Kennt noch jemand „Grand Prix Legends“? Die 1998 veröffentlichte, von Papyrus Software entwickelte Renn-Simulation gab sich voll und ganz der Formel-1 der 1950er Jahre hin und setzte die ikonischen „Zigarren-Boliden“ samt F1-Weltmeisterschaft mitsamt all ihren Fahrern und Grand-Prix-Strecken realitätsgetreu um. „GPL“ gilt bis heute hinsichtlich des an den Tag gelegten Realismus als unerreicht und in einer Liga mit bockharten Vertretern anderer Rennspiel-Genres wie beispielsweise „Richard Burns Rally“.
Die Tage bin ich zufällig auf einen Trailer eines unlängst angekündigtes Rennspiels gestoßen, das wohl in etwa in dieselbe, auf jeden Fall aber in die Retro-Kerbe schlägt: „Grand Pro Circuit“.
„Grand Pro Circuit“ hat sich voll und ganz der Formel-1 der 1980er Jahre verschrieben. Die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern: Die 1980er waren eine, wenn nicht sogar die goldene Ära der Königsklasse des Motorsports, in der sich legendäre Fahrer wie Alain Prost, Keke Rosberg, Nelson Piquet, Niki Lauda, Nigel Mansell und natürlich allen voran der bis heute unvergessene Ayrton Senna in ihren nicht minder legendären hochgezüchteten Turbo-gepowerten Rennboliden der Rennställe Ferrari, McLaren, Tyrrell, Williams und Brabham, auf legendären Strecken wie Imola, Estoril, Monaco, Kyalami, Adelaide sowie in der „Green Hell“, der Nürburgring-Nordschleife regelmäßig um die zu vergebenden Plätze auf dem Siegertreppchen stritten. – „Grand Pro Circuit“ bietet nichts von all dem; jedenfalls nicht offiziell lizensiert.
Das beeindruckenderweise von einem 1-Mann-Team namens Mascot Entertainment entwickelte Rennspiel soll stattdessen Inhalte bieten, die sich lediglich an ihre realen Vorbilder anlehnen, diese jedoch nicht 100-prozentig akkurat abbilden. Angefangen mit den Fahrernamen, für die man keine Rechte besitzt, über ebenfalls fiktive Teams, deren Boliden zwar optisch an ihre realen Vorbilder erinnern, jedoch mit Logos ausgedachter Fake-Sponsoren wie z.B. Marlon’bro, Feta, Grip Stone, Best und Baritone beklebt wurden, bis hin zu Grand-Prix-Strecken, die ebenfalls nicht lizensiert wurden, sondern stattdessen von ihrer Streckenführung her und dem ganzen Drumherum nur an die realen Locations angelehnt sind und auf Basis alter TV-Tapes der damaligen Rennen nachgebaut wurden. Insgesamt sollen in „Grand Pro Circuit“ 12 Teams, 20 Strecken sowie ein 10 Saisons umfassender Karrieremodus geboten werden. Die Rennaction wird in Szene gesetzt von, wie ich finde, ziemlich stylisher Vintage-Grafik, die aufgrund ihres bewusst niedrig gehaltenen Polygon-Counts an die grafische Leistungsfähigkeit der 1990er-Jahre-Heimcomputer erinnert. Die zugrundeliegende Fahrphysik soll komplex und fordernd, allerdings nicht beinhart ausfallen, sondern sich lediglich „echt“ anfühlen („set up by Gut Feelings“), dabei aber zugänglich bleiben.
Auf jeden Fall steht uns da ein interessanter Retro-Racer ins Haus, der mit Tempo 330 ohne Umwege und Schikanen direkt auf meiner Steam-Watchlist gelandet ist. Mich spricht das voll an! Ein genaues Veröffentlichungsdatum ist indes noch nicht bekannt. Man darf jedoch davon ausgehen, dass das Spiel, wie heutzutage üblich, vor dem Full-Release schon mal testweise als „Early Access“-Release rausgehauen werden dürfte.
Vielleicht ist’s ja nicht mehr allzu lange hin.