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InaiMathi Blog

Joy Ride Turbo

Joy Ride Turbo - © Microsoft Game Studios

Früher, als ich es noch cool und erstrebenswert fand, meine Nachmittage (und viele lange Nächte) an meinem Nintendo vor dem heimischen TV zu verbringen, gab es einen Arcade-Racer, der mich und mein Verhältnis zu meiner damaligen Lieblingskonsole so geprägt hat, wie kaum ein anderes Spiel: Super Mario Kart. Der Titel für das good ol‘ Super Nintendo verband eine für die damalige Zeit wirklich ausgesprochen sehenswerte Optik mit einem flotten Fahrgefühl und massig Spielmodi sowie abwechslungseichen Strecken und Parcours, auf denen man sich zur Genüge austoben konnte. Und daran hat sich bis heute nichts geändert: Für mich persönlich ist die Mario Kart-Reihe einer der top-, wenn nicht sogar der einzige echte Anschaffungsgründe für eine Nintendo-Konsole – wenn ich denn mit zu viel Geld gesegnet wäre.

Bedauerlicherweise, der genaue Grund ist nicht bekannt, haben es bis dato weder Sony noch Microsoft geschafft, einen vergleichbar zugänglichen wie süchtig-machenden Arcade-Racer in ihr Portfolio aufzunehmen, der auch nur ansatzweise in die Awesomeness-Regionen eines Mario Kart vordringt. Doch, oh Wunder, es gibt ein gleißendes Licht am Ende des Tunnels – und dieses Licht heißt „Joy Ride Turbo“.

Der von den zu den Microsoft Game Studios gehörenden BigPark Studios entwickelte Titel tauchte vor kurzem für schmale Münze, nämlich gerade mal 800 Microsoft Points (entspricht einem Gegenwert von ca. 10 Euro) im Xbox LIVE Marketplace auf, ist anders als der Vorgänger „Kinect Joy Ride“ ohne Microsofts Kinect-Bewegungssensor spielbar. Und ja, schon nach kurzer Anzockphase war mir klar, dass Microsofts neuester Fun-Racer den beklemptnerten Genreprimus aus dem Hause Nintendo zwar nicht vom Thron stößt, aber dennoch recht nah auf die Pelle rückt. Und das allein sollte für Casual Gamer und jeden, der sich für leicht zugängliche, aber nichtsdestotrotz ungeheuer fesselnde Arcade-Rennspiele begeistern kann, allemal Grund genug sein, sich „Joy Ride Turbo“ einmal etwas genauer anzuschauen!

Joy Ride Turbo
Arcade-Rennspiel, 2012
BigPark Studios / Microsoft Game Studios
www.Xbox.com/Joyride

Spieletrailer

Inhalt
„Von den Machern von ‚Kinect Joy Ride‘ kommt ‚Joy Ride Turbo‘, ein Controller-basiertes Arcade-Rennspiel mit präziser Steuerung, abgedrehter Stunt-Action & Tempo! Im neuen Stunt-Park kannst du dein Können unter Beweis stellen! Erlebe mit Freunden eine irre Tour de Force ohne Limits.“ – Quelle

