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Was bei Schlag den Raab im Argen liegt

schlag-den-raabVergangene Nacht um kurz nach halb zwei gewann Kieferchirurgin Maria K. bei “Schlag den Raab” den Jackpot von 1,5 Mio. Euro. Nicht unbedingt durch Leistung oder Skills, sondern insbesondere enormem Glück geschuldet, welches sie in den letzten beiden Spielen doch noch am bis dahin haushoch überlegenen Stefan Raab hat vorbeiziehen lassen. Als ich die Kandidatin mit Freund (?) und Familie feiern sah, dachte ich so bei mir: Mensch, wäre es nicht mal an der Zeit, dass bei “Schlag den Raab” Kandidaten eine Chance erhalten, die es wirklich nötig haben?

Schauen wir uns doch einfach mal all die Menschen an, für die in neun von zehn Fällen zu Beginn der Show angerufen werden kann, um sie als Kandidat ins Rennen um den Millionen-Jackpot zu schicken: Als da wären angehende oder bereits praktizierende Ärzte, augenscheinlich aus gesicherten Verhältnissen stammende Studenten, die überdies kurz vor ihrem Masterabschluss stehen, Bundeswehrsoldaten oder Polizisten höheren Dienstrangs, sonstige Beamte, ehemalige Profisportler und und und – kurz gesagt: größtenteils Menschen, die offenbar gut betuchten Verhältnissen entstammen, beziehungsweise einen Geldsegen nicht sonderlich nötig haben, weil sie sowieso schon überdurchschnittlich gut verdienen oder dies bald werden. Zudem, und das ist ebenfalls Standard bei “SDR”, gehen die meist stets zahlreichen Hobbys nach, darunter Aktivitäten wie Bergsteigen, Kite-Boarding, Motocross, Sky-Diving, irgendwas mit Beach-Volleyball, was man halt so treibt, wenn man zwischen dem stressigen Job, sozialem Leben und Familie mal eine halbe Stunde Zeit findet. Ach, vier Wände aus dem Katalog nennen die meisten von Ihnen überdies auch ihr Eigen. Dieses Schema zieht sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch alle bisherigen “Schlag den Raab”-Ausgaben, wobei natürlich auch hier vereinzelte Ausnahmen die Regel bestätigen.

Ich frage mich schon länger, warum ProSieben nicht einfach mal die Eier hat, weshalb der nicht nicht willens ist, eine Kandidatenriege zu casten, deren Vertreter es – um es mal plump zu sagen – nötiger haben? Aus welchem Grund werden Leute, die nicht gerade dem aktuell geltenden Schönheitsideal entsprechen, sprich: wie z.B. die eingangs erwähnte Maria spindeldürr sind, irgendwann mal Meister in einer unbedeutenden Randsportart waren, oder sich schlicht und ergreifend kein Hochschulstudium leisten konnten, bzw. können, aktiv von der Produktionsfirma und ProSieben diskriminiert? Bereits vor einiger Zeit frug ich hier im Blog, wo denn der stark adipöse “Schlag den Raab”-Kandidat bleibt. – Bis heute habe ich ihn nicht ausmachen können, nicht einmal im Rahmen der eingangs erwähnten Kandidatenwahl.

Nein, ich bin weiß Gott nicht missgünstig. Schön, dass die Kandidatin das unfassbare Glück auf ihrer Seite hatte, Raab in den letzten beiden Spielen (Ball in einer Röhre balancieren & Floh schnippen) doch noch auszustechen, nachdem man sich als geneigter TV-Zuschauer lange Zeit des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass sie sich mit der drohenden Niederlage bereits abgefunden hat, was nicht zuletzt ihrem scheinbaren Mangel an grundlegendem Allgemeinwissen zuzuschreiben war. Fachidioten ftw!

Worauf ich hinaus möchte: ProSieben ist ein Fernsehsender, der sich vornehmlich mit Glamour und viel Bling-Bling schmückt: Schöne Menschen aka “Topmodels” hier, freshe Gute-Laune-Serien dort, das ganze garniert mit in einer jugendtauglichen Ansprache und mit ja nicht zu viel Anspruch versehen, damit sich auch ja viele angesprochen fühlen. Jedoch stets über dem angesiedelt, was im Hause RTL so Tag für Tag über den Äther geschickt wird. oder ganz plump zusammengefasst: Im ProSieben-Programm sind Normalos, die leicht übergewichtige allein-erziehende Mutti mit Uschi Schmidt von nebenan, oder der hart schuftende Bauarbeiter, der sich nach Schichtende erst einmal ein Kühles zischt, kaum präsent. Stattdessen wird dem Zuschauer eine Welt präsentiert, die sich nahezu ausnahmslos aus lauter dem Schönheitsideal entsprechenden, offenbar nicht unerfolgreichen (oder zumindest aufstrebenden) jungen Leute zusammensetzt. Bei “Schlag den Raab” ist dies nicht anders. Nicht, dass ich was gegen junge Leute hätte, bin ja selbst einer von ihnen. Aber warum ist das so? Weshalb blenden Produktion und Sender die Realität so vehement aus?

Ich für meinen Teil hatte den Eindruck, keinem der fünf gestrigen Kandidaten, die zu Beginn der Show zur Wahl standen, ging es schlecht. Keiner von ihnen, so meine rein subjektive Annahme, wird von solch immensen Alltagssorgen finanzieller Art geplagt, dass er oder sie den Millionengewinn wirklich nötig hatte. Und so geht das schon seit Jahren. Warum also werden privilegierte Menschen, die es im Leben i.d.R. sowieso seit jeher besser gestellt als das Gros ihrer Mitmenschen, anderen, die aus einer niedrigeren Ebene unserer Gesellschaft kommen, ganz offensichtlich vorgezogen? Weil Geld die Welt regiert?

Der Idealist in mir findet das ungerechnet und grundlegend falsch.

Faketopia – Der Anfang vom Ende der Sat.1 TV-Parallelgesellschaft

Newtopia - © Talpa / Sat.1Sie sind ausgezogen, um – so zumindest der Plan – eine, nun ja, “neue Gesellschaft” zu gründen: 15 Pioniere, darunter klischeebehaftete Landwirte, angebliche Business-People, Simple-Minds sowie Anhänger der alternativen Lebensstile, die meisten von ihnen interessanterweise mit einschlägiger Reality-TV-Erfahrung im Gepäck, haben ihr alten Leben hinter sich gelassen, um sich auf einem Stück Land in Königs-Wusterhausen unweit Berlins eine neue Existenz aufzubauen. Dabei werden sie rund um die Uhr von Dutzenden TV-Kameras beobachtet, die Highlights gehen Woche für Woche beim Privatsender Sat.1 über den Äther. Willkommen in “Newtopia”, dem aufwendigsten deutschen TV-Fake der letzten Jahre, – und einem der wenigen, die es fertiggebracht haben sich selbst demontieren!

Fake? Nein, nein… “Newtopia” sei ehrliches Reality-TV, hatte es von der Produktionsfirma Talpa (wurde jüngst von John DeMol an iTV verkauft) und dem ausstrahlenden Sender Sat.1 immer geheißen. Aufkommende Spekulationen, wonach die Pioniere, wie die Teilnehmer des TV-Experiments betitelt werden, nicht frei Schnauze handeln, sondern stattdessen von der Produktion immer wieder vorgegeben bekommen, wohin sich die “neue Gesellschaft” denn bitte zu entwickeln hat, wurden bislang strikt abgeschmettert. Doch spätestens seit vergangener Nacht wissen wir: Bei “Newtopia” handelt es sich, wie zum Beispiel auch bei “Berlin Tag & Nacht” oder “Köln 50667″, um Scripted-Reality-Mist, nur eben in einem erheblich größerem Maßstab aufgezogen! Wie unter anderem das Medienmagazin DWDL.de berichtet, ist dem Produktionsteam von Newtopia in der Nacht auf den heutigen Montag, den 13. April 2015 ein grober Schnitzer unterlaufen, womit man den Schwindel quasi in Eigenregie hat auffliegen lassen. – Was genau ist passiert?

Gegen 2 Uhr nachts wurden die Pioniere durch ein akustisches Signal aus dem Schlaf gerissen, woraufhin sie sich allesamt in der Scheune versammelt haben. Die Livestream-Kameras, welche das Geschehen in “Newtopia” rund um die Uhr für den kostenpflichtigen Internet-Livestream einfangen, zeigten von da an nur noch schlafende Kühe. Einzig die unter dem Scheunendach installierte 360-Grad-Cam wurde nicht abgeschaltet und blieb live drauf und deckte – nicht nur allein für Hardcore-Fans der Show – ziemlich schockierende, eindeutige Szenen auf, die einer Demontage des gesamten Formats gleichkommen…

Audio-Mitschnitt

Die Pioniere hatten sich um einen Tisch in der Newtopia-Scheune versammelt. Mit dabei auch Talpa-Mitarbeiterin “Jacky”, die Executive Producerin von “Newtopia”. Sie hatte einen Kasten Bier mit in die Scheune gebracht und kündigte an, dass das Rauchverbot, welches normalerweise in der Scheune gilt, bis auf Weiteres aufgehoben worden sei. Zudem merkte sie an, dass sie betrunken ist, was sie sich, ihrem durchaus gut zu vernehmenden Lallen geschuldet, allerdings auch hätte sparen können. Der Grund ihres nächtlichen Besuchs: Es müsse dringend etwas geklärt werden. Und zwar eine Szene, die sich ein paar Stunden zuvor am Sonntagabend ereignet hatte.

