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InaiMathi Blog

Review: Rise of the Tomb Raider

Rise of the Tomb Raider - © Square Enix

Mit Lara Croft, der vom britischen Designer Toby Gard ersonnenen, nicht minder britischen Archäologin aus Square Enix Adventure-Reihe „Tomb Raider“, verbindet mich eine ganze Menge: So war beispielsweise das alt-ehrwürdige „Tomb Raider 3 – Adventures of Lara Croft“ aus dem Jahr 1998, das unter Fans nach wie vor als einer der besten „Tomb Raider“-Teile gilt, eines der ersten Videospiele, das ich für meinen damals brandneuen ersten eigenen Windows-PC geschenkt bekommen habe. Und obwohl mir „TR3“ seinerzeit gut gefallen hat, mussten einige Jahre ins Land ziehen, um genau zu sein derer fünfzehn, bis der nächste Teil der ikonischen Videospiel-Reihe seinen Weg in meine Sammlung gefunden hat, was auch mit der immer weiter abnehmenden Qualität der einzelnen Spiele zu tun hatte.

Bei dem 2013 veröffentlichten „Tomb Raider – A Survivor Is Born“ handelt es sich bekanntlich um einen unter der Federführung von Square Enix, den nach der Komplettübernahme von Eidos neuen Inhabern der Markenrechten, und Entwicklerstudio Crystal Dynamics vorangetriebenen, meiner Meinung nach sehr gelungenen Reboot des Franchise. Nach vielen Jahren der spielerischen Belanglosigkeit fand die Reihe endlich wieder zu ihren spielerischen Wurzeln zurück, einhergehend mit einer gänzlich neu-positionierten Lara Croft, die deutlich bodenständiger, glaubwürdiger daher kommt. Nein, perfekt ist auch der Reboot nicht. Dennoch gehört „Tomb Raider“ zu meinen persönlichen All-Time Favorites.

Mit „Rise of the Tomb Raider“ ist am 11. Oktober 2016, und damit fast ein Jahr nach Release der zeit-exklusiven Xbox One-Version, die neueste Iteration des langlebigen Franchise nun endlich auch für PlayStation 4 erschienen. Und zwar in Form einer „20 Year Celebration Edition“, die neben Laras neuestem Abenteuer auch alle veröffentlichten DLCs beinhaltet. Wie sich „Rise of the Tomb Raider“ auf der Sony-Hardware schlägt, klärt meine ausführliche Review zur PS4-Version.

Rise of the Tomb Raider
2016, Action-Adventure, PlayStation 4 / PS4 Pro
Crystal Dynamics / Square Enix
www.TombRaider.com

Spieletrailer

Beschreibung
„Nach ihrem übernatürlichen Erlebnis auf Yamatai zieht es Lara Croft in das verschneite Sibirien, wo sie die verschollene Stadt Kitezh und das Geheimnis der Unsterblichkeit sucht. Die geheimnisvolle, paramilitärische Organisation Trinity ist ebenfalls hinter der Legende her und, um nicht in die Hände von Trinity zu fallen, muss Lara ihr gesamtes Fähigkeiten-Arsenal einsetzen. Dazu gehören neben, selbstgebastelten Waffen und ihrem Klettergeschick auch ein kühler Kopf, denn eine Vielzahl neuer Rätsel wartet. Schwindelerregende Höhen, reißende Stromschnellen, dichte Schneestürme und gewaltige Lawinen hinterlassen ihre Spuren und stellen Lara erneut vor große Herausforderungen!“ – Quelle

