Quo vadis, GT Sport?

30. Juli 2018   •   Gaming

Seit nunmehr schon fast neun Monaten drehe ich in „Gran Turismo Sport“, der, wie ich finde (siehe meine Review), ziemlich superben Renn-Simulation aus der kreativen Schmiede von Polyphony Digital, nun bereits meine Runden über die realen wie fiktiven Strecken dieser Welt. Noch nie zuvor habe ich mit einem Rennspiel so dermaßen wie Zeit verbracht und so viel Herzblut in alle Aspekte meiner virtuellen Rennfahrer-Karriere investiert wie in „GT Sport“. Der Titel hat sich einen festen Platz auf der Festplatte meiner PS4 Pro-Konsole erobert – und wird diesen so schnell auch nicht wieder abgeben.

In all der Zeit, die seit dem Release Mitte Oktober 2017 ins Land gezogen ist, hat sich einiges getan: Die Macher rund um den japanischen Star-Designer Kazunori ‚Kaz‘ Yamauchi haben Monat für Monat konsequent im Rahmen größerer Updates neue Inhalte nachgereicht, um ihr Spiel frisch und attraktiv für neue und wiederkehrende Spieler zu halten. So wurde „GTS“ um rund einhundert neue Wagen, darunter sogar der Mercedes-AMG F1 W08 EQ Power+ von Lewis Hamilton, der die vergangene Formel-1-Saison 2017 über weite Strecken nach Belieben dominiert und die Konkurrenz von Ferrari und Red Bull in die Schranken verwiesen hat, und zahlreiche Rennstrecken, darunter auch offiziell lizensierte wie Le Mans, Monza und Tsukuba, erweitert. Darüber hinaus haben auch weitere Spielmodi Einzug ins Spiel gehalten: So wurde beispielsweise ein durchaus spaßiger „Karriere-Modus“ hinzugefügt, der in Teilen an das gute alte „Gran Turismo 5“ erinnert, sowie coole Features wie z.B. die Möglichkeit, nicht bloß die Lackierung seines Wagens nach eigenem Gusto gestalten, sondern seine kreative Ader überdies auch am eigenen Rennoverall ausleben zu können. Diverse neue Locations für den Foto-Modus des Spiels, in dem ich auch einige Stunden totgeschlagen habe, runden das vorbildliche tolle Update-Verhalten des Entwicklerstudios ab.

Mit Update v1.23 (siehe Video oben) wurde „Gran Turismo Sport“ nun allerdings um ein Feature erweitert, das ich so nicht auf dem Schirm hatte. Die Rede ist von Micro-Transactions. Jetzt ist es möglich, bestimmte Wagen auch mit echtem Geld direkt über den PlayStation Store freizuschalten. Somit entfällt das Grinding nach ausreichend Ingame-Credits. Wie die Fansite „GTPlanet.net“ berichtet, rangieren die für die einzelnen Straßen- und Rennwagen aufgerufenen Preise zwischen ¥100 und ¥300, was umgerechnet in etwa 1-3 Euro entspricht. Wer also seinen Fuhrpark UN-BE-DINGT um einen bestimmten Wagen aufstocken möchte, jedoch gerade nicht die nötigen Credits auf seinem Ingame-Konto übrig hat und auch keine Lust verspürt, diese in ein, zwei schnellen Rennen zu erfahren, kann nun also auch echtes Geld investieren, um besagte Objekt der Begierde schnell und unkompliziert freizuschalten. Per Micro-Transaction seien allerdings nur solche Renn-Karossen verfügbar, die weniger als 2.000.000 Ingame-Credits kosten, heißt es weiter.

Ich für meinen Teil sehe den Einzug von Micro-Transactions nicht mal als eine negative Design-Entscheidung an. Schließlich wird niemand gezwungen auf sie zurückzugreifen, und sie verschaffen keinen Vorteil, der über die ein oder andere eingesparte Stunde Grinding auf der Strecke hinausgeht. Alle Inhalte des Spiels sind nach wie vor für jedermann komplett kostenfrei zugänglich, bzw. über die im Spiel verdienten Credits.

Gleichzeitig frage ich mich, wie es mit „Gran Turismo Sport“ in den kommenden Monaten wohl weitergehen mag. Wie jüngst bekanntgegeben wurde, zocken weltweit mehr als 5 Millionen Spieler die PlayStation 4-exklusive Renn-Simulation. Ob dies gleichzeitig auch fünf Millionen verkauften Exemplaren des Spiels entspricht, ist indes nicht bekannt. Meinem Gefühl nach eher nicht. Natürlich lesen sich die erwähnten 5 Millionen Spieler nicht schlecht, allerdings liegen die tatsächlichen Verkaufszahlen wohl (weit) hinter denen früherer Serienteile zurück, wie sich mit etwas Recherche in Erfahrung bringen lässt.

In knapp drei Monaten jährt sich der Release des Spiels zum ersten Mal. An dieser Stelle lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster und spekuliere, wie es mit „GT Sport“ weitergehen wird:

  • „Gran Turismo Sport“ wird im kommenden Oktober in einen Free-to-Play Titel umgewandelt, der vielleicht sogar einen Monat lang in PlayStation Plus enthalten sein wird, um den Spielerstamm und somit auch die potenzielle Anzahl von Nutzern der nun verfügbaren Micro-Transaktionen zu vergrößern
  • Die F2P-Version von „Gran Turismo Sport“ wird alle Inhalte (Wagen & Strecken) umfassen, die bis Oktober ’18 – also im Verlauf der ersten „GTS“-Season – veröffentlicht wurden, nicht jedoch ausgewählte Gameplay- & Customizing-Features
  • Inhalte (Wagen & Strecken), die nach Oktober 2018 – und somit in Season 2 – veröffentlicht werden, werden für alle Spieler kostenpflichtig sein
  • Im Frühjahr/Sommer 2019 wird „Gran Turismo 7“ angekündigt

Was die erwähnten Inhalte von Season 2 angeht, könnte ich mir gut vorstellen, dass Polyphony Digital hier aus der engen Kooperation mit der FIA weiteren Nutzen ziehen wird. So wären u.a. lizensierte FIA-Motorsportserien denkbar, beispielsweise die japanische Super GT oder die Formula E, die erstaunlicherweise bis dato in keinem einzigen Videospiel auftaucht.

Übrigens glaube ich nicht, dass „Gran Turismo 7“, das auf jeden Fall früher oder später kommen wird, „back to the rootes“ gehen wird, um eventuell verschreckte Fans zurückzugewinnen. Im eSport liegt ohne Zweifel die Zukunft und die „FIA Gran Turismo Championship“ läuft alles andere als schlecht. Zumal die Zeiten, in denen wir gegen eher schlecht als recht agierende KI-Kontrahenten im Kreis herum gefahren sind, um am Ende mit anderthalb Minuten Vorsprung zu gewinnen, hoffentlich ein für alle mal vorbei sind. Im krassen Unterschied zu „Gran Turismo Sport“, wird „GT7“ jedoch wieder mit einer höheren Vielfalt an unterschiedlichen Straßen- und Rennwagen aufwarten können. In dieser Hinsicht ist „GT Sport“ – verständlicherweise – doch sehr festgelegt auf Boliden der Gr.3 und Gr.4, während der ganze Rest eher unter ferner liefen einzuordnen ist.

Na, wer hält dagegen? 😉

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