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Interview mit Angela Wiederhut

SynchroWorld.de
Angela, Du bist unseren Lesern als unglaublich sympathische Synchronstimme und selbstverständlich auch als begnadete Sängerin der „Funny Valentines“ bekannt! Was kam eigentlich zuerst, die Musik oder das Synchronisieren?

Angela Wiederhut
Das Synchronsprechen mache ich, seit ich 12 Jahre alt bin und die Musik wurde mir praktisch in die Wiege gelegt. Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen und habe mit Klavierunterricht angefangen, im Kinderchor der Bayerischen Staatsoper gesungen, später im Schulorchester gegeigt und jetzt swing ich seit 4 Jahren bei den Funny Valentines mit.

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Und wie bist Du zum Synchronisieren gekommen?

Angela Wiederhut
Das war ein glücklicher Zufall. Ich bin mit einer Freundin zum Zuschauen ins Synchronstudio gegangen. Weil ein anderes Mädchen zum Sprechen nicht erschienen ist, hat mich der Regisseur gefragt, ob ich das nicht mal ausprobieren möchte. So fing alles an und mit der Zeit wurde aus dem anfänglichen Hobby eine Leidenschaft und schließlich mein Beruf.

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Was war denn die erste reguläre Rolle, in der Du zu hören warst?

Angela Wiederhut
Ich hab in der Serie „Disney´s Gummibärenbande“ dem gelben Gummibärchen Sunny meine Stimme gegeben.

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Wie bereits erwähnt, bist Du eine begnadete Sängerin und Mitglied bei den „Funny Valentines“. Angenommen, man würde Dich vor die Wahl stellen, für welchen Bereich würdest Du Dich entscheiden?

Angela Wiederhut
Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss! Mir liegen beide Bereiche sehr am Herzen und sind mir gleich wichtig. Es ist aber so, dass das Synchronsprechen mein Beruf ist und das Singen eine Art professionelles Hobby. Ich glaube, wenn ich eine der beiden Sachen nicht mehr hätte, könnte ich in der jeweils anderen nicht so erfolgreich sein.

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Die „Funny Valentines“ sind ja ziemlich einzigartig in Deutschland. Wie kam es, dass Du vor vier Jahren dort Mitglied wurdest?

Angela Wiederhut
Das war – wie mit dem Synchron – auch ein glücklicher Zufall. Hm, mein Leben ist wirklich von vielen Glücksfällen durchzogen… Ich hab damals eine Ausbildung als Logopädin in Ingolstadt gemacht und meine Stimm- und Sprecherzieherin fragte mich, ob ich nicht zum Casting der „Funny Valentines“ kommen möchte. Beim Recall wurde ich dann genommen, der Rest ist bekannt.

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Welche Musikrichtung hört Angela Wiederhut privat?

Angela Wiederhut
Klassische Musik am liebsten live in Konzerten (Puccini, Mahler, Bach), zu Hause Chill-Out, Loungemusic und Jazz (Keith Jarrett) und in Feierlaune Drum ´n Bass und Breakbeats.

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Hast Du ein bestimmtest Ritual vor jedem Auftritt?

Angela Wiederhut
Kurzes Einsingen mit den anderen Mädels, Zigarette und Weißweinschorle.

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Viele Deiner Kollegen sind auch vor der Kamera tätig. Würde es Dich reizen, auch in diesem Bereich Fuß zu fassen? Oder warst Du gar schon in einem Film zu sehen?

Angela Wiederhut
Also, Kameraerfahrungen habe ich bisher keine, könnte ich mir aber schon sehr reizvoll vorstellen. Vor einigen Jahren habe ich allerdings Theaterluft geschnuppert und hab für ein halbes Jahr im Blutenburgtheater in München auf der Bühne gestanden. Bei meinem ersten Engagement gleich einen Grufti spielen zu müssen, hat nicht nur mich geschockt, sondern auch meine Familie und Freunde – nein, im Ernst, das war eine tolle Erfahrung und Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere.

