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InaiMathi Blog

Review: NBA Live 18 (Demo)

NBA Live 18 (Demo) - © Electronic Arts

EA Sports‘ „NBA Live 16“ war ist ein solides Basketball-Videospiel. Nein, ernsthaft: Ich hab’s seinerzeit gemocht und viele, viele Stunden im Online-Multiplayer gezockt. Am vergangenen Freitag, den 11. August 2017 ist nun die offizielle Demo zum Nachfolger „NBA Live 18“ erschienen. Und dieser will mit einigen Gameplay-Verbesserungen und einem nicht abzustreitenden Fokus auf den Streetball-Modus namens „The Streets“ verloren Boden gutmachen und sich als eine zugängliche Alternative zum Genreprimus „NBA 2K“ positionieren.

Ich habe mir die gut und gerne 22GB große Demoversion auf meine PlayStation 4 Pro gezogen und anschließend einige Stunden lang das Hardwood unsicher gemacht, um „NBA Live 18“ unter die sprichwörtliche Lupe zu nehmen und, um diese Review hier schreiben zu können, auf Herz und Nieren zu testen. Haben die Macher von EA Tiburon Wort gehalten und ihre in den vergangenen Jahren viel kritisierte Basketball-Sim an den entscheidenden Stellen nachgebessert? Oder wird auch „NBA Live 18“ dem durchaus grassierenden Hype nicht gerecht, entpuppt sich am Ende gar als spielerischer Totalausfall?

Antworten auf diese und weitere Fragen, die Fans unter den Nägeln brennen dürften, liefert die folgende ausführliche Review zur PS4-Demo (v1.03) von „NBA Live 18“.

NBA Live 18 (Demo)
2017, Sportspiel, PlayStation 4
EA Sports / Electronic Arts
www.NBALive.com

Spieletrailer

Beschreibung
„Erleben Sie mit The One in ‚NBA Live 18‘ ein neues dynamisches Karriereerlebnis, in dem sich alles um Ihren Spieler, Ihre Entscheidungen und Ihr Vermächtnis dreht. Schaffen Sie eine einzigartige Spieleridentität und werden Sie zur Legende, indem Sie Ihre Rolle auf dem Spielfeld perfekt erfüllen und Ihre einzigartigen Fähigkeiten einsetzen. Werden Sie in der Liga und auf der Straße der beste Basketballspieler der Welt. Spielen Sie mit oder gegen andere Spieler und bestreiten Sie bei Live-Events Solo-, Koop- und Multiplayer-Herausforderungen. Beherrschen Sie das Spielfeld mit einem innovativen One-on-One-Gameplay, das Ihnen ein ganzes Arsenal neuer Moves für jede Position sowie eine einzigartige Kontrolle gewährt. Zeigen Sie, was Sie können, indem Sie Ihr Lieblingsteam im Franchise-Modus und in Live Ultimate Team bis ganz nach oben führen.“ – Quelle

Kritik
Die offizielle Demo von „NBA Live 18“ bietet dem geneigten Basketball-affinen Zocker die Gelegenheit selbst Hand anlegen und sich schon vor dem Release am 15. September 2017 von den zweifelsohne vorhandenen Qualitäten des Videospiels überzeugen zu können. Die Testversion umfasst insgesamt acht spielbare Streetball-Matches, die unter anderem auf solch legendären US-Basketball-Courts wie Rucker Park in NYC, Venice Beach in Los Angeles, Dyckman Park in NYC sowie in der Drew League in L.A. ausgetragen werden, sowie darüber hinaus ein Ligaspiel der NBA-Saison 2017/18 zwischen den Cleveland Cavaliers und den amtierenden Champions Golden State Warriors. Spieler können überdies ihren eigenen Baller kreieren (zum Editor folgt weiter unten mehr), mit allerhand Items (z.B. Tops, Hosen, Kickz und sonstige Basketball-Utensilien) nach eigenem Gusto ausstatten und durch gute Leistungen auf dem Court bis maximal Level 20 hochleveln. Ein darüber hinausgehender Charakter-Fortschritt ist in der Demoversion des Spiels nicht möglich. Wer irgendwann einmal die Vollversion des Spiels besitzt, wird auf Wunsch jedoch genau dort weitermachen können wo er aufgehört hat, sprich: er wird den letzten Spielstand der Demo importieren können.

Angemerkt sei, dass die vor knapp zwei Wochen enthüllte Integration der WNBA in der „NBA Live 18“-Demo nicht mit von der Partie ist und somit nicht angetestet werden kann. Das ist schade, immerhin handelt es sich bei der WNBA um ein echtes Alleinstellungsmerkmal von „NBA Live 18“, mit welchem der große Konkurrent „NBA 2K18“ bekanntlich nicht wird aufwarten können – zumindest in 2017 nicht.