Kritik
„Rise of the Tomb Raider“ ist ein wahrlich episches Abenteuer. Das Hauptspiel allein bringt es bereits auf eine Spielzeit von gut und gerne 15 Stunden. Darin ist der umfangreiche Multiplayer-Modus, der ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Review ist, nicht mit eingerechnet. Die „20 Year Celebration“-Edition des Spiels enthält wie erwähnt noch die beiden DLCs „Baba Jaga“ und „Blood Ties“, die es zusammen auch noch mal auf knapp 5 Stunden bringen, je nachdem in welchem Stil man sie in Angriff nimmt. Letztgenanntes „Blood Ties“-DLC unterstützt zudem PlayStation VR, Sonys nach jetzigem Stand mehr oder minder gefloppte VR-Peripherie. Wer mag, kann dieses also auch aus der First-Person-Perspektive angehen. Zu viel versprechen sollte man sich von diesem Feature allerdings nicht, die VR-Erfahrung gleicht eher „betreutem Zocken“. Warum das so ist, lässt sich bei dem ein oder anderen YouTuber, der sich den VR-Part angetan hat, nachverfolgen. Ganz ehrlich: Scheiß auf Virtual Reality und den ganzen grassierenden Hype um unausgereifte VR-Technik! Das überwältigende Gros der Spielerschaft dürfte sich „Rise of the Tomb Raider“ sowieso ganz klassisch an der HD-Glotze vornehmen.

Obwohl ich im Vorfeld so meine Bedenken hatte, ob sich die lange Wartezeit lohnen würde, lässt sich glücklicherweise sagen: Den Machern von Crystal Dynamics ist mit „Rise of the Tomb Raider“ ein ganz großer Wurf gelungen! Das Game zeigt sich in nahezu jeder Hinsicht verbessert, – und das gegenüber einem Vorgänger, der ja wie eingangs erwähnt auch schon weiß Gott kein schlechtes Videospiel war, sondern lediglich hier und da ein wenig unrund und hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibend!

Die Geschichte von „Rise of the Tomb Raider“ präsentiert sich angenehm unaufgeregt. Im Mittelpunkt steht mit Trinity eine Gruppierung religiöser Fanatiker, deren charismatischer Anführer Konstantin sich die Erlangung von Unsterblichkeit auf die Agenda geschrieben hat. Seine Beweggründe sind dabei stets nachvollziehbar, was ihn zu einem glaubwürdigeren Gegenspieler macht als die dann doch ein wenig zu abgedrehte Geschichte des Reboots um eine hunderte Jahre alte wiedererweckte japanische Prinzessin, die nach Rache sinnt. Alles angenehm „down-to-earth“, nachvollziehbar und erwachsen inszeniert. Schön auch, insbesondere weil dies im Videospiele-Bereich nach wie vor nicht Standard ist: „Rise of the Tomb Raider“ bietet interessante Charaktere mit Tiefgang. Sei es nun Protagonistin Lara Croft, deren im Vorgänger begonnener Roter Faden – ihr Aufstieg zur legendären Archäologin, die den in en Schmutz gezogenen Namen ihrer Familie peu á peu wieder rein waschen will – weitergesponnen wird, seien es Laras verstorbener Vater Richard J. Croft, ihre Stiefmutter Ana, ihr bereits aus dem Vorgänger bestens bekannter Freund und Begleiter Jonah, oder eben der erwähnt starke Antagonist Konstantin. Wie im Fall einer neuen Staffel einer gut produzierten TV-Serie hatte ich auch bei „RotTR“ das wohlige Gefühl, liebgewonnene Charaktere wiederzusehen, für die ich mich interessiere, einfach weil ich es kann, weil Tiefgang und Weiterentwicklung geboten werden.
In Szene gesetzt wird die Handlung durch in jederlei Hinsicht grandiose Zwischensequenzen, die wie das inzwischen allgemein hin üblich ist allesamt in hochskalierter Spielegrafik ablaufen. Ich finde: Im gesamten Adventure-Genre gibt es kaum andere in vergleichbarer Qualität produzierte Zwischensequenzen, die fast schon kinoreif daher kommen; das hat schon echte Qualität! Meiner Meinung nach übertrifft „Rise of the Tomb Raider“ sogar das vielfach gepriesene vierte Abenteuer von Laras Langfinger-Kollegen Nathan Drake. Alles in allem fehlt es der Geschichte jedoch leider bis zum allerletzten Viertel, in welchem dann merklich durchgestartet wird, ein wenig an von der Couch reißenden „Wow!-Momenten“. Nicht falsch verstehen: Das gebotene Niveau ist hoch, die erzählte Geschichte durchweg interessant und fesselnd, doch den ein oder anderen unvorhergesehenen Peak gen Norden hätte ich mir trotzdem gewünscht.

