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InaiMathi Blog

The Walking Dead - Gute alte Zeit

The Walking Dead - Gute alte Zeit - © Image / Cross Cult

Nachdem ich mit „The Walking Dead“ lange Zeit so überhaupt nix anfangen konnte, bin ich mittlerweile zu einem echten Hardcore-Fanboy des Franchise mutiert. Staffel 1 war in kürzester Zeit geschaut (und rezensiert), die zweite folgte nur wenig später. Inzwischen hab ich mir sogar das in den höchsten Tönen gelobte „The Walking Dead“ Action-Adventure von Telltale Games für meine Xbox 360 zugelegt (und ebenfalls rezensiert). Einzig das Ursprungswerk, die Comics aus der kreativen Feder von Robert Kirkman und Tony Moore, glänzte in meiner Zombie-Sammlung bislang durch durch Abstinenz.

Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder, denn: Vergangenen Samstag wurde ich von der herzallerliebsten Brina, ihrerseits ebenfalls Fan der grandiosen TV-Serie, mit der ersten deutschsprachigen Graphic Novell zu „The Walking Dead“ überrascht! Meine gewonnenen Leseeindrücke habe ich im Rahmen dieser ausführlichen Comic-Review hier zusammengefasst…

The Walking Dead – Gute alte Zeit
von Robert Kirkman & Tony Moore
2006, Drama, 156 Seiten
Image / Cross Cult

Der Autor
Robert Kirkman, geboren am 30. November 1978 in Richmond, Kentucky, ist ein amerikanischer Comicbuchautor. Auf sein Konto gehen Franchises wie „Battle Pope“, „Tech Jacket“ und „Ultimate X-Men“. Sein bis dato größter internationaler Erfolg ist jedoch die „The Walking Dead“-Comicreihe, die vom US-Sender AMC als aufwendig produzierte TV-Serie adaptiert wurde. Nachdem er 2010 bereits für den Screm Award als bester Comicbuch Autor nominiert war, wurde er 2012 mit dem Saturn Award in der Kategorie Innovator Award ausgezeichnet. Gemeinsam mit diversen Partnern betreibt Kirkman seit 2010 das Imprint Skybound Comics.

Offizieller Trailer zur TV-Serie

Inhalt
„Als der Cop Rick Grimes aus dem Koma erwacht, ist nichts mehr wie es war. Zombies bevölkern Nordamerika, vielleicht sogar die ganze Welt. Ursache: unbekannt. Das komplette wirtschaftliche und soziale Netz ist zusammengebrochen. Wer nicht zum lebenden Toten mutierte, befindet sich auf der Flucht. Die Großstädte sind völlig in der Hand der schleichenden, hungrigen Untoten. Nur auf dem Land ist es noch einigermaßen sicher.“ – Quelle

Der erste Satz

„Gar nicht gut!“

Kritik
Zum Einstieg direkt mal was unheimlich sympathisches: Bevor es mit „The Walking Dead – Gute alte Zeit“ überhaupt so richtig los geht, steht erst einmal ein kurzes Vorwort von Autor Robert Kirkman an, das aufmerksam gelesen werden will. In dessen Rahmen geht er auf die Hintergründe der Serie ein, erläutert wie diese einst aus einer fixen Idee heraus entstanden ist und – ganz wichtig! – stellt nochmals ausdrücklich heraus, dass es sich bei „The Walking Dead“ weder um typischen Horror, noch um ein Zombiegemetzel mit ordentlich roter Soße handelt, sondern um eine waschechte Dramaserie mit hier und da eingestreuten Soap-Elementen. Quasi um eine Chronik über das Leben von Rick Grimes und seinen Lieben, und wie diese sich inmitten einer von Untoten bevölkerten Welt behaupten. – Etwas, was mir komischerweise nie jemand glauben wollte. Schon allein aus diesem Grund hatte der Comic bei mir von Beginn an einen dicken Stein im Brett!

Die Aufmachung der ersten deutschsprachigen Graphic Novell zu „The Walking Dead“ präsentiert sich optisch ansprechend und durch und durch wertig verarbeitet. Der farbig gestaltete Einband weißt typische Hardcover-Qualität auf, kann also auch mal den ein oder anderen Stoß ab, ohne dass dieser oder die empfindlichen Seiten im Inneren sich gleich ein unschönes Eselsohr einhandeln. Der eigentliche Comic wurde komplett schwarz-weiss auf dickes Papier gedruckt, welches fast schon Fotopapier-Qualität erreicht und die durch und durch wertige äußere Aufmachung weiterträgt. Ganz so, wie man das von Publikationen aus dem im schönen Ludwigsburg beheimateten Cross Cult-Verlag erwarten kann.

