inFAMOUS: First Light_

22. Oktober 2014          Review          "Werbung"
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Der von Sonys First-Party-Studio Sucker Punch Productions entwickelte 3rd-Person Shooter „inFAMOUS: Second Son“ war im vergangenen März eines der ersten Games, die ich mir für meine damals noch frisch angeschaffte PlayStation 4 gegönnt habe und der erste PS4-Exklusivtitel, der seinen Weg in meine Videospielsammlung gefunden hat. Zuvor war ich in meiner damaligen PS4-Euphorie schnell dem grassierenden Hype rund um den neuesten „inFAMOUS“-Teil erlegen und habe die noch verbleibenden Tage bis zum Release quasi täglich aufs Neue herunter gezählt. Doch wie das meistens so ist bei über den grünen Klee gelobten Games, war der auf den Launch-Hype folgende Fall ziemlich tief. Optisch zwar äußerst beeindruckend, doch alles in allem unheimlich seelenlos, repetitiv und unerfüllend – so lautete mein Kurzfazit nach dem ersten Playthrough.

Mit „inFAMOUS: First Light“ erschien Ende August das erste offizielle DLC Addon, ein Prequel, welches sich allein um den bereits aus dem Hauptspiel bekannten Charakter Abigail Walker aka ‚Fetch‘ dreht. Da ich die sexy Antiheldin mit den strahlenden Neonkräften sowieso seit jeher so viel interessanter finde, als den dann doch eher schablonenhaften Protagonisten Delsin Rowe, mit dem ich irgendwie so überhaupt nicht warm wurde, war es – Hand aufs Herz – lediglich eine Frage der Zeit, bis ich mir „First Light“ im PlayStation Store für ein paar zu verschmerzende Euronen herunterladen würde. – Ob sich der Kauf gelohnt hat, erfahrt ihr in meiner ausführlichen Review zu „inFAMOUS: First Light“ für PS4…

inFAMOUS: First Light
2014, 3rd-Person Shooter, PlayStation 4
Sucker Punch / Sony Computer Entertainment
www.SuckerPunch.net

Spieletrailer

Beschreibung
„Schlüpfe in die Rolle von Abigail ‚Fetch‘ Walker, die Neon kontrollieren kann, und entdecke die Vergangenheit eines der mächtigsten Conduits der Welt. Stärke ihre Fähigkeiten, um dich zu rächen und zum unbesiegbaren Killer zu werden. Teste deine Fähigkeiten im Conduit-Trainingsraum, stell dich Herausforderungen und miss dich online mit anderen Kämpfern aus der ganzen Welt. ‚inFamous: First Light‘ ist ein Standalone-Add-On, kann also vollständig ohne das Hauptspiel gespielt werden!“ – Quelle

Kritik
„inFAMOUS: First Light“ wurde von Entwickler Sucker punch Productions als Standalone-Addon auf den Markt gebracht, sprich: All jene, die sich das Hauptspiel bislang noch nicht zugelegt haben, können auf diesem Weg einen ersten Blick in die Welt von „inFAMOUS: Second Son“ werfen. Im Mittelpunkt des Games steht allerdings nicht der Beanie-Fetischist aus dem Hauptspiel, sondern stattdessen wie eingangs bereits angemerkt Abigail Walker, besser bekannt unter ihrem Rufnamen ‚Fetch‘, eine mysteriöse Junkie-Braut mit einschlägiger Vergangenheit.

