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InaiMathi Blog

Mermaid's Forest

Mermaid's Forest - © ALIVE

Wer sich für japanische Comics, die sogenannten Mangas, interessiert, kommt an einem Namen nicht vorbei: Rumiko Takahashi. Sie zählt neben den üblichen Verdächtigen wie Akira Toriyama, Gosho Aoyama und dem Zeichnerinnen-Kollektiv CLAMP, zu den angesehensten Mangaka Japans, ihre Werke, zu denen zeitlose Klassiker der Manga-Literatur wie „Urusei Yatsura“ (うる星やつら), „Maison Ikkoku“ (めぞん一刻), „Ranma ½“ (らんま½) und „InuYasha“ (犬夜叉) gehören, sind vielfach prämiert und nach wie vor ein Garant für hohe Auflagen. Ihre aktuelle Serie heißt „Kyōkai no Rinne“ (境界のRINNE).

Eine von Takahashis weniger bekannten Manga-Reihen hört auf den klingenden Namen „Mermaid Saga“ (人魚シリーズ). Die Serie, die hierzulande von Egmont Manga & Anime verlegt wurde, verbindet eine sehr düster gehaltene, mystische Horror-Geschichte – ein Genre, welches für Takahashi eher ungewöhnlich ist – mit Drama-Elementen und Comedy, und richtet sich primär an eine eher erwachsene Leserschaft. „Mermaid Saga“ erschien von 1984 bis 1994 in weitestgehend unregelmäßigen Abständen im japanischen Comic-Magazin „Weekly Shōnen Sunday“ und kam bei den Lesern dort so unheimlich gut an, dass der Reihe infolge ihrer dortigen Popularität sogar mehrere OVAs (Original Video Animation), sowie stolze zehn Jahre nach Erscheinen des letzten Kapitels eine aufwendige, 13-teilige Animeserie, „Mermaid’s Forest“ (人魚の森), gewidmet wurden.

Letztere hat es zu meinem persönlichen Erstaunen im Jahr 2007, trotz mittlerweile komplett verpufftem Anime- und Manga-Boom, auch nach Deutschland geschafft. Zwar lediglich als DVD-Release in insgesamt vier Teilen, da sich bislang leider noch kein hiesiger TV-Sender dazu durchgerungen hat, dieser großartigen Serie einen Sendeplatz freizuräumen, doch nichtsdestotrotz mit einer überaus gelungenen deutschen Synchronfassung ausgestattet. – Es folgt meine ausführliche DVD-Review zu Rumiko Takahashis „Mermaid’s Forest“…

Mermaid’s Forest
(高橋留美子劇場 人魚の森 – Ningyo no Mori)
mit Sebastian Schulz (Yuta), Julia Kaufmann (Mana)
Anime, Japan, 2003
TMS Entertainment

Trailer

Inhalt
„Einer Legende nach erhält derjenige, der von dem Fleisch einer Meerjungfrau isst, Unsterblichkeit und ewige Jugend. Das Fleisch enthält allerdings ein Gift, das die meisten Menschen, die von ihm kosten, tötet oder in ‚verlorene Seelen‘, abstoßende Monster verwandelt, welche dazu verdammt sind, auf ewig vor sich hinzuvegetieren. Nur sehr wenigen wird der Segen – oder der Fluch – zuteil, auf ewig schön und jung zu bleiben. Unsterblichkeit heißt nicht Unverwundbarkeit, so durchlebt man immer wieder die verschiedensten Tode, sei es durch eine zugefügte Wunde, Ertrinken oder im Kampf, nur um sich aus seinem Grab zu erheben und ein weiteres Mal auf den Tod zu warten.“ – Quelle

Kritik
Wer „InuYasha“, „Ranma ½“ und andere Werke aus der Feder von Rumiko Takahashi gelesen hat, weiß mit Sicherheit: Die japanische Star-Mangaka legt sich höchst selten auf lediglich ein Genre fest, sondern schafft es wie nur wenige ihrer Zunft, mehrere Genres auf unvergleichlich lässige Art zu einem homogenen Ganzen zu verschmelzen. Auf diese Weise entstanden phantastische Romance-Comedys mit unverkennbarem Martial-Arts-Einschlag („Ranma ½“), witzige Fantasy im kriegsgebeutelten mittelalterlichen Japan („InuYasha“) oder dezent übersinnlich angehauchte Romance-Comedy wie in ihrer aktuellen Serie „Kyōkai no Rinne“.
Nicht viel anders verhält es sich in Takahashis Werk „Mermaid’s Forest“, welches ebenfalls einen Cross-Over durch diverse Genres hinlegt, ohne sich dabei allzu sehr festzulegen. Dennoch: Wer mit dieser Animeserie zu einem ihrer eher unbekannteren Mangas etwas anfangen, ja gar mit ihr warm werden will, sollte idealerweise ein Faible für Japano-Horror mit eingestreuten phantastischen Elementen und einem gehörigen Schuss Humor haben.