Ein paar Worte zur Handlung: Ja, was soll ich da großartig schreiben? „The Walking Dead“ thematisiert die ersten drei Folgen aus der ersten Staffel der gelungenen TV-Serie. Dementsprechend fesselnd fallen die Abenteuer von Rick Grimes auch in ihrer gezeichneten Form aus. Ich hatte die Novelle jedenfalls in für meine Verhältnisse Windeseile durch, so dass ich dem ganzen ein durchaus vorhandenes Suchtpotenzial attestieren kann. Man möchte einfach wissen, wie es mit Rick und den anderen Überlebenden der Monsterapokalypse weitergeht! Genau dies ist übrigens auch das Element der Reihe, welches bei der Reihe eindeutig im Vordergrund steht: Nicht, wie viele denken, das schlichte Abmetzeln von Horden von Untoten, sondern der knallharte Überlebenskampf der Protagonisten in einer post-apokalyptisch angehauchten, feindseligen Welt, abgerundet von so einigen zwischenmenschlichen Dingen und einer ungeheuer authentisch rübergebrachten Gruppendynamik!

Der Großteil der Charaktere im Comic offenbart im Verlauf der Geschichte eine beeindruckende Tiefe, so dass man stets gerne mehr über sie erfahren möchte – und wohl auch wird, denn Kirkman hat sich laut eigener Aussage kein Limit gesetzt, wie lange er beabsichtigt, sein Erfolgsfranchise am Leben zu halten. Ein Schelm, wer böses denkt! Insbesondere Ricks Freund und einstigen Cop-Kollegen Shane empfinde ich als einen sehr interessanten Charakter, der – wie Fans der TV-Umsetzung wissen – einiges hinter seiner aufgesetzten Fassade versteckt. Aber auch die anderen „Mit-Camper“ wie Dale, den ich schon in der TV-Serie gemocht habe wie sonst was, oder auch Glenn und Andrea haben sicherlich in den weiteren Comics noch einiges von sich preis zu geben. – Bin gespannt!

Zur Optik: Ich mag den Zeichenstil! Ja, da hat Tony Moore, dessen zeichnerisches Mitwirken an dieser großartigen Reihe viel zu selten und wenn, dann viel zu wenig honoriert wird, etwas wirklich rundes geschaffen. Sein Stil beschreitet einen ansehnlichen Mittelweg von Abstraktheit und Realismus. Die von ihm entworfenen Charaktere strahlen allesamt eine jugendliche Naivität aus, die sie einem sofort sympathisch erscheinen und ans Herz wachsen lässt – zumindest jene, die noch unter den Lebenden sind. Die Gestaltung der Hintergründe und Szenerien schwankt zwischen ausreichend bis hin zu sehr detailliert. Mal erwarten den geneigten Leser ausgesprochen ansehnliche, sehr detaillierte Zeichnungen der Szenerie, in die man sich durchaus mal vergucken kann, – und nur zwei Seiten weiter solche aus der Kategorie Sparflamme. Das ist in der Regel verschmerzbar, fällt jedoch ab und an negativ auf. Dennoch: So oder so fangen sie den morbiden Endzeitcharme jederzeit superb ein.

Der visuelle Gewaltgrad des Comics bewegt sich auf einem mittleren bis durchaus hohen Niveau: Oftmals spritzt lustig roter Lebenssaft in der Gegend herum, den herumwandelnden Leichen werden Augen ausgestochen sowie oftmals auch ganze Körperteile abgetrennt – kurz gesagt: Wer ein Problem hat mit Gore und Splatter und überhaupt mit der Darstellung von Blut – und sei es nur gezeichnetes -, sollte sich mindestens zweimal überlegen, ob er sich „The Walking Dead“ wirklich zumuten will, zumal der Comic seine Leseempfehlung von „Ab 16 Jahre“ sicherlich nicht grundlos erhalten hat! Dennoch: Bei aller dargestellter Gewalt wirkt diese allerdings nie plump oder wie ein bloßes Mittel zum Zweck, sondern stets angebracht und plausibel in die Handlung eingebettet.