Vier Kandidaten (Derk, Diellza, Andre und Peyman) waren einige Stunden zuvor für über eine Stunde in einem als “Technikraum” deklarierten Bereich des “Newtopia”-Sets verschwunden, was von den anderen Pionieren nicht unbemerkt blieb. Also lauschten sie an der Tür und stellten die Vier anschließend zur Rede. Dabei kam es wohl – weder habe ich den Livestream abonniert, noch verfolge ich die Berichterstattung um die Show, somit verlasse ich mich hier auf Schilderungen aus Foren wie dem IOFF.de oder BBFun.de – zu einer lautstarken Auseinandersetzung unter den Bewohnern, weshalb der Livestream kurzzeitig unterbrochen wurde. Wie DWDL.de schreibt, sei den vier Pionieren vom Talpa-Produktionsteam aufgetragen worden, mehr Spannung in die Show zu bringen. Grund dürften die seit Wochen vor sich hin dümpelnden Einschaltquoten gewesen sein. Weiters machen Gerüchte über eine vorzeitige Einstellung des Formats die Runde. Konkret wurde den Pionieren nahegelegt, die Kühe zu verkaufen und in der Scheune ein “Newtopia”-Restaurant zu eröffnen, welches auch für Außenstehende geöffnet hätte. Letztes sei auch der ausdrückliche Wunsch John DeMols. Mit diesem Projekt wären zudem die Kandidaten Steffen und Tatjana nicht mehr so nutzlos, so die Producern. Dies sollten die vier Auserwählten Bewohner demnächst den anderen vorschlagen und tunlichst dafür Sorge tragen, dass die unterbreiteten Vorschläge auch in die Tat umgesetzt werden. – So viel zum Thema, es werde nicht aktiv in die laufende Produktion eingegriffen. Ja ne, is’ klar!

Die Executive Producerin entschuldigte sich bei den Pionieren dafür, dass lediglich vier eingeweiht wurden. Dies sei wohl ein Fehler gewesen. Einige Kandidaten, wie beispielsweise Hans, fühlten sich daraufhin nachvollziehbar vor den Kopf gestoßen und brachten ihren Unmut lautstark zur Sprache. Wenn Produktion und Sender etwas wollen, solle dies doch bitte allen Teilnehmern der Show und eben nicht nur einem kleinen Kreis mitgeteilt werden, so seine Forderung. Die Talpa-Mitarbeiterin erklärte, seitens der Zuschauer – die sie in ihren Ausführungen herablassend als “Junkies” bezeichnet – sowie des Senders Sat.1 würde mal wieder ein wenig Action, “etwas Großes” gefordert. Man habe sich schon Pläne für die Kandidaten ausgedacht, so „Jacky“. Beispielsweise die Eröffnung eines Newtopia-Tattoo-Studios auf dem Gelände der Produktion. Pikant dabei: Exakt dies hatte die Pionierin Kate bei ihrem Einzug vorgeschlagen. Hm… etwa auf Anweisung des angeblich doch nicht eingreifenden Produktionsteams hin?

Wie auf Screenshots einiger Livestream-Gucker zu sehen ist, stößt nun ein weiterer Talpa-Mitarbeiter zur in der Newtopia-Scheune versammelten Gruppe hinzu. Die Produzentin, immer noch hörbar am lallen, fährt mit einem Mix aus beteuern, motivieren und beklagen fort. Ihr Job sei unheimlich schwer, und eigentlich dürfe sie jetzt in diesem Augenblick auch gar nicht bei den Pionieren in der Scheune sein. Sie habe “echte Probleme”, es sei schlimm. Plötzlich erschallte aus der Regie die kurze Durchsage “Batteriewechsel!”, die Diskussion zwischen der Talpa-Produzentin und den “Newtopia”-Pionieren ging trotzdem noch ein wenig weiter. Dann, nach über 50 Minuten Selbst-Demontage, wurde schließlich der Ton der 360-Grad-Kamera ausgeschaltet. Zu spät.

Tja, ich weiß schon, warum ich “Newtopia” nie eine Chance gegeben habe – und auch nicht mehr geben werde, denn die oben geschilderten Szenen dürften mit ziemlicher Sicherheit der Anfang vom Ende der TV-Parallelgesellschaft in Sat.1 gewesen sein.

Die verantwortliche Executive Producerin „Jacky“ hat inzwischen übrigens ihre persönliche Facebook-Seite offline geschaltet. Der über sie hereingebrochene Shitstorm war im Zusammenspiel mit dem Kater dann wohl doch nicht zu ertragen. Apropos Facebook: Dort versucht Sat.1 zu retten, was von “Faketopia” noch zu retten ist: In einer offiziellen Stellungnahme entschuldigt man sich bei den Zuschauern für die denkwürdige Aktion der vergangenen Nacht. Lustigerweise dafür, dass es ausgestrahlt wurde, nicht jedoch dafür, dass es überhaupt stattfand, was schon einer ziemliches Farce gleichkommt! Das Gespräch der Talpa-Mitarbeiterin sei “eine doofe Aktion” und nicht mit Team und Sender abgestimmt gewesen. Man kläre gerade auf, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Außerdem stehe eine Absetzung von “Newtopia” nicht zur Debatte. Der Sender glaube weiterhin an das Format und seine Pioniere.

Bin gespannt, wie lange noch.

Update, 14. April 2015
Witzig: Sat.1 und Talpa Germany bestehen weiterhin darauf, dass ihre TV-Farce “Newtopia” echt ist. Die Talpa-Mitarbeiterin habe allein gehandelt, Talpa spricht von einem “menschlichen Fehler”. Man mische sich zudem nicht aktiv ins Geschehen ein. Insbesondere dievoranstehende Beteuerung ist witzig, da das nächtliche Spontantreffen schließlich nur einberufen worden ist, weil es am Vortag zu Einmischungen von außen gekommen war. Die finden jedoch keinerlei Erwähnung.

Update, 15. April 2015
Talpa Germany hat sich inzwischen offenbar von „Newtopia“-Producerin „Jacky“ getrennt. Damit hätte man also sein Bauernopfer gefunden. Denn: Der zweite Talpa-Mitarbeiter, welcher an der nächtlichen Aktion beteiligt gewesen ist – angeblich ein gewisser Lars -, darf weiterwurschteln.

Johann Oberauer GmbH (Kress.de & Newsroom.de) nervt mit aufdringlichem eMail-Spam

Vor einigen Jahren war ich aus Gründen zahlender Abonnent des Mediendienstes Kress, fischte alle paar Wochen das gedruckte Branchenmagazin “KressReport” aus dem Briefkasten und hatte zudem Zugriff auf eine erweiterte Version von Kress.de. Irgendwann, es muss so um das Jahr 2008 herum gewesen sein, realisierte ich dann glücklicherweise, dass sich in Zeiten von DWDL, Quotenmeter, Meedia, Turi2 und Co – sprich: zahlreicher kostenloser Alternativen – der Bezug eines gedruckten Magazins plus Web-Abonnements nicht mehr wirklich lohnt.

Also kündigte ich mein Kress-Abo.

Die Jahre zogen ins Land, Wasser floss hektoliterweise den Rhein hinab und Kress.de flog irgendwann aus meinem RSS-Reader. Nur eines blieb: nämlich meine Daten, zumindest ein Teil davon, in den Kress-Datenbanken. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass seit vergangenem Februar unangefordert etliche Werbemails in meinem Postfach eintrudeln, die laut Impressum im Auftrag einer gewissen Johann Oberauer GmbH versendet werden. Bei dieser handelt es sich um einen in Salzburg, Österreich ansässigen Medienfachverlag, der zudem seit Ende 2014 die neuen Eigentümerin des Mediendienstes Kress ist. Gesendet werden die Spam-Mails an eine betagte @t-online.de eMail-Adresse von mir, die ich seit Jahren sch0n nicht mehr aktiv nutze. Da wird mir die Teilnahme an irgendwelchen mir nicht bekannten Medien-Kongressen offeriert, in anderen Mails geht’s um ein Publikat namens “Medium Magazin”, welches mir ebenfalls bis dato nicht bekannt war, oder um ein “Jahrbuch für Journalisten 2015″, dessen Sinn und zweck sich mir in unserer heutigen schnelllebigen Zeit nicht mehr gänzlich erschließen. Das Ganze schön mit persönlicher Anrede versehen, meinen Klarnamen nutzend.