Apropos Norden: Während Lara Croft im drei Jahre alten Prequel „Tomb Raider – A Survivor Is Born“ noch auf einer abgelegenen subtropischen Insel irgendwo vor der japanischen Küste zugange war, findet sie sich in „Rise of the Tomb Raider“ im hohen russischen Norden wieder. Genauer gesagt irgendwo im eisig-verschneiten Sibirien, sprich: am Allerwertesten der Welt. Im Vorlauf, gewissermaßen dem Tutorial des Spiels, erkundet Lara zudem ein geheimnisvolles Grab in der Wüste Syriens, – welch ein krasser Kontrast!
Die Macher setzten bei der Gestaltung der Spielwelt auf einen Mix aus abwechslungsreich gestalteten Open-World-Bereichen, die zum ausgiebigen Free-Roaming einladen, und deutlich weniger weitläufig angelegten Schlauchlevels, welche die einzelnen Areale miteinander verbinden. Man hat es also gewissermaßen mit einer „Open World Light“ zu tun. In sämtlichen Arealen finden sich zahlreiche Lagerfeuer, an denen munter gespeichert, Fertigkeitspunkte verteilt und Laras ausgerüstete Waffen und Gadgets angepasst werden können. Insbesondere in den Open-World-Bereichen finden sich zudem an jeder Ecke sammelbare Crafting-Materialien wie Holz, Erze, Federn, Kräuter sowie darüber hinaus umherstreifende Wildtiere, auf die Jagd gemacht werden kann, um beispielsweise Leder zu erbeuten. Einige Abschnitte wirken dabei jedoch geradezu „überladen“ mit Crafting-Materialien, verborgenen Schätzen und erkundbaren Höhlen und alten vor unbedarften Blicken gut verborgenen Gräbern. Quasi alle paar Meter stößt Lara auf etwas für sie (und den Spieler) Interessantes. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen!
Beeindruckend: Erst einmal im Spiel, soll heißen nachdem man das Laden des Spielstands überstanden hat, kommt „Rise of the Tomb Raider“ gänzlich ohne Ladepausen aus. Die Spielwelt wird im Hintergrund in den Speicher der PS4-Konsole gestreamt, exzessives Laden findet während der erwähnt superben inszenierten Zwischensequenzen statt, so dass der Spieler davon nichts mitbekommt.

Auch die aus dem Vorgänger bekannten optionalen Rätsel-Gräber, an deren Ende ein großer Schatz (z.B. Waffenteile, neue Outfits sowie Erfahrungspunkte) auf die emsige Archäologin wartet, sind wieder mit von der Partie! Komplett neu sind indes die ebenfalls optionalen Nebenmissionen, welche bei Interesse direkt in der Spielwelt angenommen werden können. Auf ihren Streifzügen durch das überwiegend unwirtliche Sibirien stößt Lara immer mal wieder auf Verbündete und andere Personen, die sie um einen mehr oder minder aufwendig zu erledigenden Gefallen bitten. Diese Nebenmissionen führen Lara in der Regel an bereits besuchte Örtlichkeiten zurück (meist in mehr oder minder verlassene Sowjet-Kasernen) und werden meist mit besonderen, im Verlauf der Handlung ansonsten nicht freizuschaltenden Items belohnt. Es winken abermals Waffenverbesserungen, neue Outfits für Lara und eine Menge Erfahrung.