Um besagte Vergangenheit dreht sich auch das Gros der Handlung von „inFAMOUS: First Light“: Im Rahmen von insgesamt elf Hauptmissionen, die es allesamt auf eine durchschnittliche Länge von vielleicht zehn Minuten bringen, wird beleuchtet wie aus der von Depressionen und Panikattacken geplagten Abigail schließlich die aufrührerische ‚Fetch‘ wurde, was es mit ihrem ominösen Begleiter Brent auf sich hat, den die Gute im Hauptspiel mehr als einmal thematisiert hat, und wie es sich zugetragen hat, dass sich ihre Wege mit denen von Delsin Rowe gekreuzt haben. Mir als jemand, der sich schon immer bedeutend mehr für Fetch interessiert hat als für den eigentlichen Helden von „inFAMOUS: Second Son“ und der es darüber hinaus unfassbar schade fand, dass man nach Beendigung des Games nicht mehr über die Charaktere und ihre jeweiligen Schicksale erfahren hat, war die Handlung von „inFAMOUS: First Light“ eine nette, mit so manchem Aha!-Moment versüßte Erfahrung – jedoch bei weitem keine Offenbarung. Der grundlegende Handlungsverlauf hat sich bedauerlicherweise recht schnell als ziemlich vorhersehbar entpuppt, und selbst der große Twist, mit den man pünktlich zur Halbzeit konfrontiert wird, hat mich nicht wirklich überraschen, geschweige denn schocken können. Nichtsdestotrotz ist es eine harte, raue, erwachsene Geschichte, die das Spiel erzählt – und dies tut es solide.

Für mich waren die abwechslungsarmen, auf Dauer relativ hektischen und unübersichtlichen Kämpfe gegen gefühlt nicht enden wollende Gegnerhorden einer der mit Abstand größten Kritikpunkte am Hauptspiel. Ich war richtiggehend enttäuscht, wie repetitiv sich die Kämpfe in „inFAMOUS: Second Son“ gespielt, wie austauschbar sie sich angefühlt haben: Gegner stunnen, die visuell unübersehbar hervorgehobenen Schwachpunkt(e) aufs Korn nehmen, im Zweifelsfall noch ’ne zusätzliche Salve verballern – denn doppelt hält bekanntlich besser – und weiter gehts zum nächsten heranstürmenden Schergen. Und das immer und immer wieder. Bis zum Erbrechen. Da die künstliche Intelligenz der Gegner nun auch weiß Gott keine Bäume ausreißt, sondern eher rudimentärer Natur zu sein scheint, ist der beschriebene Ablauf noch anspruchsloser als er sich sowieso schon liest. Ich habe „inFAMOUS: First Light“ auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade gezockt – und musste lediglich ein einziges Mal (!) ins virtuelle Gras beißen, und dies auch nur, weil ich kurzzeitig abgelenkt war. Das kann es ja wohl nicht sein, liebe Entwickler. Ein bisschen mehr Anspruch, bitte!

Was mir ebenfalls nicht sonderlich gefallen hat: Wie schon im Hauptprogramm ist abseits des roten Storyline-Fadens erschreckend wenig los. Ein paar uninspirierte Sammelaufgaben hier, ein paar Rettungsmissionen für bedrängte Bürger dort, und ja, dann wären da noch die stylishen Neon-Graffitis, die an den unmöglichsten Locations angebracht werden wollen – das war es dann aber auch schon. Ich möchte „inFAMOUS: First Light“ nun nicht mit „GTA V“ vergleichen, aber wenn man sich vor Augen führt, was dort abseits der Hauptmissionen geboten wird und in welcher Vielfalt, stinkt „First Light“ schon ziemlich ab. Zumal selbst die meisten Hauptmissionen stets nach ein und dem selben Muster ablaufen: einen bestimmten Punkt auf der Karte erreichen und dort grundsätzlich alles umkloppen, was nach D.U.P., Gangster oder Kleinkriminellem aussieht.

Zudem wirkt die Stadt seit jeher leer und seelenlos. Sicher, anonyme Passanten schlendern durch die Straßen, Autos warten darauf von Fetch als Asphalt-Surfbretter zweckentfremdet zu werden, hier und da halten D.U.P.-Soldaten Wache. Doch das ändern nichts an der Tatsache, dass die Stadt sich einfach nicht lebendig, nicht echt anfühlt. Nur die wenigsten Gebäude können betreten werden – um genau zu sein lediglich ein einziges -, es passieren keine „Random-Events“ wie Verkehrsstaus, Unfälle, spontane Demonstrationen, Diebstähle, etcpp. Zudem: Die Protagonistin mag zwar eine Superheldin wider Willen sein. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sie eine Superheldin mit übernatürlichen Super-Duper-Neonkräften ist, nur fühlt man sich absolut nicht wie eine solche, da von der Spielwelt nahezu kein Feedback auf die eigenen Handlungen geboten wird. Das war schon in „inFAMOUS: Second Son“ so. Man erinnere sich: Da wurde annähernd das komplette, unterdrückerische DUP aus der Stadt gejagt und den davon unmittelbar betroffenen Einwohnern scheint diese grandiose Heldentat gänzlich am Allerwertesten vorbei gegangen zu sein. Das hat selbst der Xbox-Klassiker „Fable“ vor über einem Jahrzehnt gelungener hinbekommen, indem ganze Dörfer in spontanen Jubel ausgebrochen sind, sobald der Held sich in Richtung Schenke aufgemacht hat.

