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InaiMathi Blog

Stell‘ Dir vor, es ist 2022 und aus RTL, ProSieben, Sixx & Co. werden plötzlich Pay-TV Kanäle!

Noch bis 2022 werden die TV-Kanäle der Mediengruppe RTL Deutschland (u.a. RTL Television, VOX, RTL Nitro, RTL II, Super RTL, n-tv) und ProSiebenSat.1 Media (u.a. ProSieben, Sat.1, Kabel 1, Sixx) noch kostenlos über Satellit übertragen. Danach ist allerdings Schluss mit lustig und die beiden Sendergruppen, die hierzulande den privaten TV-Markt unter sich aufteilen, wollen von ihren Zuschauern Bares sehen. Wie „Chip Online“ berichtet, haben die RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1 sowie die beiden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF unlängst eine Arbeitsgruppe aus der Taufe gehoben, welche die Abschaltung des wahrlich nicht mehr zeitgemäßen SD-Signals ihrer TV-Kanäle forcieren soll. Dieses wird derzeit noch kostenlos bereitgestellt, so man denn eine Satellitenschüssel auf dem Dach/dem Balkon installiert hat. Die Abschaltung des SD-Signals soll bis spätestens Ende 2019 abgeschlossen sein, von da an wird es wohl nur noch die HD-Varianten der Kanäle geben. Wer also ab 2022 die ganzen eigenproduzierten Krawall- und Scripted-Reality-Formate, sowie regelmäßig von nerviger Werbung unterbrochenen Serien und jahrelang unter Verschluss gehaltenen Hollywood-Blockbuster auf RTL, ProSieben und Co. genießen möchte, wird wohl blechen müssen, denn die HD-Ableger der Sender gibt’s via Satellit schon jetzt ausschließlich mit dem Pay-TV Angebot „HD+“. Ein „HD+“-Abonnement schlägt jährlich mit 75 Euro aufs Konto durch, Preistendenz Jahr für Jahr leicht steigend. ARD, ZDF und weitere Öffentlich-Rechtliche in hochauflösender Bildqualität sind derweil für jedermann kostenlos – *hust* Rundfunkgebühr *hust* – zu empfangen.

Fakt ist: In Deutschland wird das klassische lineare Angebot der (privaten) TV-Sender von immer weniger Menschen genutzt. Die verbliebene Nutzerschaft wird indes immer älter, während sich immer weniger Junge für das Medium TV erwärmen können. Nun sollen also all diejenigen, die auf „Deutschland sucht den nächsten Dschungeldeppen“, „Bauer sucht Frau“, „The Voice of Germany“ und die schier unzähligen Kochshows aus imho nicht nachvollziehbaren Gründen nicht verzichten können, auch noch zur Kasse gebeten werden, weil die Privatsendergruppen ihre einstigen Free-TV Sender durch die Hintertür peu á peu in Bezahlsender umfunktionieren. Man muss sich das, was da seitens RTL, ProSieben und Co. beabsichtigt wird, wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen: Jahrzehntelang wurde der im Grunde durch die Bank uninspirierte deutsche TV-Rotz in SD, in D viele Jahre der Übertragungsstandard, für Lau rausgehauen, demnächst allerdings soll man für denselben Rotz in HD, dem jetzigen Standard (es sei denn, jemand nennt noch eine olle Röhrenglotze sein Eigen), der wiederum in ein paar Jahren schon wieder von Ultra-HD aka 4K abgelöst werden dürfte, zur Kasse gebeten werden! Ich frage mich, warum eigentlich? High Definition ist doch schon lange nichts Besonderes mehr?! Selbst YouTube-Videos liegen inzwischen in nativer HD-Auflösung vor! Bedauerlicherweise bin ich mir sicher, dass sich mehr als ausreichend TV-Konsumenten (aus der anvisierten Zielgruppe der eher simpel gestrickten Unverbesserlichen) finden werden, die für billigst produziertes Unterschichten-Fernsehen aus der hintersten staubigen Ecke der untersten Schublade, und von penetranter Unterbrecherwerbung zerstückelte eingekaufte US-Ware bereit sind zu zahlen, – und sei es nur, um sich nebenbei berieseln lassen zu können, während am Smartphone, Laptop oder anderswo der sprichwörtliche Bär steppt. Sind ja schließlich „nur“ 75 Euro, also quasi geschenkt.

Satelliten-TV Gucker sollten sich folgende Frage stellen: Ist mir das Programm der Privatsender in HD eine monatliche Gebühr in Höhe von 6,25 Euro wert, wenn gleichzeitig die Streamingdienste Netflix, Maxdome, etc für maximal 9,99 Euro/Monat zu bekommen sind?

