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InaiMathi Blog

Menschenjagd

Menschenjagd - © Heyne Verlag

Der Lesesommer 2013 steht im Kingdom of Awesomeness ganz eindeutig im Zeichen von Stephen King. Nachdem ich bereits „Schwarz: Der Dunkle Turm“, den Auftakt zu Kings von Kritikern gefeiertem „The Dark Tower“-Zyklus quasi in einem Rutsch verschlungen hatte und ich mir den zweiten Roman der Reihe im Zuge meines aktuellen King-Fiebers für den Urlaub auf der ominösen einsamen Insel aufsparen wollte, musste somit schnell adäquater Nachschub her.

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, wird sicherlich wissen, dass ich einst in den höchsten Tönen von Koushun Takamis „Battle Royale“ (siehe meine Review) und dem Collins’Schen Abklatsch „Die Tribute von Panem“ (Reviews zur Buchreihe und der Filmumsetzung des ersten Buchs) geschrieben habe. Insbesondere Suzanne Collins Jugendbuch-Trilogie wurden immer wieder auch mit dem ein oder anderen Werk aus der Feder von Stephen King verglichen. Nicht wenige sehen unabstreitbare Parallelen zu seinen beiden Romanen „Todesmarsch“ und „Menschenjagd“, die er einst unter seinem mittlerweile dem tragischen Krebstod anheim gefallenen Pseudonym Richard Bachman geschrieben hatte – wohlgemerkt Jahre, bevor Collins die erste Zeile ihrer in meinen Augen vollkommen überschätzten „Panem“-Trilogie zu Papier bracht hat. Und da ich letztgenannten Titel, der mich schon seit Jahren reizt wie sonst was, bereits seit einiger Zeit ungelesen in meinem Regal de Books herumstehen habe, dachte ich mir, es wäre an der Zeit, mich diesem King-Klassiker endlich einmal anzunehmen. – Gesagt, getan!

Es folgt meine ausführliche Buchrezension zu dem Roman „Menschenjagd“ von Stephen King.

Menschenjagd
von Stephen King
1982, Dystopie, 384 Seiten
Heyne Verlag
www.StephenKing.com

Der Autor
Einen internationalen Bestseller nach dem anderen legt der 1947 in Maine geborene Autor vor. Und nicht wenige davon wurden auch erfolgreich verfilmt. So spektakulär die Geschichten sind, so bürgerlich klingt Stephen Kings Werdegang. Nach Schule, Universität und früher Heirat arbeitete er zunächst als Englischlehrer. Seiner Passion fürs Schreiben ging er abends und am Wochenende nach, bis ihm der Erfolg seiner ersten großen Geschichte „Carrie“ erlaubte, ausschließlich seiner Passion, der Schriftstellerei nachzugehen. Der Rest ist Legende. King hat drei Kinder und bereits mehrere Enkelkinder und lebt mit seiner Frau Tabitha in Maine und Florida.

Klappentext
„Reality-TV im Jahr 2025: In der Gameshow ‚Running Man‘ werden die Kandidaten zu Freiwild – gejagt von einem Killerkommando und der ganzen Nation. Wer überlebt, gewinnt eine Milliarde Dollar – und wird er dabei selbst zum Mörder, gibt es einen Bonus obendrauf. Benjamin braucht das Geld, um seine todkranke Tochter zu retten. Er weiß, dass es noch nie einen Überlebenden gab…“ – Quelle

Der erste Satz

Mit zusammengekniffenen Augen blinzelte sie in dem weissen Licht, das durchs Fenster fiel, auf das Fieberthermometer.

Kritik
Vor rund dreißig Jahren, im nunmehr relativ weit zurückliegenden Jahr 1982, veröffentlichte Stephen King die erste Fassung seines Romans „Menschenjagd“ („Running Man“). Allerdings vorerst nur unter seinem ehemaligen Pseudonym Richard Bachman, mit dem er sich damals nach Lust und Laune austobten konnte wie es ihm beliebte und Stoffe veröffentlichte, die sich aus diversen Gründen so gar nicht in die Reihe seiner bisherigen einreihen wollten. Wieso, weshalb, warum er dies tat und was es mit seinem schizophrenen Bachman-Pseudonym auf sich hat, verrät King äußerst lesenswert im Vorwort zu „Menschenjagd“, weshalb ich seinen Ausführungen an dieser Stelle nicht allzu sehr vorgreifen möchte.

