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InaiMathi Blog

RB Leipzig und die Wettbewerbsverzerrung

Gestern isses also passiert: Red B…, pardon, RasenBallsport Leipzig, das deutsche Fußballkonstrukt des österreichischen Brauseherstellers Red Bull, ist in die erste Fußball-Bundesliga aufgestiegen – als Tabellenzweiter hinter dem direkten Wiederaufsteiger SC Freiburg.

Nicht wenige deutschsprachige Medien wollen nun natürlich vom grassierenden Aufstiegs-Hype um RB Leipzig profitieren und überschlagen sich in beinahe schon perverser Frequenz mit vollkommen unkritischen Artikeln über den neuen „Bayern-Herausforderer No.1“ im Lande. Damit gehen besagte Medien auf direkten Konfrontationskurs zum gefühlten Gros der hiesigen Fußballfans, die mit RB Leipzig in der Regel aus Gründen, auf die ich später eingehen werde, nicht allzu viel anfangen können. Im Rahmen der Anfeindungen, die in Foren und Blogs zu lesen und in den Stadien der Republik zu vernehmen sind, wird, wie ich finde, oft als Argument gebracht, dass RB Leipzig kein Traditionsverein sei und allein aus diesem Grund in der höchsten deutschen Spielklasse nicht allzu viel verloren hätte. – Meiner Meinung nach, ist das ein überaus schwaches Argument, dass da gegen RB Leipzig aufgefahren wird.

Mal ehrlich: Aus welchem Grund bitte sollten nur Traditionsvereine das Recht haben, in der 1. Bundesliga gegen den Ball zu treten? Ich für meinen Teil bin jedenfalls der Meinung: Wenn ein Verein sportlich zu überzeugen weiß und infolge dessen irgendwann in die Bundesliga aufsteigt – und dies ohne die Finanzspritze(n) eines Gönners und/oder Investors geschafft hat -, ist es mir persönlich ziemlich egal, ob dieser 1860, 1948 oder erst 2004 aus der Taufe gehoben wurde. Bestens Beispiel ist doch der kleine Underdog Darmstadt: Die Lilien schleppen zwar auch einen ganzen Batzen Tradition mit sich durch die Gegend, haben sich jedoch rein über die sportliche Leistung für den Wettbewerb Fußball-Bundesliga qualifiziert und nun sogar sensationellerweise den Klassenerhalt in trockene Tücher gebracht! Und das alles mit einem überschaubaren Etat, dem mit Abstand kleinsten der Liga! So hat das zu sein, das ist Sport und ein Wettkampf wie er sein sollte! Solch einem Verein, seinen Spielern und den Verantwortlichen zolle ich höchsten Respekt!

Brausefabrikant Red Bull betreibt hingegen mit RasenBallsport Leipzig nichts anderes als Wettbewerbsverzerrung: Es begann bereits bei der Gründung im Jahr 2009 (sic!), als man einfach mal die Lizenz eines anderen Vereins unter den Nagel gerissen übernommen hatte, um das Projekt RB Leipzig nicht ganz unten im Niemandsland unter lauter Hobbykickern beginnen zu müssen, ging mit dem Aufstieg in die zweite Liga weiter, als regelmäßig „Spielermaterial“ von einem RB-Konstrukt zum anderen hin und her transferiert wurde (meist von Leipzig nach Salzburg und wieder zurück), und wird bis zum heutigen Tag munter fortgeführt. RB Leipzig für die 50-1 Regel der Deutschen Fußball-Liga ad absurdum, doch weder die DFL-Oberen noch die Medien scheint dies großartig zu stören – keine Ahnung, ob Red Bull mit entsprechenden Werbegeldern für Ruhe sorgt. Jedenfalls ist dies ein absolutes Unding und ein Schlag in die Fresse für Bundesligisten wie meinen geliebten 1. FC Köln, der gänzlich auf eigene Faust, soll heißen ohne finanzstarke Investoren im Rücken durch das nach wie vor schwierige Fahrwasser manövriert, – und das mit einem im Vergleich ziemlich lausigen Team-Etat in Höhe von um die 30 Mio. Euro pro Spielzeit! Ein Betrag, der beim Konstrukt aus Leipzig in nicht mehr allzu ferner Zukunft höchst wahrscheinlich für einen einzigen seiner Spieler draufgehen wird. Im großen Unterschied zu Darmstadt ist Leipzig eben kein kleiner Underdog, der sich nach oben in die erste Liga gekämpft hat, sondern ein Konstrukt, welches von seinem Besitzer Red Bull einen detaillierten Masterplan befolgend nach oben gepusht wurde.

Was etablierte Bundesliga-Konstrukte wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim bereits seit Jahren praktizieren, nämlich ihren bei Fußball-Enthusiasten nur auf ausgesprochen überschaubare Gegenliebe stoßenden Werbemaßnahmen kräftig Geld in den Allerwertesten zu pumpen, was meist die entsprechenden Tabellen-Endplatzierungen und eine entsprechende Werbewirkung zur Folge hat, wird vom Red Bull-Konstrukt RasenBallsport Leipzig nun auf die Spitze getrieben. Die geben sich schon seit längerem keine großartige Mühe mehr zu verschleiern, dass man es im Falle von RB Leipzig eben nicht mehr mit einem traditionellen Verein mit entsprechender Struktur zu tun hat, sondern stattdessen mit einem eiskalten Wirtschaftsunternehmen, welches für den Red Bull-Konzern als Werbeträger für seine Energy-Drinks fungiert und ausschließlich aus eben diesem Grund überhaupt existiert. Kommerz in reinster Reinkultur! Da können Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz und seine Mannen noch so viele Millionen in die Förderung von Jugendspielern investieren und ein Trainingszentrum nach dem anderen aus dem Boden stampfen: RasenBallsport Leipzig ist und bleibt eine seelenlose, wettbewerbsverzerrende Werbemaßnahme!

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass ein jedes Konstrukt, welches sich mit den Jahren in der deutschen Fußball-Bundesliga breit gemacht hat, einem durch sportliche Leistungen und solides Wirtschaften überzeugenden Verein einen Platz in der oberen Tabellenhälfte wegnimmt und dessen Möglichkeiten, von den eigenen sportlichen Erfolgen auch finanziell zu profitieren, drastisch mindert. Diese Entwicklung gilt es im Sinne eines fairen Wettbewerbs und nicht zuletzt des Sports zu verhindern! Zudem halte ich Zustande wie sie z.B. in der englischen Premier League vorherrschen, wo viele Clubs irgendwelchen schwerreichen Menschen aus Fernost oder russischen Tycoons gehören, die diese als ihre „Spielbälle“ ansehen, und Fans nur noch dafür gebraucht werden, die vollkommen überteuerten Ticket- und Merchandise-Preise zu berappen, ansonsten jedoch außen vor bleiben, für nicht sonderlich erstrebenswert!

Wettbewerbsverzerrung sollte das primäre Argument gegen RB Leipzig und andere Werbemaßnahmen sein. Nicht die ach so tolle Tradition, denn diese ist keine Leistung!

— InaiMathi, am 9. Mai 2016
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