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InaiMathi Blog

Was macht eigentlich Peter Molyneux?

Hier, was macht eigentlich Peter Molyneux? – Diese beinahe schon inflationär anmutende Frage hatte ich mir in jüngster Vergangenheit des Öfteren mal gestellt. Mittlerweile kenne ich die Antwort: Was neues!

Wie Anfang der Woche bekannt wurde, hat die von mir seit jeher hochgeschätzte britische Stardesigner, auf dessen Konto fantastische Spieleperlen wie „Syndicate“, „Power Monger“, „Populous“, „Black & White“, „The Movies“ und das „Fable“-Franchise gehen, seinen Posten bei Lionhead Studios und den Microsoft Game Studios Europe (dort war er seit 2009 Creative Director, und ja: sein Weggang ist ein schwerer Schlag für die MGS!) an den Nagel gehängt, um kurz drauf bei der frisch gegründeten Softwareschmiede 22 Cans anzuheuern. Dort arbeitet Molyneux, gemeinsam mit einigen anderen alten Weggefährten wie beispielsweise Tim Rance, mit dem zusammen er 1997 Lionhead gründete, an einem noch streng geheimen Projekt. Und arbeiten ist hier wörtlich zu nehmen, denn er scheint wieder bis in die Nacht selber zu coden, anstatt wie zuletzt lediglich Input zu geben, zumindest wenn man seinem Geschreibsel auf Twitter Glauben schenken darf!

Warum das alles? – Nun, nach „Fable“, „Fable 2“, dem vor rund zwei Jahren erschienenen „Fable 3“ und dem jüngst angekündigten “Fable: The Journey” für Xbox 360-Kinect (ginge es nach Microsoft, wäre es vermutlich noch jahrelang so weitergegangen…) kann ich mir gut vorstellen, dass dem Mann schlicht langweilig geworden ist und er sich nach etwas Abwechslung gesehnt hat, statt nur noch auf die Cash-Cow „Fable“ festgenagelt zu sein. Ambitionierte Projekte wie das Kinect-gepowerte „Milo & Kate“ haben es nie zur Marktreife geschafft und waren lediglich hochtrabend präsentierte Technologie-Demos. Neben „Fable“ war nicht sonderlich viel, was er und sein Team bei Lionhead in den letzten Jahren zustande gebracht haben, was wohl auch an dem Fakt gelegen haben könnte, dass sich das einstige Gründungsteam immer weiter in alle Himmelsrichtungen verstreut hat.

Die beiden einzigen Spiele, an deren Entstehung Peter Molyneux beteiligt war, die mir wirklich über lange Zeit viel Spaß bereitet haben und an die ich auch heute noch gerne zurückdenke, sind – und ja, ist durchaus bezeichnend, ich weiß… – der Klassiker „Syndicate“ sowie „Black & White“. „Syndicate“ ist, man verzeihe mir die Wiederholung, ein zeitloser Klassiker, den man auch heute noch, ohne Gefahr zu laufen an streuendem Augenkrebs zu erkranken, zocken kann; ein echter Strategie-Meilenstein, der zurecht von Fans und Experten noch immer in höchsten Tönen (und dem ein oder anderen Videospiel-Podcast) gelobt wird.
Die Göttersimulation „Black & White“ wurde hingegen von vielen als herbe Enttäuschung abgetan. Ich jedoch habe das Game geliebt! Weiß gar nicht mehr, wie viele hundert Stunden ich damals – wow, ist auch schon 10 Jahre her, das muss man sich mal vorstellen! – am Schreibtisch vor dem Rechner saß und meiner recht tölpelhaft agierenden Kreatur auf Teufel komm raus nicht beibringen konnte, dass Dorfbewohner, die sich gerade mit dem gepflegten Beischlaf auseinandergesetzt haben, verdammt nochmal keine adäquates Fresschen für eine pummelige Milchkuh darstellen. – Naja, es waren jedenfalls einige! ;)
„Fable“ fand ich hingegen schon immer wenig fesselnd, da arg begrenzt in der Art wie man als Spieler mit der Welt Albion interagieren kann: Ein Schlauchlevel nach dem anderen statt frei zugänglicher Welt, zu biederes Design und Features, die entweder aufgesetzt wirkten oder deren zugrunde liegende Spielmechanik man ohne viel Hintergrundwissen recht schnell durchschaut hatte. Oh, und die haufenweise (nicht) vorhandenen Features, die immer wieder trotz zig hochtrabender Ankündigungen nie ins finale Spiel implementiert wurden, ziehen das komplette Franchise in meinen Augen auch ein wenig runter.

Doch damit ist nun Schluss! – Bleibt die Frage, was man von Peter Molyneux und seinem neuen Studio 22 Cans für die Zukunft erwarten kann? Ich vermute ja, dass er sich wieder seinem alten Steckenpferd, den detailverliebten Göttersimulationen zuwenden wird, denn darin ist er einfach unerreicht! Vielleicht wird der neue Titel nicht im Stil von „Black & White“ aufgezogen, sondern in einem noch viel größeren Massstab. Wie genau ein so geartetes Videospiel (ich schreibe bewusst Videospiel, weil noch unklar ist, für welche Plattform entwickelt werden wird; anzunehmen ist, dass die Microsoft-exklusive Zeit definitiv ein Ende hat) aussehen könnte, – unklar. Einer seiner letzten Tweets schürt in mir jedenfalls die Hoffnung, dass es in exakt diese allmächtige Richtung gehen könnte. – Werd’s gespannt verfolgen! :)

— InaiMathi, am 9. März 2012
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