Schon kurz nach dem Tip-off des ersten Matches wird klar: „NBA Live 18“ spielt sich noch einen ganzen Ticken simulationslastiger als es schon der Vorgänger tat. Die Spieler bewegen sich je nach Körpermasse und Stats realistisch-träge über den Platz, Richtungsänderungen sowie Bewegungen werden nicht mehr wie in zu Arcade-Zeiten prompt wie auf Kommando ausgeführt, sondern benötigen wie in der Realität mal mehr mal weniger Zeit, um ausgeführt, bzw. umgesetzt zu werden. Die Animation der diversen Moves ist den Jungs und Mädels von EA Tiburon dabei größtenteils gelungen, Bewegungen gehen butterweich ineinander über, abgehakte Breaks gibt es kaum. Der ein oder andere „NBA Live“-Kritiker will eine „Steifheit“ der Animationen ausgemacht haben; eine Sicht der Dinge, die ich für meinen Teil nicht nachvollziehen kann. Auch in Sachen Variantenreichtum hat sich einiges getan: EA verspricht „hunderte“ neue und überarbeitete Animationen, die ins Spiel eingebaut wurden, – und ja, diese machen sich auf und neben dem Platz durchaus positiv bemerkbar. An dieser Stelle möchte ich kurz auf ein Phänomen zu sprechen kommen, dass ich nicht wirklich negativ finde, aber eben auffällig: die Spielgeschwindigkeit. Für meinen Geschmack läuft das Geschehen einen Ticken zu langsam ab, merklich langsamer etwa als 2K, was wiederum den Eindruck erweckt, bzw. verstärkt, das Gameplay wäre trägt, irgendwie schwammig, weniger intuitiv. Aber vielleicht geht es auch nur mir so. Wer Bedarf sieht, kann u.a. die Spielgeschwindigkeit der Singleplayer-Modi in den Optionen an seine Vorlieben anpassen. Alles in allem kann man sagen, dass „NBA Live 18“ sehr nach einer seriösen Basketball-Simulation ausschaut – und sich auch exakt so spielt.

Ziemlich cool ist das brandneue Dribbling-System von „NBA Live 18“: Dribble-Moves werden mit dem Pro-Stick (dem rechten Stick) ausgeführt und können durch zusätzliches Betätigen eines Move-Multiplikators wie z.B. R2/RT noch die ein oder andere Finesse erweitert werden. Welche Moves genau ausgeführt werden können, wird dabei nur vom ausgerüsteten Animations-Set (eigener Spieler), respektive der Realität (NBA-Spieler) begrenzt. So nennt beispielsweise ein absoluter Superstar wie LeBron James realistischerweise andere Moves sein Eigen als Dirk Nowitzski oder Rookies wie Lonzo Ball (L.A. Lakers) oder Donovan Mitchell (Utah Jazz). Doch aufgepasst, das neue Dribbling-System ist skill-basiert: Wer es am Pro-Stick übertreibt und wie in „NBA 2K“ wahl- wie endlos Moves aneinander kettet, um sich an seinen Gegenspielern vorbei zum Korb zu „cheesen“, und dabei unter Umständen sogar den Rhythmus aus den Augen verliert – was im Eifer des Gefechts schon mal passieren kann -, riskiert einen raschen Turnover und den Unmut der Teamkollegen.
Auch in der Defense hat sich in „NBA Live 18“ einiges getan: Befindet man sich im 1-on-1 mit seinem Gegenspieler, so bekommt man nun durch einen kleinen Pfeil im Bereich des Shot-Meter an den Füßen des eigenen Spielers angezeigt, wohin man diesen idealerweise bewegen sollte, um den gegnerischen Vorwärtsdrang effektiv stoppen zu können. Trifft man den idealen Zeitpunkt, so sind sogar spektakuläre Steals möglich. Mir persönlich gefällt das neue Defense-System, da es spielerische Tiefe sowie einiges „Reinfuchs-Potenzial“ mit sich bringt und sich zudem nahtlos in den Gameplay-Flow einfügt.