Die im Rahmen dieser Rezension besprochene Ausgabe des Buchs ist die von Random House-Label Heyne verlegte deutsche Fassung aus dem Jahr 2011. Das Taschenbuch, auf dessen Cover eine – wie von den weiteren bei Heyne verlegten King-Büchern gewohnt – relativ uninspiriertes Illustration einer stilisierten Flugzeugturbine prangt, bringt es auf einen Umfang von immerhin 385 Seiten, einige von diesen werden jedoch von Werbung und sonstigen vom Verlag eingestreuten Hinweisen in Anspruch genommen, so dass man die eigentliche Geschichte auf deutlich weniger Seiten vorfindet. Das Buch ist unterteilt in exakt einhundert Kapitel, die jeweils in Form eines herunter zählenden Countdowns präsentiert werden. Was dieser Countdown letzten Endes zu bedeuten hat, bzw. was genau geschehen wird, wenn er irgendwann bei Null angelegt ist, erschließt sich dem geneigten Leser zuerst nicht und wird erst auf den letzten Seiten aufgelöst. Spannung!

„Menschenjagd“, oder: der Kampf eines Mannes gegen eine ganze Nation, gegen das vorherrschende totalitäre System. Eine, wenn man denn so will, Wiederaufführung des viel zitierten Kampfes David gegen Goliath. Die Welt in Kings Version des Jahres 2025 ist ein schlechter Ort. Einer, der noch weit weniger lebenswert anmutet, als so manches heutzutage heraufbeschworene Zukunftsszenario. Ihm gelingt es, mittels detaillierter, ausführlicher, jedoch keineswegs ausufernder Beschreibungen der Szenarien die Welt vor dem inneren Auge des geneigten Lesers Wirklichkeit werden zu lassen. Und dies auf eine unwiderstehliche Art und Weise, die er vielen seiner Mitstreiter an der literarischen Feder nach wie vor voraus hat. Seine futuristische Version des US-Bundesstaates Maine sowie die rein fiktiven Wohnsiedlung Co-Op City, in der die Geschichte um den Protagonisten Benjamin ‚Ben‘ Richards angesiedelt ist, präsentieren sich als ein Sündenpfuhle par excellence. Verbrechen, Prostitution und Drogen allerorten. Ein Flecken Erde, die alles andere als einladend auf den Leser wirkt. Eine Atmosphäre zum schneiden dicht. Großartig!

Die Geschichte fokussiert sich überwiegend auf den Charakter des Ben Richards. Nur ganz selten einmal wechselt der Blickwinkel der Erzählung für ein paar wenige Zeilen auf einen Nebencharakter und rückt stattdessen deren Sicht der Dinge in den Mittelpunkt. Die starre Fokussierung auf Richards tut der Geschichte definitiv gut, verstärkt sie doch das berühmte „Mittendrin statt nur dabei“-Gefühl und verstärkt so die eh schon gelungene Immersion der Handlung auf den Leser; sie erzeugt eine Grundspannung, die äußerst real anmutet.
Seinen Protagonisten Richards profiliert King als einen vom Schicksal gestraften Normalo wie er überall auf Gottes weiter Erde herumläuft: 28 Jahre, jung verheiratet und Vater einen jungen Tochter und arbeitslos. Einen Menschen, der seine kleine Familie über alles liebt, die für ihn die Welt bedeutet und für den es das Ende von eben dieser bedeuten würde, stieße seiner Liebsten oder seiner Tochter etwas zu. Natürlich bemüht King das ein oder andere Klischee, wenn er diese grundguten Charaktereigenschaft als Grund vorschiebt, weshalb Richards sich überhaupt erst auf das perfide Spiel namens „Menschenjagd“ eingelassen hat, warum er nicht einfach so weiter macht wie bisher. Natürlich wirkt es gleichwohl ein wenig cheesy, aber nun gut. Im Verlauf der Handlung erlebt Richards Höhen und Tiefen, steht mehr als ein Mal vor dem drohenden Abgrund. Zweifelt, nur um kurz drauf zu verzweifeln. Und beweist seine enorme psychische Stärke. Dem Autoren ist es gelungen, Richards glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sein Protagonist ist kein Superheld, keine One-Man-Army, wie Arnold Schwarzenegger in der Filmumsetzung „Running Man“ aus dem Jahr 1987, die der Romanvorlage in vielerlei Hinsicht nicht gerecht wird. Das macht ihn authentisch, greifbar und lässt den Leser ein ums andere Mal mitleiden und -fiebern.