Ebenfalls ärgerlich: Obwohl ich das Hauptspiel mein Eigen nenne, was von „inFAMOUS: First Light“ ingame auch entsprechend erkannt wird, steht es mir nach Abschluss der Story nicht frei, mit Fetch Seattle unsicher zu machen. Stattdessen bin ich mit ihr auch weiterhin auf das Addon-Areal begrenzt, welches in etwa der halben Stadtfläche entspricht. Unfassbar enttäuschend!

Was also tun, wenn man nach zirka sechs Stunden bereits den Abspann präsentiert bekommen hat? – In der Arena neue Highscores aufstellen, natürlich! „inFAMOUS: First Light“ nennt einen spaßigen Arena-Modus sein Eigen, in dem man wahlweise mit Fetch oder Delsin in mehreren Disziplinen neue Bestwerte aufstellen kann. Unter anderem, indem man möglichst viele peu á peu schwerer werdende Gegnerscharen überlebt oder möglichst viele Geiseln den Fängen ihrer bewaffneten Peiniger entreißt. Neue Highscores können dank weltweiter Leaderboards mit denen anderer Spieler verglichen werden. Ist nun nichts weltbewegend Neues, aber für ein paar launige Stunden taugen die Multiplayer-Modi von „inFAMOUS: First Light“ allemal! Traumhaft wäre ja ein Coop-Modus gewesen, in dem man an der Seite von bis zu drei weiteren Helden Seattle unsicher macht, aber gut… vielleicht ja im Nachfolger.

Weiterhin absolut nichts zu mäkeln gibt es an der technischen Umsetzung des Games: Die Grafikengine zaubert nach wie vor hammermäßig atmosphärische Szenerien und in der Regel butterweiche Animationen auf den heimischen Fernseher – und das alles bei 1080p und verhältnismäßig flüssigen 30FPS. Seattle bei Nacht und Regen – ein Traum! Wie unfassbar detaillierte die Charaktermodelle gestaltet wurden, merkt man in den zahlreichen Zwischensequenzen – großartig! Gleiches gilt für die Soundkulisse von „inFAMOUS: First Light“: Zwar verzichtet der Titel weitestgehend auf einen Score, dennoch ist auch das Klangerlebnis ein weit überdurchschnittliches und über jeden Zweifel erhaben. Auch die deutschen Synchronsprecher machen erneut einen guten Job. Insbesondere Anne Helm als deutsche Stimme der trotzigen Fetch hat mir grandios gut gefallen!

Fazit
Mir hat „inFAMOUS: First Light“ durchaus Spaß gemacht: Fetchs wendungsreiche Geschichte weiß bei der Stange zu halten und nennt zudem den ein oder anderen dramatischen Moment ihr Eigen – vorhersehbar ist sie leider trotzdem. Nicht erwarten sollte man zudem eine Art bezahlten Patch für das Hauptspiel: technisch gesehen gleicht „First Light“ dem „Second Son“ wie ein Ei dem anderen, inklusive der mangelhaften KI und dem begrenzten Unterhaltungsangebot abseits der Story. – Wer um „inFAMOUS: Second Son“ bislang einen Bogen gemacht hat und nun, wo „inFAMOUS: Second Son“ inzwischen deutlich günstiger zu haben ist, einmal „reinschnuppern“ will oder einfach nur wie ich Fanboy (oder gegebenenfalls Fangirl) der grandios abgefuckten Fetch ist, kann ohne größere Gewissensbisse zugreifen!

Letztes Update: 28. Juli 2018
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