Ich war eben kurz auf YouTube, um mir den Trailer zu „Assassin’s Creed: Black Flag – Resynced“, dem Remake des – bis auf den „Resynced“-Teil – gleichnamigen Originals aus dem fernen Jahr 2014, anzuschauen. Dabei bin ich auf ein Video eines Content-Creators gestoßen, bei dem ich mir gedacht habe: Sind diese Leute sich eigentlich darüber im Klaren, welch immensen Grad an Lächerlichkeit ihre Videos inzwischen erreicht haben?!
Der Titel des besagten Videos lautet: „Gespielt für 150 Stunden – Ist Black FLag Resynced wirklich so gut wie alle sagen?!“, unterstrichen von einer gänzlich übersteuerten Gestik und Mimik, wie man sie aus Mangas, Animes und von TikTok, der Plattform für alle, die unter zu wenig Aufmerksamkeit leiden, her kennt.
Zu allererst einmal: „Assassin’s Creed: Black Flag“ war seinerzeit schon nicht das umfangreichste Videospiel aller Zeiten. Da wird das Remake nicht signifikant umfangreicher sein; hier und da wurde vielleicht eine neue Questline implementiert, das war’s dann aber auch. Demzufolge frage ich mich bei all diesen Leuten, die ein Singleplayer-Videospiel angeblich vor dessen Release bereits 100, 200 oder 500 Stunden gezockt haben wollen, immer, wie sie diese – für einen SP-Titel – ziemlich enorme Stundenzahl erreicht haben. Indem sie ein halbes Dutzend mal hintereinander die immer gleich ablaufende Kampagne durchgespielt haben? Oder wurde einfach paar Tage lang am Stück im Hauptmenü die Spielzeit verstreichen lassen? Ist die Behauptung am Ende gar unwahr, um die eigene Meinung als fundierter, relevanter anzupreisen?
Außerdem: Wer sind „alle“? Das weltweite Review-Embargo wurde vielleicht 15 Minuten, bevor das besagte Video auf YouTube veröffentlicht wurde, aufgehoben. Wer ist also „alle“? Alle Creator auf YouTube? Ein (für Videos wie dieses bezahlter) Kreis? Die eigenen Eltern? „Black Flag war schon vor 12 Jahren zum Launch der PlayStation 4 und Xbox One ein gutes Spiel. Die Frage stellt sich somit nicht wirklich und es ist auch keine News, dass auch das Remake mindestens „gut“ geworden ist, da es ja nun einmal ein Remake ist. Dasselbe Spiel quasi, das sich nicht verschlechtert haben wird, nur mit zeitgemäßer Optik und an ein paar Ecken feingeschliffenen Gameplay. Wer ernsthaft im Vorfeld davon ausgegangen war, dass das komplett in die Tonne geht, war lediglich auf Klicks aus oder wollte den allgemeinen Ubisoft-Hater ansprechen. Oder beides.
In derselben Liga wie diese ganzen „Nach 3.500 Stunden“-Videos spielen ikonische Videotitel für die Ewigkeit á la „Meine ehrliche Meinung zu [Thema]“. Und das Ganze auf die Spitze getrieben: „Meine wirklich ehrliche Meinung zu [Thema]“. Dadurch implizieren diese Leute ja, dass sie in ihren Videos, in denen nicht explizit auf die Ehrlichkeit (und wirklich ehrliche Ehrlichkeit) der darin vertretenen Meinung hingewiesen wird, unehrlich sind. Zum Beispiel dem Umstand geschuldet, dass irgendein Sponsor ihre Meinung zuvor gekauft hat. Solche Leute hat man mal „Mitmäuler“ genannt, heute spricht man von „Influencern“, die getreu dem Motto „Wes‘ Geld ich nehm‘, des‘ Lied ich sing‘.“ versuchen, ihre Zielgruppe zu beeinflussen. Ob ehrlich, wirklich ehrlich oder ganz und gar unehrlich – scheißegal! Hauptsache Aufmerksamkeit und Cash!
Viele Menschen, zum Glück nicht alle, sind sich der Wirkung von Sprache und der Bedeutung einzelner Wörter nicht mehr bewusst. Es wird nur noch auf Teufel komm raus dahergelabert und rausgekotzt.
Alles so hirntot.