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InaiMathi Blog

Tunnel Rats - Abstieg in die Hölle

Tunnel Rats - Abstieg in die Hölle - © Splendid Film

Uwe Boll hat definitiv ein hausgemachtes Imageproblem: Jahrelang beschränkte sich der gebürtige Wermelskirchener Regisseur auf die Verfilmung von Videospielen, deren Rechte er für ’nen Appel und ’nen Ei günstig erwerben konnte. So gehen auf sein Konto beispielsweise Produktionen wie „House Of The Dead“ (siehe meine Review), „Alone In The Dark“, alle drei Teile von „BloodRayne“, das grandios gefloppte „Far Cry“ Action-Spektakel mit Til Schweiger, sowie zuletzt „Die Schwerter des Königs – Dungeon Siege“. Für jeden einzelnen dieser Filme wird er allgemein hin verachtet bis gehasst, da – dem Vernehmen nach – keiner von ihnen der Vorlage auch nur annähernd gerecht wird und sich die groben handwerklichen Fehler nicht gerade in Grenzen halten.

Dass uns‘ Uwe, wenn er denn will, auch relativ anständige Filme zustande bringen kann, hat er unter anderem mit Produktionen wie „Postal“, die, wie in meiner Rezension zu entnehmen ist, zwar nicht perfekt aber immerhin jedoch kein kompletter Totalausfall war, und dem Vietnam-Kriegsdrama „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ bewiesen. Beide Filme sind, ohne an dieser Stelle zuviel verraten zu wollen, durchaus nicht schlecht, jedoch mangelt es ihnen an etlichen Stellen an Feintuning, so dass die oftmals kritisierte „grobe“ Handschrift des deutschen Kultregisseurs immer wieder unverkennbar heraussticht.

Es folgt meine ausführliche Filmkritik zu Uwe Bolls „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“, gewissermaßen als Teil meines großen Uwe Boll-Filmmarathon 2012/13.

Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle
mit Toufeeq Adonis, Wilson Bethel, Adrian Collins, u.a.
Drama, Kanada / Südafrika, 2008
Boll AG / Splendid Film

Über den Kultregisseur
Uwe Boll, geboren 1965 in Wermelskirchen, NRW ist ein deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der sich unter anderem durch seine zahlreichen Verfilmungen diverser populärer Videospiel-Franchises einen Namen gemacht hat. Zu seinen kommerziell erfolgreichsten Werken zählen u.a. solche Titel wie „Far Cry“, „Die Schwerter des Königs“ und „Postal“. Über die Boll AG und sein kanadisches Unternehmen Event Film Distribution Inc. ist er inzwischen auch im Bereich Filmverleih tätig. Boll lebt mit seiner Familie in Vancouver, Kanada wo viele seiner Filme auch produziert werden.

Filmtrailer

Inhalt
„1968. Amerikanische Truppen bahnen sich ihren Weg durch den Dschungel von Cû Chi in Vietnam. Der Dschungel ist mit Fallen gespickt. Scharfschützen tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden ebenso schnell wieder. Der Schlüssel zur vietnamesischen Strategie ist ein gewaltiges Netzwerk von Tunneln, welches sich unter dem Dschungel erstreckt. Als eine Gruppe neuer Rekruten in einem abgelegenen Camp eintrifft, erfahren sie bald, dass ihre Mission kein Routineeinsatz ist. Ein Tunnelzugang wurde entdeckt und sie müssen in die engen Röhren, um den Feind zu bekämpfen. Die Vietnamesen verteidigen sich einfallsreich und erweisen sich gegenüber der überlegenen Technologie der Amerikaner als sehr effektiv. Beide Seiten führen bis zum bitteren Ende ihren verbissenen Kampf fort und machen so die Natur von Krieg deutlich: Niemand gewinnt in einem Krieg. Verloren hat doch am Schluss jeder Beteiligte.“ – Quelle

