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InaiMathi Blog

Schwarzbuch Scientology

Schwarzbuch Scientology - © Goldmann Verlag

Tom Cruise, Kirstie Alley, John Travolta, Juliette Lewis, Will Smith, Jada Pinkett-Smith, Leah Remini – sie alle und viele weitere Stars und Sternchen des internationelen Showgeschäfts sind Mitglied bei Scientology – und machen weiß Gott keinen Hehl draus. In den Vereinigten Staaten ist die vom amerkanischen Science Fiction-Autor L. Ron Hubbard im Jahr 1954 aus der Taufe gehobene Organisation vollwertig als Religionsgemeinschaft anerkannt, wirbt öffentlich um neue Mitglieder und ist scheinbar nach wie vor auf Expansionskurs.

In Deutschland steht die Church of Scientology hingegen unter steter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Und dies hat triftige Gründe: So werden Scientology u.a. gegen das deutsche Grundgesetz gerichtete Tendenzen unterstellt. Einstige Scientologen, die dem „totalitären Kult“, als der die Organisation in den Medien immer mal wieder tituliert wird, den Rücken gekehrt haben, wissen beinahe durch die Bank nur Schlechtes von ihrer ehemaligen Kirche zu berichten, prangern Missstände an, wie beispielsweise die systematische Unterdrückung und Ausbeutung der Mitglieder. Und dennoch: Ein Verbot der Organisation, die sich selbst mit einem gottgegebenen Selbstverständnis als Religionsgemeinschaft sieht, hierzulande jedoch nach wie vor nicht als ebensolche anerkennt ist – und wohl auch nie werden wird-, wird von den Innenministern der Länder zwar immer mal wieder in schöner Regelmäßigkeit auf die Tagesordnung gehievt, wurde bislang allerdings noch in die Tat umgesetzt.

Ursula Caberta, ihres Zeichens von 1992 bis 2010 Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology bei der Behörde für Inneres der Hansestadt Hamburg, ist seit jeher strikte Befürworterin eines Verbots der Scientology Kirche in Deutschland. In mittlerweile zwei den „Kult“ thematisierenden Büchern setzt sie sich ausführlich mit der kontrovers diskutierten Gruppierung auseinander und liefert Fakten, die für ein – zumindest in ihren Augen – längst überfälliges Verbot sprechen.

Schwarzbuch Scientology
von Ursula Caberta
2009, Sachbuch, 249 Seiten
Goldmann Verlag

Die Autorin
Ursula Caberta, geb. 1950 in Hamburg, ist diplomierte Volkswirtin und leitete von 1992 bis 2010 die Arbeitsgruppe Scientology bei der Behörde für Inneres in Hamburg. Seit dem 1. Januar 2011 ist sie Ministerialreferentin für neureligiöse, ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen bei eben dieser Behörde. Caberta ist darüber hinaus regelmäßiger Gast in themenbezogenen Talkrunden im TV, sowie Autorin mehrerer erfolgreich verlegter Sachbücher, die sich dem Thema Scientology widmen, unter anderem von „Schwarzbuch Scientology“ aus dem Jahre 2009, sowie ihr aktuelles Buch „Kindheit bei Scientology: Verboten!“, welches 2010 erschienen ist.

Inhalt
„Scientology drängt nach einer längeren Phase der Zurückhaltung wieder machtvoll in den Fokus der Öffentlichkeit. Was genau ist Scientology? Wie rekrutiert die sogenannte „Religion“ ihre Gläubigen? Und wie werden ihre Mitglieder manipuliert? Die Scientology-Expertin Ursula Caberta informiert umfassend und anschaulich über Entstehung, Philosophie und Methoden der Organisation. Ein erschütterndes aufklärendes Buch über die Gefahren von Scientology und darüber, wie wir uns – und vor allem unsere Kinder – vor ihnen schützen können.“ – Quelle

Der erste Satz

„Die Scientology-Organisation ist keine Religionsgemeinschaft.“

Kritik
Mit der Thematik Scientology beschäftige ich mich schon eine ganze Weile. Vor ein paar Jahren ging ich sogar so weit, L. Ron Hubbards wuchtigen Ratgeber „Dianetik – Der Leitfaden für den menschlichen Verstand“ zu lesen, welcher die – zumindest nach Meinung aller Scientologen – unumstößliche Glaubensgrundlage von Scientology darstellt, ähnlich dem Stellenwert, den die Bibel im Christentum oder der Koran in der muslimischen Welt inne hat. Zudem gibt es im Internet mittlerweile eine Reihe lesenswerter Blogs und Websites, die sich mit der gesellschaftlichen Diskussion rund um Scientology befassen. Insofern war vieles von dem, was Autorin Ursula Caberta in ihrem „Schwarzbuch Scientology“ thematisiert, nicht wirklich etwas grundlegend Neues für mich – und dennoch lesenswert!

