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Interview mit Pascal Breuer

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Pascal, schildere doch mal, wie Du zur Schauspielerei gekommen bist. Hast Du als Mitglied der Breuer-Familie die Schauspielerei nicht bereits in die Wiege gelegt bekommen?

Pascal Breuer
In die Wiege ist gut – manchmal ist es ein Familienfluch! Da so gut wie alle in meiner Familie mehr oder weniger mit diesem Beruf zu tun haben, hab ich selbstverständlich mit 17 die Aufnahmeprüfung an der Falkenberg Schule in München gemacht, bestanden und bin dem „Ruf des Blutes“ gefolgt…

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Wie bereits erwähnt, bist Du ein begnadeter Schauspieler. Aber auch im Bereich der Synchronisation hast Du Dir sicherlich einen Namen gemacht. Für welchen Bereich würdest Du Dich eher entscheiden, wenn Du die Wahl hättest?

Pascal Breuer
Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich für die Bühne entscheiden – klingt abgedroschen, ist aber so.

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Und wieso gerade das Theater?

Pascal Breuer
Das Spiel auf der Bühne ist unmittelbar. Du kannst an der Stimmung im Raum, an der Luft „schmecken“, ob der Abend funktioniert… oder nicht.

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Hast Du ein bestimmtest Ritual vor jedem Auftritt?

Pascal Breuer
Locker bleiben und sich selbst nicht so wichtig nehmen – das gilt für alles!

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Wie man Deiner Vita entnehmen kann, bist Du auch als Autor fürs Theater tätig. Jetzt wäre interessant zu wissen, wie ein Traumprojekt von Pascal Breuer aussehen würde, so ganz ohne Rücksicht auf ein Budget, etc…

Pascal Breuer
Ein Traum wäre Buch und Regie… und das einem niemand reinquatschen kann. Auf jeden Fall eine intelligente Komödie. Mit ernsten Stücken kann man mich jagen. Wenn man in Deutschland die Frage stellt, was ist wichtiger eine Komödie oder ein Drama? – werden wohl die meisten antworten, das Drama. Warum? Kann eine Komödie nicht genauso viel Inhalt haben? Schaltet man sein Hirn aus wenn man lacht? Molière, Shakespeare und viele andere, haben bewiesen, dass Komödien auch zum nachdenken bewegen können… und ernst ist das Leben schon genug.

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Wie bist Du eigentlich zur Synchronisation gekommen?

Pascal Breuer
Interesse und Geldmangel! Aber das Synchronisieren guter Schauspieler macht Spaß und kann auch eine Herausforderung sein. Viele meiner Kollegen sagen, Synchron hätte nichts mit Schauspielen zu tun. Es sind die Selben, die aus dem Kino kommen und sagen: “Mensch, der Robert De Nero war aber wieder toll!“. Dabei vergessen sie leider das 50 Prozent seiner Leistung in Deutschland, der deutsche Sprecher erbracht hat.

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Viele unserer Leser fragen sich, wie die Synchronisation eines Filmes abläuft. Könntest Du mal einen typischen Ablauf aus Deiner Sicht beschreiben?

Pascal Breuer
Zuerst wird eine Rohübersetzung angefertigt, die anschließend (meistens vom Regisseur) in eine synchrone Fassung umgeschrieben wird. Danach wird der Film „getakt“. Das bedeutet, er wird in kürzere, sprechbare „Takes“ zerteilt. Dann geht es ab ins Studio. Dort sitzt ein Tonmeister der alles aufnimmt und dem Film die nötige Atmosphäre zurückgibt – und mir vorhält wie viel Sprachfehler ich habe… dann eine Cutterin, die für die Synchronität die Verantwortung trägt – und mir sagt wie oft ich daneben liege – und dann, last but not least, der Regisseur, und der hat mir viel zu sagen… (lacht)

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Jetzt mal im Ernst, ein Tag im Leben eines Schauspielers bzw. eines Synchronsprechers ist doch sicherlich anstrengend! Wie sieht ein typischer Tagesverlauf von Dir aus?

Pascal Breuer
Grundsätzlich zu wenig Schlaf! Aspirin, duschen, – erste Zigarette, Kaffee & Frühstück, – zweite Zigarette… und dann looooos!!! Das schöne an diesem Beruf ist die große Abwechslung. Ein Drehtag verläuft völlig anders als ein Synchrontag oder zwei Stunden auf der Bühne. Manchmal kommt auch alles zusammen. Es gibt auch Wochen ohne Arbeit und in dieser Zeit versuche ich private Dinge zu erledigen. Aber eines kann ich sagen – man weiß nie wie der Tag verläuft! Und das ist spannend.

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Aktuell bist Du in den Bollywood-Filmen als deutsche Stimme von Shah Rukh Khan zu hören. Was denkst Du eigentlich privat über indisches Kino? Schaust Du Dir diese Filme an?