Ich frage mich: Wie kann es sein, dass meine Daten (min. Name und eMail-Adresse), viele Jahre nachdem ich mein Kress-Abo gekündigt und mich aus allen Newsletter-Diensten, etc. auf Kress.de ausgetragen habe, noch immer in den Datenbanken von Kress – oder wo auch immer – hinterlegt sind, wo mir doch einst bestätigt wurde, dass sie gelöscht wurden, bzw. nicht mehr länger verwendet werden? Und wie unfassbar dreist (lies: verzweifelt) ist es bitte, dass der neue Eigentümer – zur Erinnerung: die Johann Oberauer GmbH – nichts besseres zu tun hat als diese uralten Daten ein paar Monate nach der erfolgten Übernahme auszugraben und dafür zu nutzen, mein Postfach unaufgefordert mit seinen f*ckin’ Werbe-Mails vollzumüllen?! Quasi als billige Marketing-Aktion. Wohlgemerkt: Nicht etwa einmalig, sondern inzwischen auf regelmäßiger Basis!

Witzig: Im Impressum jeder Spam-Mail findet sich der folgende Vermerk: “Diese eMail wurde automatisch erstellt und versendet und erreicht nur Kunden und Kontakte der Verlag Johann Oberauer GmbH.” Dazu sei angemerkt: Ich bin weder ein Kunde, noch ein Kontakt des Unternehmens.

Hier, liebe Leute im Hause Oberauer, ist das Eure brandneue Business-Strategie? Leute, die Eure imho völlig überholten Angebote eigentlich schon längst verdrängt hatten, durch eMail-Spam wieder auf eben diese aufmerksam zu machen? – Wie wäre es wenn Ihr Eure Energie lieber in Kress.de stecken würdet? Angesichts des in nahezu jederlei Hinsicht grundbiederen Angebots wäre dies wirklich langsam mal angebracht, wollt ihr nicht vollends im digitalen Nirvana verschwinden!

P.S: Ich will nicht wissen, wie viele “Entscheider der Medienbranche” Kress.de lediglich noch wegen des dort breitgetretenen schlechten Humors aka den alltäglich zusammengestellten Twitter-Perlen besuchen. Aber gut, wenn genau das die relevanten Nachrichten der Branche sind, auf die Ihr Euch laut eigener Aussage seit der Neuausrichtung nur noch beschränken wollt…

Oops, I died again!

Bloodborne & Dark Souls 2 für PS4

Das exzessive Sterben geht weiter…

Servicewüste #2: Google lässt Garantieanspruch an nicht vorhandener Kreditkarte scheitern!

googleNachdem ich bereits vergangene Woche im Rahmen des Posts Servicewüste Deutschland #2 von meinen jüngsten Erlebnissen mit dem phänomenalen Kundenservice von Hewlett-Packard und Google berichtet hatte, kann ich meine damaligen Schilderungen inzwischen um ein weiteres, trauriges Kapitel ergänzen.

Am letzten Dienstag ist es mir erstmals gelungen, im Callcenter von Google Deutschland einen so genannten “Chromebook Experten” zu erreichen. Der meldete sich lapidar mit Benny und wirkte alles in allem so, wie ein frustrierter Realschüler nach der zweiten Sportstunde drauf ist, wenn anschließend noch ‘ne Stunde Geschichte im Unterrichtsplan steht, – also nicht sonderlich motiviert. Hätte mir eine Warnung sein sollen… – Naja, ich schilderte ihm dennoch mein Problem (zur Erinnerung: mein Chromebook 11 lässt sich seit nunmehr fast vier Wochen nicht mehr aufladen, da ein angeschlossenes Netzteil nicht mehr erkannt wird), er machte sich scheinbar im Hintergrund ein paar Notizen, frug mich nach meiner Google-ID und sagte mir dann, dass er kurz etwas nachschauen müsse und er sich gleich wieder bei mir melden würde. Ich blieb dran und harrte aus. Nach ein paar Minuten, zwischenzeitlich müssen so zwei, drei vergangen sein, knackte es dann plötzlich in der Leitung in die Verbindung wurde getrennt. Aufgelegt. Toll!

Dadurch motiviert, dass ich überhaupt mal durchgekommen bin, versuchte ich es erneut. Und in der Tat, auch dieses Mal klappte es! Am anderen Ende der Leitung wurde ich von Expertin Julia begrüßt, die auf mich gleich einen erheblich engagierten Eindruck machte, als ihr offenbar mitten im Gespräch abgehauener Kollege Benny. Julia frug mich nach meinem Problem, welches ich ihr daraufhin in aller Ausführlichkeit schilderte. Dann schlug sie vor, dass ich mich, da es sich um HP-gebrandetes Chromebook 11 handelt, doch bitte an den HP-Kundendienst wenden solle, wo man mir sicherlich gerne weiterhelfen würde. Ja, Arschlecken! Ich konfrontierte sie mit meinen großartigen Erlebnissen dort (kompakt zusammengefasst: “Wir sind nicht zuständig, Google übernimmt den Support!”), woraufhin sie nach kurzer Bedenkzeit meinte, sie müsse sich einmal mit der Fachabteilung kurzschließen, und ob ich kurz dranbleiben könnte. Ich willigte zähneknirschend ein, immerhin hatte ich die Sache mit Benny noch im Hinterkopf.

Doch Julia kam wieder, und sie hatte frohe Kunde im Gepäck: Ich solle ihr doch mal eben einen Rechnungsbeleg einschicken, am besten per Mail, damit die Fachabteilung kurz drüber schauen kann. Die schickte ich ihr wenige Minuten später. Anschließend wollte sie meine eMail-Adresse wissen, sowie – angeblich für eventuelle Rückfragen der Fachabteilung – meine Telefonnummer. Außerdem wollte sie wissen, ob die auf der Rechnung angegebene Adresse noch aktuell ist. Gab ich ihr alles wie gewünscht durch. Tags drauf meldete sich der Kundensupport von Google per Mail bei mir und schickte mir einen Link, der zu einer Bestellseite führt, auf welcher ich ein Ersatzgerät für mein defektes HP Chromebook 11 anfordern kann. Ich war so happy, nicht ahnend, dass ich es mit einem klassischen Fall von “Ätsch, zu früh gefreut!” zu tun hatte.

Denn: Um besagtes Ersatzgerät anfordern zu können, bedarf es einer gültigen Kreditkarte, quasi als Rückversicherung für Google, dass das defekte Gerät auch ja eingeschickt wird. Ganz ehrlich: Ich würde denen das nutzlose Ding inzwischen auch höchst persönlich vorbeibringen und auf den Schreibtisch knallen… – Kann ich alles absolut nachvollziehen. Nur da ich in meinem Leben noch nie eine Kreditkarte nötig hatte, und demnach auch keine besitze und auch nicht vor habe, mir einzig und allein aus dem Grund, um eine mir zustehende Garantieleistung in Anspruch nehmen zu könne, eine zuzulegen, war und ist es mir schlicht und ergreifend nicht möglich, besagtes Ersatzgerät anzufordern!

Screenshot #1

Screenshot #2

Also haute ich erneut in die Tasten und konfrontierte “Chromebook Expertin” Julia mit meinem Problem. Daraufhin wurde mit mitgeteilt, dass Google eine alternative Möglichkeit des Austauschs nicht anbietet und die Kreditkarte ja nur in dem Fall belastet werde, wenn ich – wie oben geschrieben – das defekte Gerät nicht einsende. Außerdem sollte ich ihr kurz mitteilen, wie es nun weitergehen soll… – Tat ich, indem ich das Folgende erwiderte:

Hallo,

liebe Leute bei Google, es kann nicht sein, dass mir eine Zahlungsart aufgedrängt wird (und sei es auch nur als Rückversicherung), um einen Garantieanspruch geltend machen zu können! Das habe ich so noch nirgends erlebt!

Ich bemühe mich nun bereits seit annähernd vier Wochen um Klärung in der Sache. Wie viele Hürden werden mir als Kunden eigentlich noch in den Weg gelegt? Da ist ein Netzanschluss defekt, ein bekanntes Problem btw, der gehört repariert oder das ganze Chromebook ausgetauscht. Wie das abläuft, ist mir egal. Nur kann es eben nicht sein, dass eine Inanspruchnahme meiner mir rechtlich zustehenden Garantie an einer von mir nicht genutzten Zahlungsart scheitert. Das ist ja unfassbar!

Ich erwarte nach wie vor den Austausch oder die Reparatur des Geräts. Um weitere Vorschläge, wie dies bewerkstelligt wird, habe nicht ich mich zu kümmern, sondern Sie!

Alternativ kann ich Ihnen das defekte Chromebook auch gerne einschicken und Sie erstatten mir den einstigen Kaufpreis. Ansonsten: siehe oben.

Beste Grüße,
xxx

Seitdem ist der Kontakt mit dem Google-Support abgebrochen. Es scheint in der Tat alternativlos zu sein: Einen Anspruch auf Garantie haben bei Google offenbar ausschließlich Kunden, die eine Kreditkarte im Portemonnaie mit sich rumschleppen. Mir fehlen die Worte. Einfach der Wahnsinn!

Servicewüste Deutschland at its best!