Das Gameplay von „Rise of the Tomb Raider“ baut auf den Grundlagen des Vorgängers auf und wurde lediglich an einigen Stellen marginal feingetunt. Baller-Abschnitte, Geschicklichkeits-Passagen, ausgiebiges Ressourcen-Sammeln und die ein oder andere Rätseleinlage geben sich die Klinke in die Hand, wenngleich die Konfrontationen mit gegnerischen Söldnern wie schon im Vorgänger deutlich in der Überzahl sind. Dafür ist Crafting nun ein weitaus wichtigeres Spielelement, so dass das ausgiebige Erforschen der Spielwelt und das damit einhergehende Sammeln von potenziellen Crafting-Materialien wie Holz, Beeren, Federn, Pilzen u.a. nun deutlich mehr Sinn macht. Das Gros der überwiegend auf Physik basierenden Rätsel-Herausforderungen mit denen man sich konfrontiert sieht, ist mit logischem Denken lösbar. Da braucht es keinen Online-Guide und schon gar kein überteuertes Lösungsbuch. Alles in allem nennt „Rise of the Tomb Raider“ ein angenehmes Pacing sowie viel spielerische Abwechslung sein Eigen, was für Stunden an den Controller fesselt und keine Langeweile aufkommen lässt. Man hat als Spieler einfach stets Bock zu erfahren, was das Schicksal für unsere Heldin als nächstes bereit hält.
Wohin es Lara als nächstes verschlagen sollte, um dem roten Handlungsfaden weiter zu folgen, verrät ein schneller Blick auf die Weltkarte. Auf dieser sind sämtliche aktuellen Missionsziele, sowie die bereits aufgespürten Gräber, Ressourcen und sonstige interessante Locations eingezeichnet. Alternativ kann der Spieler auch Laras „Überlebenssinne“ nutzen, um sich durch eine nicht zu übersehende Lichtsäule den Weg zum nächsten Missionsziel anzeigen zu lassen. Ganz nebenbei werden zudem Feinde markiert und alle einsammelbaren Items auf dem Weg dorthin farblich hervorgehoben. Für meinen Geschmack macht diese Form der Navigation das Spiel jedoch zu einfach, von der darunter leidenden Immersion mal ganz zu schweigen. Wer mag, kann Laras viel zu übermenschlich erscheinende Überlebenssinne in den Einstellungen auch herunter regeln oder sogar vollständig deaktivieren. Letzteres würde ich ausdrücklich empfehlen!

In schöner Regelmäßigkeit kommt Lara zudem nicht drum herum sich mit feindlichen Söldnern, die sich der Trinity-Gruppierung angeschlossen haben, sowie der teils bedrohlich aggressiven Fauna wie z.B. herumstreunenden Wölfen und vereinzelten Braunbären auseinander zu setzen. Dabei fällt auf: Im Bereich der Gegner-KI hat sich seit dem Release des drei Jahre alten Vorgängers nicht allzu viel getan. Nach wie vor agiert die KI sehr berechenbar, nutzt zwar vorhandene Deckung eine Zeit lang zu ihrem Vorteil aus, stürmt dann jedoch irgendwann blindlinks auf Laras Position los, nur um sich bei der Gelegenheit eine Kugelsalve oder einen Pfeil ins Knie einzufangen. Alles in allem sollte die KI niemanden vor keine allzu große spielerische Herausforderung stellen. Gleichzeitig trägt gerade diese „beherrschbare“ KI zum angenehm flotten Pacing bei, was wiederum nicht schlecht ist. Immerhin handelt es sich bei „Rise of the Tomb Raider“ nicht um einen klassischen taktischen Cover-Shooter wie beispielsweise „Gears of War“ und Konsorten.
Neu ist die Möglichkeit, Lara in Büschenund anderer Vegetation in Deckung gehen lassen zu können und Gegner durch aufgesammelte und im richtigen Zeitpunkt geworfene Gegenstände wie beispielsweise Flaschen, Walkie-Talkies oder Dosen abzulenken, um sich ungesehen an ihnen vorbeischleichen oder einen tödlichen Stealth-Kill landen zu können. Aus eingesammeltem Unrat kann Lara nun sogar neue praktische Kampf-Utensilien basteln: So wird aus einer alten rostigen Dose in Kombination mit einigen eingesammelten Crafting-Materialien eine explosive Splittergranate, aus einer alten Whiskeyfalsche wiederum ein brandgefährlicher Molotow-Cocktail. Die Anfertigung ist sogar während laufender Kämpfe möglich! Außerdem können Körper getöteter Feinde speziell präpariert werden, so dass sie einen tödlichen Giftnebel freisetzen, wenn sie von anderen gegnerischen Kämpfern aufgespürt und untersucht werden.
Bereits besuchte und von Gegnern befreite Gebiete werden mit der Zeit wieder neu „bevölkert“, sei es durch Verbündete oder eben Feinde. Wer also beim Gebietswechsel nicht ausschließlich auf das erneut immens praktische Schnellreise-System setzt, bekommt es also hier und da mit feindlicher Gegenwehr zu tun. Dies gestaltet die Rückkehr in bereits vor einiger Zeit durchreiste Abschnitte, beispielsweise um eben dort nach Crafting-Materialien oder noch nicht aufgespürten Geheimnissen zu suchen, weniger langweilig.