Bei der Kreation der weiteren Charaktere, die dann und wann einmal in der Geschichte auftauchen, entweder um Richards über ein paar Seiten hinweg bei seiner Flucht zu unterstützen oder aber daran interessiert sind, dass er den Jägern in die Falle geht, bemühte King erneut zahlreiche Klischees. Angefangen vom schwarzen Herumtreiber mit seinem kleinen aufmüpfigen Bruder, über den fetten, in der sicheren Abgeschiedenheit seiner vier Wände vor sich hin vegetierenden Hacker, die puppyhafte, drogensüchtige Hausfrau bis hin zum waffenstarrenden Armee-Draufgänger ist nahezu alles dabei, was man in der Beziehung erwarten darf. Die meisten von ihnen präsentieren sich allerdings nicht sehr ausgearbeitet und erwecken so den Eindruck, lediglich als notwendiges Mittel zum Zweck in die Handlung reingeschrieben worden zu sein, um nicht Gefahr zu laufen, dass diese ins Stocken gerät. Homogenes Storytelling geht anders.

Während die Handlung gut und gerne ihre 50-60 Seiten benötigt, um einigermaßen in Schwung zu kommen (auf keinen Fall vom ein wenig trägen ersten Kapitel abschrecken lassen!), präsentiert sich die Phase der Jagd, die den größten Teil der Gesichte in Anspruch nimmt, angenehm flott und stets mitreißend: Stets in den Schatten unterwegs und in stets wechselnden Verstecken kampierend und von dort aus agierend, gilt es für Richards seine Verfolger abzuschütteln, auf eine falsche Fährte zu locken und sich über den Verlauf seiner weiteren Flucht den Kopf zu zerbrechen. Sehr, sehr spannend! Leerlauf kommt so gut wie überhaupt nicht auf, permanent wird die Handlung weitergesponnen, stets passiert etwas. Hier und da gönnt der Autor seiner Leserschaft natürlich auch einmal etwas ruhigere Passagen – zum Verschnaufen, sozusagen.
Das Ende, das große Finale, hätte allerdings einen ticken knackiger ausfallen dürfen und dieser Hinsicht kompakter inszeniert werden können. Es steht mit einer Länge von gut und gerne 100 Seiten in keinem Verhältnis zum Rest des Buches, das es – wir erinnern uns – gerade mal auf eine Gesamtlänge von 385 Seiten bringt. Und auch hier muss King sich den Vorwurf gefallen lassen, dass einiges arg konstruiert scheint. Zu viele Zufälle, zu sehr rücken bis vor ein paar Absätzen quasi nicht für möglich gehaltene Wendungen in den Vordergrund. Unschön, bewegte sich „Menschenjagd“ bis dahin zwar auf einem futuristischen, dystopisch angehauchten Terrain, jedoch schien die Handlung grundsätzlich immer glaubwürdig zu sein. Das Ende mutet jedoch an, als wäre es einem billigen Hollywood-Blockbuster entsprungen und will so gar nicht zum Rest des Buches passen. – Schade!

Fazit
Stephen King nimmt den geneigten Leser in „Menschenjagd“ („The Running Man“) mit auf eine unheimlich spannende, großartig inszenierte Hetzjagd, die als perfides Spiel getarnt eine ganze Gesellschaft an den Pranger stellt und Kritik übt am Staat, seinen Organen und dem Bürger an sich. Wer auf das Szenario steht und/oder ähnlich gelagerte Klassiker wie beispielsweise Koushun Takamis „Battle Royale“ (siehe meine Review) zu schätzen weiß, und darüber hinaus über die ein oder andere Ungereimtheit hinweg sehen kann, wird mit Kings Thriller „Menschenjagd“ ganz sicher glücklich werden. – Ein packendes Leseerlebnis par excellence!

— InaiMathi, am 24. August 2013

Menschenjagd

Genre: Dystopie
Veröffentlichung: 1982
Umfang: 384 Seiten
Autor: Stephen King (als Richard Bachman)
Verlag: Heyne Verlag
Wertung
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