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Zurück zur Synchronisation. Viele unserer Leser fragen sich, wie ein typischer Arbeitstag eines Synchronsprechers aussieht. Könntest Du uns bitte einen Tag aus Deiner Sicht beschreiben?

Angela Wiederhut
Den typischen Arbeitstag gibt es als Synchronsprecher eigentlich nicht. Manchmal dauert mein Studiotag 9 Stunden, manchmal nur ein paar Stündchen und an manchen Tagen hetze ich von einem Studio ins nächste. So gibt es also Zeiten, in denen ich sehr eingespannt bin und dann aber auch wieder sehr entspannte Tage, an denen ich Zeit für private Dinge habe, das Contact & Booking für die „Funny Valentines“ oder sonstiges Organisatorisches erledige.

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Wie wird man eigentlich für eine Rolle besetzt? Werden auch bekannte Stimmen wie Du zu einem Casting eingeladen oder bekommt man sofort ein Angebot?

Angela Wiederhut
Studios, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite, kennen mich und meine Stimme und wissen daher, auf welche Rollen sie mich besetzen können. Für Kinofilme und große Hauptrollen sind Castings – oder so genannte Probesprechen – aber der Normalfall. Im Endeffekt, denke ich, ist es oft nicht entscheidend, wie bekannt oder unbekannt eine Stimme ist. Bei einem Probesprechen entscheidet oft nicht der Bekanntheitsgrad, sondern einzig und allein der Geschmack und die Vorstellungen des Regisseurs bzw. des Verleihs oder Supervisors.

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Wie viel Einfluss haben eigentlich die Produktionsstudios bei der Auswahl der Stimmen?

Angela Wiederhut
Bei großen Kinoproduktionen haben die Verleihfirmen am meisten zu sagen, manchmal hat das Synchronstudio aber genauso viel Mitspracherecht.

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Und wie viel Mitspracherecht hast Du als Sprecherin, wenn es um die Dialoge geht? Man hört ja immer wieder, dass während der Aufnahme, auf Anregung der Sprecher, noch im letzten Moment etwas verändert wird!

Angela Wiederhut
Die Dialoge sind fast immer sehr gut durchdacht, sowohl bezüglich der Synchronität als auch in der Übersetzung. Deswegen mische ich mich da ungern ein. Manchmal kommt es aber schon vor, dass ich aus Versehen kleine Füllwörter weglasse oder verändere. Wenn dann die Cutterin und der Regisseur trotzdem zufrieden sind, ist das kein Problem.

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Wird Dir ein Script oder ein Dialogbuch zugeschickt, um sich besser auf die jeweilige Rolle einstimmen zu können? Wie bereitest Du Dich auf eine Aufnahme vor?

Angela Wiederhut
Eigentlich bekomme ich nur bei Hauptrollen und größeren Filmen ein Script oder eine Videokassette zugeschickt, Dadurch bekomme ich vorab ein Gefühl für die Rolle und kann mich auf den Film einstimmen.

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Welche Genres bevorzugst Du persönlich? Sprichst Du lieber Rollen in Komödien und „positiven“ Filmen / Serien, oder fühlst Du Dich eher in den „ernsteren“ Produktionen zu Hause?

Angela Wiederhut
Die größere Herausforderung sehe ich eindeutig in ernsteren Filmen, bzw. bei Rollen, in denen ich schwierige Charaktere spreche. Richtig gute Komödien sind selten, machen mir aber auch Spaß.

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Neben Realfilmen synchronisierst Du auch diverse Charaktere in Animes. Sicherlich sind Ranma aus „Ranma½“ und Sango aus „Inuyasha“ die populärsten von ihnen. Wie stehst Du persönlich zu solchen Serien?

Angela Wiederhut
Privat sehe ich mir die Serien nur dann an, wenn ich mal zufällig reinzappe.

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Liegt es daran, dass es ein komisches Gefühl ist, seine Stimme in Verbindung mit einem Zeichentrick-Charakter zu hören, oder magst Du solche Serien generell nicht?

Angela Wiederhut
Nein, ich finde es inzwischen nicht mehr seltsam, mich als Zeichentrickstimme zu hören, aber wie gesagt, als richtigen Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich sehe die Serien ja schon bei der Arbeit im Studio.