Update: 24. Februar 2015
Es geschehen noch Zeichen und Wunder auf dieser Welt: Nach langer Funkstille, traf am heutigen Dienstag mal wieder eine Nachricht vom Google-Support in meinem eMail-Postfach ein. Und dieses Mal war es sogar eine erfreuliche…

Screenshot #3

Servicewüste Deutschland #2: HP-Kundendienst & Google-Support

googleIm Mai 2014 habe ich mir nach langem hin und her ein schmuckes HP Chromebook 11 zugelegt, und wie ich schnell feststellen durfte, gibt so ein Chromebook einen ziemlich großartigen Laptop für zwischendurch ab. Nein, keine Hardware, an der ich ernsthaft arbeiten würde, aber als kompakter Zweitlaptop für die Uni, um mal eben im Internet was nachzuschlagen, Videos auf YouTube anzuschauen oder unterwegs für einen Artikel zu posten ist das Ding super. Ich wär auch annähernd wunschlos glücklich, wenn, ja wenn es da nicht dieses eine Problem geben würde, das meinem Enthusiasmus inzwischen komplett den Garaus gemacht hat…

Seit einigen Tagen lässt sich das HP Chromebook 11, beziehungsweise dessen Akku, nicht mehr aufladen. Ein angeschlossenes Netzteil wird nicht mehr, oder nur noch sporadisch oder von heftigem “Schluckauf” unterbrochen erkannt, was einen produktiven Ladevorgang unmöglich macht. Das Problem ist bekannt und wird wohl von einem fehlerhaft produzierten Netzteil verursacht, dessen Connector die Ladebuchse am Chromebook im Laufe der Zeit beschädigt. Dass es dieses Problem gibt, war mir bis dato nicht bekannt, weshalb ich auch nicht, wie von Google angeboten, ein neues, überarbeitetes Netzteil angefordert habe.

Also musste ich mich an den Kundendienst wenden. – Der Startschuss eines Dramas in unzähligen Akten, das sich hervorragend in die Kategorie Servicewüste Deutschland einfügt!

Da ich mein HP Chromebook 11 im Online-Shop von HP geordert habe, war Hewlett-Packard somit auch der erste logische Ansprechpartner für meinen Garantieanspruch. Ein prompter Anruf beim HP-Kundendienst brachte jedoch Ernüchterung: Die Kundendienstmitarbeiterin, die sich am anderen Ende der Leitung meldete, schien – gelinde gesagt – keine Ahnung von nix zu haben. Mit dem Begriff Chromebook wusste sie so gar nichts anzufangen, dementsprechend ratlos wirkte sie, als ich sie auf eine in die Wege zu leitende Reklamation ansprach. Nachdem sie scheinbar ein, zwei oder drei Google-Suchen bemüht hatte, gab sie mir den glorreichen Tipp an die Hand, mich mit meinem Problem doch vielleicht direkt an Google zu wenden. Google und die Chromebooks stünden schließlich irgendwie im Zusammenhang. – Toll!

Ein beherzter Druck auf die Wahlwiederholung ließ mich am Arbeitsplatz einer weiteren unmotivierten Kundendienstmitarbeiterin aufschlagen, die ich scheinbar kurz vor ihrem planmäßigen Schichtende erwischt hatte. Anders lässt sich eine dermaßen angekotzte Art nicht erklären. Im Unterschied zu ihrer Kollegin schien sie jedoch wenigstens schon einmal von diesen ominösen Chromebooks gehört zu haben, so dass sie mich schließlich nach der Seriennummer des Gerätes frug. Diese teilte ich ihr mit, woraufhin ich gefragt wurde, ob ich mir denn wirklich sicher wäre, dass dies die verlangte Seriennummer ist. Noch eine Nachfrage, und noch eine weitere. Dann die Erleuchtung: “Ah, hm… tatsächlich. Die stimmt ja wirklich…” – unfassbar! Da sie nun wirklich dringend weg wollte, nuschelte sie mir noch schnell eine Support-ID durch die Leitung und stellte sie mich anschließend zu einer weiteren Kollegin durch.

Dort angekommen bot sich mir das volle Kontrastprogramm: Anders als ihre beiden offenbar total überforderten/lustlosen Kolleginnen, schien Kundendienstmitarbeiterin No.3 sich tatsächlich für mein unschönes Problem zu interessieren und mir helfen zu wollen. So eröffnete sie sogleich einen “neuen Fall” im System, fragte mich nach dem genauen Mangel (defekter Netzanschluss, etcpp.) und teilte mir mit, dass man mir die Tage per UPS einen Versandkarton zuschicken werde, in dem ich mein defektes Chromebook wiederum zu einem externen Reparatur-Dienstleister von HP einschicken kann. In allerspätestens zwei Wochen sollte ich mein repariertes Chromebook dann wieder in den Händen halten, meinte sie. Bei der Aufnahme meiner Anschrift, die sie sich lokal notieren musste und erst später ins System einpflegen konnte, weil “grad eben das Internet ausgefallen ist”, stellte sich heraus, dass sie auch aus Köln kommt. Na dann.

Zwei Tage drauf trudelte endlich der versprochene UPS-Karton bei uns ein. Allerdings musste ich mich noch um eine Abholung bemühen, obwohl diese eigentlich von HP selbst in die Wege geleitet worden sein sollte. Erneut zwei Tage später wurde die Sendung mit meinem defekten HP Chromebook 11 dann doch noch abgeholt und auf ihren Weg nach Berlin geschickt. Super, endlich war die Sache geregelt. – Denkste! Drei Werktage, nachdem ich das Chromebook zum Reparatur-Dienstleister iQor eingeschickt hatte, wurde mir vom HP-Kundendienst per eMail mitgeteilt, dass der Reparaturauftrag gecancelt wurde. Gecancelt! Warum?: HP ist für den Support der Chromebook 11-Serie nicht mehr zuständig. Ich solle mich mit meinem Problem doch bitte direkt an Google wenden, da die den Support für Chromebooks seit einigen Monaten selbst übernehmen würden. Einen entsprechenden Link hatte man ebenfalls parat: https://support.google.com/chromebook/topic/3415963?hl=de&ref_topic=3399765

Wir halten fest: Es waren mittlerweile gut und gerne anderthalb Wochen ins Land gezogen, seit ich mein HP Chromebook 11 zuletzt nutzen konnte, ehe der Netzanschluss den Geist aufgab. Von Pontius zu Pilatus wurde ich weitergereicht; niemand fühlte sich für meinen Garantieanspruch verantwortlich, dafür inkompetente HP-Kundendienstmitarbeiter am laufenden Band!

Und wieder zogen drei Werktage ins Land (dazwischen lag noch ein Wochenende) bis das unreparierte Chromebook wieder bei mir aufm Schreibtisch lag – und zwar exakt in jenem Zustand, in dem ich es gut anderthalb Wochen zuvor auf Geheiß von HP eingeschickt hatte. Lediglich das Netzkabel wurde vom Service-Menschen, der allem Anschein nach mindestens mindestens einmal kurz in den Karton geschaut hat, fein säuberlich aufrollt und zusammengeschnürt, – süß! Nun also doch Google…

Google mag zwar eine großartige Reputation als Suchmaschine sein Eigen nennen, der deutsche Support hingegen läuft eher solala ab: Zuerst versuchten ich mich auf telefonischem Weg an den Google-Chromebook-Kundendienst zu wenden, was mir prompt gelang, nun ja, zumindest ansatzweise. Ich wurde zurückgerufen, nur um mich in einer Warteschleife wiederzufinden, in der ich von widerlich vor sich hin dudelnder Fahrstuhlmusik beschallt wurde. Dann, ein Knacken in der Leitung. Die Musik brach plötzlich ab – und die Verbindung ebenfalls. Die Leitung war tot! Einfach so. Ein weiterer Anruf lief nach dem selben Schema ab. Es gab einfach kein Durchkommen.

Am nächsten Tag schrieb ich dem Support-Team von Google eine good ol’ Mail. Sachlich schilderte ich das Problem und hoffte auf eine zügige Antwort der “hochqualifizierten Chromebook-Experten”, wie sich die Leute dort schimpfen. Es dauerte tatsächlich nur wenige Stunden, bis uns eine Antwort erreicht hat. Die lautete, grob zusammengefasst – und jetzt bitte festhalten: Verbinden Sie das Netzteil mit ihrem Chromebook und stecken sie den Stecker in die Steckdose. Sollte diese zu wenig Saft haben, verwenden Sie eine andere Steckdose. – Fantastisch, diese Experten von Google. Ganz großes Tennis!

Heute Nachmittag habe ich noch ein paar Mal versucht, den Google-Support auf telefonischem Weg zu erreichen. Jedes einzelne Mal wurde nach ein paar Sekunden in der Warteschleife die Leitung gekappt. Es scheint so, als fühle sich in der Tat niemand, aber auch wirklich absolut niemand für dieses defekte HP Chromebook 11 verantwortlich. Weder HP, in deren Store ich das Ding gekauft habe, noch Google, auf deren Mist die Chromebooks gewachsen sind. Das Schöne: In ein paar Wochen erlischt unser Garantieanspruch und somit meine Hoffnung, dass ich das Ding wirklich nochmal werde nutzen können.

