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InaiMathi Blog

Interview mit Marcus Off

SynchroWorld.de
Herr Off, gleich zum Anfang des Interviews die Frage, die derzeit die Synchronfans in ganz Deutschland bewegt: Können Sie unsere Meldung bestätigen, wonach Sie auch in „Fluch der Karibik 2“ wieder als deutsche Stimme von Johnny Depp zu hören sein werden?

Marcus Off
Ja.

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Wann wurde Ihnen dies mitgeteilt?

Marcus Off
Anfang bis Mitte Juni.

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Wie kam es eigentlich zu der Situation, dass der deutsche Verleiher, Buena Vista International, zuerst auf David Nathan zurückgreifen wollte?

Marcus Off
Das weiß ich nicht, da müssen sie schon Buena Vista fragen.

SynchroWorld.de
Darf man erfahren, wie Ihnen diese Entscheidung von Seiten Buena Vista begründet wurde?

Marcus Off
Mir wurde das freundlicherweise von Buena Vista telefonisch mitgeteilt, das der Zweite Teil nicht mit mir besetzt werden wird.

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Dann hieß es plötzlich doch, dass Sie Johnny Depp auf ein Neues Ihre Stimme leihen werden. Wie haben Sie auf die Entscheidung reagiert? Ich meine, wie fühlt man sich, wenn man scheinbar in den Augen von Buena Vista und der FFS zuerst nicht als „erste Wahl“ für Depp angesehen wurde, dann aber doch besetzt wird?

Marcus Off
Ich habe mich über diese Entscheidung sehr gefreut. Innerhalb eines Mehrteilers die Stimme eines Hauptcasts zu ändern finde ich persönlich grundsätzlich falsch. Darüber hinaus ist es einfach eine klasse Aufgabe Johnny Depp zu synchronisieren. Abgesehen davon, geht es hier glaube ich nicht um erste oder zweite Wahl, sonst hätte mich Buena Vista wohl kaum gebeten, den ersten Teil zu sprechen. Über künstlerische Fragen lässt sich einfach geteilter Meinung sein.

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Spielte vielleicht auch der Studiowechsel eine Rolle? Für den ersten „Fluch der Karibik“-Film zeichnet ja bekanntlich die Berliner Synchron Wenzel Lüdecke verantwortlich…

Marcus Off
Nein. Natürlich unterbreiten die Studios, bzw. die Regisseure und Aufnahmeleiter, Besetzungsvorschläge. Aber in dieser Kategorie entscheiden in der Hauptsache und in letzter Instanz die Verleiher beziehungsweise die Produzenten.

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Haben Sie eigentlich die daraufhin entstandene Diskussion über die Besetzungswirren in „Fluch der Karibik 2“ verfolgt? Beispielsweise in den News auf SynchroWorld.de oder in einschlägigen Foren?

Marcus Off
Ja, natürlich!

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Was ist es für ein Gefühl, einen solch großartigen Hollywood-Star wie Johnny Depp in einer so unglaublich dynamischen Rolle wie der des Captain Jack Sparrow zu sprechen? Geht man da mit noch mehr Herzblut heran, als sonst?

Marcus Off
Johnny Depp ist sicher einer der großartigsten und vielseitigsten Schauspieler seiner Generation. Die Kreativität und die unkonventionelle Herangehensweise an Rollen wie zum Beispiel an einen Piratenkapitän ist außergewöhnlich. Das ist natürlich eine Herausforderung, eine angemessene Umsetzung zu finden, die dem Original so nah wie möglich kommt. Herzblut, Hochachtung, Nervosität spielen da schon eine Rolle. Beim ersten Teil war ich unglaublich nervös, und als ich im Studio gesehen habe, was „der“ da spielt, wollte ich eigentlich gleich wieder nach Hause gehen. Ich dachte, das schaffst du nie. Naja, ich hatte ein gnädiges Team das mich einfach hat herumspielen und Dinge ausprobieren lassen, ohne dabei auf die Uhr zu gucken, bis ich endlich einen Weg für mich gefunden habe.