Die von fernöstlichen Mythen und Monstern durchzogene Geschichte von den beiden Unsterblichen Yuta und Mana, die sich gesucht und gefunden haben, um für den Rest der Ewigkeit miteinander ziellos durch die Ländereien Nihon Kokus zu streifen, immer auf der Suche nach der ultimativen Erlösung in Form einer möglichst noch lebendigen Meerjungfrau, gestaltet sich von der ersten Minute an packend. Was auch mit dem abrupten Beginn zu tun haben dürfte, denn eine allzu langwierige Einführung in die Materie, geschweige denn eine ordentliche Vorstellung der Charaktere findet nicht statt. Der geneigte Fan wird unmittelbar ins turbulente Geschehen geworfen, und ehe man sich versieht, ist die erste Serienfolge auch schon vorbei! Der rote Faden, der das Konstrukt zusammenhält, ist die philosophisch angehauchte Frage, ob ein ewig währendes Leben erstrebsamer Segen oder belastender Fluch ist, und zieht sich durch jede einzelne der insgesamt 13 Episoden der Serie.
Zeitsprünge sind dabei an der Tagesordnung: So wird in der einen Folge Yutas dramatische Vergangenheit thematisiert, damals fristete er noch in einem kleinen japanischen Fischerdorf sein Dasein, von seiner ersten Schicksalsträchtigen Begegnung mit einer Meerjungsfrau wird erzählt, mal finden die Geschehnisse zu Zeiten der großen japanischen Kriege statt, eine Epiosden spielen während des zweiten Weltkriegs, ein andermal in der Gegenwart, soll heißen im Japan der späten Achtziger-Jahre. Abwechslung ist also garantiert! Diese oftmals recht krass ausgefallenen Zeitsprünge, welche zudem nicht chronologisch stattfinden, sind vornehmlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass Takahashis Manga „Mermaid Saga“ seinerzeit von Shogakukan eher unregelmäßig verlegt wurde, so dass die Autorin eher auf von einem roten Faden miteinander verbundene Handlungsfetzen denn auf eine strikt fortlaufende Erzählweise gesetzt hat.

Auf ihren Reisen halten die beiden Protagonisten Yuta und Mana stets Ausschau nach Anzeichen, die auf die Existenz einer Meerjungfrau hindeuten. Yuta, eher der harte Draufgänger, der ein klares Ziel vor Augen hat, nämlich ein zweites Mal in seinem Leben vom Fleisch einer Meerjungfrau zu kosten, um von dem Fluch, dazu verdammt zu sein, bis ans Ende aller Tage auf Erden wandeln zu müssen, erlöst zu werden, macht im Verlauf der Geschichte eine bemerkenswerte Wandlung durch: So entwickelt er sich vom anfänglich todeswilligen, der über all die Jahrhunderte, die er bereits auf Erden wandelt, des Lebens und dem damit einher gehenden Leiden überdrüssigen hin zum heroischen Beschützer, der sich aufopfert und sich – zumindest ein wenig – in seine hübsche Begleiterin Mana verschossen zu haben scheint. Mana hingegen ist ein sehr mysteriöser Charakter. Sie ist sehr verschlossen, gibt sehr wenig von sich preis, kommt allgemein eher kindlich-naiv daher und weckt mit ihrem unbeholfenen Wesen bei jedem Mann, der so etwas wie ein Herz besitzt, Beschützerinstinkte – so auch wie auch bei „ihrem“ Yuta. Doch sie kann auch anders…
Weitere nennenswerte Charaktere neben den beiden gibt es nicht. Natürlich tauchen in beinahe jeder Folge Charaktere auf, die für die fortlaufende Handlung relevant sind, allerdings verschwinden diese spätestens mit dem Abspann der Episode wieder in der Versenkung – und bleiben dort auch eingemottet. Schuld sind die bereits thematisierten Zeitsprünge innerhalb der Geschichte, die das Auftauchen wiederkehrender Charaktere nahezu unmöglich machen.
Im Unterschied zu vielen anderen Charakteren, die das kreative Schaffen Rumiko Takahashis bislang so hervorgebracht hat, wie beispielsweise dem bettelarmen Studenten Yusaku Godai („Maison Ikkoku“), dem was sein Geschlecht betrifft latent unentschlossenen Ranma („Ranma ½“) oder ihrem Hundedämon namens InuYasha aus der gleichnamigen Manga-Reihe, wurde ich mit dem unsterblichen Paar wider Willen nicht wirklich warm. Beide, Yuta und Mana, machen zwar keinen unsympathischen Eindruck, nein, beide haben durchaus immer mal wieder ihre Momente, die sie dem geneigten Zuschauer näher bringen, doch wirken sie größtenteils unnahbar und verschlossen. Man erfährt schlicht und ergreifend im Verlauf der Handlung nicht wirklich viel über die beiden, was sie zu eher blassen, weitestgehend anonymen Protagonisten in einer ansonsten spannenden, atmosphärisch dicht gewobenen Storyline macht. – Schade!