Klassische Bosskämpfe gibt es in „Rise of the Tomb Raider“ bedauerlicherweise nicht. An mehreren Stellen im Spiel sieht sich unsere Lieblings-Archäologin zwar mit der ein oder anderen feindlichen Übermacht konfrontiert und auch das große Finale ist entsprechend aufwendig inszeniert. Nichtsdestotrotz heben sich diese Kämpfe nicht in krasser Manier vom restlichen Gameplay ab. Wer einen gut designten Boss sucht, sollte stattdessen das „Baba Jaga“-DLC in Angriff nehmen. Vor allem Retro-Gamer, die noch die good ol‘ Times erlebt haben, dürften ihre Freude haben!

Grundsätzlich sollte Lara für Konfrontationen it ihren Widersachern bestmöglich gewappnet sein. Dies geschieht nicht nur durch die Wahl der richtigen Waffen – zur Auswahl stehen die schon aus dem Vorgänger bekannte Kletteraxt, sowie mehrere verschiedene Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinten und Bögen, die sich allesamt mittels ihrer Stats voneinander unterscheiden -, sondern auch durch eine individuelle Skillung. Die toughe Archäologin kann sich mehrere Dutzend Fähigkeiten in den drei Kategorien „Kämpfer“ (Kampf), „Jäger“ (Crafting) und „Überlebender“ (permanente Boni) aneignen. Dies geschieht durch die Investition von Fähigkeits-Punkten, welche wiederum durch Levelaufstiege erworben werden. Weiters gibt es an besonders herausfordernden Örtlichkeiten der Spielwelt insgesamt zehn versteckte Spezial-Fähigkeiten zu entdecken. All dies sorgt zumindest in der Theorie für ein maßgeschneidertes Gameplay-Erlebnis, – und in der Tat: Je nachdem, welchen Skillpfad Lara im Verlauf ihres Abenteuers einschlägt – ob nun die direkte Konfrontation gesucht wird, man die feindlichen Schergen lieber aus der Distanz ausschaltet oder Kämpfe ganz zu umgehen versucht -, spielt sich „Rise of the Tomb Rider“ herausfordernder. Leider unlogisch: Lara scheint ihre im Vorgänger erworbenen Fähigkeiten schon wieder verlernt zu haben und beginnt wieder bei Null.

