Eine gefühlte Ewigkeit habe ich mit dem Wechsel von Windows 10/11 zu Linux geliebäugelt, nur den Mut, diesen dann tatsächlich auch in die Tat umzusetzen, den hatte ich bislang nie. – Bis heute!
Seit heute Abend läuft „Linux Bazzite“, eine speziell auf Gaming ausgelegte Linux-Distro, genauer gesagt eine Fork von „Fedora Linux“, auf meinem Gaming-PC aka Black Dragon v4. Bis auf Weiteres erstmal nur als Dual-Boot-Option neben Windows 11. Doch wer weiß, vielleicht überzeugen das OS und seine Möglichkeiten mich ja so sehr, dass ich fortan auf Microsofts olle Funkstation verzichten kann?
Holy Sh*t, I did it!! 😀
Die Installation war im Grunde selbsterklärend: Auf Bazzite.gg das passende ISO-File besorgt, anschließend mit Rufus einen bootfähigen USB-Stick erstellt, dann noch im BIOS das Boot-Medium entsprechend auf den just erstellten bootfähigen USB-Stick eingestellt und schon konnte es losgehen. Für „Bazzite“ habe ich die zweite verbaute NVMe komplett freigeräumt, damit der kleine Pinguin ausreichend Raum hat, um sich einzurichten. Hier ein guter Guide zum Installations-Prozess. Das „Windows Secure Boot“-Feature musste für die Installation übrigens nicht deaktiviert werden; ging auch so vollkommen problemlos. Vom Einstecken des USB-Sticks bis zum ersten Boot ins frisch installierte Linux-OS hat es ungefähr eine Viertelstunde gedauert.
Meine ersten Eindrücke von „Linux Bazzite“: Auf meinem System (siehe Screenshot oben) läuft das OS extrem performant und super-smooth! Die Optik des UI erinnert out of the Box an Windows und ist auch ohne Anpassungen alles in allem ziemlich stylish anzusehen. Sämtliche im Rechner verbaute Hardware sowie die angeschlossene Peripherie wurde sofort erkannt und korrekt eingerichtet, was selbst Windows nicht immer auf Anhieb hinbekommt. „It just works!“ Ganz wichtig: Es wird absolut keine Bloatware installiert, ausschließlich sinnige Apps, die zum „Gaming-Theme“ des OS passen! Die meisten Apps, die ich tagtäglich unter Windows nutze, existieren glücklicherweise auch als Linux-Version. Beispielsweise der Online-Store „Steam“, um den herum das gesamte OS aufgebaut ist, „Spotify“ für die Ohren, das Bildbearbeitungsprogramm „GIMP“, „Open RGB“ für die Systemoptik, und natürlich „Google Chrome“. Jaja, ich weiß, Google bad und so, aber auf „Chrome“ möchte ich auch unter Linux einfach nicht verzichten. Andere Games-Stores außer „Steam“ lassen sich über den Umweg via Heroic-Launcher nutzen, so unter anderem der „Epic Games Store“, „GoG“ und „Amazon Games“.
Installiert werden können Apps entweder über das Terminal (was wäre eine Linux-Distro ohne ein Terminal?!) oder über den in „Bazzite“ integrierten App-Store namens „Bazaar“. Diesen kann man nach Herzenslust durchstöbern und wenn man etwas Interessantes gefunden hat, klickt man einfach auf den „Installieren“-Button und schon werden alle notwendigen Komponenten heruntergeladen und installiert. Das macht „Bazzite“ auch für absolute Linux-N00bs Linux-Einsteiger wie mich auf Anhieb nutzbar ohne gleich vor die erste große Hürde gestellt zu werden.
Was ich bis dato noch nicht getestet habe, ist die Performance von „Linux Bazzite“ beim Zocken. Man hört da ja recht gemischtes Feedback: Während Games, für die eine native Linux-Version existiert, im direkten Vergleich mit Windows oft besser abschneiden – was logisch ist, immerhin sind sie auf Linux hin optimiert -, soll es bei nicht nativ supporteten Titeln schon ziemlich krass anders aussehen und die FPS unter dem Niveau der mit Windows erzielten liegen – nicht selten sogar recht deutlich, was für mich auf Dauer schon ein ziemlicher Dealbreaker wäre. Auf der Seite ProtonDB.com kann man sich informieren, ob ein bestimmtes Spiel unter Linux überhaupt gezockt werden kann, ob es nativ unterstützt wird, es nur mit Hilfe von Kompatibilitätsschichten wie Wine oder Proton sowie einigen Anpassungen zum Laufen zu bekommen ist, oder aber überhaupt nicht läuft. – Ist wirklich beeindruckend und interessant, was da inzwischen so geht!
Will man es sich ein wenig einfacher machen, legt man in Steam in der „Library“-Ansicht eine neue „Dynamic Collection“ an, nennt diese etwa „Runs on Linux“, und wählt bei „Hardware Support“ die Option „Verified“ oder zumindest „Verified and Playable“ aus. Die erstgenannte Option listet Spiele, die auf jeden Fall unter Linux laufen – da für Steam Deck freigegeben -, viele von ihnen sogar nativ, die zweite Option listet zusätzlich noch Spiele auf, die grundsätzlich laufen, allerdings muss vorher hier und da an einigen Stellschrauben gedreht werden.
Die allermeisten Spiele, die mit einem Anti-Cheat gesichert sind – insbesondere solche neueren Datums -, können in der Regel unter Linux nicht gezockt werden; zumindest nicht ohne immensen Aufwand, den sich niemand freiwillig antut. Nope, keine Chance! Aber man ist offenbar dran, auch dieses Problem zu lösen.
Für den kommenden Monat habe ich mir, als so eine Art persönliche Frühjahrs-Challenge, vorgenommen, komplett, bzw. so gut es nur irgendwie geht auf Windows als Arbeits- und Gaming-Umgebung zu verzichten und stattdessen beim Hochfahren des PCs stets direkt in „Bazzite“ zu booten. Bin gespannt, wie das so laufen wird – und ob ich es wirklich bis zum Ende des Monats durchhalte…
Ich werde mit Sicherheit hier im Blog berichten. 😉
P.S: Kudos gehen raus an die Linux-Community auf Mastodon, ohne deren Tipps, Tricks und Hilfestellungen ich die fehlenden Quäntchen Motivation für dieses Experiment wohl nicht so schnell aufgebracht hätte. Außerdem sei auf die wirklich wahnsinnig informativen und super erklärten Bazzite Guides von Mike’s Tech Tipps hingewiesen, die mir ebenfalls sehr geholfen haben.
