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InaiMathi Blog

Meguiar's Scratch X 2.0

Meguiar's Scratch X 2.0 - © Meguiar's

Der ein oder andere dürfte es kennen: Man parkt sein Auto bewusst weit ab vom Schuss, doch es findet sich immer irgendeine verirrte Seele, die ihren Karren unmittelbar daneben abstellt – auf einem ansonsten verwaisten Bereich des Geländes! Dieses Phänomen, das bevorzugt auf weitläufigen Parkplätzen vor Supermärkten und Baumärkten auftritt, nenne ich liebevoll „Rudelparken“.

Je nachdem mit was für einem Parknachbarn man es zu tun hat, artet die – meist nicht auf Gegenseitigkeit beruhende – „Geselligkeit“ gerne auch mal in Sachbeschädigung aus. Etwa dann, wenn derjenige beim unachtsamen Aus- bzw. wieder Einsteigen die Türe seiner Karre mit Schwung an dem mit viel Herzblut gepflegten Lack anlehnt, wodurch nicht selten unschöne Parkschrammen und Kratzer zurück bleiben. Nein, solche kleinen Kratzer und Schrammen bedeuten natürlich nicht gleich das Ende der Welt, doch für Detailing-Enthusiasten sind sie nur bedingt erträglich. Nämlich exakt bis zur nächsten Autowäsche. Darüber hinaus tragen Beschädigungen – und mögen sie noch so klein und auf den ersten Blick unscheinbar sein – zum Wertverlust des Wagens bei. Lösung wäre eine professionelle Lack-Korrektur, doch die ist in der Regel nicht gerade günstig.

Meguiar’s hat derweil etwas im Sortiment, das gleichwohl schnelle wie kostengünstige Hilfe verspricht: „Meguiar’s Scratch X 2.0“. Dabei handelt es sich um eine spezielle Politur, die – bei korrekter Anwendung – feine Kratzer und andere Makel entfernen soll, und zwar ohne dass dabei die verbliebene Klarlackschicht über Gebühr in Mitleidenschaft gezogen wird. Ob das Produkt was taugt, klärt meine ausführliche Produkt-Rezension.

Review

Meguiar’s „Scratch X 2.0“ wird in einer handlichen schwarzen Tube geliefert, die es auf einen Inhalt von rund 210ml bringt. Das Produkt erinnert dabei an eine klassische Autopolitur, – wenngleich der Hersteller betont, dass es sich keineswegs um eine solche handelt: weisse Farbgebung, ganz leicht gelartig in der Konsistenz. Vor der Anwendung sollten auf jeden Fall die diversen Hinweise zur Verarbeitung auf der Rückseite der Tube berücksichtigt werden. Auch sollte man passende Handschuhe tragen und sich den Dämpfen nicht allzu lange aussetzen, da ansonsten Reizungen der Haut, respektive der Atmenwege auftreten können!

Verarbeitet wird „Meguiar’s Scratch X 2.0“ am besten unter Zuhilfenahme eines sauberen Applikator-Pads aus Mikrofaser. Einfach eine kleine Menge auf den Rand des Pads geben und mit etwas Druck dem Verlauf des Kratzers/der Schramme folgend aufpolieren. Alternativ klappt’s auch mit einem Mikrofasertuch, allerdings hat man mit einem Applikator-Pad mehr Kontrolle über den Poliervorgang, wie ich finde. Anschließend werden die noch vorhandenen Politurüberreste mit einem sauberen Mikrofasertuch von der behandelten Lackoberfläche abgenommen. – Fertig! In sieben von zehn Anwendungsfällen (persönliche Schätzung) liefert das Produkt aus dem Hause Meguiar’s ansehnliche Ergebnisse: Feine Kratzer und Schrammen werden „entfernt“, bzw. so weit abgeschwächt, dass sie sogar bei direkter Sonneneinstrahlung nicht mehr (sofort) ins Auge springen. Funktioniert, wie geschrieben, nicht immer wie von Meguiar’s beworben, und ist auch stark von weiteren Faktoren, wie beispielsweise der Farbe des Lacks (je heller desto besser) abhängig. In der Regel lassen sich jedoch Ergebnisse erzielen, die weit über 90 Prozent aller Autobesitzer da draußen zufriedenstellen dürften. Auch Farbabrieb und Gummispuren, die sich eventuell auf der Lackoberfläche des Fahrzeugs befinden, werden von dem Mittel zuverlässig entfernt.

