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InaiMathi Blog

Midnight Movie

Midnight Movie - © Bastei-Lübbe

Ein Horrorschocker in Buchform? Für mich als ausgewiesenen Horror-Fan klingt das beinahe schon zu schön um wahr zu sein, dachte ich mir, und so nahm mir Tobe Hoopers Debütroman „Midnight Movie“ kurzerhand aus der Mayerschen Buchhandlung mit, um wenigstens einen winzigen Anreiz zu haben, endlich die vermaledeite 10-Bücher-Challenge anzugehen, die ich mir unlängst habe aufschwatzen lassen.

Der Autor Tobe Hooper ist für Kenner des Genres definitiv kein Unbekannter: Immerhin geht mit „The Texas Chain Saw Massacre“ – dem wirklich grandiosen ersten Teil und nicht dem weichgespühlten Remake von Michael ‚Splosion-Man‘ Bay, wohlgemerkt – einer der kultigsten Horror-B-Movies der Neuzeit auf sein Konto. Der Mann weiß ganz ohne Zweifel, wie guter, packender Horror und Splatter inszeniert gehört. – Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten: Für die große Leinwand mag dies sicherlich stimmen, niedergeschrieben auf totes Holz hingegen…

Es folgt meine ausführliche Buchrezension zu „Midnight Movie“, dem von Bastei Lübbe verlegten Roman-Debüt von Tobe Hooper.

Midnight Movie
von Tobe Hooper
2012, Horror / Drama, 370 Seiten
Bastei-Lübbe

Der Autor
Tobe Hooper, geb. 1943 in Austin, Texas, ist ein US-Amerikanischer Horrorfilm-Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem der Klassiker „Polergeist“ sowie im Splatter-Metier der Kultfilm „Texas Chain Saw Massacre“ aus dem Jahr 1974. Im Jahr 2011 veröffentlichte Hooper den Horroroman „Midnight Movie“ und gab damit sein Debüt als Romanautor.

Interview mit Tobe Hooper

Inhalt
„Spektakuläre Horror-Premiere am Freitag: Destiny Express, der verschollene Film von Kult-Regisseur Tobe Hooper – Kultur-Teil der Daily Gazette – Ich liebe es, wenn die Leute bei meinen Filmen vor Entsetzen schreien. Das ist das Schönste für mich. Aber bei Destiny Express war ihr Geschrei beängstigend -Tobe Hooper, Interview nach der Premiere – brach plötzlich das Chaos aus. Die Leute fielen übereinander her, fügten sich Wunden zu und – BBC, Radionachrichten – spricht die Regierung von einer Epidemie, deren Ausmaß noch nicht – CNN-Sondersendung – kein Hirngespinst mehr. Zombies in North Carolina gesichtet! … Aus einem Militärbericht – denken fällt schwer – muss Fleissch. – SFleisch . – kaan ddddka adsfkjökl a-“ – Quelle

Der erste Satz

Wir machen euch hier nichts vor, Leute: Eine schauerlich-irre Veranstaltung wird das, die wahrscheinlich schauerlichste und irrste Veranstaltung des gesamten diesjährigen Festivals.

Kritik
Tobe Hoopers „Midnight Movie“ ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite weiß sein hierzulande Ende des Jahres 2012 bei Bastei-Lübbe erschienener Debütroman durchaus für ein paar Stunden zu unterhalten. Hier kommen die bereits bei der Covergestaltung eingeflossenen B-Movie-Qualitäten voll zum tragen: Wenig, bis überhaupt keinerlei Tiefgang, dafür kurzweilige, leicht verdauliche Unterhaltung, die nach dem Auslesen allerdings auch nicht wirklich noch viel länger tangiert. Allerdings ist genau das auch das größe Problem von „Midnight Movie“: Es liest sich stellenweise viel zu belanglos, als dass es imstande wäre, mich nachhaltig irgendwie zu beeindrucken.