Servicewüste Deutschland at its best!

Erkenntnisse via DDoS

PlayStation LogoWer wie ich über die Weihnachtsfeiertage ein wenig Zeit an seiner Xbox One und/oder PlayStation 4 totschlagen wollte, musste feststellen, dass dieses Vorhaben unter Umständen in ziemliche Frustration ausarten kann. Schuld waren die jüngsten Attacken der Hackergruppe Lizard Squad, welche Xbox LIVE sowie das PlayStation Network, die beiden Online-Gaming-Services von Microsoft und Sony, tagelang lahmgelegt haben, so dass es nicht möglich war, auf die entsprechenden Angebote zuzugreifen. Auch die Nutzung des PlayStation Stores war nicht möglich, was angesichts so manches netten Xmas-Deals dann doch recht schade war.

Bei der Gelegenheit fiel mir wieder einmal auf, wie sehr beide neuen “Next Gen”-Konsolen im Grunde doch vom Internet abhängig sind. Und dies ist zumindest im Falle der PS4 schon irgendwie recht lustig ist, schließlich wurde doch im Vorfeld des Launches Ende letzten Jahres immer wieder bis zum Erbrechen propagiert, Sonys PS4-Konsole würde, im krassen Gegensatz zur Xbox One, die bekanntlich ursprünglich eine “Always On”-Strategie verfolgt hat, auch offline prächtig funktionieren.

Doch die Wahrheit sieht gänzlich anders aus: Ganz egal, welches PS4-Game ich auch eingelegt hatte, bei keinem einzigen gelang es mir auf direktem Weg ins Hauptmenü zu kommen. “Drive Club” macht zwar mittlerweile Spaß, ist aber sehr jeher ein Online-Totalausfall, von daher wunderte mich da gar nichts mehr. “NBA 2K15″ hingegen setzt – warum auch immer – eine aktive Online-Verbindung voraus, um den von mir präferierten MyCareer-Modus zocken zu können und “Dragon Age: Inquisition” versuchte ebenfalls gefühlte 10 Minuten lang eine Verbindung zur EA-Serverfarm herzustellen, was natürlich nicht gelingen konnte, da auch die unter erhöhtem DDoS-Beschuss stand. Die einzige Möglichkeit, dem ganzen Online-Server-Verbindungs-Wahn meiner PS4 einen Riegel vorzuschieben, bestand darin, die ganze Konsole einfach mal vom Internet zu trennen, was über die Einstellungen mit nur wenigen Klicks möglich ist.

Doch dann zeigte sich erst, wie viele teils grundlegende Features des PlayStation-OS auf einer aktive Internetverbindung fußen. So war es mir beispielsweise nicht möglich, freigeschaltete Achievements Trophies nachzuschlagen, bzw. das entsprechende Trophäen-Menü überhaupt aufzurufen ohne mit einer Fehlermeldung des OS konfrontiert zu werden. Auch eher simple Aktionen, wie beispielsweise ein Blick in meine Freundesliste, blieben mir verwehrt. Weitere Funktionen, wie unter anderem die Möglichkeit, sich per D-Down im Dashboard Infos zu einem installierten PS4-Game anzuschauen, funktionierten ebenfalls nicht wie gewohnt, da all diese Daten scheinbar nicht lokal auf der Festplatte der Konsole gespeichert, sondern jedes Mal aufs Neue von den PlayStation-Servern heruntergeladen werden. Eine grundlegende Designentscheidung, die ich insbesondere im Falle der Trophies und der Freundesliste nicht nachvollziehen kann.

Und alles in allem eine ungute Entwicklung, wie ich finde.

Klar, heutzutage sind die meisten von uns mit ihren Smartphones, Tablets, Macs und Konsolen mehr oder weniger “always on” und alles ist mit allem über zwei, drei Ecken vernetzt, weshalb ich btw auch den Shitstorm wegen Microsofts “Always on”-Strategie nicht gänzlich verstanden habe. Gleichzeitig führt eine unfreiwillige Offline-Erfahrung wie die der vergangenen Tage einem krass vor Augen, wie sehr unsere Gesellschaft mittlerweile vom allgegenwärtigen – jedoch nach wie vor nicht für jedermann zugänglichen, da kostenpflichtigen und somit mit Zugangshürden verbundenen – Internet und den Möglichkeiten, die dieses mit sich bringt, abhängig ist. Darauf einzugehen, weshalb der freie Zugang zum Internet hierzulande zur Grundversorgung erhoben werden sollte, würde den Rahmen dieses Posts hier gleich mehrfach sprengen, von daher lasse ich dies einfach mal so stehen.

Der Punkt, auf den ich hinaus will, ist der folgende: Was passiert eigentlich in ein paar Jahren, wenn PlayStation 4 und Xbox One schon lange ausrangiert und aufgrund dessen irgendwann von den Publishern auch die letzten Gameserver abgeschaltet wurden? Zahlreiche Videospiele setzen dieser Tage, wie eingangs geschrieben, eine aktive Online-Authentifizierung voraus – sei es nun eine Anmeldung via Gamertag, ein registriertes Online-Konto oder dergleichen -, um überhaupt erst einmal ins Hauptmenü eines Games vorstoßen zu können. Nicht wenige, wie beispielsweise zuletzt das “Dark Souls”-Abziehbild “Lords of the Fallen”, benötigen zudem umfangreiche Day-1-Patches, um überhaupt erst anständig spielbar zu sein, da es offenbar der neueste Trend zu sein scheint, eine unfertige Beta-Version ins Presswerk zu geben und das komplette Spiel erst im Anschluss an die Installation per mehrere Gigabyte großem Patch nachzureichen. – Ebenfalls eine unfassbare Entwicklung, zumindest für Gamer wie mich, die ihre gekauften Spiele nach dem Durchzocken nicht etwa bei GameStop, Momox, Rebuy und Co. wieder zu Geld machen, sondern sie stattdessen in ihre bestehende Videospielsammlung einfließen lassen!

Man bedenke: Hole ich meine eingemottete Konsolenhardware aus dem Keller, um z.B. mit ein paar Freunden gemütlich eine Retro-Session “Super Mario Kart” zu daddeln, ist dies auch nach all den ins Land gezogenen Jahren nach wie vor problemlos möglich. Das entsprechende Modul suchen, gegebenenfalls die leicht verstaubten Kontakte frei pusten, einlegen und los geht’s! – Ich wage Stand jetzt zu bezweifeln, dass dies in zehn, fünfzehn Jahren oder wann immer mich die Lust, noch einmal durch ein altes Videospiel von damals™ zu streifen, auch befallen wird, angesichts des derzeitigen Status quo so einfach möglich sein wird…

Überhaupt verlassen Entwicklerteams sich inzwischen viel zu selbstverständlich auf die Möglichkeit, umfangreiche Patches nachreichen zu können. Früher, zu einer Zeit, als eine schnelle VDSL-Leitung noch nicht Gang und Gebe war, musste hingegen Qualität geliefert werden. Damals konnten Games noch nicht nach Lust und Laune nachgepatcht, verbessert und in einigen Fällen auch verschlimmbessert werden, wie es seit gut zwanzig Jahren am PC und seit einigen Jahren nun auch im von den Verlaufszahlen her klar dominierenden Konsolenlager der Fall ist. Während ich die Möglichkeit des schnellen Nachpatchen grundsätzlich zu schätzen weiß – immerhin führt dies i.d.R. ja zu einer gefühlten Verbesserung -, nervt es mich ungemein, dass sie auch dazu einlädt, die allgemeine Qualität hinten an zu stellen und stattdessen eher darauf bedacht zu sein, möglichst schnell ein halbfertiges Spiel rauszuhauen, um schon mal die offenen Rechnungen begleichen zu können. Schließlich kann man sich ja nach Release noch mit dem finalen Feinschliff befassen – oder wie bei “LoTF” einfach das halbe Spiel nachreichen. Auch hier stelle ich mir die Frage: Wo bekomme ich die “nachgereichte Hälfte” des Spiels in zehn oder fünfzehn Jahren her? Kann ich wirklich darauf vertrauen, dass der Publisher oder zumindest Sony und Co. diese Daten in all den Jahren noch bereitstellen?

Der Cloud-Gaming-Service PlayStation Now kann meiner Meinung nach nicht die Antwort sein, obwohl er natürlich super in unsere heutige Leasing-Gesellschaft passt. Man kennt das: fetten Porsche fahren, ihn aber eben nicht besitzen, was imho halt ein kleiner, aber feiner Unterschied ist. Für mich sind Videospiele eine Form der Kunst, genau wie es für andere ihre geliebten Bücher, Arthouse-Filme oder Kunstgemälde sind. Ich sammele sie, stelle sie fein säuberlich in die Regalwand und mit vielen von ihnen verbinde ich schöne Erinnerungen an gerettete Prinzessinnen, erschlagene Drachen und so manche durchzockte Nacht – sie besitzen also einen sentimentalen Wert und nennen somit einen Stellenwert ihr Eigen, den ein rein digitales Gut nie wird erreichen können.