Kritik
Das dem Film zugrunde liegende Szenario, der Vietnamkrieg Ende der 1960er Jahre, klingt auf den ersten Blick ja durchaus spannend: Einer Einheit, die sich annährend ausnahmslos aus neuen, unerfahrenen Rekruten zusammensetzt, wird die Aufgabe zugewiesen, einen der beim Vietcong üblichen Untergrundbunker samt Tunnelsystem zu erkunden. Wer vergleichbare Filme gesehen hat oder – wie ich – schwer begeistert das bereits ein klein wenig betagte Computerspiel „Vietcong“ von Take 2 Interactive gezockt hat, wird sich denken können, dass allein diese ziemlich simpel klingende Ausgangslage massig Stoff für eine gute, spannende und nicht zuletzt mitreißende Geschichte bietet. Zumal es meiner Meinung nach viel zu wenige Filme gibt, die das ungeheure Drama, welches der Krieg in Vietnam für die USA nun einmal war, schließlich konnte er nicht gewonnen werden und forderte horrende Verluste auf beiden Seiten, vernünftig thematisieren. Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen: „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ ist definitiv einer der besseren Filme aus dem Portfolio von Uwe Boll. Eine jene Produktionen von ihm, die man sich durchaus ansehen kann, ohne Gefahr zu laufen, einen sinnlosen Filmtod zu sterben. Wie schon im Fall von „Postal“ (siehe meine Review) sind die richtigen, sehenswerten Ansätze absolut vorhanden, nur hapert es wieder einmal an der Umsetzung sowie den Details, die einen mittelmäßigen Film von einem wahrlich gelungenen unterscheiden.

Zum einen wären da die elendigen Längen, mit denen man sich in so ziemlich jedem von Bolls bisherigen Streifen zur Genüge herumschlagen muss. So auch in „Tunnel Rats“: Die erste gute halbe Stunde des Films befasst sich nämlich schlicht und ergreifend ausschließlich damit zu zeigen, wie die Frischlinge im Camp, welches die US-Army tief im vietnamesischen Dschungel aufgeschlagen hat, ankommen, wie sie sich dort sozusagen einleben und wie sich erste Freundschaften und Rivalitäten zwischen den Rekruten heraus kristallisieren. Und ja, ein erstes „Schlitzauge“ wird auch über den Jordan geschickt. So weit, so gut. Blöd nur: Das alles geschieht quasi in gefühlter Zeitlupe. Bitte nicht falsch verstehen: Gegen ein bedächtiges Intro habe ich nichts, nur ist das alles wirklich elendig langatmig und vor allen Dingen schrecklich unnötig, denn ganz ehrlich: Im weiteren Verlauf des Films kommt nahezu nichts von dem, was man im Vorfeld über die einzelnen Mitglieder der Einheit, ihre Familien und Gefühlswelt erfahren hat, nochmals zum Tragen. Ja, nicht einmal die klischeebehafteten Namen der einzelnen Soldaten sind relevant. Mit welcher Berechtigung wird einem also bitte solch ein Vorlauf in nicht enden wollender Überlange zugemutet, Herr Boll?! Hier wurde auf Teufel komm raus versucht, dem Film eine gewisse Tiefe zu verpassen, der er im Nachhinein absolut nicht gerecht wird!

Nun, vielleicht liegt es ja an der simplen Tatsache, dass die eigentliche Handlung des Films, wenn dieser nach einer gefühlten Ewigkeit dann mal endlich ins Rollen kommt, auch nicht so wirklich das Gelbe vom Ei ist? Erst einmal am Tunneleingang angekommen, werden stur alle paar Minuten zwei Soldaten zur Erkundung in die unterirdischen Gänge geschickt. Die meisten von ihnen segnen recht zügig das Zeitliche, so dass dem geneigten DVD-Ausleiher nicht sonderlich viel Zeit bliebt zu realisieren, dass der Cast, den Boll für seinen Film zusammengetrommelt hat, eine gar nicht mal so schlechte Performance abliefert! Sind alles keine zukünftigen Weltstars, aber dennoch. Doch zurück zur packenden Handlung: Zuvor erwähntes Reinschicken und anschließend wieder Rausschleifen wird solange stur durchgezogen, bis lediglich noch eine Gruppe von, wenn ich mich nicht gehörig verzählt habe, vier Mann übrig ist. Dass es so viele Protagonisten in so kurzer Zeit dahingerafft hat, tangierte mich übrigens kaum. So etwas wie eine Bindung konnte sich nämlich trotz des fast schon epischen Intros nicht aufbauen! Die vier sehen sich irgendwann einem komplett überraschenden Frontalangriff des – im Vergleich zur damaligen Realität – was Uniform und Bewaffnung anbelangt erstaunlich gut ausgerüsteten Vietcong auf ihre Stellung und das Camp gegenüber. – Also geht’s ab in die rettenden Tunnel… der titelgebende Abstieg in die Hölle beginnt!

