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InaiMathi Blog

WET

WET - © Bethesda Softworks

Ich bin ein großer Fan des von Remedy begründeten „Max Payne“-Franchise (siehe meine Review), welches inzwischen in die Hände von Rockstar Games gewandert ist und dort im vergangenen Sommer in Form von „Max Payne 3“ eine Neuauflage spendiert bekommen hat. Und ich bin ein Anhänger von weibliche Protagonistinnen in Videospielen! Nachdem mich der 3rd-Person-Shooter „WET“ seit Wochen verlockend vom Grabbeltisch im Saturn angezwinkert hatte, war es letztens endlich so weit: Das Teil wurde für ein paar Euro mitgenommen und prompt auf der Festplatte meiner Xbox 360 installiert. Das grundlegende Gameplay von „Max Payne“, kombiniert mit einer coolen Heldin – das konnte schließlich nur ein Knaller sein…

Denkste! – Anstatt mich mit wegen großartigen Gameplays punktuell angefeuchteten Shorts rumärgern zu müssen, war ich nach der ersten gespielten Stunde den Krokodilstränen so nahe wie lange nicht mehr. „WET“, der Shooter mit dem obszönen Titel, war definitiv nicht der Burner, den ich mir erhofft hatte, um die Wartezeit auf „Tomb Raider“ ein wenig erträglicher zu gestalten. Ich hatte mir von der ersten Sekunde an vorgenommen, dieses Game zu mögen. Doch es sollte einfach nicht sein. – Wieso, weshalb und warum, thematisiert meine ausführliche Videospiel-Review zu „WET“…

WET
2009, 3rd-Person-Shooter
Artificial Mind and Movement / Bethesda Softworks
www.Bethsoft.com

Spieletrailer

Beschreibung
„Schlüpfe in die Rolle der freiberuflichen Auftragskillerin Rubi Malone, ausgerüstet mit einem Arsenal an akrobatischen Bewegungen, übermenschlichen Schwert-Fähigkeiten und zwei Pistolen. Erlebe die Freiheit, zu jeder Zeit und an jedem Ort zu schießen – in einem Abenteuer, das drei Kontinente umfasst.“ – Quelle

Kritik
Man nehme die grundlegenden Spielelemente des Klassikers „Max Payne“ (siehe meine Review), gebe eine Prise „Kill Bill“-Feeling hinzu, schere sich einen Dreck um interessante Charaktere, streiche die beiden Wörter packende Storyline aus seinem Wortschatz, richte das Ganze mit einer Optik an, die an die Levelbaukästen der späten Neunziger-Jahre erinnert – und heraus kommt: „WET“, ein von Artificial Mind and Movement entwickelter 3rd-Person-Shooter der Kategorie 0815 ohne Sinn und Verstand, der – und das setzt dem Ganzen wirklich die sprichwörtliche Krone auf – 2009 von niemand geringerem als dem allgemein hin aus Qualitäts-Publisher bekannten Bethesda Softworks („The Elder Scrolls: Oblivion“, „Fallout 3“, „The Elder Scrolls: Skyrim“, u.a.) veröffentlicht wurde.
Ich für meinen Teil wünschte, die Jungs und Mädels aus dem sonnigen Bethesda, Maryland hätten uns mit diesem unterirdischen Machwerk der jüngeren Videospiel-Geschichte verschont und dieses stattdessen dort entsorgt, wo es zweifelsohne hingehört: in die Tonne!

Gäbe es einen Preis für Box-Cover, welche am geringsten die Qualität des Inhalts der Spiele-DVD widerspiegeln: „WET“ hätte diesen zweifelhaften Award mit Sicherheit zig-fach in diversen Kategorien abgeräumt! Das DVD-Cover schaut nämlich wirklich fantastisch aus! Die waffenstarrende Auftragskillerin Rubi Malone als Hauptcharakter hat schon irgendwie was – zumindest rein optisch. Dumm nur, dass sie im Verlauf des Spiels, genau wie so ziemlich alle weiteren Charaktere, die in der absolut unspektakulären und platten 0815-Story von „WET“ auftauchen, erschreckend blass bleibt, so dass es dem geneigten Gamer ziemlich schwer fallen dürfte, sich mit ihr anzufreunden. Kein Vergleich zu Max Payne, dem zynischen Undercover-Cop mit dem tiefschwarzen Seelenleben, der offensichtlich nicht nur als spielerisches Vorbild fungierte! So sehr ich im Vorfeld auch bereit war, mich auf sexy Rubi als Charakter einzulassen: es gelang mir einfach nicht mich mit ihr zu identifizieren, beziehungsweise mich überhaupt für sie und ihren Background zu interessieren, was für Videospiel-Charaktere quasi einem Todesurteil gleichkommt.