Wer, wie meine Wenigkeit, erst über die TV-Serie zu „The Walking Dead“ mit Robert Kirkmans Zombie-Franchise in Verbindung kam, anstatt wie die sicherlich meisten da draußen zuvor die Comics gelesen zu haben, wird sich vor Beginn der Lektüre eventuell fragen, ob es Unterschiede zwischen der Serie und den Comics gibt und wenn ja, wie groß diese ausfallen. Um dies zu beantworten: Ja, es existieren definitiv Unterschiede! Zwar ist das grundsätzliche Setting samt der von Robert Kirkman erdachten, großartigen Storyline – natürlich – identisch zu denen der nicht minder grandiosen TV-Adaption des US-Kabelsenders AMC, und selbstredend sind auch alle wichtigen Charaktere wieder mit von der Partie, doch hier und da werden dann doch mehr oder weniger ins Auge springende Abweichungen sichtbar. Zum Beispiel durch im Vergleich zur TV-Serie dezent anders angelegte Charaktere, bzw. dem völligen Fehlen von eben solchen oder durch den deutlich strafferen Ablauf der Handlung und leicht anderen Locations, die nur entfernt an die der TV-Serie erinnern. So fehlt beispielsweise der Part, in dem Morgan Jones in der ersten Folge der TV-Serie seine einstige Frau abschießt mit seiner zum Zombie mutierten Frau abschließt, komplett und auch die Einführung in das „The Walking Dead“-Universum geht in der Comicvorlage erheblich schneller und unvermittelter von stattet, um an dieser Stelle nicht zu viel zu spoilern.

Was mir nicht so gut gefallen, ja vereinzelt sogar richtig gestört hat, ist die deutsche Lokalisation, bzw. die Art und Weise, wie die Dialoge im Comic ins Deutsche übersetzt wurden. Der verantwortliche Übersetzer Marc-Oliver Frisch war sichtlich darum bemüht, die den Amerikanern so ureigene Lässigkeit adäquat ins Deutsche zu transportieren, was grundsätzlich absolut lobenswert ist. Doch an einigen Stellen liest sich das Ganze so ungeheuer hölzern und steif und aufgesetzt, dass ich mir so ein bisschen die deutlich gelungeneren deutschen Dialoge der TV-Synchronisation herbei gewünscht habe! Ich hoffe, das kann in den noch folgenden Ausgaben der „The Walking Dead“-Graphic Novells abgestellt werden, irgendwann wird der Mann sich doch wohl eingegroovt haben…

Zum Schluss noch ein kleines Schmankerl für alle, die von „The Walking Dead“ und nicht zuletzt von dessen Machern nicht genug bekommen können: Auf den letzten Seiten wurde zwischen allerhand Promoanzeigen für weitere Cross Cult-Publikationen und sonstigem Gedöns, das im Grunde nur die wenigsten tangiert, quasi als Rausschmeißer, ein wirklich lesenswertes Interview mit Serienschöpfer und -Schreiber Robert Kirkman und dessen oft verkannten Zeichner Tony Moore abgedruckt, das man sich nicht entgehen lassen sollte! Als „The Walking Dead“-Fan schon zweimal nicht!

Fazit
Nicht nur im TV ist „The Walking Dead“ ein absolut herausragendes Produkt (siehe meine DVD-Review), nein, auch in gezeichneter Form offenbart sich schon nach kurzer Zeit dieses Suchtpotenzial, das mich schon die Serie innerhalb von nur ein paar Tagen hat anschauen lassen. Kurzum: Die Comics sind ein wahrer Genuss: Tolle, packende Geschichte, gepaart mit interessanten Charakteren und einem sehr ansehnlichen Zeichenstil. – Für jeden, der mit der grundlegenden Zombie-Thematik etwas anfangen kann, ist „The Walking Dead – Gute alte Zeit“ ein absoluter Pflichtkauf und ein guter Einstieg in die Reihe!

— InaiMathi, am 12. November 2012

The Walking Dead - Gute alte Zeit

Genre: Drama
Veröffentlichung: 2006
Umfang: 156 Seiten
Autor: Robert Kirkman
Verlag: Image / Cross Cult
Wertung
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