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InaiMathi Blog

Samuel Koch - Zwei Leben

Samuel Koch - Zwei Leben - © Adeo Verlag

Ein gemütlicher Samstagabend vor dem heimischen Fernseher im Dezember 2010: Obwohl ich „Wetten, dass..?!“ schon seit einiger Zeit nicht mehr zu meinem absoluten TV-Pflichtprogramm zähle, hatte ich es in Erwartung spannender Wetten mal wieder eingeschaltet. Später am Abend betrat Wettkandidat Samuel Koch die Bühne. Er war ungefähr in meinem Alter, kam ehrgeizig rüber, hatte einen unbedingten Siegeswillen in seinen Augen. Doch als er Thomas Gottschalk und dessen Co-Moderatorin Michelle Hunziker seinen wagemutigen Wetteinsatz präsentierte, dachte ich mir sogleich: „Scheiße, der hat sie doch nicht mehr alle! Wenn das schief geht…“. Der Rest ist Geschichte powered by deutschem Betroffenheits-Journalismus.

Im April diesen Jahres erschien mit Christoph Fasels „Zwei Leben“ im christlichen Adeo Verlag die erste offizielle Biographie von Samuel Koch, in welcher das – zugegebenermaßen – höchst tragische Schicksal des jungen Mannes ein weiteres Mal medial aufgewärmt, breitgetreten und wie schon so oft in aller Ausführlichkeit ausgeschlachtet wird. Ein Schelm wer sich entsprechende Gedanken macht. Oh, und Samuels „Freund“, der ehemalige ZDF-Showdino und gescheiterte ARD-Vorabend-Talker Thomas Gottschalk hat sogar ein kurzes Vorwort beigesteuert! – Es folgt meine ausdrückliche, rein subjektive Buchrezension zu „Samuel Koch – Zwei Leben“…

Samuel Koch – Zwei Leben
von Christoph Fasel
2012, Biographie, 205 Seiten
Adeo Verlag

Der Autor
Christoph Fasel ist Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Medien in Calw. Er arbeitete zuvor als Redakteur und Reporter für die Zeitschriften „Stern“ und „Eltern“ sowie als Chefredakteur der deutschen und österreichischen Ausgabe von „Reader’s Digest“ und leitete die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg.

Inhalt
„Samuel Koch sitzt im Rollstuhl. Er ist vom Hals abwärts gelähmt. Er kann noch nicht mal allein essen. Aber er kann denken und fühlen. Und er kann hoffen. Hier erzählt er von seinem Leben vor dem Sprung: wie er zu Wetten dass ..? kommt. Davon, wie der Unfall geschieht. Das ist der Augenblick, in dem sein zweites Leben beginnt: Schock, Verzweiflung, Schmerz und Wut. Doch er trifft die Entscheidung, nicht aufzugeben. Und an dem Glauben festzuhalten, der ihn trägt. Das radikal ehrliche Zeugnis eines jungen Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat und nur noch gewinnen kann. Eine Geschichte, die uns lehrt, die Kostbarkeit des Lebens neu zu schätzen.“ – Quelle

Der erste Satz

„Da stehe ich nun im gleißenden Scheinwerferlicht, eingerahmt von Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker.“

Kritik
Man gestatte mir zu Beginn eine Frage: Wo sind die verlegten Schicksalsgeschichten all derjeniger, die ein ähnliches Schicksal teilen, aber eben nicht auf die verdammt idiotische Idee kamen, todesmutig mit Sprungfedern an den Füßen über das heranrasende Auto ihres Vaters zu springen, während ihnen parallel zig Kameras in die Fresse gehalten und sie dabei von einem Millionenpublikum zuhause vor dem TV begafft werden? Wo? Mit welcher Berechtigung werde ich von einem Samuel Koch penetrant mit seiner – ja – bewegenden, aber eben im Grunde auch vollkommen selbstverschuldeten Geschichte bombardiert? So leid es mir tut: Irgendwann muss verdammt nochmal auch mal Schluss sein! Geschehenes kann bedauerlicherweise nicht rückgängig gemacht werden. Und exakt aus diesem Grund lasse ich mir solche halsbrecherischen Aktionen im Vorfeld dreimal durch den Kopf gehen, bevor ich sie in geradezu draufgängerischer Manier in die Tat umsetze. Ihm war vollkommen klar, welche Gefahren sein Stunt mit sich bringt – er ist das Risiko eingegangen und hat letzten Endes einen sehr hohen Preis bezahlt. Punkt.

