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InaiMathi Blog

Leo's Fortune

Leo's Fortune - © 1337 Games

„Hier, check‘ das mal, ist gar nicht mal so übel, dieses Leo’s Fortune!“ schallte es mir neulich von einem Bekannten entgegen. „Leo’s Furtune, Leo’s Forune – noch nie gehört“, dachte ich mir, aber hey, wie heißt es doch so schön: Probieren geht über Studieren! Also steuerte ich den Games-Store meines Vertrauens, den PlayStation Store, an und reihte das Jump’n’Run mit einem flinken Klick in meine Download-Warteschlange ein. Die knapp sieben Euro, mit denen es zu Buche geschlagen hat, habe ich gerade so eben noch verkraften können… ;)

Tja, und wie sich die am 10. September 2015 erschienene PS4-Version von „Leo’s Fortune“ im Test geschlagen hat, kann meiner nachfolgenden ausführlichen Review entnommen werden.

Leo’s Fortune
2015, Jump’n’Run, PlayStation 4
1337 Games
www.LeosFortune.com

Spieletrailer

Beschreibung
„Leo’s Fortune ist ein 2D-Plattform-Abenteuer, in dem du dich auf die Suche nach dem verschlagenen und geheimnisvollen Dieb deines Goldes machst. Wunderschöne handgezeichnete Levels lassen Leos Geschichte in diesem epischen Abenteuer lebendig werden.“ – Quelle

Kritik
„Leo’s Fortune“ ist ein Mobile-Videogame, welches von Entwickler 1337 Games einst für Android- und iOS-gepowerte Smartphones und Tablets konzipiert und erst mehr als ein Jahr später auch für Sonys PlayStation 4 portiert wurde – und dies merkt man dem Titel auch deutlich, um nicht zu sagen an allen Ecken und Enden an: Es beginnt bereits beim verhältnismäßig simplen Spielprinzip, welches lediglich darin besteht, den Protagonisten Leo, eine grüne Plüschkugel mit markantem Schnurrbart, vom Startpunkt aus ins Ziel zu bugsieren. Dabei muss wie in jedem guten Jump’n’Run gehopst, gesprungen, geslidet und das ein oder andere in der Regel relativ anspruchslose (Physik-)Rätsel gelöst werden. Zwei Spezialfähigkeiten hat der Protagonist auch verpasst bekommen: So kann Leo sich per Tastendruck Aufplustern, was ihn aus großer Höhe sanft wie eine Feder zu Boden schweben lässt, oder aber bei Bedarf ein paar Pfund zulegen, beispielsweise um mit dem zusätzlichen Gewicht Schalter zu betätigen oder aber Hinternissen in der Luft auszuweichen. herumstreunende Gegner, die wahlweise weggeboxt oder niedergetrampelt werden können – ganz so wie man dies vom Klassiker Super Mario oder aber meinem persönlichen Jump’n’Run-Highlight „Rayman Legends“ (siehe meine Review) her kennt -, gibt es in „Leo’s Fortune“ hingegen keine.

Alle paar abgeschlossene Level wird die Geschichte um Leo und sein verloren gegangenes Vermögen in Form von kurzen vertonten Zwischensequenzen weitergesponnen, die jedoch nur auf Englisch vorliegen. Eine deutsche Lokalisation hat man sich hingegen komplett gespart, was in Anbetracht des Umstands, dass es sich bei „Leo’s Fortune“ um ein Indie-Videospiel handelt, durchaus verständlich wie verschmerzbar ist.

Seine Fähigkeiten kann Leo in insgesamt fünf Welten einsetzen, die wiederum in 23 einzelne Level unterteilt sind, die sich thematisch teils krass voneinander unterscheiden. Von einem lauschigen Wäldchen, über eine tiefe Miene mit allerhand bedrohlichem Mienenzeugs, einem Südsee-Setting bis hin zur obligatorischen Schneelandschaft werden allerhand thematisch unterschiedliche Locations geboten. Allesamt lehnen sie sich an bekannte Klassiker des Genres wie „Super Mario World“, „Sonic the Hedgehog“ und „Rayman“ an, was entweder als eine nette Homage gewertet werden kann oder schlicht einfallslos ist. Während sich die ersten Levels noch wie eine Art ausgedehntes Tutorial zocken und niemanden, der nicht gerade von akuter Grobmotorik gehandicapt wird, vor größere Probleme stellen dürften, zieht der Schwierigkeitsgrad peu à peu an. In jedem Level können mehrere Dutzend Goldmünzen sowie versteckte Bonusgegenstände aufgeklaubt werden. Erstere wirken sich nach erfolgreichem Levelabschluss auf die Endbewertung aus, letztere schalten hingegen die ein oder andere PS4-Trophy frei. Wer einen Abschnitt in einem Rutsch und damit ohne Neustart und zudem in einem bestimmten Zeitfenster absolviert, wird in besagter Endabrechnung mit bis zu drei Sternen bedacht. Diese schalten wiederum spezielle Levelabschnitte frei – jeweils einer pro Welt -, wobei diese denkbar unspektakulär ausgefallen sind. Merkwürdig: Die jeweils zu erreichenden Spezialziele werden im Vorfeld nicht angezeigt, sondern erst, wenn der entsprechende Level das erste Mal absolviert wurde. Aufgestellte Bestzeiten werden zudem automatisch in ein weltweites Online-Leaderboard hochgeladen, so dass man sich – wenn man dies denn möchte – mit anderen Spielern messen und darum wettstreiten kann, wer die schnurrbärtige Plüschkugel am schnellsten, soll heißen effizientesten durch die Level bugsiert bekommt.