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Was steht denn auf Deiner persönlichen „Das-Muss-Ich-Aber-Unbedingt-Einschalten“-Liste?

Angela Wiederhut
Ich hab mir sehr gerne „Sex and the City“ angeschaut, ansonsten bleibe ich bei Dokumentationssendungen wie „Discovery“ oder „37 Grad“ hängen. Wenn Synchronschwimmen auf Eurosport kommt, was leider sehr selten ist, bin ich unbedingt dabei. Irgendwie hab ich’s mit dem „Synchron“…

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Worin bestehen die genauen Unterschiede in der Art, wie man einen Zeichentrick-Charakter spricht? Fällt es Dir schwerer Dich in die Rolle hinein zu versetzten?

Angela Wiederhut
Zeichentrick-Charaktere werden meist chargiert, also übertrieben gesprochen. Realfilme sind ein völlig anderes Genre und eine Stimmung von einer realen Person abzunehmen, einem richtigen Schauspieler, ist schon einfacher.

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Von vielen Deiner Kolleginnen und Kollegen hört man immer wieder, dass sie die japanischen Emotionen nicht so recht verstünden und es daher schwieriger sei, einem solchen Charakter „Leben“ einzuhauchen. Wie sieht es bei Dir aus?

Angela Wiederhut
Der Humor in japanischen Serien ist schon anders. Manchmal sogar ziemlich abgefahren… aber schwieriger ist das für mich nicht.

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Macht es Dir persönlich mehr Spaß, einen Realfilm zu synchronisieren oder einen Zeichentrickfilm?

Angela Wiederhut
Spaß macht alles, Hauptsache die Zusammenarbeit mit dem Studio und vor allem das Ergebnis stimmen.

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Welches Projekt hast Du denn immer noch in Erinnerung? Positiv oder negativ…

Angela Wiederhut
Vor kurzem war ich im Studio, um den Film „My Summer of Love“ zu synchronisieren. Die produktive Zusammenarbeit mit dem gesamten Team hab ich besonders positiv in Erinnerung.

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Man sagt ja, dass die Arbeitsatmosphäre enorm wichtig ist. Bei welchem Studio hältst Du Dich immer wieder besonders gern auf?

Angela Wiederhut
Ich bin sehr gerne bei der PPA Film, da gibt’s für die Pausen einen „Terminator“-Flipper… (lacht)

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Was bringt die Zukunft? Worauf können sich Deine Fans freuen?

Angela Wiederhut
Wir sind mit „Inuyasha“ und „One Piece“ weiter fleißig im Studio, im Juli starte ich mit einer Sängerin der Funny Valentines musikalisch ein zusätzliches, neues Projekt mit der Band „Swingtime“ und ansonsten bin ich selbst gespannt, was die Zukunft bringt und freue mich auf alles, was kommt…

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In welche Richtung wird denn Dein neues Projekt gehen? Kann man schon etwas ankündigen?

Angela Wiederhut
Hermine und ich swingen weiterhin im Stil der 30er und 40er Jahre, aber im Unterschied zu den „Funny Valentines“ haben wir Variationsmöglichkeiten bei den Instrumenten. Die Jungs von „Swingtime“ spielen Gitarre, Kontrabass, Vibraphon und Klarinette. Wird bestimmt eine super Sache, ich bin schon ganz schön aufgeregt!

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Ein paar Worte an Deine Fans…

Angela Wiederhut
Es ehrt mich sehr, Fans zu haben!
Und ganz wichtig: Zum Erfolg gibt es keinen Lift, man muss die Treppe benutzen.

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Wir wünschen Dir für alle weiteren Projekte alles erdenklich Gute und viel Erfolg!
Vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast!

Das Interview mit Angela Wiederhut führte ich im Jahr 2005. Veröffentlicht wurde es auf SynchroWorld.de, einem mittlerweile eingestellten Branchenmagazin für Synchronschaffende.

— InaiMathi, am 1. Mai 2005
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