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InaiMathi Blog

Rockstar Games präsentiert: Tischtennis

Rockstar Games präsentiert: Tischtennis - © Microsoft Game Studios

Normalerweise verbinden gestandene Gamer mit dem Entwicklerteam Rockstar Games eher harte Videospiel-Franchises wie „Grand Theft Auto“ (GTA) und allerhöchstens noch Ausreißer wie den Auftakt zur nicht minder brutalen Western-Saga „Red Dead Redemption“ oder auch den interaktiven Film Noire „L.A. Noire“ (uncut) – das war’s. Wer sich jedoch die Mühe macht und ein wenig tiefer im Portfolio des amerikanischen Entwicklerstudios stöbert, stößt mit Sicherheit irgendwann auf einen Titel, den man so nicht erwartet hätte: „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“.

Bei dem Spiel handelt es sich, wie sein Name bereits höchst subtil andeutet, um eine knallharte Simulation der hierzulande unfassbar nischigen Randsportart Tischtennis. Doch die hat es in sich und setzt nach wie vor Standards in ihrem kleinen aber feinen Genre: Sowohl die zugrunde liegende Ballphysik als auch die Optik des Titels waren damals wie heute über jeden Zweifel erhaben, das Gameplay besticht ebenfalls durch seine hohe Dynamik und süchtig machendes Reinfuchspotential en masse. „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ erschien im Mai 2006 als einer der Launch-Titel für die damals noch blutjunge Xbox 360, die nach dem Willen Microsofts definieren sollten, wie das damals groß angepriesene „Next Generation-Gaming“ auf der redmond’schen Videospielkonsole auszusehen hat.

Ob dies den Rockstars letzten Endes wirklich gelungen ist, klärt meine ausführliche Videospielkritik zur Tischtennis-Simulation aus dem Hause Rockstar Games, einem der unterschätztesten Games für die Xbox 360.

Rockstar Games präsentiert: Tischtennis
Simulation, 2006
Rockstar Games
www.RockstarGames.com

Trailer

Beschreibung
„‚Rockstar Games präsentiert: Tischtennis‘, die realistischste und packendste Sport-Simulation aller Zeiten, vermittelt ungefiltert die ganze Energie und Dynamik eines knallharten Wettkampfes für die neue Konsolen-Generation.“ – Quelle

Kritik
Seien wir zur Abwechslung einfach mal ehrlich: Tischtennis ist in hiesigen Landen nicht unbedingt die verbreitetste Sportart wo geben tut. Ja, der ein oder andere mag es vielleicht im Verein spielen und sich nun massiv auf den Schlips getreten fühlen, schon klar, wieder andere schnappen sich Schläger und Bälle und geben sich auf dem örtlichen Spielplatz schräg gegenüber der Schaukel die Kante. Doch richtig verbreitet ist die Sportart Tischtennis nicht wirklich. Und so ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass sich da draußen, anders als beispielsweise im Falle von Fußball oder Eishockey, kaum bis überhaupt keine Videospiel-Umsetzungen zum Thema Tischtennis finden. Diese klaffende Marktlücke ist wohl auch den Jungs und Mädels von Rockstar San Diego in einem ihrer Team-Meetings aufgefallen und so ist man hingegangen und hat aus einer ursprünglich als reine Technologie-Demo für das damals noch in Entwicklung befindliche Gangster-Epos „GTA IV“ konzipierten Tischtennis-Simulation ein vollwertiges Spiel gemacht: „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“. Die Simulation erschien Mitte des Jahres 2006 als einer der ersten Exklusivtitel für Microsofts neue Xbox 360-Konsole. Ein paar Jahre später kam auch eine angepasste Version für die Nintendo Wii auf den Markt, allerdings reicht diese bei weitem nicht an die Klasse des Originals heran – trotz Steuerung mittels Wii-Controller.

„Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ bietet dem geneigten Fan der wohl schnellsten Ballsportart der Welt insgesamt drei Spielmodi: Im Singleplayer wären dies zum einen ein Turnier-Modus, in welchem man in zig Shoot-Outs gegen diverse Gegner um gepresstes Edelmetall kämpft, zum anderen ein seperater Trainings-Modus, um seine Künste am Netz auch zwischendurch perfektionieren oder sich auf einen neuen Charakter einspielen zu können. Darüber hinaus besteht im Multiplayer die Möglichkeit, lokal an einer Xbox 360-Konsole gegeneinander anzutreten, oder man verbindet sich über Microsofts nach wie vor kostenpflichtigen Onlinedienst Xbox LIVE mit einem Mitspieler. Der Multiplayer-Modus über Xbox LIVE bietet zudem ein komfortables Matchmaking-Feature, allerdings finden sich auf diesem Weg mittlerweile nur noch sehr selten geeignete Mitspieler, was mit dem doch schon recht betagten Alters des Spiels zu begründen ist.

