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InaiMathi Blog

Weight Watchers, oder: Der heilige Apfel für die Generation Adipositas

Weight Watchers…oder halt für Dumme, die ernsthaft der Meinung sind, striktes Essen nach Punkten und allwöchentliches Rudelwiegen helfe ihnen langfristig gesehen wirklich beim Abnehmen – und sich darüber hinaus von dem Verein das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Sorry, falls ich einen meiner Leser nun beleidigt haben sollte, aber ja, ich finde Leute, die auf Weight Watchers „hereinfallen“, tendenziell eher dämlich.

Seit einigen Wochen lese ich im einschlägigen Teil meiner Twitter-Timeline immer mal wieder von ein paar Leutchen, sie hätten vor oder seien bereits voll dabei, durch eine Mitgliedschaft bei Weight Watchers ein paar Kilo abzunehmen. Ich denke mir bei solchen Tweets dann meistens meinen Teil – und hab auch ein bisschen Mitleid mit den Leuten, denn jene, die auf eine solche – zumindest in meinen Augen – recht sektenähnliche Gruppierung reinfallen, schleppen entweder in ihrem nicht vorhandenen Portemonnaie zu viel Geld mit sich durch die Gegend, oder wissen es schlicht nicht besser – und sind darüber hinaus auch noch ein ganz hervorragendes Beispiel für den gelebten Rudelzwang. Und das ist so oder so ziemlich traurig, denn: Das Geschäftsmodell des eingangs genannten und einiger anderer „Abnehmvereine“ ist es nicht, wie ihre Mitglieder größtenteils scheinbar allen Ernstes wirklich glauben, den Leuten beim erfolgreichen Abnehmen zu helfen, sondern einzig und allein sie langfristig an sich zu binden und sich selber und ausschließlich sich selber Geld in die Kasse zu spülen!

Wie ich zu dieser Annahme komme? Nun…

  1. WW-Mitglieder „essen nach Punkten“. Wie diese Punkte zustande kommen, ist nicht klar ersichtlich. (Wäre ja auch doof, immerhin basiert darauf das gesamte Geschäftsmodell des Unternehmens.)
  2. Die Treffen, inkl. des gemeinsamen Wiege-Tags verstärkt das Wir-Gefühl, den Zusammenhalt und bestätigt Mitglieder darin, etwas gutes, lohnenswertes getan zu haben – und beugt ganz nebenbei – getreu dem Motto: „Niemand will der arme Loser sein, der auf seinen Kilos sitzengeblieben ist“ – Kündigungen, bzw. vorzeitigen Austritten vor.
  3. Aufgrund der nicht vorhandenen Transparenz hinsichtlich der umgestellten Ernährung, fallen Mitglieder oftmals dem unschönen Jojo-Effekt anheim, wenn sie irgendwann mit WW aufhören.

Seien wir mal ehrlich: Wer mit Weight Watchers – oder jedem anderen Abnehmprogramm, anfängt, hat in der Regel einige Pfund zuviel auf den Rippen und möchte diese zwingend loswerden. Entweder weil sie sich einem aufdoktrinierten Schönheitsideal anpassen wollen oder aber – solche Fälle gibt es natürlich auch – um etwas für ihr individuelles Wohlbefinden zu tun, da sie aufgrund ihres Übergewichts oftmals körperliche Probleme mit sich herumschleppen. Solche Leute stellen die Kernzielgruppe von WW und anderen Anbietern so genannter schneller und unkomplizierter „Abnehmkurse“ dar.

Das Prinzip von Weight Watchers basiert – stark verknappt widergegeben – darauf, sich über den Tag hinweg nach Punkten zu ernähren und eine von Mitglied zu Mitglied jeweils individuell vorgegebene Punktezahl dabei nicht zu überschreiten. Jedes Nahrungsmittel nennt dabei eine von WW vorgegebene Punktezahl sein Eigen. Wie diese Punktezahl errechnet wird, ist allerdings nicht klar, bzw. von den Mitgliedern verschwiegen, was viele einfach so hinnehmen: Ausnahmslos in jedem Fall, wenn ich hingegangen bin und ein Weight Watchers-Mitglied gefragt habe, warum denn beispielsweise ein Gurkensandwich auf so und so viele Punkte kommt, bekam ich keine Antwort auf meine gestellte Frage. „Weil’s eben so ist“, war schon das höchste der Gefühle. – Und genau da fängt es an: Das Gros der Mitglieder vertraut sich dem Verein an, ohne die Gegebenheiten, mit denen sie klar kommen müssen, zu hinterfragen, was nicht nur allein überaus naiv ist, sondern darüber hinaus auch noch sehr gefährlich.