Tja, und was hat das alles nun mit dem eingangs erwähnten PSN-Ausfall zu tun? – Um einiges mehr, als man auf den ersten, zweiten und vielleicht auch dritten Blick glauben mag.

Stöckchen: Jahresrückblick 2014

2014 neigt sich unaufhaltsam seinem Ende entgegen und wie schon in den vergangenen drei Jahren möchte ich auch dieses Mal wieder in Form eines Jahresrückblicks in Stöckchenform auf die vergangenen 365 Tage zurückblicken. Was waren meine Highlights, was lief eher suboptimal und wen oder was konnte man gänzlich in die Tonne kloppen?

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
2014 war für mich persönlich ein erstaunlich unaufgeregtes Jahr, was ja grundsätzlich nichts Schlechtes bedeuten muss. Kein Jahr zum Vergessen, aber eben auch keines, an das ich mich irgendwann großartig zurückerinnern werde. Es fehlte einfach der berühmte Wow!-Moment, irgendetwas, das meine bestehenden Interessen, ja vielleicht sogar meinen Horizont erweitert hat. Geocaching, Baltrum und unsere Wanderung auf dem Kölnpfad, die wir diesen Sommer aus den bekannten Gründen nicht wie geplant weiter durchgezogen haben, waren in den vergangenen beiden Jahren u.a. meine persönlichen Highlights.

Dieses Jahr war hingegen vor allem strapaziöse Aufbauarbeit angesagt: So ging im Frühjahr WrestlingBluRay.de online, ein kleines, feines Startup von Brina und mir, das wir beide seither nebenberuflich mit viel Herzblut redaktionell betreuen. Macht Spaß und wird auch im kommenden Jahr wieder einige Zeit in Anspruch nehmen, da bin ich mir sicher.

Alles in allem war 2014 eine solide, wenn auch bei weitem nicht orgasmische 6.5. – Dafür können und werden wir 2015 wieder durchstarten!

2. Zugenommen oder abgenommen?
In etwa mein Gewicht gehalten. Allerdings war ich schon Ende letzten Jahres nicht mehr sooo happy. Eines meiner großen Ziele für 2015, bzw. für die Zeit bis zum Sommer, ist somit, wieder ein paar Pfund abzuspecken. Einen detaillierten Abnehmplan habe ich in den letzten Wochen bereits ausgearbeitet, nun wartet er darauf in die Tat umgesetzt zu werden…

3. Haare länger oder kürzer?
2014 war so ziemlich alles dabei, was das einschlägige Frisuren-Portfolio hergibt. Anfang des Jahres sah ich dank Glatze zeitweise aus wie ein tibetischer Mönch, den seine Suche nach Erleuchtung in die große Stadt geführt hat, im Sommer folgte schließlich die inzwischen schon fast legendär diskutable “Chrille-Frise”, und mittlerweile drifte ich seit ein paar Monaten unübersehbar ins punk-rockige ab. Aber um die eigentliche Frage zu beantworten: Aktuell sind sie länger als noch im Vorjahr.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
In etwa gleich geblieben. Gott sei Dank!

5. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr als letztes Jahr.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Mehr Arbeit, mehr Moneten.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Auch hier habe ich das Niveau des Vorjahres in etwa halten können. Das Konto außerordentlich belastet haben unter anderem die Anschaffung der PlayStation 4 im Januar sowie die zahlreichen Games, die ich mir in den letzten Monaten zugelegt habe, eine neue Büroausstattung (iMac, Schreibtisch-Utensilien, etc.), sowie der good ol’ Benz, der gehegt und gepflegt werden will.

8. Dieses Jahr etwas “gewonnen” und wenn ja, was genau?
Jepp, ein neues vierbeiniges Familienmitglied.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Leider weniger, was sich wie bereits eingangs geschrieben nicht sonderlich positiv auf meine Abnehmbemühungen ausgewirkt hat, die eigentlich für dieses Jahr auf der Agenda standen. Kommendes Jahr wird Fitness dann endlich wieder GROSS geschrieben!

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Die obligatorische fiebrige Grippe hatte mich im vergangenen November fest im Griff. Mehr war nicht. *klopft auf Holz*

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Nun ja, die Grippe halt. Wobei “schlimm” relativ ist: Wie schlimm kann eine Erkrankung schon sein, die sich nach vielleicht vier oder fünf Tagen schon wieder restlos verzogen hat..?

12. Der hirnrissigste Plan?
Mit Google Maps quer durch Deutschland zu navigieren, nur um mitten auf einer Landstraße in der gefühlten Walachei mitgeteilt zu bekommen, dass wir unser Reiseziel erreicht haben, was definitiv nicht der Fall war. Habe mich in meinem Leben selten so dermaßen über eine freakin’ Navi-App aufgeregt! Ebenfalls hirnrissig: Unser Versuch, ein PS4-Bundle über den Onlineshop von Mediamarkt zu ordern. Sollte man lieber bleiben lassen, dann zumindest bei der Filiale auf der Hohe Straße in der Kölner Innenstadt artete die Abholung in Chaos aus.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Ganz eindeutig unsere Kölnpfad-Wanderung, bei der wir wenige Kilometer vor dem Ziel, mitten im stockdunklen Wald vom Unwetter des Jahres überrascht wurden. Hätte böse ausgehen können…

14. Die drei teuersten Anschaffungen?
Sony Bravia 4K-Fernseher, neuer Apple iMac und unser Wau.

15. Das leckerste Essen?
Seitdem wir die gute Tradition pflegen, sonntags abwechselnd füreinander zu kochen, haben wir bereits zahlreiche leckere Gerichte gezaubert, weshalb ich mich jetzt nicht wirklich auf ein bestimmtes festlegen kann. Da waren einige großartige dabei!

16. Das beeindruckendste Buch?
J.J. Abrams’ mysteriösen Debütroman “S” fand ich ziemlich grandios.

17. Der ergreifendste Film?
Die Buchverfilmung von John Greens “The Fault In Our Stars” – und das ohne jeden Zweifel.

18. Das beste Videospiel?
Auch hier fällt mir die Entscheidung leicht: Auf der Xbox 360 habe ich mich Anfang des Jahres in “Dark Souls 2″ verliebt, auf der PS4 waren es hingegen das in nahezu jeder Hinsicht superbe “Dragon Age: Inquisition” und “NBA 2K14/15″, die mich ganz besonders begeistert haben – und dies auch nach wie vor tun. Noch nie habe ich ein Sportspiel so exzessiv gezockt und schon ewig nicht mehr habe ich mich in einem Fantasy-Rollenspiel so “zuhause” gefühlt! Ach ja, am Mac hat mir das ambitionierte “Divinity – Original Sin” eine Menge Spaß gemacht.

19. Die beste CD / das beste Album?
Die Single “Radioactive” von den Imagine Dragons aus dem Jahr 2012…

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
…meinen Lieben, dem bzw. im Backend von WrestlingBluRay.de, und mit meiner virtuellen Basketball-Karriere in “NBA 2K”.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
…meiner Freundin. Und den Aufstögern vom 1. FC Köln. ;)

22. Im Jahr 2014 zum ersten Mal getan?
Ein Basketballspiel der Rheinstars Köln besucht. Und zwar den Season-Opener in der LANxess Arena gegen den amtierenden deutschen Meister FC Bayern München Basketball, der nach gutem Beginn dann doch noch standesgemäß verloren ging. Aber gut, Regionalliga vs. Bundesliga – was will man da auch groß erwarten? War trotzdem ein schöner Abend!

23. Dieses Jahr nach langer Zeit wieder getan?
Mich über einen Weltmeistertitel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, sowie über den Konstrukteurstitel von Mercedes AMG in der Formel 1 gefreut.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Auf den ausufernden Ukraine-Konflikt, das Erstarken der Terrorgruppierung IS und so manchen hochgradig asozialen Mitbürger.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Eigentlich hatte ich ja die Anschaffung eines Hausschweins angeregt, am Ende ist es dann ein Russmo geworden. C’est la vie…

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Och, so einige. :)

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Ich liebe Dich!”

28. Dein Wort des Jahres?
Freistoßspray – klingt tendenziell nach Zwangsprostitution, hat aber, wie seit dem Eröffnungsspiel der FIFA WM 2014 in Brasilien bekannt sein dürfte, definitiv was mit Fußball zu tun.

29. Dein Unwort des Jahres?
Grundsätzlich könnte man hier so ziemlich alles eintragen, was als Jugendwort des Jahres 2014 vorgeschlagen und letzten Endes auch ausgezeichnet wurde. Da mir das Gros der Wortschöpfungen jedoch noch nie untergekommen ist, was vielleicht zu einem Teil auch am vorhandenen Bildungshintergrund liegen könnte, entscheide ich mich einfach mal spontan für “HoGeSa” (Abkürzung für “Hooligans gegen Salafisten”) als mein ganz persönliches Unwort des Jahres. Abschaum gegen Abschaum, plus einige unbedarfte Mitläufer, die sich von den involvierten Parteien instrumentalisieren lassen.

30. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Neben InaiMathi.de, ganz klar unser kleines, fieses Dirt-Sheet WrestlingBluRay.de! ;)

31. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchen von letztem Jahr!
Here ya go!.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

WWE 2K15

WWE 2K15 - © Take-Two Interactive

Für das Wrestling-Newsportal WrestlingBluRay.de habe ich die von Visual Concepts und Yuke’s co-entwickelte PlayStation-4-Version des neuen Wrestling-Videospiels “WWE 2K15″ unter die Lupe genommen.

Zu meiner ausführlichen Review, in der ich aufzeige, weshalb “WWE 2K15″ lediglich für eine hübsche, solide Basis für ein zukünftiges AAA-Wrestling-Videogame aus dem Hause 2K Sports halte, jedoch bei weitem nicht für den großen Wurf, den nicht wenige WWE-Fans – mich eingeschlossen – im Vorfeld erwartet hatten, geht es hier entlang…

Öffentlichmachung: Für die Review wurde mir vom hiesigen Publisher Take-Two Interactive ein kostenloses Testexemplar von “WWE 2K15″ zur Verfügung gestellt.

Wertung

Little Big Planet 3

Little Big Planet 3 - © Sony Computer Entertainment Europe

Vor ein paar Jahren, als ich meine Videospiel-Leidenschaft betreffend noch im giftgrünen Xbox-Lager ansässig war und mich aufgrund meiner damaligen Überzeugungen noch nicht der großartigen PlayStation-Nation angeschlossen hatte, blickte ich von Zeit zu Zeit ein wenig neidisch über den sprichwörtlichen Tellerrand. Die PlayStation-Jünger nannten nämlich einen Exklusivtitel ihr Eigen, von dem stets in den allerhöchsten Tönen gesprochen wurde und der in schöner Regelmäßigkeit als ein guter Grund aufgeführt wurde, weshalb man sich doch lieber bevorzugt eine PlayStation 3 ins Wohnzimmer neben den Fernseher stellen sollte, anstatt die DirectX-Box aus Redmond. Die Rede ist von “Little Big Planet”, dem Kreativbolzen der Videospiel-Landschaft.

Als Sackboy neue phantastische Welten erschaffen, seiner unbändigen Kreativität freien Lauf lassen und zusammen mit dem kleinen braunen Wollbuben immer wieder neue von der unfassbar aktiven “LBP”-Community erstellte Abenteuer erleben – das Erfolgsrezept der Jump’n’Run-Reihe ist einfach wie genial. Es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Ableger für Sonys Next-Gen-Konsole PlayStation 4 angekündigt werden würde. Im Rahmen der diesjährigen GamesCom in Köln war es dann schließlich soweit: Im Rahmen der Sony-Pressekonferenz wurde u.a. “Little Big Planet 3″ geteasert, und so konnte auch ich endlich meiner ersten “LBP”-Erfahrung entgegenfiebern.

Doch wie das öfters mal der Fall ist, folgt auf die überschwängliche Euphorie gerne mal die totale Ernüchterung – leider auch im Fall von “Little Big Planet 3″. Warum das – wieder einmal – so gekommen ist und weshalb ich absolut nichts verpasst hätte, wenn ich mir auch diesen Serienteil nicht für meine Spielesammlung zugelegt und stattdessen einfach mal zwei, drei Jahre auf den Nachfolger gewartet hätte, klärt meine ausführliche Spielerezension zur vom britischen Entwicklerstudio Sumo Digital verantworteten PS4-Fassung von “Little Big Planet 3″.

Little Big Planet 3
2014, Jump’n’Run, PlayStation 4
Sumo Digital / Sony Computer Entertainment
www.LittleBigPlanet.com

Spieletrailer

Beschreibung
“In ‘Little Big Planet 3′ wird Sackboy auf einen neuen Planeten namens Bunkum verfrachtet – ein kreatives Paradies, wo wunderbare Ideen in Hülle und Fülle durch die Lüfte schweben. Dort hilft Sackboy versehentlich dabei, die mythischen Titanen zu befreien, die darauf aus sind, Bunkum zu zerstören und den unfähigsten Schöpfer der Welt – Newton – in ein schreckliches Monster zu verwandeln. Um das Gleichgewicht wiederherstellen zu können, braucht Sackboy die Hilfe der alten Helden von Bunkum: Toggle, OddSock und Swoop.” – Quelle

Kritik
“Little Big Planet 3″ – ein Wunderland der Kreativität und absolutes El Dorado zum schnellen vorweihnachtlichen Geld scheffeln! Das Game umfasst eine als Abenteuer getarnte Ansammlung von Tutorial-Missionen und einen Herausforderungsmodus für PopIt-Fetischisten, der über einhundert Missionen umfasst, welche ausschließlich unter Zuhilfenahme der Editor-Bauwerkzeuge gelöst werden können. Zudem feiert der hinlänglich bekannte, viel gepriesene LBP-Editor aka das Herzstück von “Little Big Planet”, mit dessen Hilfe User unendlich viele Custom-Abenteuer für Sackboy und seine neuen Freunde erstellen können, seine wenig überraschende Rückkehr.

Bis letzterer allerdings in einigermaßen produktiver Manier genutzt werden kann, um total kreative Abenteuer zu erstellen, müssen wie schon in den bisherigen “LBP”-Iterationen erst einmal massig Levelbestandteile, Texturen und sonstige mehr oder weniger kreative Editor-Items eingesammelt und/oder durch mehr oder minder erfolgreich absolvierte Missionen freigeschaltet werden. Dies geschieht unter anderem, indem die knapp dreißig mal mehr, mal weniger kreativ gestaltete Levels umfassende, auf insgesamt vier HUB-Welten aufgesplittete Haupthandlung von “Little Big Planet 3″ gespielt wird. Die Geschichte, die währenddessen erzählt wird, bzw. versucht wird zu erzählen, gestaltet sich wirr und alles in allem ziemlich vergessenswert – zumindest für Videospieler, die das zehnte Lebensjahr bereits weit hinter sich gelassen haben. Mich hat jedenfalls nicht im Geringsten tangiert, was da storytechnisch vorangetrieben wurde. Zudem sollte der grundsätzlich viel zu einfache Anspruch des Games niemanden, der in seinem Leben schon einmal ein Jump’n’Run gezockt hat, vor ersthafte Probleme stellen. Nach gerade einmal sechs Stunden bekam ich bereits die Credits zu Gesicht und ich fragte mich, ob es das denn nun tatsächlich allen Ernstes schon gewesen sein kann. – Japp, kann es. Hätte ich die einzelnen Level mehrmals gespielt, um etwa wirklich alle Editor-Items einzusammeln und darüber hinaus alle PopIt-Herausforderungen gelöst – was mich ebenfalls absolut nicht gereizt hat -, wären am Ende eine Gesamtspielzeit von vielleicht zehn Stunden herausgekommen.

Neben dem bereits aus den Vorgängern bekannten Sackboy treten in “Little Big Planet 3″ erstmals drei weitere Helden ins Rampenlicht, die allesamt eine Spezialfähigkeit im Gepäck haben, um das seit dem ersten Teil nur marginal weiterentwickelte Gameplay ein wenig aufzupeppen. So kann Hundeverschnitt Odd Sock spektakuläre Wall-Runs ausführen, an Wänden entlang laufen und sich von eben diesen nach oben abstoßen, um für die anderen Figuren normalerweise unerreichbare Stellen im Level zu erreichen. Fettsack Toggle verwandelt sich auf Tastendruck in eine kleine, immens viel leichtere Version seiner selbst, um auf diese Weise vorzugsweise zur Lösung eher simpler physikbasierter Rätsel beizutragen. Und zu guter Letzt wäre da noch Swoop zu nennen, eine Vogel-Sackfigur, die sich dank ihrer wollenen Flügel in luftige Höhen aufschwingen und auf Tastendruck in einen Kamikaze-Sturzflug übergehen kann, etwa um Hindernissen auszuweichen oder einen der seltenen Gegner auszuschalten. Klingt durchaus cool und auch sinnig, nach inzwischen zwei erfolgreichen Konsolen-Vorgängern langsam mal ein wenig am Gameplay zu schrauben und Abwechslung rein zu bringen. Allerdings kommen die Spezialfähigkeiten der drei neuen Helden lediglich in sehr wenigen Levels zum Einsatz – wer sich auf die Suche begibt, findet eventuell noch einen speziell auf jeden einzelnen Helden zugeschnittenen Masterlevel, der ihren Einsatz erfordert. Außerdem ein letztes Mal im Rahmen des finalen Bosskampfes, der ebenfalls nicht der Rede wert ist. Alles in allem fand ich die drei neuen Helden Odd Sock, Toggle und Swoop, so witzig sie auch sein mögen, aufgesetzt, wenngleich mir durchaus bewusst ist, dass viele Enthusiasten da draußen sicherlich absolut zockenswerte Abenteuer für sie aus dem Ärmel schütteln werden, was auch der Grund sein dürfte, weshalb sie überhaupt erst ins Spiel eingebaut wurden.