Schade: Auf informative Einblendungen, wie beispielsweise die Anzahl der bisher eingesammelten Goldmünzen oder aber ein ebenso wichtiger Timer, der für die bereits angesprochenen Spezialaufgaben wichtig wäre, haben die Macher von 1337 Games komplett verzichtet. Warum genau, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Dafür wurde wenigstens nicht verpennt, in den Levels regelmäßige Speicherpunkte zu setzen, was den Frustpegel auch bei etwas kniffligeren Passagen, von denen es insbesondere gegen Ende einige gibt, erfreulich niedrig hält.

Die Steuerung von „Leo’s Fortune“ geht recht eingängig von der Hand: Bewegt wird Leo mit dem linken Control-Stick, während ein beherzter Drück auf die Kreuz-Taste ihn hüpfen/springen lässt. Seine Spezialfähigkeiten Aufplustern (um aus großer Höhe langsamer zu fallen) und Schwermachen (um schneller zu fallen und hier und da Schalter zu betätigen) werden mit dem Festhalten der Kreuztaste, beziehungsweise der Kreistaste ausgelöst. Da dem Gameplay eine rudimentäre Physikengine zugrunde liegt, verhalten sich sämtliche Objekte im Level einigermaßen physikalisch korrekt. Was mir absolut nicht gefallen hat, ist diese gewisse Trägheit, mit der der Charakter auf am DualShock 4 getätigte Richtungsanweisungen reagiert. Hier merkt man wieder, dass das Game ursprünglich für eine eher ungenaue Steuerung per Touch (aka Wischi-Wischi) konzipiert wurde. Und so kam es nicht nur einmal vor, dass mir die träge Erkennung einer feinen Richtungsänderung einen Strich durch die Rechnung gemacht und mich samt der grünen Plüschkugel hat abstürzen, bzw. nicht dort hat landen lassen, wo ich eigentlich hin wollte. Schon ärgerlich, wenn einem die Steuerung einen ansonsten perfekten Level-Run zunichte macht!

Was die Optik anbelangt, wird von „Leo’s Fortune“ gehobener Mobile-Standard geboten, was auf einer Current-Gen-Konsole wie der PlayStation 4 jedoch recht zweifelhaft anmutet: Die Architektur der 2D-Levels wirkt altbacken, die Farbpalette durch und durch bieder und eine Ausschmückung mit Eye-Catchern, um dem geneigten Zocker wenigstens dann und wann mal eine Abwechslung zum vorherrschenden drögen Einheitsbrei zu bieten, ist quasi nicht existent. Grafischer Höhepunkt ist in der Tat Leo selbst, dessen feine Plüschhärchen detailliert ausgearbeitet wurden und sich physikalisch einigermaßen nachvollziehbar bewegen, je nachdem welche Moves der Schnurrbartträger gerade ausführt.

Zur Soundkulisse kann ich ehrlich gesagt nicht viel schreiben, da mir die unsägliche „mystische Dudelmusik“, welche imho so gar nicht zum restlichen Spiel passt, irgendwann so dermaßen auf den Sack gingen, so dass ich zuerst nicht mehr hingehört habe und – nachdem diese Maßnahme nicht die gewünschte Entspannung für meine Gehörgänge gebracht hat – schlussendlich den Ton komplett ausgestellt habe. Bevor jemand fragt: Nein, einen Einstellungsregler für die Hintergrundmusik gibt es in der PS4-Version von „Leo’s Fortune“ nicht. Unfassbar, eigentlich.

Wer Eier zeigt und „Leo’s Fortune“ bis zum bitteren Ende durchspielt, wird mit einem neuen Hardcore-Modus beglückt, der – zumindest auf dem Papier – zum abermaligen Durchzocken einlädt. Mich persönlich hat die Vorstellung, die schnurrbärtige grüne Plüschkugel abermals durch dieselben öden Levels zu bugsieren, nur halt eben mit lediglich einem einzigen Leben im Gepäck, allerdings tendenziell eher abgeschreckt.

Fazit
Klingt ziemlich ernüchternd, oder? Tja, so ging’s mir halt, als ich mich nach gut und gerne drei investierten Stunden fragte, wie in aller Welt diese ganzen positiven Reviews und 5-Sterne-Bewertungen bei Google Play und im Apple App-Store zustande gekommen sind. Hand aufs Herz: „Leo’s Fortune“ ist zwar ganz nett, aber wer genau ist eigentlich die Zielgruppe für dieses durch und durch biedere Stück Software? Für Kinder ist das gebotene Gameplay samt seinem Protagonisten definitiv zu trist und unspektakulär, für Erwachsene hingegen dann doch zu anspruchslos. Und: Was zum Teufel soll eigentlich dieser merkwürdige Schnurrbart?!

Mein Pro-Tipp für alle Genre-Fans: Für jeweils knapp 20 Euro gibt’s „Rayman Origins“ und „Rayman Legends“. Zwei fantastische, handwerklich absolut erstklassige Jump’n’Runs mit witzigen Charakteren, packenden Levels und toller Grafik wie Sound-Kulisse, die dieses Machwerk namens „Leo’s Fortune“ aber mal sowas von alt aussehen lassen!

— InaiMathi, am 23. September 2015

Leo's Fortune

Genre: Jump'n'Run
Release: 10. September 2015
Plattform: PlayStation 4
Spielzeit: 6 Stunden
Entwicklerstudio: 1337 Games
Publisher: 1337 Games
Wertung
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