Ja, selbstverständlich ist es das! Aber da bei Weight Watchers ja bekanntlich niemand mit seinem überschüssigen Hüftgold alleingelassen wird, sehen zahlende Mitglieder in der Regel darüber hinweg. Was mich zum nächsten der oben aufgeführten Punkte bringt: dem Wir-Gefühl. Ein weiteres Element von Weight Watchers ist der so genannte Wiegetag. Der findet einmal in der Woche statt und hat einzig und allein den Sinn und Zweck, ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitgliedern und daraus resultierend eine Verbundenheit mit der Marke Weight Watchers entstehen zu lassen, um Mitglieder möglichst lange an sich zu binden und somit die Finanzen zu maximieren. Gerät ein WW-Mitglied einmal ins Taumeln, wird es durch die anderen in der Gruppe schnell wieder auf Linie gebracht. Außerdem will niemand der erbärmliche Loser sein, der letzten Endes durch seinen vorzeitigen Austritt auf seinen Kilos sitzen geblieben ist, was die Kündigungsquote imho ebenfalls niedrig halten dürfte.

Und nun zum traurigsten Punkt der Auflistung, dem Jojo-Effekt, welcher einige Bekannte von mir, die sich in der Vergangenheit auf Weight Watchers eingelassen hatten, um „fünf, sechs Kilo“ abzuspecken, heimgesucht hat: Wer sich auf Weight Watchers einlässt, bestreitet seinen Tag in der Regel mit einer umfangreichen Punktetabelle im Hinterkopf, auf der jeweils vermerkt ist, auf wie viele WW-Punkte einzelne Lebensmittel es so bringen. Alternativ gibt es auch spezielle Weight Watchers-Lebensmittel, die jeweils ziemlich lecker ausschauen und es – zumindest nach meiner rein subjektiven Wahrnehmung – auf deutlich weniger Punkte bringen als normale Lebensmittel aus dem Supermarkt von nebenan. Ein Großteil aller WW-Mitglieder dürfte also ab und an auch mal zur WW-Lebensmitteln greifen, was ebenfalls ausschließlich dem Unternehmen finanziell zugute kommt.
Weight Watchers-Jünger, die sich jedoch irgendwann entscheiden, den großartigen Abnehm-Club zu verlassen, schaffen es nach meiner Erfahrung aus dem Bekanntenkreis nur äußerst selten, ihr durch WW erzieltes Gewicht zu halten, sondern fallen dem berühmt-berüchtigten Jojo-Effekt anheim, was in eine mittelfristigen Gewichtszunahme resultiert, die meiner Meinung nach lediglich durch eine anständige Diät in Kombination mit Sport wieder korrigiert werden kann. Ein besonders krasses Beispiel: Eine Bekannte hat mit Hilfe von Weight Watchers in drei (!) Jahren 15 Kilo abgenommen. Nochmal ganz langsam: Drei ganze Jahre für nur 15 Kilo – somit 5 Kilo pro Jahr… das ist lächerlich wenig, insbesondere wenn ich bedenke, dass ich seinerzeit durch eine umstellte Ernährung und ein wenig abendlichen Sport über 10 Kilo im Monat verloren habe! Lediglich ein dreiviertel Jahr nach ihrem Austritt hatte sie bereits wieder rund 25 Kilo zugenommen, also letzten Endes 10 Kilo zugenommen, finanziell war sie jedoch um einiges ärmer! Warum? Ich persönlich schätze, es lag unter anderem an der aus Prinzip nicht vorhandenen Transparenz von Weight Watchers: Die Mitglieder (und deren Körper) werden an ein System gewöhnt, welches sich nach dem Austritt nur äußerst schwer weiter umsetzen lässt.

Das, meine Lieben, ist im weitesten Sinne das grundlegende Prinzip von Weight Watchers: Die Mitglieder an ein System gewöhnen, aus welchem sie so einfach nicht mehr heraus kommen, ohne mit den hüftgoldigen Konsequenzen konfrontiert zu werden, von denen sie eigentlich dachten, sie hinter sich gelassen zu haben. Klingt hart, ich weiß. Und somit verstehe ich nach wie vor nicht, aus welchem Grund genau WW-Mitglieder stolz darauf sind, diesem Verein eine ganze Menge Geld in den Rachen zu schmeißen, um nach Punkten leben und wöchentlich zum lustigen Gruppenwiegen gehen zu dürfen, um sich dort dann anzuhören, wie geil sie doch sind. Es ist mir ein absolutes Rätsel. Muss wohl was mit dem bestens bekannten „Apple-Effekt“ zu tun haben. Oder ihr seid einfach alle zu blöd, einen Blick auf die Packungsrückseite der Lebensmittel zu werfen. Kann natürlich auch sein.

So, das brannte mir schon seit Wochen auf der Seele und musste einfach mal raus!

P.S: Auch ich hatte vor drei Jahren nach ein paar Kilo zuviel drauf. Knapp 40, um genau zu sein. Die haben sich Dank der Low-Carb-Diät nach Wolfgang Lutz innerhalb von lediglich sechs Monaten verdünnisiert. Nachdem sich meine Ernährung wieder normalisiert hatte, blieb ein merklicher Jojo-Effekt aus! Kosten für mich: keine. Aufwand: Verzicht auf Kohlenhydrat-reiche Lebensmittel sowie regelmäßig ein wenig Jogging am Abend.

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