Eigentlich, so wollte ich zu virtuellem Papier bringen, bin ich seit meinem Wechsel von Windows 11 zu Linux Bazzite (oder Bazzite Linux) ziemlich zufrieden. Die meisten Spiele, die ich bis dato testweise installiert hatte, liefen „out of the Box“ vollkommen problemlos. Hier und da war mal ein wenig rumgetweake notwendig, aber das ließ sich verschmerzen. Was sich indes nicht verschmerzen lässt, sind die Probleme, die der Nvidia-Treiber 590.48.01 in einigen Spielen verursacht, wie ich nun herausgefunden habe.
Gestern habe ich mir „The Last of Us – Part II Remastered“ aus meiner Steam-Bibliothek heruntergeladen. Aktuell schauen wir auf HBO Max die erste Staffel der TV-Serie und bei der Gelegenheit ist mir wieder eingefallen, dass ich mir das zweite Videospiel vor Jahren zwar gekauft, aber bisher nie wirklich gespielt habe. Laut ProtonDB.com läuft der Titel unter Linux hervorragend (Platin), also ohne irgendeine manuell durchzuführende Anpassung, und so dachte ich mir, jetzt wäre ein perfekter Zeitpunkt diese spieletechnische Bildungslücke langsam mal zu schließen. – Doch: Leider falsch gedacht!
Im laufenden Spiel verursacht der in der aktuellen Bazzite-Version integrierte Nvidia-Treiber 590.##.## einige Probleme. Nicht etwa hinsichtlich der Performance, die ist weiterhin gut. Nein, es sind höchst unschöne grafische Artefakte, die das ansonsten blitzsaubere Bild von „Gaming on Linux“, das ich bis dato hatte, trüben.
So schauen besagte Grafikfehler aus:
Wo an den Bergen im Hintergrund eigentlich Schatten zu sehen sein sollten, gibt’s stattdessen hässliche helle Grafikfehler zu sehen. Auch Partikeleffekte im Spiel, wie beispielsweise aufgewirbelter Staub oder sichtbarer Atem aufgrund von Kälte, werden nicht richtig dargestellt.
Von dem Problem werden, so ist auf Reddit zu lesen, aktuell wohl einige Spiele heimgesucht. Auch im offiziellen Support-Forum von Nvidia ist das Problem bekannt.
Nein, natürlich macht das das Spiel nicht unzockbar, aber mal ehrlich: Wer will ein atmosphärisches Brett wie „The Last of Us – Part II“ bitte so zocken?! – Richtig, ich nämlich auch nicht.
Der ein oder andere wird nun natürlich anmerken: „Lol ey. Downgrade doch einfach den Grafiktreiber auf ’ne Version, die noch fehlerfrei lief?!“ Jau, wollte ich zuerst auch. Doch dann fiel mir ein: Bei Linux Bazzite handelt es sich um ein sogenanntes „Immutable OS“. Bedeutet, dass alle wichtigen Systemdateien, anders als bei anderen Linux-Distros, read-only sind und durch den User nicht so einfach verändert werden können. Nein, auch nicht als allmächtiger SuperUser nicht! Und da Nvidias GPU-Treiber tief in Bazzite integriert wurden, kann dieser nicht so einfach auf eine andere Version als die zum aktuellen Image passende gedowngraded werden.
Zum Glück verfügt Linux Bazzite über ein praktisches Rollback-Feature, welches es einem erlaubt, das OS auf ein älteres Image – und damit auch ältere GPU-Treiber – zurückzusetzen. Dabei werden lediglich Systemdateien verändert, alles andere bleibt wie es ist erhalten.
bazzite-rollback-helper
Listet sämtliche Stable-Images von Linux Bazzite auf, die in den vergangenen 90 Tagen released wurden. Nun sucht man sich eine raus, die noch mit der Treiberversion 580.##.## lief (bevorzugt die letzte vor dem Update auf Version 590.##.##) und spielt das entsprechende Image auf:
bazzite-rollback-helper rebase stable-##.########.#
Anschließend per…
systemctl reboot
…das System neu starten und der Rollback ist abgeschlossen.
Nach dem Neustart lässt sich mithilfe der in Linux Bazzite vorinstallierten Nvidia-XServer-App binnen weniger Sekunden kontrollieren, ob mit dem vollzogenen Rollback auch wirklich die richtigen Grafiktreiber installiert worden sind. Unter „System Information“ > „Nvidia Driver Version“ sollte nun die Version 580.##.## stehen.
Bei meinem konkreten Problem mit „The Last of Us – Part II“ hat der Rollback auf ein früheres Bazzite-Image Abhilfe geschaffen. Die unschönen grafischen Artefakte gehören der Vergangenheit an! Nein, natürlich ist das keine dauerhafte Lösung. Aber solange Nvidia keine neue Version seines Grafiktreibers veröffentlicht, der das Problem behebt, bleibt mir wohl nichts anderes übrig.

