Heute in der Bahnhofs-Buchhandlung meines Vertrauens (aka Globus Markt in Köln-Marsdorf) mitgenommen: die neue „Retro Gamer“-Ausgabe 2/2026.
Beim ersten Blick auf das Titelthema des „Magazins für klassische Spiele“ musste ich kurz schlucken – und nun komme ich mir echt verdammt alt vor: „Xbox 360 – Mit Exklusiv-Hits, Full HD, Achievements, XBLA und Multiplayer griff die Xbox 360 2005 nach der Konsolen-Marktführerschaft“. – Ist das wirklich schon über 20 Jahre her, dass das Teil erschienen ist und ich, nachdem mich die Ur-Xbox seinerzeit 2001 ziemlich kalt gelassen hatte, quasi über Nacht zum absoluten Microsoft- und Xbox-Fanboy wurde? Wow! – Davon könnte ich dieser Tage kaum weiter entfernt sein, aber das ist ein Thema für einen anderen Post… 😀
Wenn ich mir die versammelte Konkurrenz im Zeitschriftenregal und online so anschaue, muss ich ganz ehrlich sagen: Für mich ist die „Retro Gamer“ das einzige deutschsprachige Spielemagazin, das ich in meinem Leben noch brauche. „GameStar“ (hatte ich von 1999 bis 2007 im Abo), „PC Games“ (hatte ich im Gegenzug stets gemieden wie der Teufel das Weihwasser) und wie sie alle heißen, richten sich in ihrer Berichterstattung inzwischen an Zielgruppen, denen ich entwachsen bin. Die ganze Ansprache, wie Reportagen aufgemacht und -gezogen sind, die „Tiefgründigkeit“ der veröffentlichten Tests und Videos, die Clickbait-Dichte – mich spricht das nicht mehr an. Zudem gibt’s dieser Tage ja bekanntlich eh kaum neue Spiele, über die es sich groß zu berichten lohnt – und wenn dann doch mal was einigermaßen Interessantes am Horizont auftaucht, geschieht die Berichterstattung oft in vielerlei Hinsicht auf einem Niveau, das mich, wie geschrieben, einfach nicht mehr anspricht; alles so unangenehm seicht und überhaupt ziemlich ugh.
„Retro Gamer“ ist da in meiner Wahrnehmung anders: Hier schreiben „alte Haudegen“ des deutschen Spiele-Journalismus, wie Jörg Langer (Chef-Redakteur GamersGlobal.de, Ex-Chefredakteur „GameStar“), Heinrich Lenhardt (Ex-Chefredakteur „PC Player“), Anatol Locker (Ex-Chefredakteur „Bravo Screen-Fun“) und einige andere, über „die gute alte Zeit“ der PC- und Videospiele, in der auch nicht alles perfekt war, – nur die Spiele oft besser. Immens wichtig bei einem solchen Magazin: Ich nehme der Redaktion durch die Bank ab, dass sie sich trotz des teils fortgeschrittenen Alters nach wie vor für dieses Hobby, über das sie erfahren und nicht selten augenzwinkernd schreiben, interessieren. Nichts liest sich wie eine lieblos runtergeschriebe Auftragsarbeit; da fließt einiges an Herzblut rein, das ist an allen Ecken und Enden zu spüren!
Ich vermisse diese Zeit, über die da geschrieben wird, wenn ich ehrlich bin. Eine Zeit, in der Spiele noch Spiele sein durften und noch nicht Vehikel waren für mehr oder minder unterschwellige (Werbe- und Erziehungs-)Botschaften mannigfaltiger Art. Und: Bei allem technischen Fortschritt, der natürlich auch damals schon stattfand, hatten das Gros der Spiele zudem auch noch spielerische Substanz zu bieten. Jedenfalls weitaus mehr als heutzutage. Ich vermisse Spiele, in denen interessante, packende Geschichten erzählt werden, die mir nachhaltig in Gedächtnis bleiben, Spiele, deren Gameplay mich fordert, die schwierig sind, aber am Ende des Tages eben auch schaffbar, wenn man sich nur genügend reinfuchst. Selbst das auf dem Cover abgebildete „Halo 3“ konnte imho mit mehr spielerischer Substanz und einer mitreißenderen Hintergrundgeschichte aufwarten als die meisten Shooter heutzutage. Wenn man denn noch einen FPS findet, dessen Kampagne – wenn man ehrlich ist – nicht bloß als Tutorial für den Multiplayer- bzw. Battle-Royal-Modus dient.
Aber ich merke schon, ich schweife ganz schön ab.
Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin froh, dass es ein Spielemagazin wie die deutsche „Retro Gamer“ da draußen gibt! (Auch wenn ich mich nun offiziell alt fühle…)