Kritik
Ja, liebe Nintendo-Fanboys, „Joy Ride Turbo“ ist ganz offensichtlich Microsofts überfällige Antwort auf Nintendos „Mario Kart“-Franchise. Denn im Grunde hat man es bei dem von BigPark Studios entwickelten Rennspiel mit einem Mario Kart-Klon zu tun, nur dass die allseits beliebten Nintendo-Charaktere wie Mario, Luigi, Bowser, Yoshi und Co. durch Xbox-Avatare ersetzt und die relativ oldschooligen und auf Dauer ziemlich eintönigen Karts durch zahlreiche aufgemotzte PS-Schleudern ersetzt wurden, die entfernt an echte Automodelle wie Ford Mustang, VW New Beetle oder einen Hummer SUV erinnern. Die fahrbahren Untersätze sind zudem in verschiedene Fahrzeugklassen unterteilt. Als da wären hochtourige Sportwagen, aufgebohrte Muscle Cars sowie stemmige Trucks zu nennen. Die drei Klassen unterscheiden sich durch ihre Stats wie grundlegendes Handling, Beschleunigung, PS-Zahl, Höchstgeschwindigkeit und die Länge des Turbo-O-Meters voneinander. Nett: Eine gewisse eigene Note kann man einbringen, indem man die Fahrzeug-Karosserie mittels des Ingame-Editors nach seinen Wunschen umgestaltet, etwa indem die Lackierung seinen Vehikels verändert oder mit alternativen Tuning-Teilen an den Start gegangen wird. Irgendwelche Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Geschosse hat dies jedoch freilich nicht.
Auf der Streckenfront werden von Haus aus zehn unterschiedliche, teils zerstörbare Locations mitgeliefert, die alle mit zahlreichen Abzweigungen und Möglichkeiten für spektakuläre Stunts wie Pipes, Steilkurven und Sprungschanzen gespickt sind. Das Gros der Parcours kennen eingeschworene „Joy Ride“-Fans allerdings bereits aus dem Kinect-lastigen Vorgänger.
Wirklich neu und ein echtes Highlight sind hingegen die Stunt-Areas des Spiels: Von denen gibt es zwar lediglich derer zwei, doch aufgrund ihres sehr weitläufigen, mit zahlreichen Loopings, Kanonen und mörderischen Steilwände gespickten Layouts bieten sie massig Möglichkeiten, um sich tricktechnisch die Kante zu geben.

Das spielerische Herz von „Joy Ride Turbo“ sind jedoch nach wie vor die spektakulär inszenierten Rennen gegen die KI oder Freunde lokal an einer Konsole per Splitscreen oder online via Xbox LIVE. Ein Cross-Over aus lokalem und Online-Multiplayer ist ebenfalls möglich: So können beispielsweise zwei Spieler lokal an einer Konsole zocken und bis zu sechs weitere Freunde können sich via Xbox LIVE einklinken – ein Gold-Abonnement vorausgesetzt. Was die Rennevents betrifft, orientiert „Joy Ride Turbo“ sich am bekannten und seit Jahren für gut befundenen „Mario Kart“-Spielprinzip – und macht daraus augenscheinlich auch gar keinen Hehl: Neben den obligatorischen Münzen, Trophäen und freischaltbaren Fahrzeug-Upgrades, die wirklich nahezu allerorten aufgeklaubt werden können, wurden auf den Strecken auch diverse, teils versteckte Power-Ups wie Schockwellen, Bombenhagel, zielsuchende Raketen oder ein praktisches Schutzschild drapiert, mit deren Hilfe man seinen Kontrahenten die Rennfahrer-Karriere schwer machen kann und von denen einige sogar Auswirkungen auf einander haben. So verleibt etwa ein eingesammelter Benzinkanister nicht nur Boost ohne Ende, sondern hebt außerdem auch die elendig lange Wirkung des Gefrierstarre-Items auf oder eine geschickt getimte Schockwelle macht heranschießende gegnerische Raketen unschädlich. Zudem gibt es ein Turbo-O-Meter, welches durch waghalsige Stunts, mörderische Sprünge und weitere halsbrecherische Aktionen aufgefüllt wird und im passenden Moment per Knopfdruck ausgelöst werden kann, um die verdutzten Opponenten in die Röhre gucken, bzw. trockenen Staub fressen zu lassen.

Weiters sind auch ein netter Time Trail-Mode, sowie die Möglichkeit enthalten, kleine aus mehreren hintereinander abgehaltenen Rennen bestehende Meisterschaften zu veranstalten. Auch hier kann man entweder allein an einer Xbox 360 gegen die KI-Fahrer antreten, oder aber man holt sich ein paar Kumpels dazu. Die künstliche Intelligenz der Gegner ist den Entwicklern durchaus gelungen: Sie nutzen jederzeit geschickt die sich anbietenden Abkürzungen, machen eifrig Gebrauch von den auf der Strecke verteilten Power-Ups und wirken allgemein ziemlich dynamisch, drehen also nicht bloß stur auf ein und derselben Linie ihre Runden, sondern nutzen unterschiedliche, der Situation angepasste Rennlinien, etc. Allerdings ist es ganz eindeutig launiger, im Multiplayer gegen ein paar Freunden anzutreten. Denn die bei der geschätzten Gegnerschaft einkehrende Ernüchterung, wenn man irgendwem durch eigenes fahrerisches Können (und vielleicht auch das ein oder andere halsbrecherische Maneuver) den schon sicher geglaubten Sieg wegschnappt, ist einfach unbezahlbar und durch kein KI-Match auf der Welt zu ersetzen!

