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Sky News HD: Sky Deutschland treibt Gründung eines eigenen Nachrichtensenders voran

Sky DeutschlandAnfang der Woche gab die Axel Springer SE bekannt, den seit seiner erfolgreichen Abspaltung von der ProSiebenSat.1 Media AG unabhängigen Doku- und Nachrichtensender N24 übernehmen und mittelfristig mit der „Welt“-Gruppe zusammenlegen zu wollen, auf dass eine neue Bastion des deutschen Qualitätsjournalismuses entstehen möge. Durch die Übernahme, die vom Bundeskartellamt eigentlich nur noch durchgewunken werden muss – wovon so ziemlich jeder Branchenbeobachter ausgeht – und diversen bestehenden Programmzulieferungverträgen (N24 zeichnet für die Produktion der Nachrichten der Sender ProSieben und Sat.1 verantwortlich), nun sogar einen Fuß in der Tür der ProSiebenSat.1 Group, deren Komplettübernahme dem Hamburger Verlagsgiganten einst verwehrt blieb.

So weit, so gut und nur bedingt interessant.

Gestern Abend bin ich bei Twitter jedoch über eine News gestolpert, die mich aufhorchen ließ. Branchenkarikaturist Peter ‚Bulo‘ Böhling vom Online-Magazin Clap, ihr wisst schon, dem für Neugierige, Eitle und Schadenfreudige, setzte auf Twitter den folgenden Tweet ab:

Demnach soll nicht nur der Axel Springer Verlag Interesse an N24 gehabt haben, sondern unter anderem wohl auch der Bezahlsender Sky Deutschland. Wie Clap schreibt, habe Sky sogar aktiv um den Sender mitgeboten, sich dann allerdings auf einem für das Unternehmen nicht mehr vertretbaren Niveau der Angebote letzten Endes aus dem Bieterkampf zurückgezogen, woraufhin Springer relativ zügig den Zuschlag bekommen hat. Diese Enthüllungen werfen für den ein oder anderen Beobachter zwei Fragen auf. Zum einen, wie viel Springer für die Übernahme nun wirklich berappen musste. Kolportiert wurde bis dato ein verhältnismäßig niedriger Betrag von „nur“ um die 150 Mio. Euro, was angesichts der nun enthüllten anzunehmenden Involvierung von Sky Deutschland in den Bieterprozess inzwischen eher unwahrscheinlich erscheint. Zum anderen steht die Frage im Raum, was Sky Deutschland im Falle einer erfolgreichen Übernahme mit N24 vor gehabt hätte?

Sky Sport News HD - © Sky DeutschlandUnd spätestens hier wird’s interessant. Wie es in dem Artikel von Clap weiter heißt, wird seit einiger Zeit in dem Unterföhringer Unternehmen der Gedanke vorangetrieben, einen eigenen 24-Stunden-Nachrichtensender an den Start zu bringen. Der ein oder andere wird nun sicherlich aufhorchen und protestierend den Zeigefinger erheben, um klugscheißerisch anzumerken, dass das deutsche Sky doch bereits einen Nachrichtensender betreibt: Sky Sport News HD. Richtig, Sky nennt einen Sportnachrichtensender sein Eigen, allerdings keinen klassischen Nachrichtensender wie beispielsweise das zur Mediengruppe RTL Deutschland gehörige n-tv oder eben N24 – wobei beide auch gut als Doku-Kanäle durchgehen, so wenige Nachrichten wie dort inzwischen nur noch über den Äther gehen, aber sei’s drum. Wäre also Sky Deutschland als Sieger aus dem Bieterkampf hervorgegangen, sei es laut Clap wohl ziemlich wahrscheinlich darauf hinausgelaufen, dass N24 in ein deutsches Sky News umgemodelt worden wäre.

Dies wiederum hätte de facto bedeutet: Sky steigt in den Free TV-Markt ein – den vergangene Woche kommunizierten Einstieg bei Sport 1 und Constantin Medien mal außen vor gelassen. Seit seinem Start hat sich Sky Sport News HD innerhalb der Branche und insbesondere bei vielen Sportinteressierten einen sehr guten Ruf erarbeitet – auch wenn dem Kanal immer wieder mal eine gewisse Nähe zum FC Bayern München und entsprechende Tendenzen zur „Hofberichterstattung“ vorgeworfen werden. Ein nach britischem Vorbild abgewickelter Einstieg ins Free-TV wäre somit ein logischer Schritt. Auch auf der Insel betreibt Rupert Murdoch mit Sky News HD einen eigenen frei empfangbaren 24-Stunden-Nachrichtensender, der bei der Bevölkerung hohes Ansehen genießt und sich regelmäßig Auszeichnungen als bester Nachrichtensender des UK abholen darf. Da die Übernahme von N24 und somit auch die Einverleibung dessen journalistischen Know-Hows nun vom Tisch ist, wolle Sky Deutschland nun eigenständig einen Sender aus der Taufe heben und habe als Standort für den neuen Sender nicht etwa München, sondern stattdessen die deutsche Bundeshauptstadt Berlin ins Auge gefasst (bietet sich bei einem Nachrichtensender aber auch an), so Clap unter Berufung auf nicht genannte, jedoch grundsätzlich „gut informierte Quellen“.

Sky Deutschland wie auch N24 haben den Clap-Bericht inzwischen dementiert.

Ich für meinen Teil, als Pay-TV Befürworter der ersten Stunde, finde die Entwicklung, deren Zeuge wir hier werden, einfach großartig: Nach Dr. Georg Koflers Ausstieg und der erneuten Fast-Pleite im Jahr 2007 und dem Einstieg von Rupert Murdoch scheint’s endlich rund zu laufen im Hause Sky Deutschland. Das Unternehmen entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem ernstzunehmenden Player, zu einer echten dritten Kraft und ausgewiesenem Innovationstreiber auf dem deutschen Markt und ist mittlerweile meilenweit entfernt vom Image des Übernehme-Kandidaten und chronischen Pleitesenders, welches Premiere seit der Gründung des Senders im Jahr 1990 anhaftete. Dieses Jahr soll Sky, erstmals in der Unternehmensgeschichte, aufs Jahr gesehen schwarze Zahlen schreiben.

— InaiMathi, am 13. Dezember 2013
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