Für spielerische Abwechslung sorgen einige neue Tricks, die Lara mit ihrer verlässlichen Kletteraxt ausführen kann. So kann sie mit Hilfe des Kletteraxt-Lassos nun von der einen Seite eines Abgrunds zur anderen Schwingen oder gar die steilsten Wände erklimmen.
Gleichzeitig sei gesagt: Die durch Sprünge erreichbaren Kanten (erkennbar an ihren weissen Markierungen), ellenlangen Seilrutschen-Konstruktionen innerhalb der Levels, mit Brettern versperrten Durchgänge sowie die paar wenigen nur durch den Einsatz einer ganz speziellen Bogen/Pfeil-Kombination überhaupt erst erreichbaren Abschnitte wirken nach wie vor aufgesetzt und nicht sonderlich organisch in die Spielwelt eingefügt. Auch die Kletterabschnitte, soll heißen jene Abschnitte einer Felswand, an denen Lara mit Hilfe ihrer Axt entlang kraxeln kann, wirken oftmals wie Fremdkörper, da sie sich in der Regel maximal vom angrenzenden Untergrund abheben. Das hätte man bestimmt stimmiger hinbekommen können.
Ebenfalls neu sind diverse Survival-Outfits, auf welche die Protagonistin an Lagerfeuern zurückgreifen kann. Diese unterscheiden sich nicht nur durch ihre grundlegende Optik, sondern bringen teils auch spielerische Auswirkungen mit sich: Einige Outfits machen Lara immun gegen eine bestimmte Schadensarten, andere tarnen sie besonders effizient, wie das der ein oder andere vielleicht noch aus dem Survival-Klassiker „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ kennt. Und wieder andere schauen an der adretten Archäologin einfach nur gut aus. Freigeschaltet werden neue Outfits entweder durch spezielle Nebenmissionen, als Belohnung in Rätselgräbern oder durch den schlichten Umstand, dass man die Day-1-Edition von „Rise of the Tomb Raider“ in seiner Videospielsammlung weiß.

Die Steuerung von „Rise of the Tomb Raider“ wurde im Großen und Ganzen nahezu unverändert vom drei Jahre alten Vorgänger „Tomb Raider – A Survivor Is Born“ übernommen. Dies schließt auch die nach wie vor einen Tick zu unpräzisen, da schwammigen Richungsänderungen mit ein, die insbesondere bei Sprungpassagen, von denen es einige, wenngleich auch nicht sonderlich viele, im Spiel gibt. Mehr ist zur ansonsten gelungenen Steuerung nicht zu sagen. Und das ist in Zeiten, in denen nicht wenige Spiele durch und durch überfrachtete Steuerungs-Schematas ihr Eigen nennen, welche nicht selten auf absolute No-Gos wie doppelt belegte Buttons setzen, etwas Grundpositives!

„Rise of the Tomb Raider“ ist ein wunderschönes Videospiel, eines der grafisch beeindruckendsten der aktuellen Konsolengeneration, ein echtes Brett! Die PlayStation 4-Version ist dabei der Xbox One-Fassung überlegen, liegt in etwa auf dem Niveau eines guten Gaming-PCs bei sehr hohen Grafik-Einstellungen. Das Geschehen läuft in 1080p-Auflösung bei gleichzeitig stabil-ruckelfreien 30 FPS über den TV. Geboten werden fast durchweg knackig-scharfe Texturen, grandiose Licht- und Schatteneffekte, wunderschöne Partikeleffekte wie umherfliegender Staub, Schnee und Regen, großartig umgesetzte Eisflächen mit Spiegelungen, Glitzern und Funkeln der Eiskristalle, zudem beeindruckende wie farbenfrohe Explosionen und Feuereffekte, die des Nachts die Umgebung in ein wohlig illuminieren. Nicht minder beeindruckend ist, dass die Macher es tatsächlich geschafft haben, dass all diese Grafikpracht quasi keine merklichen negative Begleiterscheinungen wie zum Beispiel störende Popups mit sich bringt. Als Tech-Enthusiast gerät man angesichts der dann doch inzwischen schon recht betagten PS4-Hardware fast ins Schwärmen. Oh, und auf der neuen PlayStation 4 Pro schaut all dies sogar noch beeindruckender aus. Auf jeden Fall: Chapeau, Crystal Dynamics!
Ebenfalls eine echte Augenweide sind die Gestik und Mimik sowie die Animationen der Charaktere in den zahlreichen Zwischensequenzen des Spiels. Allen voran wäre hier natürlich die „attraktivste Lara Croft aller Zeiten“ zu nennen, die zu ihrem eigenen Vorteil in den vergangenen Jahren nochmals ein dezentes Makeover spendiert bekommen hat. Das kindlich-naive ist einer gewissen Toughness gewichen – und das ist auch gut so! Alles in allem kann man „Rise of the Tomb Raider“ auch in dieser Hinsicht eine hollywoodesque Qualität attestieren, die mindestens auf dem Niveau der Jungs und Mädels von Naughty Dogs „Uncharted“-Reihe angesiedelt ist.
Die einzigen grob-auffälligen technischen Unzulänglichkeiten sind vereinzelt auftretendes Kantenflimmern, sowie die hier und da passierende Clipping-Fehler bei der reichen Level-Vegetation und während einiger Exekutions-Moves. Auch der Umstand, dass einige Animationen (während Gameplay) nach wie vor zu hakelig ineinander übergehen und Lara beim Anlaufen über den Boden slidet anstatt sich mit den Fußsohlen auf eben diesem abzustoßen, stoßen ein wenig übel auf.