In „NBA Live 18“ scheint EA endlich das chronisch-nervige Warping von Ball (wird von den Händen der Spieler „magnetisch“ angezogen) und Spielern („rutschen“ auf dem Court herum) in den Griff bekommen zu haben, das sich wie ein roter Faden durch die bisherigen Iterationen des „NBA Live“-Franchise gezogen hat. Auch die teils merkwürdigen Flugbahnen des Spielgeräts wider jeder Physik halten sich inzwischen in Grenzen. Ab und an kommt es zwar weiterhin zu WTF?!-Momenten, etwa wenn der ball vom Parkett erst auf den Rahmen springt, dort dann einen halben Meter entlang rollt und schließlich in den Korb fällt, doch zum Glück kommen solche Momente nun erheblich seltener vor.
Während im Streetball-Modus von „NBA Live 18“, obwohl auch in diesem Referees rumrennen, keinerlei Fouls gepfiffen, geschweige denn geahndet werden, geschieht dies im Ligabetrieb aka „The League“ nun – zumindest gefühlt – häufiger und zuverlässiger denn je, was ich ebenfalls als eine positive Weiterentwicklung empfunden habe. Gleichfalls überarbeitet haben die Macher des Spacing der auf dem Platz befindlichen Spieler sowie deren Laufwege. Negativ: Nach wie vor nutzen die Teams in „NBA Live“ nicht die für sie in der Realität typischen Strategien und Spielzüge, sondern greifen stattdessen alle auf dasselbe Playbook zurück.

Apropos Shot-Meter: Eben dieses gibt’s inzwischen in zwei Varianten. Zum einen das klassische Kreismenü im Bereich der Füße des Spielers, zum anderen eine vertikale Ausführung in Balkenform, die neben dem Spieler erscheint, wenn ein Wurfversuch gestartet wird. Ich finde, EA Sports sollte sich langsam mal entscheiden, welches der beiden Shot-Meter-Konzepte sie nutzen wollen, denn beide gleichzeitig aktiv zu haben, ist definitiv zuviel des Guten. Zumal beide Shot-Meter dem Spieler identische Informationen liefern.

Der überwältigende Teil der NBA-Spieler in „NBA Live 18“ wurde von EA Sports aufwendig eingescannt und wird somit annähernd korrekt im Spiel repräsentiert. Lediglich vereinzelt sollten die Entwickler nochmal Hand anlegen, etwa um einige markante Details nachzubessern. Ansonsten gefallen mir die meisten Spieler in „NBA Live 18“ besser als ihre Gegenstücke in „NBA 2K18“. Übrigens wurden erstmals auch sämtliche Coaches der NBA-Saison 2017/18 sowie wichtige Liga-Persönlichkeiten wie z.B. NBA-Commissioner Adam Silver eingescannt, was die Chance, sie im finalen Spiel wiederzuerkennen, um einiges erhöht hat. Bedauerlicherweise haben nach wie vor nicht alle NBA-Stars ihre jeweiligen Moves und Signatures spendiert bekommen, was ich inzwischen nur noch unverständlich finde. Auch zahlreiche typischen Gesten und Rituale, die schlicht und ergreifend einiges an NBA-Flair schaffen würden, glänzen nach wie vor durch völlige Abwesenheit. Peinlich: Die „Stir the Pot“-Celebration von Cover-Athlet James Harden wird im Spiel spiegelverkehrt abgespielt. Ebenfalls unerklärlich: „NBA Live 18“ kennt lediglich eine einzige Freiwurf-Animation. Ganz egal wer an die Linie tritt – es sei denn, er gehört einem erlauchten Kreis von absoluten Superstars an -, führt diese eine bereits aus „NBA Live 16“ bekannte Freiwurf-Animation aus. Warum ist das so? Hat sich tatsächlich in den vergangenen gut und gerne zwei Jahren niemand gefunden, der ein paar Alternativen ins Spiel implementiert?

Der Charakter-Editor von „NBA Live 18“, mit dessen Hilfe man sich seinen eigenen künftigen NBA-Superstar basteln kann, kommt allenfalls spartanisch-funktional daher. Er umfasst wenige Dutzend Gesichts- und Körper-Vorlagen verschiedener Hautfarben, aus denen man sich seinen Spieler zusammenklicken kann. Kein Vergleich zu dem aufgebohrten Monster-Editor aus „NBA 2K17“, bei dem es sogar möglich war, millimeterkleine Änderungen an der Nasolabialfalte vorzunehmen! Wem der spartanische Editor in „NBA Live 18“ nicht genügt, kann auch zur kostenlosen „NBA Live“ Companion-App greifen (Download für Android & iOS) und mit deren Hilfe sein eigenes Gesicht einscannen und via Gameface-Feature ins Spiel übertragen. Dies funktioniert in der Regel tadellos. Sollten Problem auftreten, finden sich im Web einige hilfreiche How-To Guides. Nach wie vor sehr begrenzt ist zudem die Anzahl an verfügbaren Animationen, mit denen man seinem eigenen Baller spielerischen Charakter einhauchen kann. Auch hier bietet die Konkurrenz einiges mehr!