Einer der Gründe, weswegen ich mir dieses Buch mitgenommen hatte, war das in meinen Augen ziemlich gelungene Buchcover. Es ähnelt, wie bereits eingangs geschrieben, einem typisch-trashigen Horror-Filmplakat aus der Golden Era des Horrorfilms: Eine zwielichtige Friedhofszene inmitten einer Großstadt, Spinnennetze, dazu eine blutverschmierte Hand, die aus dem Erdboden herausragt und nach Rache / Vergeltung / Wasauchimmer giert – hier wurde quasi kein Klischee außen vor gelassen. Schön: Die Hand ist leicht erhaben gestaltet, sodass auch die Haptik, also der Tastsinn des Lesers bedient wird. Die Buchrückseite ist hingegen – schon fast ein wenig zu brav und gesittet – im Stil einer Sammelmappe gehalten; abgebildet sind diverse Ausrisse und Zitate aus fiktiven Zeitungen und Magazinen, die allesamt nichts als Unheil ankündigen und Lust auf mehr machen sollen. – Kurz reingeschmöckert, und für mich stand fest: Das Dinge muss ich haben!

Wie sich kurz drauf herausgestellt hat, war meine Euphorie ein wenig voreilig rausgehauen. Denn: Leider hat Tobe Hooper es zu keiner Zeit geschafft, mich mit seinem „Horrorfilm zum Schmöckern“ zu begeistern. Insgesamt bringt es der Roman auf ganze 370 Seiten, die wiederum in drei Akte gegliedert sind. Um es abzukürzen: Auf den ersten einhundert Seiten aka dem ersten Kapitel, passiert nicht viel. Um genau zu sein, rein gar nichts. Natürlich werden hier die ersten Handlungsstränge gelegt und peu a peu neue (durchgängig flache) Charaktere eingeführt, aber im Grunde ist der Großteil für die Tonne, da absolut unrelevant. Zum Glück nennt der Mann einen wirklich gut lesbaren, da flotten, mit einer gehörigen Portion Wortwitz versehenen Schreibstil sein Eigen und schreckt darüber hinaus auch vor einem Schuss äußerst sympathischer Selbstironie nicht zurück, was der ganzen Angelegenheit, gemeinsam mit den immer wieder wechselnden Erzählperspektiven, zu einer gewissen Dynamik verhilft. Wie in so ziemlich jedem B-Movie, der etwas auf sich hält, hagelt es selbstredend auch in „Midnight Movie“ an allen Ecken und Enden derbste Flüche und Fäkalsprache en masse, was definitiv einmal nicht jedermanns Sache sein dürfte, zumal – ganz die wohl größtenteils männliche Zielgruppe im Visier – auch mit expliziten Inhalten sexueller Art  nicht gerade gegeizt wurde.

Ungefähr ab Halbzeit, wenn endlich die subtil angekündigten Zombies durch die Straßen wanken, den sexsüchtigen Teenies blaues Sekret aus allen möglichen Körperöffnungen – vornehmlich den primären Geschlechtsorganen – tropft, zudem die ersten Weltuntergangsklischees abgefeiert werden und die Protagonisten sich auf die Suche nach dem Ursprung der, nun ja, ganzen Angelegenheit begeben, legt „Midnight Movie“ vom Pacing her endlich einen Zahn zu und die Sache beginnt endlich interessant zu werden. Ein ziemlich krasser Umbruch, nachdem sich dem geneigten Leser während der Lektüre der ersten anderthalb Kapitel das ungute Gefühl aufdrängen könnte, der Autor wusste selbst nicht, wohin er mit der Handlung eigentlich wollte, – aber sei’s drum. Die Bedrohung „The Game“ wird endlich greifbarer, die Dringlichkeit der Frage nach dem Sinn des Ganzen, dem Wieso? Weshalb? Warum? nimmt stetig zu, die Spannung steigt und man fühlt sich zunehmend ans Buch gefesselt. Irgendwann wird die Handlung, für deren Grundgerüst sich der gute Tobe Hooper schätzungsweise insbesondere beim japanischen Klassiker „Ringu“ („The Ring“) inspiriert zu haben scheint, dann zwar vollends allumfänglich unglaubwürdig, doch das ist dem Genre geschuldet durchaus verzeihbar und somit nehme ich es dem Buch nicht mal ansatzweise übel. Wie gesagt: „Midnight Movie“ ist literarisches Popkorn-Kino der Qualitätsmarke „Kopf ausschalten“. Die Action vor dem inneren Auge dreht ebenfalls auf: Vereinzelt hat es sogar eine Splatter-Szene ins Buch geschafft, womit ich aufgrund der ansonsten für einen Roman mit Horror-Thematik bis dato erstaunlich unspannenden wie unspektakulären Geschichte, überhaupt gar nicht mehr gerechnet hatte.