Auch Sackboy, der Veteran unter den vier Woll-Helden, selbst hat in “Little Big Planet 3″ ein paar neue Fähigkeiten verpasst bekommen: So kann er unter Zuhilfenahme einer Saugpistole schwere Gegenstände zu sich heranziehen, beziehungsweise eben diese von sich weg schubsen. Mit einem Hakenhelm kann der braune Held sich an Rohrleitungen entlang hangeln, und dank kleiner, bei Bedarf unter seinen Füßen angebrachter Schubdüsen sind Doppelsprünge möglich. Dumm nur: Jede der genannten Fähigkeiten kommt lediglich in einem oder zwei aufeinander folgenden Leveln zum Einsatz. Zudem ist ein hin und her Wechseln innerhalb eines Levels so gut wie nie vonnöten. Wie bereits eingangs geschrieben: Man hat wirklich das ungute Gefühl, lediglich ein über die Maßen aufgeblasenes Tutorial zu zocken, in dessen Rahmen jede Fähigkeit exakt einmal zum Einsatz kommt.

Wer Lust hat, bzw. genügend Motivation aufbringen kann, kann abseits des Haupt-Handlungsstrangs die ein oder andere optionale Nebenmission erledigen, was selbstverständlich ebenfalls mit zahlreichen freigeschalteten PopIt-Items goutiert wird. Gleich zu Beginn des Spiels will beispielsweise ein fahrbarer Untersatz konstruiert und anschließend ein Dragster-Rennen gewonnen werden. Bis man die nötigen Bauteile zusammengesammelt hat, um ein solches Gefährt überhaupt erst konstruieren zu können, vergeht allerdings erst einmal ein ganzes Weilchen. Kleiner Tipp: Ein alter muffiger Schlittschuh, zwei Tennisbälle sowie ein Luftballon plus auf Knopfdruck auslösbarer Druckluftpumpe geben einen ganz famosen Rennwagen ab – zumindest in der bekloppten Recycling-Welt von “Little Big Planet”!

Wurde das Hauptabenteuer abgeschlossen, was wie geschrieben bei den allermeisten Spielern nach spätestens sechs Stunden der Fall sein dürfte, und auch alle Popit-Herausforderungen erledigt, war es das eigentlich auch schon. Mit mehr von Haus aus mitgelieferten Inhalte kann Sonys Exklusivtitel “Little Big Planet 3″ nicht aufwarten. Dafür 60 Euro zu verlangen, empfinde ich persönlich als eine absolute Frechheit! Mir ist wie gesagt durchaus bewusst, dass die Reihe einen Großteil ihrer Faszination und immenser Popularität insbesondere aus der Möglichkeit bezieht, sich eigene Missionen, Level und ganze Abenteuer zu erstellen und diese dann mit anderen Spielern zu teilen, und selbst wiederum von der aktiven “LBP”-Community kreierte Inhalte zu zocken, das ganze dann unter Umständen noch zusammen mit der vom zugegebenermaßen recht knuffigen Sackboy total faszinierten Freundin. – Nichtsdestotrotz prangere ich an, dass sechzig Euro für ein paar nicht allzu spannende, als Story-Modus verpackte Tutorial-Missionen, knapp einhundert Popit-Herausforderungen und den grundlegenden Zugang zum Leveleditor von “Little Big Planet 3″, dessen eigentliche Baumaterialien ich mir jedoch auch erst mühselig zusammensammeln muss, recht happig, nein, äußerst unverschämt sind!
Inhalte wie zur Genüge vorhandenen Community-Abenteuer können, wie ich finde, nicht in die Bewertung mit einfließen, da sie schlicht und ergreifend nicht auf dem Mist des verantwortlichen Entwicklerstudios Sumo Digital gewachsen sind.

Naja, wie dem auch sei…

Die Steuerung von “Little Big Planet 3″ folgt dem gängigen Genre-Standards: Die Spielfigur wird per linkem Stick gesteuert, auf den rechten Tasten liegen grundlegende Funktionen wie Springen und Benutzen, per Druck auf die Quadrat-Taste des DualShock 4-Controllers (siehe meinen Produkttest) wird zudem das mehrfach erwähnte PopIt-Menü aufgerufen, über das beispielsweise die Optik von Sackboy und seinen neuen Freunden nach eigenem Gusto verändert oder in speziellen Arealen der mächtige Editor benutzt und so die Spielwelt gezielt manipuliert werden kann. Mit der Kreistaste kann darüber hinaus ein Auswahlmenü geöffnet werden, mit dessen Hilfe Sackboys aktive Spezialfähigkeit eingestellt werden kann – Schubdüsen, Hakenhelm, Objektsauger, Taschenlampe und so weiter und so fort.

Als großes Manko habe ich während des Tests die meiner Meinung nach verhältnismäßig schwammige Sprungsteuerung des Spiels empfunden. Nur selten hatte ich das Gefühl, meine Spielfigur wirklich unter Kontrolle zu haben und präzise Sprungpassagen meistern zu können ohne Gefahr zu laufen, im tiefen Abgrund zu landen und gezwungenermaßen zu einem der innerhalb der Levels größtenteils fair platzierten Speicherpunkte zurück teleportiert zu werden. Kein Vergleich zu dem in dieser Beziehung schon fast perfekten “Rayman Legends” (siehe meine Review). Auch die hier und da nötigen Hangeleinlagen sind mir als äußerst friemelige Angelegenheit mit gesteigerter Tendenz zum vermeidbaren Fehlschlag in Erinnerung geblieben.

Aus technischen Gesichtspunkten betrachtet ist “Little Big Planet 3″ ein zweischneidiges Schwert: Während die Optik sich gewohnt charmant, knallbunt und an allen Ecken und Enden verschnörkelt und verspielt präsentiert, ist eben dieser Look nach all den Jahren, die das Franchise nun bereits auf dem Buckel hat, nichts wirklich Besonderes mehr. Cashcow-Fanservice á la “Mehr vom Selben” trifft es ziemlich gut, wie ich finde. Lässt sich übrigens vom gesamten Spiel behaupten. Dafür läuft “LBP 3″ mit 60FPS vollkommen ruckelfrei und wird in inzwischen quasi vorausgesetzter 1080p-Auflösung, also in Full-HD-Qualität präsentiert. Extrem nervig sind die extrem langen Ladepausen des Spiel, mit denen man in schöner Regelmäßigkeit konfrontiert wird.

Ähnlich verhält es sich mit der Soundkulisse von “Little Big Planet 3″: Die fängt äußerst grandios an – die Rock’n’Roll-Tracks feat. Marlon Brandung sind der Hammer! – und lässt ziemlich schnell stark nach, bis letztlich nur noch uninspiriertes Gedudel übrig bleibt. Spätestens in der Lagune, dem vierten und letzten Story-Szenario, hat mich die Musikuntermalung jedenfalls nur noch gelangweilt.
Die deutschen Synchronsprecher machen alles in allem einen soliden Job, – dafür werden sie jedoch auch bezahlt. Natürlich stinkt die hiesige Besetzung enorm ab, wenn man sie mit dem britischen Originalcast vergleicht, welcher mit großen Namen wie Stephen Fry und Hugh Laurie auftrumpfen kann. Tendenziell also zur die englische Originalfassung umswitchen!

Pro
+ charmante Optik
+ teils tolle Musikuntermalung
+ theoretisch endloser Levelnachschub
Contra
– gefühlte Demoversion zum Vollpreis
– kurze, uninspirierte Handlung
– neue Helden & ihre Fähigkeiten wirken aufgesetzt
– schwammige Steuerung
– häufige & lange Ladepausen

Fazit
Als jemand, der zuvor noch kein Videospiel aus dem “LBP”-Franchise gezockt hatte, bin ich von “Little Big Planet 3″ sehr enttäuscht. Da ich nie vor hatte, mich stundenlang am mächtigen Editor auszutoben, habe ich wenigstens ein handwerklich gut gemachtes Solo-Abenteuer erwartet, das mich vor kniffelige Sprungpassagen und einige anspruchsvolle Rätsel-Herausforderungen stellt. Das ganze eingerahmt von atmosphärischer, gewohnt knuffiger Grafik und netten Klängen aus den Boxen. – Nichts davon wurde mir geboten! “Little Big Planet 3″ macht auf mich den Eindruck eines durch und durch seelenlosen Aufgusses; es wirkt wie ein 0815-Jump’n’Run, das einzig und allein aufgrund seiner starken Lizenz aus der grauen Masse heraussticht – wenngleich auch nur marginal. “Little Big Planet 3″ mutet an wie ein auf Kommerz getrimmter Stiefbruder der beiden Vorgänger, der einzig und allein aus dem Grund veröffentlicht wurde, um das nahende Weihnachtsgeschäft mitnehmen zu können.

“Little Big Planet 3″ ist in meinen Augen eine herbe Enttäuschung und reicht – wie ich mir habe sagen lassen – nicht mal ansatzweise an die beiden genialen Konsolen-Vorgänger heran.

Wertung