Ärgerlich: Den Singleplayer-Modus von „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ haben auch weniger geübte Tischtennis-Cracks relativ zügig durchgezockt; nach ungefähr zehn Spielstunden, tendenziell geht’s sogar schneller, hat man hier so ziemlich alles erreicht, was erreicht werden kann: alle Opponenten sind an die Bande gespielt und die ersten hart errungenen Medaillen drohen in der Vitrine vornehme Patina anzusetzen. Wer so etwas wie Freunde sein Eigen nennt, kann sich jedoch in den bereits thematisierten Mehrspieler-Modus retten und auch dort trotz fehlender Matchmaking-Funktion noch eine ganze Menge Spaß haben. Im direkten Vergleich macht der Multiplayer – wie das bei Sportspielen mit übergeordnetem Wettkampfgedanken allgemein hin so ist – sogar noch weitaus mehr Spaß als der direkte Fight gegen die Computergegner. Die KI ist zwar bei weitem kein Totalausfall, wirklich schlau spielt sie dennoch nicht und ihre Aktionen und Spielzüge sind schon nach wenigen Matches relativ vorhersehbar.

Im Spiel gibt es mehrere Kontrahenten, die sich von ihren Statistiken her grundlegend voneinander unterscheiden: Die einen brillieren durch ihre gewieften Aufschläge, andere versuchen mit purer Kraft zu punkten, wieder andere sind bemüht, über das direkte Spiel am Netz zum Erfolg zu kommen, und ganz andere versuchen einen weit hinter den Tisch zurückzudrängen und auf diese Art ihre Schläge durchzubringen. Dann gibt es noch die eher unspektakulären 0815-Charaktere, von denen zu Spielbeginn sechs an der Zahl zur Verfügung stehen. Als da wären Haley (USA), Liu Ping (China), Jesper (Schweden), Kumi (Japan), Mark (USA) und Luc (Frankreich). Weitere können nach und nach freigeschaltet werden, indem im Karriereverlauf bestimmte Erfolge / Xbox-Achievements errungen werden. Ebenfalls freigeschaltete werden können weitere Wettkampfarenen. Zu Beginn stehen lediglich drei Stadien zur Auswahl: eine eher düster gehaltene Halle im Tischtennis-Mekka China, sowie eine Arena in Frankreich, sowie eine in den USA. Die einzelnen Örtlichkeiten unterscheiden sich lediglich durch ihre grundverschiedene Optik voneinander, weitere tiefgreifende Auswirkungen auf den Verlauf eines Matches haben sie nicht.

Die Steuerung von „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ geht auch tendenziell eher ungeübten Spielern leicht von der Hand. Zugegeben: Ein wenig Einarbeitungszeit braucht es durchaus, bis man sich mit den Besten der Besten an der Platte auf Augenhöhe messen kann, doch auch zu Beginn feiert man Dank eines wirklich gelungenen Tutorials, in dessen Rahmen dem Spieler alle wichtigen Angriffs- und Defensiv-Aktionen beigebracht werden, schnell erste sehenswerte Erfolge! In der Standardkonfiguration wird der eigene Charakter mit Hilfe des linken Sticks vor der Tischtennis-Platte hin und her bewegt, die einzelnen Schlag-Variationen wie gerader Schlag, angeschnittene Schläge mit Spin nach rechts, bzw. links, hohe Stopbälle, etc. liegen auf den Knöpfen A, B, X und Y. Spezielle Moves, die so genannten Game Breaker, die nur genutzt werden können, wenn sich die Fokus-Anzeige des Charakters im Verlauf eines Matches mittels durchgebrachte Schläge, gut getimte Returns, exakt an die Tischkante gespielte Aufschläge und weitere gelungene Aktionen entsprechend aufgefüllt hat, werden mit den Schultertasten des Xbox 360-Controllers ausgelöst.