Auch die Soundkulisse ist den Machern ausgesprochen gut gelungen. Der Soundtrack von „Rise of the Tomb Raider“ ist hörenswert, allen voran das von Karen O performte, sehr atmosphärische Titelthema „Shall I Rise“, welches beinahe schon im „James Bond“-Stil daher kommt. Darüber hinaus setzt der Score auf einige bekannte Klänge aus dem Vorgänger, was dem Wohlfühlfaktor zuträglich ist.
Sehr gelungen ist zudem die deutsche Synchronisation. Nachdem sich im Vorfeld nicht wenige Fans darüber echauffiert hatten, dass Square Enix es doch tatsächlich gewagt hat sich von Nora Tschirner als deutsche Stimme von Lara Croft zu trennen und stattdessen auf Maria Koschny und somit auf eine professionelle Synchronschauspielerin zu setzen, kann ich sagen: Alles richtig gemacht! Koschny gefällt mir ausgesprochen gut als Laras deutsche Stimme, könnt‘ ich mich glatt dran gewöhnen, falls es doch noch einmal einen Filmumsetzung geben sollte. Da merkt man einfach, dass die Frau ihr Videospiel-Engagement nicht bloß als nette Gelegenheit für finanziell lukrative Selbstvermarktung ansieht, sondern seit vielen Jahren im Business ist und etwas von ihrem Handwerk versteht. Auch die Besetzung der restlichen Charaktere weiß durch die Bank zu überzeugen, so dass man von einer wirklich sehr starken, gelungenen Synchronisation sprechen kann. Square Enix halt.
Nein, die deutsche Sprachausgabe ist nicht wie etwa die englische lippensynchron, allerdings auch nicht unerträglich „off“, so dass dieser Umstand nicht allzu negativ ins Gewicht fällt.

Fazit
Die Jungs und Mädels vom verantwortlichen Entwicklerstudio Crystal Dynamics haben mit der „Rise of the Tomb Raider – 20 Year Celebration Edition“ nicht weniger als ein absolutes Meisterwerk abgeliefert: Angefangen mit der packenden, interessanten, nahezu perfekt in Szene gesetzten Geschichte, über kurzweiliges abwechslungsreiches Gameplay, das auch langjährige Fans des Franchise zufriedenstellen dürfte, bis hin zur in fast jeder Hinsicht brillanten technischen Umsetzung, die mit das Beste ist, was es im Adventure-Genre auf PlayStation 4 dieser Tage zu bestaunen gibt. Für mich persönlich gehört „Rise of the Tomb Raider“ in die Top-3 der besten Videospiele des Jahres 2016!

Wer braucht schon Nathan Drake, wenn er an der Seite von Lara Croft Abenteuer erleben kann?

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