Pascal Breuer
Ich muss zugeben, dass ich am Anfang sehr skeptisch war. Indische Filme sprengen unsere Sehgewohnheiten indem sie hemmungslos in den Genres springen. Drama, Komödie und Musical liegen hier, für unseren Geschmack, sehr nahe.. aber genau das macht den Spaß aus. Lässt man sich darauf ein, darf man drei Filme in einem sehen und das auf höchstem Niveau. Man darf auch nicht vergessen, dass die indische Filmindustrie die Größte der Welt ist – und dafür muss es doch einen Grund geben.

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Neben Realfilmen sprichst Du aktuell auch in Animes wie „Inuyasha“. Gibt es Unterschiede in der Art, wie man einen solchen Zeichentrick-Charakter spricht?

Pascal Breuer
Ja, natürlich. Die Charaktere in Zeichentrickfilmen werden meistens chargiert. Das macht zwar Spaß ist aber anstrengend und in Realfilmen verboten!

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Wie sieht es mit dem Projekt „Inuyasha“ eigentlich momentan aus? Hast Du Deinen Text schon zu Gesicht bekommen bzw. schon eingesprochen oder folgt das in absehbarer Zeit noch?

Pascal Breuer
Die Folgen werden im Moment synchronisiert… Den Text sehe ich immer erst im Studio und bitte frage mich nichts zum Inhalt – ich habe keine Ahnung…

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Gibt es ein Studio, von dem Du sagst, dass Du Dich dort besonders gern aufhältst?

Pascal Breuer
PPA Film! Locker und deshalb gut!

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Wie fühlt es sich nach all den Jahren an, wenn man seine Stimme in Verbindung mit einem bekannten Hollywood-Gesicht hört?

Pascal Breuer
Man gewöhnt sich daran. Nein im Ernst, ich habe so viel synchronisiert, dass ich mir manchmal alte Filme ansehe und denke, was ist das denn für ein bescheidener Sprecher, bis ich merke, „Oh, das war ich ja selber…“

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Wenn Du die Auswahl hättest… Wem würdest Du gerne mal Deine Stimme leihen, wenn er noch keine deutsche Feststimme hätte?

Pascal Breuer
Angelina Jolie… aber da würde ich mich schwer tun. Und von den Jungs… Johnny Depp, der Kerl dreht einfach gute Filme.

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Was schaut Pascal Breuer eigentlich privat?

Pascal Breuer
Querbeet. Aber ich gebe zu, dass ich auf Action, SciFi, und Fantasy stehe.

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An welche Produktionen erinnerst Du Dich immer mal wieder gern zurück?

Pascal Breuer
Natürlich die Bollywood Filme… Nein im Ernst, Shah Rukh Khan zu sprechen macht schon sehr viel Spaß. Er ist ein großartiger Schauspieler und hat viel Charme. Und der Genre-Mix in diesen Filmen erlaubt mir eine größere Palette an Ausdrücken bedienen zu dürfen.

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Hast Du mit einigen Deiner Kollegen auch außerhalb des Studios bzw. des Sets Kontakt?

Pascal Breuer
Ja. Auch wenn Gerüchte anderes behaupten! Es gibt auch Schauspieler die keinen Knall haben – aber man muss suchen!

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Erzähl uns doch bitte etwas über Deine zukünftigen Projekte!

Pascal Breuer
Ab August 2005 spiele ich in München in der Komödie im Bayerischen Hof „Priestermacher“, danach im selben Haus „Die Feuerzangenbowle“ (den Pfeiffer mit drei F). Dann, im Januar und Februar, geht’s auf Tournee mit „Ladies Night“. Dann nach Berlin „Lantana“ – zurück nach München… „Ladies Night“ im Bayerischen Hof und wieder ab nach Berlin für den zweiten Teil „Lantana“. Zwischendrin wird noch ein wenig gedreht (Küstenwache / ZDF) und ein bis zwei Bollywood-Filme synchronisiert. Nebenher übersetze ich noch englische Stücke und wenn Zeit bleibt, atme ich mal durch.

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Ein paar Worte an Deine Fans…

Pascal Breuer
Nur die Anerkennung für das Geleistete macht es sichtbar. Dafür tausend Dank! Ach so, und denkt daran… Immer locker bleiben und nehmt die Schauspieler nicht so wichtig, sind auch nur Menschen.

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Wir wünschen Dir auch weiterhin viel Erfolg!
Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Das Interview mit Pascal Breuer führte ich im Jahr 2005. Veröffentlicht wurde es auf SynchroWorld.de, einem mittlerweile eingestellten Branchenmagazin für Synchronschaffende.

— InaiMathi, am 1. April 2005
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