Das klingt nun mit Sicherheit unendlich viel spannender als es letzten Endes ist: Die Szenen unter der Erde sind nämlich nicht gerade Oscar-verdächtig inszeniert worden. Viel zu düster und unübersichtlich aufgezogen. Meist zeigt die Kamera das Geschehen, also die kriechenden Soldaten, stur frontal von vorne. Ab und an traute man sich auch mal einen Perspektivwechsel und die Dunkelheit wurde einfach mal über die Schulter eines Protagonisten gefilmt, was zwar die Spannung geringfügig in die Höhe treibt, aber mein Gott, wirklich ansehnlich ist das alles nicht. Zwar mal eine derart eingeschränkte Perspektive einen recht guten Eindruck von den unheimlich klaustrophobischen Verhältnissen, die in einem solchen Gang metertief unter der Erde vorherrschen, vermitteln, doch im Sinne des Zuschauers ist solch eine beengte Inszenierung definitiv nicht! Das ging schon bei Ryan Reynolds One-Man-Show „Buried – Lebendig begraben“ unfassbar schief!

Auch so mancher unschöner, da vermeidbarer Filmfehler hat sich eingeschlichen: So trägt einer der Rekruten, während er im Camp auf seiner Pritsche liegt, fette Kopfhörer, was im Jahr 1968, zur Zeit des Vietnamkrieges sicherlich nicht hätte sein dürfen. Auch die Tatsache, dass die Soldaten stets perfekte Filterzigaretten bevorzugen, wo in der Realität doch eher auf gedrehte zurückgegriffen wurde, sowie der – ohne an dieser Stelle rassistisch sein zu wollen – für die damalige Zeit viel zu kumpelhafte Umgangston schwarzen Rekruten gegenüber, wirken zumindest ein wenig merkwürdig und tendenziell schlecht recherchiert. Oh, ein ganz dicker noch zum Schluss: An einer Stelle im Tunnel, an der vor zwei Minuten noch tote Körper entlang geschleift wurden, versperren urplötzlich wie aus dem Nichts heimtückische Sprengfallen den Weg. Die von den zuvor weggeschafften Leichen mit absoluter Sicherheit hätten ausgelöst werden müssen. – Solche Schnitzer sind dann schon ziemlich übel und auch ein kleines bisschen peinlich. Hm.

Dann wäre da schlussendlich noch das große Finale: Dieses wäre beinahe schon gelungen, denn an ansprechender Dramatik und einem guten Schuss Menschlichkeit samt so etwas wie einer übergeordneten Aussage, was in einem rudimentären Kriegsfilm wie dieser Streifen hier einer ist eher eine Seltenheit darstellt, mangelt es den letzten rund zehn Minuten von „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ keinesfalls. Wenn, ja wenn da nicht wieder dieser elendige, viel zu lange Schnitt wäre, welcher Uwe Boll mittlerweile einfach auszeichnet. Wow, hätte das ein – zumindest für Boll’sche Verhältnisse – in vielerlei Hinsicht großartiges Finale werden könne! Aber ach… – Manchmal hab ich das Gefühl, der Mann besitzt einfach kein wirklich gutes Gespür für Timing.

Fazit
Was man „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ definitiv zugute halten muss, ist die Tatsache, dass es sich um einen durchaus anständig produzierten Film handelt. Zwar kein guter, aber am Ende dann doch durchaus gelungen und somit definitiv einer von Uwe Bolls gelungeneren Streifen. Denn: Der junge Cast agiert zwar blass aber stets glaubwürdig, die Kulissen sind in sich stimmig, auch wenn das Ganze natürlich nicht on Location gedreht wurde, sondern irgendwo in Südafrika. Wahrscheinlich wieder so eine Steuersache, hm? Und ja, die erzählte Geschichte mag zwar ein bisschen dünne sein, aber mein Gott, so ist Krieg nun einmal. Abgerundet wird das Ganze von ein paar Filmfehlern hier, diversen Ungereimtheiten dort und ja, einem Ende, welches von seiner Inszenierung her so gar nicht zu überzeugen weiß. – Dennoch: Kann man sich mal antun!

— InaiMathi, am 30. Dezember 2012

Tunnel Rats - Abstieg in die Hölle

Genre: Kriegsdrama
Release: 2008
Laufzeit: 92 Minuten
Studio: Boll AG
Publisher: Splendid Film
Wertung
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