Vor einigen Tagen habe ich mir bei einem großen Online-Versandhändler, der zwar nicht am Amazonas angesiedelt ist, aber so heißt, einen neuen Fahrradhelm bestellt, der zu mir und meinem ebenfalls neuen Bike passt. Nach längerer Suche habe ich mich schließlich für einen „Urban Active“-Fahrradhelm der Marke Melon entschieden, da dieser auch für einen etwas größeren, „runderen“ Kopf wie den meinen geeignet ist – und weil ich seine „Green Mamba“-Optik einfach unfassbar stylish fand.
Nach dem Auspacken und dem ersten Probetragen war noch alles ok: Der Helm saß, passte, wackelte noch ein wenig, und die Luft wurde mir von ihm auch nicht abgeschnürt. Doch dann kam die erste Testfahrt und ich muss sagen: Selten war ich so enttäuscht, ja beinahe schon schockiert von einem Produkt, bzw. von dessen Qualität! Während der Fahrt, wahrscheinlich ausgelöst durch vollkommen normale Bewegungen meines Unterkiefers, löste sich das an einer Seite der magnetischen Verschlussschnalle das Gurtband! Daraufhin baumelte die Schnalle nur noch an einer Seite vom Gurt gehalten unter meinem Kinn umher. Ein wenig perplex und völlig überzeugt, dass es mein Fehler war, fädelte ich das Gurtband neu ein und fuhr weiter.
Ein paar Kilometer später trat dasselbe Problem erneut auf. Wieder hatte sich die Gurtschnalle an einer Seite vom Verschluss gelöst! Man stelle sich nur mal vor, das würde bei einem Unfall passieren: Der Helm rettet mir beim ersten Aufprall vielleicht noch das Leben, nur damit sich anschließend durch die wirkenden Kräfte der Verschluss öffnet (oder vom Gurt löst), mir aufgrund dessen der Helm vom Kopf fliegt und ich durch den zweiten Aufprall – den Sturz auf den Asphalt – Verletzungen am Kopf davontrage, da dieser nicht mehr geschützt ist!
Gemäß Angaben auf der Produktseite des Herstellers ist der Helm sowohl TÜV- als auch GS-geprüft, – und ich frage mich: Wie hat der Helm bitte deren Sicherheitstests überstanden, wenn sich so mir nichts dir nichts die Verschlussschnalle lösen kann?! Es muss ja noch nicht einmal zu einem Aufprall kommen, bloßes Bewegen des Kiefers reicht schon – und man fährt unbeabsichtigt mit einem Helm durch die Gegend, der nicht mehr richtig auf dem Kopf fixiert ist und somit bei einem Unfall einfach so wegfliegen kann!
Als ich den Helm zurück in seinen Karton legen wollte, um die Retoure gen Amazonas fertig zu machen, fiel mir ein kleiner Beipackzettel in die Hände, auf dem der Hersteller einen Tipp gibt, wie exakt das von mir beschriebene Problem gelöst werden kann. Es handelt sich also nicht etwa um einen defekten Helm, den ich da erwischt habe, sondern um eine bewusste Design-Entscheidung des Herstellers! Die Problemlösung: Ein Gummiring! Ja, richtig gelesen, der Hersteller Melon empfiehlt, das sich vom Verschluss lösende Gurtband mithilfe eines mickrigen Gummirings (siehe oben) zu „sichern“! Im Wortlaut heißt es: „Wenn du die richtige Länge der Curtbänder für dich eingestellt hast, muss der Gummiring ganz an den Magnetverschluss herangeschoben werden, um diesen zu fixieren und einen eventuellen Verlust zu vermeiden.“ Hier habe ich Fotos hochgeladen, die sowohl den Beipackzettel als auch den Helmverschluss – den ich übrigens für eine Fehlkonstruktion halte, wenn sich das Gurtband so dermaßen leicht aus ihm herausziehen lässt – samt Gummiring zeigen.
Man könnte sagen: Im Ernstfall hängt mein Leben an einem kleinen Gummiring, der darüber entscheidet, ob mir der Helm im Falle eines Unfalls vom Kopf gerissen wird oder nicht.
Der Hersteller hätte auch einfach die Länge der Gurtbänder anpassen können, beispielsweise im Rahmen einer Produkt-Revision, so dass mehr Spielraum entsteht. Aber das hätte wahrscheinlich höhere Kosten verursacht, also entschied man sich für den Beipackzettel und einen Gummiring.
Nein danke, dieser Helm geht wieder zurück, denn ich fühle mich nicht sicher mit ihm!
Update, 21. Januar 2026
Ich habe mich nun entschieden, den Helm doch zu behalten. Allerdings werde ich eine kleine Modifikation vornehmen: So werde ich das Ende des sich ständig von der Schnalle lösenden Gurtbandes mit widerstandsfähigem Outdoor-Nähgarn festnähen, so dass dies eben nicht mehr passieren kann. Fotos folgen.