Doch nun zur Buchkritik, denn um diese soll es an dieser Stelle ja eigentlich gehen: In „Samuel Koch – Zwei Leben“ bekommt der interessierte Leser und Boulevard/Klatsch-Fan schlicht und ergreifend mehr vom selben vorgesetzt. Nochmals wird ausführlich wie eh und je geschildert, wie es dazu kam, dass Samuel Koch, seines Zeichens ehem. Stuntman und Schauspielschüler, gelähmt im Rollstuhl sitzt, mit wenig bis gar keinen Chancen, dass sich an diesem Zustand irgendwann noch einmal etwas ändern wird. Zudem skizziert der Autor Christoph Fasel die bisherige Lebensgeschichte Kochs nach. Doch bei allem gebührenden Respekt: Im Großen und Ganzen ist es nicht sonderlich viel, was da erzählt wird: Auch schon vor seinem schweren Unfall live im ZDF gab es den ein oder anderen Schicksalsschlag zu überwinden, geplatzte Träume, hoch gesteckte Ziele, eine gehörige Portion Ehrgeiz und und und. Alles in allem, so denke ich zumindest, eine recht normale Jugend, auch wenn man hier und da merkt, dass das draufgängerische schon immer im Naturell des jungen Mannes schlummerte.
Weiters erzählt Samuel Koch von seinem neuen Leben, der schwierigen ReHa, dem Umgang mit seiner Lähmung und seinem Alltag im Rollstuhl. Gleichzeitig macht er anderen, die es ebenso hart getroffen hat wie ihn, Mut, niemals aufzugeben, stets an sich zu glauben und für seine Ziele, und mögen sie auch noch so unerreichbar erscheinen, zu kämpfen.

Alles sehr löblich – doch um ehrlich zu sein, bietet mir die Samuel Koch-Biografie nicht allzu viel Neues, und dieser Umstand bringt einen recht üblen Nachgeschmack mit sich: Kochs Biografie wirkt wie ein Sammelsurium mit dem noch einmal richtig fett abkassiert werden soll, ehe der mediale Aufruhr um die Person Samuel Koch vollends versiegt. All das, was Koch im Rahmen von gerade mal knapp 200 Seiten aufgeschrieben hat (bzw. Christoph Fasel, denn Koch sah sich nicht imstande eigenständig zu formulieren), all die Aussagen, Aufmunterungen und Schilderungen seines „Wetten, dass..?!“-Unfalls sind natürlich sehr ergreifend – doch das darf meiner Meinung nach keine Entschuldigung dafür sein, dass ich den Großteil davon entweder in einem der inzwischen wirklich unzähligen Interviews mit ihm, oder zumindest in einem Beitrag über ihn, und sei es bei „RTL Exclusiv“ mit Frauke Ludowig, gelesen oder gehört habe. Und noch etwas: Zwar habe ich mir das Buch lediglich bei meiner Freundin ausgeliehen, und doch muss ich mich an dieser Stelle über den Preis aufregen: Für diesen ziemlich alten Wein in neuen Schläuchen soll ich dann auch noch vollkommen überteuerte 17,95 Euro auf die Ladentheke legen? Sehr dreist, wie ich finde.

Fazit
„Samuel Koch – Zwei Leben“ von Christoph Fasel ist eine Biographie, die die Welt nicht braucht auf die die Welt nicht zwingend gewartet hat. Wer sich mit Samuel und dessen folgenschweren Wettunfall noch ein weiteres Mal auseinandersetzen will, kann dies hervorragend erledigen, indem er dieses Buch liest. Es bietet eine großartige Zusammenfassung von all dem, was in den vergangenen gut anderthalb Jahren von und über Samuel Koch in den hiesigen Medien zu lesen, hören und sehen war. Dennoch: Etwas wirklich Neues bietet die Bio nicht, und so können die üppigen 17,95 Euro, mit denen die „Zwei Leben“ zu Buche schlägt, auch getrost als rausgeschmissenes Geld angesehen werden – wenn man denn dem medialen Hype nicht widerstehen konnte und direkt am Erstverkaufstag zugeschlagen hat.

— InaiMathi, am 15. Mai 2012

Samuel Koch - Zwei Leben

Genre: Biographie
Veröffentlichung: 2012
Umfang: 205 Seiten
Verlag: Adeo Verlag
Autor: Christoph Fasel
Wertung
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