Das Gameplay steht der bis hierher geschilderten, relativ unterirdischen Machart des Titels in nahezu nichts nach: Wie eingangs geschrieben, versucht „WET“ das durchaus coole zeitlose Spielprinzip von „Max Payne“ in die Gegenwart zu transportieren und hier und da durch ein paar anderswo zusammengeklaute Elemente ein wenig aufzupeppen. Das ist grundsätzlich sehr löblich, doch wenn man schon kopiert, dann doch bitte für den Spieler einigermaßen erträglich, so dass dieser nicht bereits nach zehn Minuten geneigt ist, das Ding in die Ecke zu pfeffern und nie wieder anzufassen! Denn: Im Prinzip rennt Rubi von einem Schlauchlevel zum nächsten, fertigt eine aus dem Nichts (oder aus im Level verstreuten Türen) auftauchende Gegnerwelle nach der anderen ab, denen die Entwickler zu allem Überfluss so etwas wie eine gescheite KI offenbar gar nicht erst gönnen wollten, denn Rubis Opponenten laufen im Grunde immer bloß todesmutig, bzw. strunzdumm auf die sexy Killerin zu, was sie in der Regel zu einfachen Zielen, um nicht zu sagen zu sich bewegenden Zielscheiben macht. Deckungssuche, was ist das?!
Das ganze wird durch zahlreiche von Rubi auf Tastendruck ausführbare Moves recht spektakulär in Szene gesetzt, sowie durch den exzessiven Einsatz der ebenfalls aus „Max Payne“ bekannten „Bullet Time“, einem Effekt, der die Zeit um die Protagonistin herum verlangsamt, was exakteres Zielen sowie das Ausweichen vor gegnerischem Kugelhagel ermöglicht. Als Waffen stehen der Guten dabei ein scheinbar von Uma Thurman ausgeliehenes Samurai-Schwert, sowie allerhand Handfeuerwaffen wie Pistolen, Shotguns oder ein durchschlagkräftiges Maschinengewehr zur Verfügung. Alle Waffen im Spiel können mittels durch „stylische“ Kills erspielte Skill-Points peu a peu aufgerüstet werden, was dem Kampfsystem zu einer gewissen Tiefe verhilft. Das klingt nun hundertprozentig spektakulärer als es schlussendlich ist, denn spätestens nach Abschluss des ersten Levels, in dem die Protagonistin sich auf die Jagd nach einem flüchtigen chinesischen Organhändler macht, spielt sich der Shooter einfach nur noch öde, da auf Dauer unheimlich monoton, repetitiv und abwechslungsarm inszeniert.

Das Game nennt übrigens auch so manche höchst frustrierende Passage sein Eigen, die geschickterweise immer genau dann eingebaut wurden, wenn sich so etwas wie ein Spielfluss eingestellt hat. Etwa jener mich frappierend an den Klassiker „No One Lives Forever“ erinnernde Abschnitt, in welchem Rubi nur knapp einem Flugzeugabsturz überlebt, indem sie einem ihrer Widersacher im freien Fall über den Wolken einen rettenden Fallschirm abnehmen muss. Dabei gilt es zahlreichen durch die Lüfte wirbelnden Trümmerteilen auszuweichen, was mangels genauer Kollisionsabfrage ein echtes Glücksspiel ist. Ein andermal stürmen in einem begrenzten Areal dutzende Schergen auf unsere Protagonistin zu, ohne dass das Spiel dem Spieler vorher, etwa durch eine Kamerafahrt, einen Wink an die Hand gibt, wo in etwa auf der Map der rettende Ausgang zu finden ist. Die Entwickler nehmen hier scheinbar bewusst Trail’n’Error in kauf…

Die Optik von „WET“ bewegt sich auf einem Niveau, auf das man bereit 2009, als das Spiel raus kam, schon nicht mehr allzu stolz sein konnte. Die in der Regel schlauchartig angelegten Level, durch die exakt ein Weg führt, wird dieser Verlassen, wird Rubi sehr schnell von unsichtbaren Wänden am Weiterkommen gehindert, präsentieren sich durchgehend detailarm und zudem nicht gerade interaktiv gestaltet. Nur an wenigen, vorgegebenen Stellen kann Rubi von sich aus Gegenstände wie Kisten oder Fässer zerstören um frische Munition für ihre Wummen aufzusammeln, was insbesondere in den Kämpfen sehr merkwürdig anmutet. Etwa, wenn die schwarzhaarige Schönheit durch ein paar flinke Schnitte mit ihrem Schwert zwar ganze Gegnerhorden über den Jordan schickt, das Level-Interieur um sie herum dabei jedoch tadellos intakt bleibt, ganz so als wäre nie etwas gewesen. Das ist in Zeiten von komplett zerstörbaren Levels einfach nicht mehr, nun ja, zeitgemäß!
Darüber hinaus muten viele der Animationen abgehakt und einfach nicht ansehnlich an. Das ist verzeihbar, wenn es sich beim armen „Opfer“ um einen nicht ganz so wichtigen Charakter handelt, den man eh nur von weiten aus zu Gesicht bekommt. Allerdings nicht, wenn selbst die Protagonistin an chronischer Unrundionitis gepaart mit akuter Hakeligiose zu leiden scheint. Ganz, ganz schlecht, liebe Leute!
Kurios: Die Entwickler scheinen eine Abneigung gegenüber funktionierenden Türen zu haben. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass annähernd jede Tür im Spiel erst unter Zuhilfenahme von Rubis Schwert aufgebrochen werden muss, ehe sie durchschritten werden kann.