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Ist Johnny Depp, im Vergleich zu anderen Rollen, die Sie bislang gesprochen haben, „schwerer“ zu synchronisieren? Er ist ja dafür bekannt, seine Rollen nicht nur zu spielen, sondern sie regelrecht zu leben, und ihr dadurch noch mehr Leben einzuhauchen, als es vielleicht andere Schauspieler je könnten. Fällt es Ihnen als deutscher Sprecher schwer, dieser Leistung in der deutschen Synchronfassung gerecht zu werden?

Marcus Off
Bei allen Rollen gilt es, so nah wie möglich ans Original heranzukommen und trotzdem so authentisch wie nur möglich zu sein. Das ist die Arbeit: Die Freude, der Kampf und manchmal auch das Leid. Aber wie immer bei allen ernstzunehmenden Rollen, wenn man den „Dreh“ gefunden hat, dann läuft`s. Sonst ist man verloren. So was gibt es leider auch. Abgesehen davon gibt es auch gute Regisseure und Autoren, die einem helfen. Und die feine Analyse des Originals hilft immer.

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Wurde Ihnen vorab eine Filmkopie und/oder das deutsche Sprecherbuch von „FDK 2“ zur Verfügung gestellt, um sich nach den Jahren wieder in die Rolle einfinden zu können?

Marcus Off
Nein.

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Nun läuft „Fluch der Karibik 2“ schon in wenigen Tagen in den hiesigen Kinos an. Das Kapitel ist für Sie somit abgeschlossen. An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Marcus Off
Habe gerade einen sehr schönen dänischen Film in Berlin synchronisiert: „Morke“. Sowie Dreharbeiten zu einem Krimi „Führe uns nicht in Versuchung“ abgeschlossen. Gerade synchronisiere ich einen spannenden französischen Vierteiler in München.

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Der dritte und letzte Teil zu „Fluch der Karibik“ ist ja bekanntlich schon abgedreht. Sind Sie schon auf die Synchronarbeiten im kommenden Jahr gespannt, oder wurde auch dieser Teil bereits synchronisiert?

Marcus Off
Nein, der dritte Teil wurde meines Wissens noch nicht synchronisiert.

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Stand es für Sie eigentlich schon früh fest, dass Sie einen kreativen Beruf, wie den des Schauspielers, ergreifen werden?

Marcus Off
Nein. Ich bin erst mit 24 auf die Schauspielschule gegangen.

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Ich nehme an, bei Ihnen war es nicht anders, wie bei den meisten Ihrer Kollegen und Sie wurden erst durch die Schauspielerei an das Thema „Synchron“ herangeführt. Wie kam es dazu?

Marcus Off
Ein Kollege hat mich mit in ein Synchronstudio in München mitgenommen. Nach den ersten Takes hab ich gesagt, das ist nichts für mich. Der Aufnahmeleiter bürstete mich zusammen und sagte, ich soll mich nicht so wichtig nehmen und erst mal eine Woche lang ins Studio kommen und zugucken, dann reden wir weiter. Er hatte Recht!

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Und können Sie sich denn noch an Ihre erste Synchronrolle erinnern?

Marcus Off
Das ist solange her und es war auch eine sehr kleine Rolle in einer Serie. Die erste große Rolle war „Jackpot“ in Trapper John. Eine der ersten Hauptrollen war, glaube ich, in „Gavre Princip“ , der Attentäter.

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Bei der Gelegenheit: Ende des Jahres bringt Sony Pictures den neuen James Bond-Film „Casino Royal“ in die Kinos. Einige Quellen handeln Sie bereits als seine deutsche Stimme, da Sie erstens gut passen würden und zweitens Daniel Craig vor kurzem in „Enduring Love“ gesprochen haben. Ist an dem Gerücht etwas dran: Marcus Off, die deutsche Stimme des neuen James Bond?

Marcus Off
Da wissen sie mehr als ich. Daniel Craig ist ein ausgezeichneter Schauspieler und ich glaube, man darf auf seinen „James Bond“ gespannt sein.

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Aber Sie würden für den neuen „James Bond“ schon zur Verfügung stehen, oder?

Marcus Off
Ja klar.

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Was unsere Leser immer wieder brennend interessiert: Wie hat man sich einen typischen Arbeitstag im Leben eines Schauspielers und Synchronsprechers, wie Sie es sind, vorzustellen? Geben Sie uns doch bitte einen Einblick!