Der grundlegende Zeichenstil des Anime orientiert sich an dem, was Fans von Rumiko Takahashi gewohnt sind: Charaktere, die trotz ihres jugendlichen Alters recht jung wirken, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und sich ein eher jugendliches Naturell bewahrt haben. Dennoch merkt man recht schnell, dass man es im Falle von „Mermaid Forest“ mit einer sehr erwachsenen, primär für ein älteres Publikum gedachten Produktion zu tun hat. Ausufernde Slapstick-Einlagen, wie es sie in anderen Takahashi-Mangas, wie zum Beispiel bei „Ranma ½“ oder seinerzeit auch bei „Maison Ikkoku“, zuhauf gegeben hat, sucht man in „Mermaid’s Forest“ vergebens.
Auch das weitere Charakterdesign und die Gestaltung der Szenerien orientiert sich angenehm eng an der Vorlage aus der Feder von Rumiko Takahashi, hier und da habt sich das verantwortliche Produktionsstudio TMS Entertainment jedoch die ein oder andere künstlerische Freiheit herausgenommen. Leider schwankt die Qualität der durchgängig noch handgezeichneten Animationen und Artworks oft extrem: In der einen Szene präsentiert sich die Optik sehr detailliert und vereinzelt sogar ungewöhnlich detailverliebt, kurz drauf bekommt der geneigte Fan hingegen nur noch eine eher hingeschludert wirkende Szenerie vorgesetzt. Ein wenig mehr optische Kontinuität hätte der Serie sicherlich gut zu Gesicht gestanden! Nichtsdestotrotz hat man es bei „Mermaid’s Forest“ mit einem handwerklich solide produzierten Anime zu tun, der weiß Gott keinen Augenkrebs verursacht und der Dank der Tatsache, dass sowohl Charaktere als auch Szenerien von Hand gezeichnet wurde und nicht wie heutzutage in der Branche üblich am Computer entstanden sind, eine gewisse Wärme ausstrahlt, die all den neumodischen Animes, zumindest in meinen Augen, abhanden gekommen ist!

Für die deutsche Synchronisation von „Mermaid’s Forest“ zeichnet das Synchronstudio Brandt Film aus dem schönen Berlin verantwortlich. Die beiden Hauptprotagonisten Yuta und Mana wurden von den Synchronschauspielern Sebastian Schulz und Julia Kaufmann intoniert. Ersterer dürfte Anime-Fans als deutsche Synchronstimme von Trunks aus den Hitserien „Dragon Ball Z“ und „Dragon Ball GT“ bekannt sein. Weiters sprach er u.a. in „Yu-Gi-Oh!“ den Titelhelden Yami Yugi und lieh dem Kamui der Himmelsdrachen in CLAMP’s „X – 1999“ seine Stimme. Julia Kaufmann war bis dato unter anderem in Anime-Serien wie „Neon Genesis Evangelion“ (Misato Kusaragi), „Arjuna“ (Juna) sowie als Yaka in der Serie „Elfen Lied“ zu hören. Weiters synchronisierte sie Hollywood-Star Kristen Stewart in den beiden Filmen „Zathura – Ein Abenteuer im Weltraum“ und „Fierce People“. 2007 wurde Kaufmann mit dem Synchronpreis „Die Silhouette“ als beste Newcomerin ausgezeichnet. Die japanischen Dialoge wurden sehr passend ins Deutsche übersetzt, und von den besetzten Sprechern mit gewohnter Routine auf den Punkt eingesprochen. – Alles in allem nennt „Mermaid’s Forest“ eine sehr gelungene deutsche Synchronfassung sein Eigen, die man selbst als Hardcore-Anime-Fan gerne zuschaltet!

Fazit
„Mermaid’s Forest“ ist Rumiko Takahashis bis dato düsterstes Werk. Die packende Geschichte um die beiden Unsterblichen Yuta und Mana ist stellenweise sehr grausam und blutig ausgefallen und nichts für schwache Nerven, wartet der düsteren Thematik zum Trotz mit recht sympathischen Charakteren und geschickt inszenierten Witz auf. Die Anime-Umsetzung orientiert sich sehr nah an der Vorlage aus der Feder von Rumiko Takahashi und ist technisch durchaus gelungen. – Ein echter Geheimtipp für Liebhaber von packender Anime-Kost und ein Pflichtkauf für alle Fans von Rumiko Takahashi!

— InaiMathi, am 21. April 2012

Mermaid's Forest

Genre: Anime
Release: 2003
Laufzeit: 320 Minuten
Publisher: ALIVE
Studio: TMS Entertainment
Wertung
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