Caberta, die ihrerseits auf einen reichen Erfahrungsschatz mit Scientology verweisen kann und ganz nebenbei auf der Blacklist der Scientologen als „Supressive Person“ (SP) geführt wird, nimmt den Leser mit auf eine erschreckende Reise in die Parallelgesellschaft Scientology. Sie deckt auf, was Scientology eigentlich ist, nämlich ein gewinnorientiert agierendes Wirtschaftsunternehmen, das seine Mitglieder oftmals in den finanziellen Ruin getrieben zu haben scheint, denn gemeinnütziger Verein, bzw. Kirche, befasst sich mit dem zweifelhaften Einfluss, den Scientology insbesondere in den USA auf die Öffentlichkeit und Unternehmen hat, mit dem trügerischen Kampf der Organisation für Menschenrechte und gegen Drogen sowie mit Scientologys Lobbyarbeit gegen die Psychiatrie, thematisiert geradezu grotesque Auswüchse wie die Sea-Org, eine paramilitärische Gruppierung von Elite-Mitgliedern innerhalb der Organisation, das geheimdienstähnliche OSA (Office for Special Affairs), sowie eigens eingerichtete „Umerziehungslager“ (RPF; Rehabilitation Project Force) in den USA, Australien, England und Dänemark, in die schlingernde Gläubige gesteckt werden, um sie langfristig gesehen wieder „auf Kurs“ zu bringen. Caberta schreibt von Aussteigern, welche nach ihrem Austritt die grauenhaften Machenschaften hinter den Kulissen von Scientology aufgedeckt haben, berichtet von ehemaligen Mitgliedern, die nach ihrem uastritt vom Kult öffentlich geächtet und gebrandmarkt wurden, von ganzen Familien, die auf Geheiß „von oben“ auseinander gerissen wurden, von Menschen, die in den Tod getrieben wurden. – Ein wirklich sehr weit gefastes Themenspektrum, welches in diesem Buch behandelt wird. All das ist so unheimlich verstörend zu lesen – dennoch ist das Geschilderte nicht aus der Luft gegriffen, sondern harte Realität. Das System Scientology ist Wirklichkeit.

Leider ist das „Schwarzbuch Scientology“ bei aller berechtigten Kritik an Scientology und seinen global operierenden Auswüchsen eine sehr einseitige Angelegenheit. Verantwortliche aus der Organisation kommen so gut wie nicht, beziehungsweise überhaupt nicht zu Wort. So verkommt das Buch ein wenig zu einem steten (berechtigten) Anprangern, ohne dass die beschuldigte Gegenseite eine Chance erhält, auf die erhobenen Vorwürfe adäquat zu antworten. Auch der ziemlich verkomplizierte Schreibstil der Autorin stößt ein wenig unangenehm auf. Passagenweise drängt sich dem geneigten Leser der Eindruck auf, dass seitens Ursula Caberta, bzw. des verlegenden Goldmann Verlags / Gütersloher Verlagshaus (gehören beide zur Verlagsgruppe Random House und somit zur Bertelsmann AG) auf ein engagiertes Lektorat wohl bewusst verzichtet wurde, um die Kosten zu drücken. So hat sich der ein oder andere Zeichensetzungsfehler eingeschlichen und immer mal wieder wird man mit teils krassen Sinnsprüngen konfrontiert, welche der eh schon verschachtelten Schriebe sei Dank gleich doppelt schnell ins Auge springen. – Vermeidbar.

Nichtsdestotrotz ist das Buch eine gute Sache. Denn es klärt die in meinen Augen immer noch viel zu unwissende, in einigen Fällen sogar verharmlosende Öffentlichkeit auf, prangert unmissverständlich und in aller gebotenen Ausführlichkeit die dubiosen Machenschaften an, welche die Scientology-Organisation unter dem Deckmantel der freien Religionsausübung in Deutschland und nicht zuletzt auf der ganzen Welt praktiziert, und lässt den geneigten Leser mit einem ungläubigen Kopfschütteln zurück.

In diesem Sinne: Herr Beckstein, bitte handeln Sie!

Fazit
Ursula Caberta bietet mit ihrem „Schwarzbuch Scientology“ einen umfassenden, gut strukturierten, bedauerlicherweise jedoch sehr einseitig ausgefallenen Einblick hinter die Kulissen der Scientology-Organisation. Das Buch ist zugleich spannende wie informierende Lektüre, geeignet für jeden, der sich mit der Thematik befasst oder vor hat, eben dies zu tun. – „Schwarzbuch Scientology“, ein lohnendes Standardwerk zum Reizthema Scientology.

— InaiMathi, am 12. April 2012

Schwarzbuch Scientology

Genre: Sachbuch
Veröffentlichung: 2009
Umfang: 249 Seiten
Autor: Ursula Caberta
Verlag: Goldmann Verlag
Wertung
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