Und so, denke ich, funktioniert „Scratch X 2.0“: Im Falle eines Kratzers in der Klarlackschicht werden dessen scharfe Kanten von den im Produkt enthaltenen Mikroschleifpartikeln gebrochen (scharfe Kanten sorgen für eine starke Lichtreflexion und lassen den Kratzer überhaupt erst ins Auge springen), überdies wird der eigentliche Kratzer mit Füllstoffen… nun ja… aufgefüllt (dies verringert die Fläche, an denen ungewollte Reflexionen entstehen können), so dass er letzten Endes weniger auffällt als im unbehandelten Zustand. Nach dem selben Prinzip arbeitet übrigens z.B. auch „Meguiar’s NXT Tech Paste Wax“, der ebenfalls mit Füllstoffen zum Kaschieren feinster Kratzer und Swirls aufwarten kann. Vorhandener Farb- und/oder Gummiabrieb wird von Mikroschleifpartikeln angelöst und dauerhaft entfernt, wie das eine vollwertige Autopolitur ebenfalls hinbekommt.

Nein, eine Behandlung mit „Meguiar’s Scratch X 2.0“ schafft feine Kratzer und andere kleinere Makel keineswegs dauerhaft aus der Welt, denn das Produkt geht mit der Lackoberfläche keine anhaltende Verbindung ein. „Scratch X 2.0“ kaschierte direkte Beschädigungen lediglich, sie bleiben dennoch weiter vorhanden, nur dass das menschliche Auge sie im Idealfall nicht mehr, bzw. kaum noch wahrnimmt. Auf ungeschütztem Autolack hält der erzielte Effekt einige Wochen lang an, witterungsbedingte Ausreißer nach unten können vorkommen. Durch eine im Anschluss an die Behandlung mit „Scratch X 2.0“ aufgetragene Wachsschicht oder Versiegelung der Oberfläche kann die Standzeit verlängert werden. Nach zirka 3-4 Monaten, spätestens dann, wenn die aufgetragene Schutzschicht gestrippt, bzw. komplett erneuert wird oder aber die Füllstoffe aus dem behandelten Kratzer auf anderem Wege herausgespült wurden, muss nachgelegt werden.

„Scratch X 2.0“ kann logischerweise nur bei oberflächlichen Beschädigungen zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Sollte ein Kratzer/eine Schramme tragischerweise bis auf die weisse Grundierung oder – ganz fies – bis aufs blanke Metall durchgehen, so muss wohl oder übel neu lackiert werden, – schon allein, um einer Rostbildung vorzubeugen.

Fazit

„Meguiar’s Scratch X 2.0“ ist gewissermaßen ein Autopflege-Produkt für den Seelenfrieden, getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Von einer wirklich befriedigenden Lösung für oberflächliche Kratzer und Schrammen im Fahrzeuglack kann man jedoch nicht sprechen, schließlich wird im Gros der Anwendungsfälle lediglich kaschiert, anstatt behoben.

Andererseits: Wie oft wurde man von Parkkratzern an Kotflügel und Tür sowie kleinere Schrammen an der Ladefläche des Kofferraums schon um den Schlaf gebracht, wie oft hat man die Haushaltskasse anzapfen müssen, um Lackdefekte professionell lackieren zu lassen, weil man ihren Anblick (und man schaut ja wirklich ständig hin, sobald man weiß, dass da was ist…) einfach nicht mehr ertragen hat? Mit „Scratch X 2.0“ lassen sich durchaus gute Ergebnisse erzielen, die zwar nicht von Dauer sind, doch der Aufwand, alle paar Monate mal eben an den ensprechenden Stellen nachbessern zu müssen, ist meiner Meinung nach verschmerzbarer als eine deftige Rechnung vom Lackierer!

— InaiMathi, am 13. April 2018
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