Positives lässt sich hingegen von der Vertonung des Spiels berichten. Naja, zumindest teilweise: Der mehrere Tracks umfassende Soundtrack erinnert an typische Quentin Tarantino-Filme wie „Kill Bill“ oder „Pulp Fiction“ und schafft so eine durchaus gelungene Metzel-Atmosphäre, die wie die Faust aufs Auge zum restlichen Gameplay passt!
Weit weniger gelungen ist dagegen die Vertonung von Rubi Malone und den weiteren Charakteren im Spiel: Hier wurden offenbar durch die Bank Synchronsprecher besetzt, die entweder noch nie ein Videospiel vertont haben – oder einfach ihren Job verfehlt haben. Ich tendiere an dieser Stelle übrigens ganz stark zu letztgenannter Variante. Die meisten Dialoge klingen dabei wie abgelesen; hölzern und mit ’nem Stock im Allerwertesten eingesprochen. Einfach nur schrecklich, es besteht über die gesamte Spielzeit von rund 10 Stunden akute Ohrenkrebsgefahr! Zum Glück lässt sich die um einiges gelungenere englische Tonspur aktivieren!
Ebenfalls unschön: Rubis Kommentare während der Kämpfe, die betont lässig wirken sollen (jedoch genau das Gegenteil ist der Fall…), wiederholen sich sehr schnell. Schon nach dem allerersten Kampf hat man so ziemlich alles zu hören bekommen, was die Frau an markigen Kommentaren in Richtung ihrer Gegner so rauszuhauen hat. Mein persönlicher Favourit ist übrigens ihr Spruch „Hoffentlich bumst ihr nicht so wie ihr schießt…“, den sie in schöner Regelmäßigkeit zum Besten gibt, während sie einen Gegner nach dem anderen um die Ecke bringt. Ebenfalls nett, wenn auch einen Deut zu gewollt markig: „Erschießt euch doch einfach selbst, dann sind wir schneller fertig!“

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur deutschen Verkaufsversion von „WET“: Die hiesige Fassung des Shooters wurde von der FSK mit einem dicken, fetten roten „Ab 18“-Siegel versehen. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig auch, dass sie Macher davor zurückgeschreckt haben, ihr mieses Machwerk nicht noch extra für die zarte deutsche Zockerseele zu entschärfen. Mit anderen Worten: In der deutschen Fassung wurde jegliches Blut entfernt, beziehungsweise an einigen Stellen durch grünes Blut ersetzt. Das ist entweder eine Hommage an den Klassiker „Half-Life“ oder einfach nur eine grenzwertige, in meinen Augen in der heutigen Zeit nicht mehr nachvollziehbare Design-Entscheidung. Auch in diesem Fall tendiere ich zu letzterer Variante! Darüber hinaus ist es in der deutschen Version nicht mehr möglich, Gegnern gezielt einzelne Körperteile wie den Kopf, die Arme oder Beine abzutrennen. Zudem haben die Entwickler das komplette Rag Doll-System entfernt, heißt: Getötete Gegner fallen einfach plump um, anstatt vor Schmerzen gekrümmt und physikalisch einigermaßen korrekt zusammenzubrechen. Überdies wurden einige drastische Zwischensequenzen deutlich entschärft. – Bis auf die rote Soße und die geschnittenen Zwischensequenzen nichts, was ich nun explizit vermisse. Auf die Atmosphäre drücken solche krassen, unzeitgemäßen Einschnitte ins Spieldesign dennoch unweigerlich durch.

Pro
+ stylische Cover-Art
+ cooler Soundtrack im Tarantino-Stil
+ kurze Ladezeiten
Contra
– viel zu einfach
– wenig ausgearbeitete Charaktere
– repetitives Gameplay
– dumme Gegner-KI
– massig Frustmomente
– hakelige Animationen
– Sprachausgabe wiederholt sich schnell
– dt. FSK 18-Version geschnitten

Fazit
Ich habe mir dieses Videospiel auf gut Glück für ein paar müde Euronen vom Grabbeltisch im Saturn mitgenommen, was jetzt im Nachhinein betrachtet zweifellos ein Fehler war: dieser Hardcore-Titel ist absolut nicht mein Fall! Bei „WET“ handelt es sich um einen uninspirierten „Max Payne“-Klon mit einer zugegeben irgendwie coolen, jedoch leider absolut unzugänglichen Protagonistin Rubi Malone im Rampenlicht sowie einer müden Story, die den geneigten Spieler so gar nicht von den Sitzen zu reißen weiß, der so vieles sein will, letzten Endes jedoch nur relativ wenig geworden ist. Und zwar ein Spiel zum Vergessen. – Finger weg!

— InaiMathi, am 9. Februar 2013

WET

Genre: 3rd-Person-Shooter
Release: 2009
Spielzeit: 10 Stunden
Publisher: Bethesda Softworks
Entwicklerstudio: Artificial Mind and Movement
Wertung
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