Noch ein paar abschließende Worte zur Technik, wobei diese, insbesondere was die Grafik angeht, bei einem verhältnismäßig „kleinen“ Xbox LIVE Arcade-Titel wie „Joy Ride Turbo“, zumindest meiner Meinung nach, eher nebensächlich ist: Die Fahrphysik des Spiels ist wirklich klasse! Sicher, den direkten Vergleich mit einem Simulations-Schwergewicht wie zum Beispiel „Forza Motorsport 4“ würde „Joy Ride Turbo“ in 100 Jahren nicht bestehen; der Vergleich wäre aber auch ziemlich vermessen. Für das, was der Titel sein will, nämlich ein spaßiger Arcade-Racer, den man immer mal wieder zwischendurch auspackt, um entweder zwischen Halo 4-Multiplayer-Matches ein wenig Zeit totzuschlagen oder ganz einfach weil’s schlicht und ergreifend Laune macht, mit den Karossen seine Runden zu drehen, ist das Fahrgefühl absolut grandios gut gelungen! Mit dem Xbox 360-Controller hat man jederzeit die volle Kontrolle über seinen fahrbaren Untersatz; präzise Drifts sind genau so möglich wie spektakuläre Ausbrems-Maneuver vor der nächstbesten Schikane oder sehenswerte Moves in der Luft – kein Vergleich zur doch eher hakelig implementierten Kinect-Steuerung des Vorgängers.

Am omnipräsenten, knallbunten Comic-Look des Spiels, der irgendwie frappierend an den GameCube-Klassiker „Zelda: The Wind Waker“ erinnert, kann man sich entweder stören, oder aber man macht es wie ich und freundet sich mit der Zeit mit ihm an und befindet ihn zumindest für zweckmäßig. Ich finde ihn inzwischen sogar sehr ansehnlich! Die gesamte Spielwelt, die PS-geschwängerten Tuning-Karossen und die rumhüpfenden Avatare wirken wie aus einem Guss. Die poppige Grafik präsentiert sich recht detailliert, die verwandten Texturen sind scharf und auch aus nächster Nähe oder bei hoher Geschwindigkeit ansehnlich.
Nicht ganz mithalten kann da leider die Soundkulisse des Spiels, die insbesondere für einen luftigen Fun-Racer äußerst verhalten daher kommt: Weder hat es fetzige Lizenzmucke ins Spiel geschafft, noch gibt es verschroben-witzige Kommentatoren oder sonstige die Stimmung anheizende Soundeffekte.
Ebenfalls negativ: Auf bei Titeln gleicher Machart in den meisten Fällen standardmäßig mitgelieferte Komfort-Funktionen wie eine kleine Streckenkarte mit Positions-Markern oder eine Recorder-/Replay-Funktion, um seine besten Rennsiege oder spektakulärsten Stunts festhalten und auf YouTube uploaden zu können, muss der geneigte „Joy Rider“ unverständlicherweise verzichten. – Schade! Hier wurde einiges an Potential verschenkt…

Fazit
„Joy Ride Turbo“ ist definitiv besser als der insbesondere wegen seiner Kinect-Steuerung viel gescholtene Vorgänger. Die Auswahl an Fahrzeugen, Strecken und Spielmodi stimmt und die Physik sowie das Fahrgefühl der einzelnen Flitzer sind wirklich superb. Zugegeben: Natürlich versprühen die Xbox-Avatare bei weitem nicht den Charm der beliebten Nintendo-Charaktere, aber dennoch: Wer einen launigen Fun-Racer für die nächste Party sucht, ist mit „Joy Ride Turbo“ bestens bedient! – „Joy Ride Turbo“, der derzeit beste Arcade-Racer auf Xbox LIVE Arcade!

— InaiMathi, am 2. Juni 2012

Joy Ride Turbo

Genre: Rennspiel
Release: 2012
Spielzeit: 10 Stunden
Entwicklerstudio: BigPark Studios
Publisher: Microsoft Game Studios
Wertung
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