinde dieses intensive Leuchten am unteren Rand der Tastatur jedenfalls als extrem ablenkend.

Fazit

Die „Logitech G512 X“ ist eine solide, allerdings keine beeindruckende Gaming-Tastatur, die einzig mit ihren wertig verarbeiteten Switches, einem guten Anschlagpunkt der Tasten sowie einem angenehmen Klang eben dieser punkten kann. Dem gegenüber stehen eine für meine Begriffe recht billige Verarbeitung, die mit ganz viel Plastik daher und ohne wertige Materialien auskommt, eine diskussionswürdige Auswahl der farblich abgesetzten Tasten sowie eine RGB-Leiste, die eher vom Geschehen auf Monitor ablenkt als bloß gut auszusehen. Dass Hersteller Logitech nach wie vor keinen offiziellen Support für Linux in Form einer nativen „G HUB“-App anbietet, kommt erschwerend hinzu – passt aber ins Bild.

Ich persönlich würde für diese Logitech-Tastatur keine 220 Euro ausgeben.

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