Also mir persönlich sind die deutschen Privatsender und ihr Programmangebot das Geld nicht wert. Nö, nicht einmal läppische 75 Euro im Jahr! Ich für meinen Teil habe mich vom klassischen TV bereits vor Jahren weitestgehend verabschiedet; nutze das Angebot von RTL, ProSieben, Sat.1 und wie sie alle heißen nur noch sporadisch, immer dann wenn es sich einmal nicht vermeiden lässt. Überhaupt lässt mich das Medium Fernsehen inzwischen ausgesprochen kalt. Denn was gibt es mir denn bitte, was ich nicht auch anderswo bekomme? Man schaue sich nur mal besagtes Programm der Sender an, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, dass sich mit sowas im Jahr 2017 a.D. tatsächlich noch Gewinne erwirtschaften lassen! Ernsthaft: Die haben doch, von etlichen Trash-Formaten einmal abgesehen, keinerlei Alleinstellungsmerkmal mehr zu bieten, von regelmäßig herausstechenden „Leuchtturm-Inhalten“, bei denen ich UN-BE-DINGT einschalten und dabei sein muss, ganz zu schweigen.

Bundesliga schaue ich auf Sky (oft auch online im Stream auf Sky Go), die großen Turniere und Olympia beim gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Zwangs-Pay-TV ARD und ZDF (ebenfalls auch im Stream). Ansonsten fällt mir nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts ein, was ich bewusst im deutschen TV verfolge; weswegen ich einen der genannten Sender einschalte. Nix! Aktuelles zum Weltgeschehen hole ich mir von mehreren Quellen direkt aus dem Netz. Fiction wird in bester HD-Qualität auf Netflix und Co. gestreamt, interessante Dokumentationen aus allen möglichen spannenden Themengebieten gibt’s zudem beim viel gescholtenen YouTube, teilweise sogar von besserer Qualität und informativer als die von den „Großen“ produzierten. NBA-Spiele laufen dem NBA Leaque Pass sei dank auf der PlayStation 4, dasselbe gilt für Shows und Pay-Per-Views aus WWE und NJPW, die ich ebenfalls in allerbester Qualität über Apps auf der heimischen Konsole verfolge. Und und und. Von daher haben die Privaten kein einziges Argument mehr auf ihrer Seite, mich zu einem „HD+“-Abo (oder wie auch immer man das Abo für „Unterschichten-TV made in Germany in HD“ letzten Endes nennen wird) zu überreden. Klassisches TV, ganz egal ob nun in SD oder HD über den Äther geschickt, liegt doch sowieso in den allerletzten Zügen. Das unterstütze ich nicht mehr, da gehe ich lieber mit der Zeit!

Zudem fehlt mir nichts. Weder bin ich auf die Öffentlich-Rechtlichen, noch auf einen deutschen Privatsender angewiesen. Ausnahmslos jeder Sender, der sich hierzulande im Fernsehmachen versucht, ist ersetzbar! Hat nun nicht mit dem eigentlichen Thema zu tun, aber: Aufgrund der schlicht nicht gegebene Alternativlosigkeit kann ich partout nicht nachvollziehen, dass wir in Deutschland uns nach wie vor das teuerste, aufgeblasenste öffentlich-rechtliche TV-Angebot der Welt leisten, welches sich mit seinen dutzenden TV-Sendern (teure Sportrechte, austauschbare Polittalks, irgendwas mit faschistischen Diktatoren und ihren Helfern/Hunden/Whatever), schier unzähligen Radiosendern (auf denen gefühlt stets dasselbe uninspirierte Programm in Dauerschleife abgespult wird), einem gigantischen Verwaltungsapparat, für den ein nicht unerheblicher Teil der eingetriebenen Gebühren drauf geht, und einigem mehr, quasi als unverzicht- und unersetzbar betrachtet. Obwohl es von nicht wenigen Menschen da draußen nichtmal genutzt wird, wohlgemerkt! Ich bin mir ziemlich sicher, dass es da draußen viele Menschen gibt, die auf Fernsehen alles in allem verzichten und sich lediglich in absoluten Ausnahmesituationen mal auf einen der Sender verirren. Man schaue sich doch nur mal in den Sozialen Medien um, da wird sich doch pausenlos über die hiesigen Sender und ihr oftmals wahrlich grotesques Programm lustig gemacht. Wann liest man denn da mal wirklich ernst gemeintes Lob? – Aber gut, das wie gesagt ist ein komplett anderes Thema…

Bleibt zu hoffen, dass sich das rumspricht und der ein oder andere den publik gewordenen Plänen der RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1 und Co. einen Strich durch die Rechnung machen und sich anderweitig orientieren. Überhaupt ist eigentlich unfassbar: Auf die Idee zu kommen, dass sich heutzutage noch viele Menschen an einem bestimmten Wochentag um 20:15 Uhr oder einer anderen gelernten Uhrzeit vor die Flimmerkiste setzt, wie das vor vielleicht zehn Jahren mangels wirklich schnellem Internet und Streaming-Angebote gezwungenermaßen noch der Fall gewesen ist, um sich irgendeinen hingerotzten Mist reinzuziehen – und dafür sogar noch eine Abogebühr blechen, um sich dieses lineare TV-Erlebnis hochaufgelöst geben zu können, entbehrt nicht einer gewissen verblendeten Sicht der Dinge. Insbesondere wenn man bedenkt, wie sich der TV-Konsum bis ins Jahr 2022 hin weiter verändert haben dürfte.

/rant

— InaiMathi, am 6. Mai 2017
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