Ach, und das große Finale samt der vom erhobenen Zeigefinger unterstrichenen Moral von der Geschicht’… – wider erwarten sehr gelungen und dazu noch erstaunlich tiefgründig. Chapeau, Mr. Hooper!

Ziemlich cool sind die immer mal wieder in den Fließtext eingebetteten Stilbrüche, was die Präsentation, bzw. das grundlegende Layout des Textes anbelangt. Mal wird die Handlung in Form von fiktiven Tweets weitererzählt, ein andermal werden ganze Posts und Kommentare von diversen Websites und privaten Blogs zitiert, die es, wie ich bedauerlicherweise feststellen musste, als ich mir einmal die Mühe gemacht und nach ihnen gegoogelt hatte, im World Wide Web leider nie gegeben hat. War dem Bastei-Lübbe Verlag wohl zu aufwendig zu realisieren, naja.

Unschön: Nicht nur die Handlung von „Midnight Movie“ präsentiert sich stellenweise eher unrund, sondern auch die deutsche Übersetzung. Passagenweise liest sich das alles dann doch arg hölzern und auf Biegen und Brechen lässig formuliert, was mich persönlich eher abschreckt denn anspricht. Zudem wurden einige Wortspiele unnötigerweise wegübersetzt. So bezeichnet Tobe Hooper seinen ungeliebten Wohnort Los Angeles (L.A.) im englischen Original immer mal wieder als Hell-A, was im Englischen als Wortspiel durchaus Sinn macht. In der deutschen Übersetzung wurde das 1:1 übertragen, und somit bekommen wir hierzulande ein uninspiriertes Höll-A vorgesetzt, was ja mal ziemlich für den Arsch den Allerwertesten klingt. Tun solche Zwangsübersetzungen in der heutigen Zeit wirklich noch Not?

Zu guter Letzt, quasi als Rausschmeißer, wurde auf den letzten Seiten noch ein ganz lesenswertes Interview mit Tobe Hooper untergebracht, in dem er über seine seit jeher ausgeprägte Vorliebe für den Nervenkitzel, sowie über seinen lange verschollen geglaubten Film „Eggshells“ aus dem Jahr 1969 spricht, dessen weltweit erstes Screening im Rahmen des Southwest Festivals im Jahr 2009 er zum Anlass nahm, sich mit „Midnight Movie“ unter die Schriftsteller zu mischen.

Fazit
Nachdem die letzte Seite ausgelesen, das Buch zugeklappt und wieder im Regal an seinem Platz stand, blieb ich ein wenig ratlos zurück. Das sollte er gewesen sein, der groß angepriesene Debütroman von Tobe Hooper, einem der Altmeister des Horrors?! Um ehrlich zu sein: „Midnight Movie“ hat mich ein wenig enttäuscht. Klar, mit der Zeit steigert sich die Geschichte merklich und weiß zum Schluß sogar mit einer tiefgründigen Aussage aufzuwarten. Dennoch kommt Tobe Hoopers „Midnight Movie“ nicht über das Mittelmaß hinaus, da es schlicht keinerlei Horror, geschweige denn blanken Nervenkitzel versprüht und über weite Strecken unheimlich blass und belanglos bleibt. Schade!

— InaiMathi, am 8. März 2013

Midnight Movie

Genre: Horror / Drama
Veröffentlichung: 2012
Umfang: 370 Seiten
Verlag: Bastei-Lübbe
Autor: Tobe Hooper
Wertung
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