Wie eingangs erwähnt, ist es in „NBA Live 18“ möglich, seinen eigenen Baller optisch an seinen Geschmack anzupassen. Ins Spiel integriert wurden wie schon in der Vergangenheit einige Klamotten, Schuhe und Basketball-Utensilien diverser namhafter Marken wie Nike, Adidas, Jordan und Under Armour. Allerdings ist es nicht mehr wie früher möglich, diese von Level 1 an ohne irgendwelche Einschränkungen und Limitierungen nach eigenem Gusto zusammen zu stellen, bzw. zu kaufen. Stattdessen muss man nun mit erspielten Credits erst sogenannte Loot-Crates erwerben, in denen wiederum jeweils mindestens ein zufälliges Outfit-Item, eine neue Animation oder sonst eine wie auch immer geartete Verbesserung für den eigenen Baller enthalten ist. Wer Fortuna auf seiner Seite hat, findet in der Crate vielleicht sogar noch ein weiteres Bonus-Item vor. – Ich persönlich bin kein großer Fan des neuen Systems. Ich will nicht zeitaufwendig zahllose Loot-Crates kaufen und öffnen müssen, bis ich irgendwann exakt jene Items zusammen habe, mit denen ich meinen Charakter antreten lassen will! Nicht wenige Spieler schauen aufgrund des neuen System beliebig zusammengewürfelt und damit in meinen Augen recht unansehnlich aus.

Seit einigen Jahren schon ist Electronic Arts im Besitz der offiziellen ESPN-Lizenz. Hatte sich diese bis dato lediglich im Bereich des On-Air Designs sowie des Kommentars bemerkbar gemacht, so geht EA mit „NBA Live 18“ nun endlich all-in: Die „The One“-Storyline wird u.a. im Rahmen der ESPN-Show „First Take“ weitergesponnen, stilecht in Realfilm-Zwischensequenzen. Als Gastgeber fungieren Stephen A. Smith und Max Kellerman, die allerdings was den Kultfaktor betrifft bei weitem nicht an „Team 2K“ aka Ernie Johnson, Kenny ‚The Jet‘ Smith und Shaq heranreichen. Klar, hier hat man sich offensichtlich bei der Konkurrenz bedient; bei der die Zwischensequenzen allerdings vollständig in Spielegrafik ablaufen. Während NBA-Ligaspielen gibt es auch weiterhin echten ESPN-Kommentar, der zwar passagenweise neu eingesprochen wurde, allerdings weiterhin extrem hölzern daher kommt, sowie das aufgefrischte 2017er On-Air Design des Networks.

„NBA Live 18“ mag zwar nicht unbedingt das optisch beeindruckendste Sportspiel aller Zeiten sein, nichtsdestotrotz kann es sich sehen lassen und braucht den direkten Vergleich mit 2K nicht scheuen. Das Geschehen läuft mit 60FPS butterweich über den TV-Bildschirm. NBA-Spieler, Coaches sowie die lizensierten Arenen und Streetball-Courts sind der Realität nachempfunden und durch die Bank überaus ansehnlich, schließlich können sie mit zahlreiche Details sowie in der Regel scharfe Texturen aufwarten. Die Animationsqualität ist ebenfalls über jeden Zweifel erheben. Kleine Details wie schweißnasse Haut, Schweißflecken auf der Kleidung sowie in der Bewegung realistisch flatternde Nike-Jerseys und Klamotten tun ihr übriges, um den durch und durch sehr guten grafischen Gesamteindruck abzurunden.
Auf der Audioseite gibt es einen durchaus hörenswerten Soundtrack, der es immerhin auf insgesamt 31 Tracks bringt (reinhören auf Spotify), sowie den wie erwähnt abermals nicht sonderlich gelungenen ESPN-Kommentar zu erwähnen.

Fazit
EA Sports dürfte – das nehme ich jedenfalls aus der Demoversion mit – mit „NBA Live 18“ einen großen Schritt in die richtige Richtung machen. Ein richtig gelungener erster Eindruck! Das simulationslastige Gameplay fühlt sich grundlegend gut an – anders als 2K zwar, aber dennoch gut -, die Fokussierung auf Streetball ist goldrichtig, die Implementierung der WNBA war überfällig. Technisch gibt es nicht allzu viel zu meckern, und ja, wenn nächstes Jahr dann auch noch der Umfang stimmt, muss sich die Konkurrenz deutlich wärmer anziehen als bisher. Entscheidend für den mittelfristigen Erfolg des – imho zu recht! – viel gescholtenen „NBA Live“-Franchise wird sein, ob es EA gelingt, das über all die Jahre verloren gegangene Vertrauen der Spieler durch solide Releases und Schmankerl wie beispielsweise einen niedrigeren Verkaufspreis peu á peu zurück zu gewinnen.

„NBA Live 18“ ist der erste Teil der Reihe seit NBA Live 09, dessen Release ich einigermaßen gespannt entgegenfiebere. Und das soll schon was heißen!

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