Das Japanese-Salaryman-Phänomen_

4. Februar 2026          Blog          3 Min  •  490 Wörter
gnubreW

Kurze Frage, weil mich das Thema aktuell echt beschäftigt: Ist jemand von euch schon mal auf YouTube über einen dieser „Japanese Salaryman“-Channels gestolpert?

Deren Videos zeichnen ein ganz anderes Bild Japans als jenes wohlgepflegte, das üblicherweise durch die westlichen Medien und insbesondere Social-Media geht, – ein deutlich negativeres. Da ich seit jeher ausgesprochen japanophil unterwegs bin und einige Channels, deren Creators in Japan wohnhaft sind, abonniert habe, werden mir die ganzen Salaryman und -women seit längerem in schöner Regelmäßigkeit in die Empfehlungen auf der YouTube-Frontpage gespült.

Besagte Channels hören auf Namen wie:

Jeder einzelne von ihnen zeichnet, in der Regel in Form von viertelstündigen Vlogs, ein überaus negatives Bild eines Landes, das normalerweise darauf bedacht ist, eben nicht in negativer Hinsicht von sich reden zu machen, sondern sich stattdessen als strahlendes Vorbild für die Welt, als gleichermaßen fortschrittlich wie traditionsbewusst und lebenswert zu inszenieren. Zu sehen sind Männer und Frauen auf dem Weg zur Arbeit, bei der Erledigung des Haushalts, beim Kochen oder Essen im Restaurant, auf Shopping-Tour oder während Ausflügen rund um ihren eigentlichen Lebensmittelpunkt, welcher meist in den bekannten Metropolregionen Tokyo, Osaka, Hiroshima oder Fukuoka angesiedelt ist. Sie alle lassen immer wieder mehr oder minder offensichtlich durchblicken, in keiner festen Beziehung, ohne Freunde, dafür jedoch chronisch überarbeitet, gestresst und last but not least äußerst knapp bei Kasse zu sein, was eigentlich der japanischen Mentalität, sich tunlichst nicht in einer solchen Art und Weise zu inszenieren und öffentlich zur Schau zu stellen, fundamental widerspricht.

Interessant finde ich auch, dass sich über alle „Salaryman“-Channels hinweg bestimmte Video-Ideen wiederholen, wie beispielsweise das detaillierte Vorzählen des (angeblichen) Lohns am Payday plus dem Hinweis, dass gerade einmal umgerechnet knapp 20 Euro zum Sparen übrig bleiben. Die meisten Channels bieten dann – natürlich – auch eine oder gleich mehrere Möglichkeiten an, den jeweiligen Creator finanziell zu unterstützen. Ebenfalls weit verbreitet unter den „Salaryman“-Channels sind per KI erstellte Thumbnails, auf denen stets mehr oder weniger bedrückt dreinschauende Comic-Figuren zu sehen sind.

Was ich mich frage: Sind die oben verlinkten „Japanese Salaryman“-Channels, und die vielen, vielen weiteren gleicher Machart, die es seit einiger Zeit auf YouTube und anderen Plattformen gibt, wirklich authentisch? Sind das „echte Menschen“, die dort Videos ihres (Arbeits-)Alltags hochladen und ihre Situation beklagen? Sind es Erwerbslose, die lediglich so tun als ob, um von den nicht unerheblichen YouTube-Einnahmen, die sie mit ihren Videos generieren, zu profitieren? Steckt da ein koordinierendes Netzwerk hinter, das – insbesondere internationalen Viewern – das gibt, was sie sehen wollen? Sind die Videos vielleicht Propaganda, eventuell sogar eines anderen Staates, die sich gezielt gegen Japan richtet?

Was hat es mit dem „Japanese Salaryman“-Phänomen auf sich?

gnubreW
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