Die Grafik der Tischtennis-Simulation aus dem Hause Rockstar Games ist auch noch heute, mehr als sechs Jahre nach dem ursprünglichen  Release des Titels, über so gut wie jeden Zweifel erhaben. In „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ kommt eine dezent aufgebohrte Version der Grafik-Engine aus dem Gangster-Epos „GTA IV“ zum Einsatz, was schlicht und ergreifend an der Tatsache liegt, dass es sich bei der Tischtennis-Sim einst um eine Tech-Demo gehandelt hat, mit der auf verschiedenen Messen die Technologie aus dem damals noch in der Entwicklung befindlichen „GTA IV“ veranschaulicht werden sollte. Die Charakter-Modelle sind grandios detailliert, machen einen äußerst realistischen Eindruck und wurden darüber hinaus sehr ansehnlich modelliert. Auch auf die kleinen Details wie auf der Stirn perlender Schweißtropfen, realistische Falten werfende Trikots und stilecht spiegelnder Hallenboden wurde geachtet. Ach, und bevor jemand nachfragt:  Ja, der Ball wurde tatsächlich aus ausreichend vielen Polygonen modelliert, dass er in den zahlreichen, nach einem beendeten Satz eingespielten Replays wirklich rund ausschaut. Die Bewegungen der Athleten, welche in meinen Augen schwer nach Motion Capturing aussehen, wirken jederzeit flüssig und homogen. Nichts ganz mithalten können da die verschiedenen Wettkampfarenen, in denen die spannenden Matches stattfinden: Der Fokus des Spiels liegt ganz eindeutig auf dem Geschehen auf der Tischtennisplatte, was rechts und links daneben so abgeht, war den Entwicklern eher unwichtig. In den Replays sind hinter den mit fiktiven Sponsoren zugekleisterten Werbebanden zwar ab und an mal jubelnde Fans und applaudierende Zuschauer zu sehen und mittig des Feldes sitzt der Schiedsrichter auf seinem kleinen Hochsitz und führt durch die Partie, doch das war es auch schon mit der Atmosphäre abseits der Platte. An die mittlerweile ausgesprochen detailliert gestalteten Fußball-Stadien, wie man sie beispielsweise aus EA Sports „FIFA“-Reihe und „Pro Evolution Soccer“ von Konami her kennt, kommen die eher tristen und wenig abwechslungsreichen Hallen aus Rockstars Tischtennis-Sim jedenfalls bei weitem nicht heran!

Dafür glänzt der Titel mit seinen inneren Werten, – um genau zu sein mit seiner grandiosen Physik-Engine! Die ist den Machern von Rockstar San Diego nämlich außerordentlich hervorragend gelungen! Bälle verspringen, bleiben am Netz hängen, ziehen physikalisch korrekt im Flug leichte Kurven, verhalten sich Dank eines beim Schlag mitgegebenen Dralls so unvorhersehbar für den Gegner, dass es eine wahre Freude ist. Dennoch hat man immer die Kontrolle über das Spielgeschehen, kann planen, tricksen und sein Gegenüber täuschen. Kurzum: Das Geschehen auf, vor und hinter der Tischtennisplatte fühlt sich einfach echt an. Ich persönlich habe bis dato noch in keinem Videospiel ein so dermaßen realistisch und lebensnah simuliertes Spielgerät erlebt. Punkt!

Die Soundkulisse des Spiel ist hingegen nicht sonderlich berauschend – jedoch für das, was es ist, ausreichend. Während der Matches sind hier und da Anfeuerungsrufe mitgereister Fans zu hören, vereinzelt vernimmt man auch mal rhythmisches Klatschen oder nach besonders gelungenen Ballwechseln sogar tosenden Applaus. Den einzelnen Charakteren wurden zudem typische Laute (u.a. kraftvolles Stöhnen, wie es der geneigte Tennis-Fan zu schätzen weiß) sowie ein paar kurze prägnante Signature-Statements auf die DVD gepresst, die sich allerdings recht schnell wiederholen. Bei besonders intensiven Fights am Netz und während den nach jedem Satz einsetzenden Wiederholungen faded zudem eine treibende Musikuntermalung ein. Allerdings gibt es lediglich drei Tracks, die sich zudem sehr ähneln. Man sollte also nicht allzu viel erwarten, sprich: einen ausgewachsenen Soundtrack hat das Spiel mangels entsprechendem Budget nicht spendiert bekommen. – Dennoch: Unter’m Strich rundet die Soundkulisse des Spiels den durchweg positiven Gesamteindruck stimmig ab.

Fazit
So akurat wurde die Randsportart Tischtennis noch nirgends umgesetzt: die Ballphysik ist den Machern von Rockstar San Diego superb gelungen, die Optik des Titels noch immer absolut sehenswert und trotz ihres bereits recht betagten Alters von mittlerweile gut und gern sechs Jahren über jeden Zweifel erhaben! Der GTA-Entwickler hat mit „Rockstar Games präsentiert: Tischtennis“ für Xbox 360 eine Sportsimulation der Superlative abgeliefert, die nicht nur Fans der schnellsten – und vielleicht auch unterschätztesten – Ballsportart der Welt begeistern wird. Der eher enttäuschende, da schnell durchgespielte Singleplayer-Modus wird von den launigen Multiplayer-Matches gegen echte Freunde und Gegner in aller Welt via Xbox LIVE mehr als wettgemacht!

— InaiMathi, am 8. Mai 2012

Rockstar Games präsentiert: Tischtennis

Genre: Sport-Simulation
Release: 2006
Spielzeit: 10 Stunden
Entwicklerstudio: Rockstar San Diego
Publisher: Microsoft Game Studios
Wertung
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