Marcus Off
Neun Uhr Arbeitsbeginn im Synchronstudio bis 18.Uhr. 45 Min Mittagspause. Also acht Stunden am Tag unter Tage. Im Schnitt zwischen 100 und 200 Takes sprechen.

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Kommen da die Schauspielerei und das Theater nicht zu kurz? Wie gelingt es Ihnen, das miteinander vereinbaren?

Marcus Off
Manchmal muss man einfach verzichten zugunsten der einen oder anderen Sache.

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Herr Off, auf welchen Bereich Ihres Berufes legen Sie eigentlich mehr wert? Entscheiden Sie sich eher für das Schauspiel vor der Kamera, das Wirken vor Publikum auf der Theaterbühne, oder dann doch das leider weitgehend anonyme Schaffen im Synchronstudio?

Marcus Off
Mit den richtigen Leuten Theater spielen ist für mich das Größte. Wenn ich im Studio stehe und eine tolle Rolle synchronisieren darf vielleicht auch noch mit einem guten Buch und einem guten Regisseur, einer guten Cutterin bin ich von dieser Arbeit genauso absorbiert. Ich bin ein Teamarbeiter, ein Mannschaftsspieler. Das sind dann einfach Geschenke. Das gleiche gilt letztlich auch fürs Drehen.

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Wie erwähnt, schauspielern Sie sehr erfolgreich, beispielsweise in der Serie „Lindenstrasse“ für die ARD, engagieren sich am Theater und sind im Synchronstudio tätig. Da fehlen eigentlich nur noch Referenzen im Autor- und Regiebereich… Oder sind die auch schon vorhanden?

Marcus Off
Ja, aber ich stehe eigentlich lieber vor der Kamera, dem Mikro beziehungsweise auf der Bühne, als dahinter. Ich bin einfach Schauspieler.

SynchroWorld.de
Würden Sie uns ein paar Buch- und Regiereferenzen von sich nennen?

Marcus Off
Ich habe Treatments verfasst und als Regieassistent am Theater gearbeitet.

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Das Obligatorische zum Schluss:
Wenn keiner der Hollywood-Stars eine deutsche Feststimme hätte, auf wen sollte man Sie dann besetzen?

Marcus Off
Die Bandbreite eines jeden Schauspielers ist naturgemäß sehr unterschiedlich. Mich interessiert Vielfalt. Das ist ja auch das Interessante am synchronisieren. Die unterschiedlichen Schauspieler und deren Rollen die ich sprechen darf.

SynchroWorld.de
…und wenn Sie sich auf einen Schauspieler festlegen müssten?

Marcus Off
Das kann ich nicht.

SynchroWorld.de
Von welchem Projekt, egal ob Schauspiel, Theater oder Synchron, würden Sie behaupten, dass Sie auf das Gesamtergebnis besonders stolz sind?

Marcus Off
Zum Beispiel „Fluch der Karibik“, „Der ewige Gärtner“ im Synchron. Im Theater „Furtwängler“, im Schauspiel „Dortmund“ in der Rolle des Steve Arnold.

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Action, Comedy, Science Fiction, Horror, Drama… – Haben Sie ein Lieblingsgenre in dem Sie bevorzugt synchronisieren?

Marcus Off
Nein. Es kommt immer auf die Rolle an.

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Mit welchem Synchronstudio arbeiten Sie immer wieder gerne zusammen?

Marcus Off
Auch hier zählt letztendlich immer die Besetzung und das Team – also Schauspieler, Regisseur, Cutter, Tonmeister, Aufnahmeleiter, Autor, etc, die sich von Film zu Film immer wieder neu ergeben. Wie ich schon sagte: Diese Arbeit erfordert eine gute Mannschaft!

SynchroWorld.de
Ein paar Worte an Ihre Fans…

Marcus Off
Nichts tut so gut, wie die Anerkennung und Würdigung der eigenen Arbeit.

SynchroWorld.de
Wir bedanken uns und wünschen Ihnen für all Ihre weiteren Projekte viel Erfolg und alles Gute! Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben!

Das Interview mit Marcus Off führte ich im Jahr 2006. Veröffentlicht wurde es auf SynchroWorld.de, einem mittlerweile eingestellten Branchenmagazin für Synchronschaffende.

— InaiMathi, am 1. Oktober 2006
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