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InaiMathi Blog

TORtale Anonymität

Die Tage habe ich hier im Blog einen Artikel veröffentlicht, der – zumindest was seine Abrufzahlen angeht – recht hohe Wellengeschlagen hat. In diesem habe ich auf die Dokumentation „Nothing To Hide“ der beiden französischen Journalisten Marc Meillassoux und Mihaela Gladovic aufmerksam gemacht, die in bedrückender Weise aufzeigt, wie gläsern die Gesellschaft und ihre Bürgerinnen und Bürger inzwischen sind, wie von Regierungen, Unternehmen und Lobby- und Interessensgruppen der Überwachungsstaat durch die Hintertür bereits installiert worden ist. Daraufhin habe ich eine eMail eines Lesers bekommen, der mich mit virtuell erhobenem Zeigefinger darauf hinweist, dass ich doch sehr naiv sei, dass vollständige Anonymität im Web nicht möglich wäre, da schließlich bereits der ISP (Internet Service Provider) als erster Knotenpunkt allen ein und ausgehenden Traffic mitbekäme und somit theoretisch abfangen und analysieren könnte, was der Zahlende User im Web so anstellt.

Das ist korrekt. Jedoch gibt es legale Mittel und Wege dies zu umgehen!

Beispielsweise indem man Google Chrome, Firefox, Safari oder – ohgottohgott! – dem Internet Explorer / Microsoft Edge entschlossen Goodbye sagt und stattdessen fortan mit Tor online geht, – oder zumindest dann, wenn einem dieser Schritt angebracht erscheint. Während sich der gemeine Standardbrowser ohne Umwege direkt mit dem Zielserver verbinden und dabei eine Menge Daten über den User preisgibt, verfolgt der vom Tor-Project.org entwickelte und auf der Firefox-Codebasis basierende Tor-Browser einen grundlegend anderen Ansatz. In Kurzfassung: Anstatt sich in direkter Linie mit dem Ziel zu verbinden und die angeforderten Daten abzurufen, werden mehrere in aller Welt verstreute Zwischenstationen, so genannte Relays-Nodes, zwischengeschaltet. Diese Art des Zugriffs drosselt die Zugriffsgeschwindigkeit zwar teils beträchtlich, je nachdem wie es um die Erreichbarkeit der Nodes bestellt ist, allerdings werden auf diese Weise keinerlei persönliche und/oder kritische Daten, die die Anonymität des Users gefährden könnten, an den Zielserver, auf den zugegriffen wird, weitergegeben. Der User hat überdies jederzeit die Kontrolle darüber, wie lange er ein und den selben Tor-Circuit nutzen will, ehe er mit nur einem Mausklick zu einem neuen switcht. Standardmäßig wird der genutzte Circuit alle 10 Minuten erneuert.

Ein Beispiel: Ich rufe mit Tor-Browser den Blog eines Bekannten auf. Tor verschleiert meine IP, indem nicht direkt auf die Seite, bzw. den Zielserver zugegriffen wird, sondern bis zu drei anonymisierende Relays zwischengeschalten werden. So wird meine Anfrage erst an eine Node in Frankreich gesendet, von dort aus weiter nach Australien, ab nach Kanada und erst von dort aus wird schließlich mein Blog aufgerufen, die angeforderten Daten den selben Weg zurückgeschickt und schließlich im Browserfenster angezeigt. Am nächsten Tag wird in den Blog-Statistiken – wenn überhaupt – nur ein Zugriff aus Kanada angezeigt, der keinerlei sonstige Rückschlüsse zulässt, dass ich es war, der den Blog aufgerufen hat. Weder Informationen zum Internet Service Provider, noch zur IP, noch zu den Spezifikationen / der Konfiguration meines Computers, absolut rein gar nichts!

Ein nicht unpraktischer Nebeneffekt dieser Methode des Internetzugriffs: Der Tor-Browser kann auch solche Websites und Services verfügbar machen, die in einem Land aus bestimmten Gründen nicht zur Verfügung stehen. Etwa weil sie auf Anweisung „von oben“ zum geblockt und/oder überwacht werden, wie das dieser Tage in einigen Teilen der Welt der Fall ist. Oder weil sie schlicht und ergreifend ausschließlich im berühmt-berüchtigten Deep Web zu finden sind.

Tor ist dabei nicht allein auf Desktops und Laptops beschränkt: Zusätzlich zu dem vom Tor-Project.org entwickelten Tor-Browser, der für Linux, Mac OS und Windows verfügbar ist, wurde in 2015 auch eine Mobilversion namens OrFox veröffentlicht, die auf Android-gepowerten Smartphones und Tablets installiert werden kann. Für diese zeichnet das Guardian Project verantwortlich. Im Zusammenspiel mit der OrBot-App, die es ermöglicht, einige auf seinem Android-Smartphone installierte Apps anonymisiert zu nutzen, verfügt OrFox über dieselben Features wie die Desktop-Version.

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass an Anonymität, Datenschutz sowie dem Schutz der Privatsphäre jedem Internetnutzer gelegen sein sollte. Tor mag zwar kein Allheilmittel gegen Internet-Überwachung sein, aber ein guter Weg eben diese Themen anzugehen.

— InaiMathi, am 20. Januar 2017
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