It’s a Marathon, Stupid…_

Neu          8. März 2026          Gaming
gnubreW

Vor wenigen Tagen erschien das von manchen mit Spannung erwartete neue Bungie-Videspiel namens „Marathon“, ein Extraction-Shooter der „Halo“-Macher und einer jener Multi-Plattform-Titel, von denen sich der (indirekte) Publisher Sony wohl schon einiges verspricht hinsichtlich der Gewinne, welche durch Verkäufe, insbesondere jedoch durch die zig ins Spiel integrierten Micro-Transactions erzielt werden sollen.

Marathon

Ich habe den Launch-Tag ein bisschen auf Twitch verfolgt und dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, nein, sie haben mich regelrecht angesprungen, so offensichtlich sind sie:

Das grundlegende Game- und Gunplay von „Marathon“ könnte auch aus „Apex Legends“ stammen, nur ist es nicht ganz so dynamisch und fast-paced, es erinnert eher an das eher gemächliche Tempo eines „Halo Multiplayer“-Matches (kann man Bungie nicht vorwerfen). Da „Marathon“ ein Extraction-Shooter ist und man im Verlauf der Runden einiges an Loot auf- und einsammelt, erinnert mich das Inventar-Management schon sehr an „Escape from Tarkov“, nur leider findet es in einem extrem unübersichtlichen Interface statt. Dieses wiederum sowie sämtliche im Menü präsenten Animationen und Transitions von einem Screen zu nächsten im trendy „Glitchy-Style“, haben was von „Watch Dogs 2“. Die eigentliche Ingame-Ästhetik wurde ganz eindeutig von ikonischen Games wie „Mirror’s Edge“ inspiriert, wo einzelne Levelabschnitte auch super-stylish in verschiedene knalligbunte Farben getaucht wurden. Kein Vergleich fällt mir indes für die Ausgestaltung der im Spiel enthaltenen diversen Maps ein; alles sehr belanglos, austauschbar und irgendwie auch schon mal irgendwoanders gesehen – und sei es im Rahmen eines Workshops namens „Map-Design for Beginners“. Riesige, grobschlächtige Gebäude und Maschinen, die auch gut dem Brutalismus entsprungen sein könnten, stehen in leeren, allenfalls mit ein paar Bäumen und Felsen angereicherten Maps herum wie liegen gelassenes Playmobil-Spielzeug, das darauf wartet zur Kulisse des nächsten Feuergefechts zwischen Spielergruppen zu werden.

Kurzum: „Marathon“ macht auf mich einen ausgesprochen seelenlosen, unfertigen Eindruck; so ein bisschen wie eine zusammengefrankensteinte Hülle, die nur bedingt mit eigenem Inhalt gefüllt wurde. Das Spiel wirkt auf mich, als hätte irgendwer einer mittelmäßigen KI aufgetragen, einen neuen Extraction-Shooter zu entwickeln, indem populäre ikonische Elemente aus erfolgreichen Videospielen kombiniert und in einem einzeigen Titel vereint werden. Klingt ja schön und gut, nur ist die Umsetzung bestenfalls mittelprächtig gelungen. – Ganz ruhig, liebe Abmahn-Anwälte von Sony, lasst den Drucker ruhig im Idle: Ich glaube nicht wirklich, dass „Marathon“ seelenloser AI-Slop ist; da saßen überwiegend schon noch echte Menschen dran.

Ich habe „Marathon“, wie erwähnt, bis dato nicht selber gespielt – und werde das wohl auch nicht. Erstens läuft es aufgrund des extrem restriktiven Battle-Eye Anti-Cheats nicht unter Linux, zweitens sind die Spielerzahlen, wenn man einen Blick auf die Website Steam-Charts wirft, bereits jetzt schon nicht mehr allzu berauschend – 24-Stunden-Hoch: ~75.000 Spieler, Allzeit-Hoch: ~88.000 Spieler -, so dass ich nicht weiß, ob ich mich wirklich in ein Spiel reinfuchsen will, dass in einem oder zwei Monaten bereits schon wieder im digitalen Nirwana verschwunden sein könnte. Dass Sony da nämlich nicht lange fackelt und durchaus gewillt ist, selbst bei hunderte Millionen Euro teuren Prestigeprojekten den Stecker zu ziehen, sobald sich abzeichnet, dass das langfristig gesehen nix mehr wird, dürfte seit dem Debakel um den Hero-Shooter „Concord“ ja hinlänglich bekannt sein.

Ob Sony nach diesen Erfahrungen wirklich bereit ist, über die volle Marathon-Distanz (42,195km) zu gehen und Bungie genügend Zeit zu geben, „Marathon“ durch Patches und Updates peu á peu doch noch zu einem bei Kritikern wie Gamern gleichermaßen populären Spiel zu machen, oder stattdessen noch vor Erreichen der ersten Verpflegungsstation die Laufschuhe schon wieder an den Nagel hängt, bleibt abzuwarten.

Ich persönlich würde kein Geld darauf verwetten…

gnubreW
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