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Profesionell Redder Van De Prinsessen. Een halve dag.
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Hiybbprqag

Man kennt das ja: Platzhirsche, egal in welcher Branche, haben sich in all den Jahren so sehr am Platz an der Sonne eingerichtet, dass sie mitunter zu recht merkwürdigen Mitteln greifen, um diesen zu verteidigen. Ein Paradebeispiel dafür lieferte am gestrigen Dienstag niemand geringeres als Google, für viele der Inbegriff der Websuche schlechthin.

Das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien behauptet, der wesentlich kleinere, aber in den letzten Monaten und Jahren zumindest in den USA immer erfolgreicher operierende Wettbewerber Bing, hinter dem niemand geringeres als der Software-Gigant Microsoft und somit Googles Nemesis steht, würde “Suchergebnisse von Google klauen” und diese anschließend in die eigene Suche einfließen lassen. Dies hätten diverse von Google durchgeführte Langzeittests mittels manipulierter Suchphrasen und “aufgestellter Fallen” belegt. Anschließend ging Google mit den gesammelten Erkenntnissen und knallharten “Beweisen” an die Öffentlichkeit, und zwar pikanterweise just an jenem Tag, an dem das von Bing gehostete Big Think Panel “Beyond The Search Box” veranstaltet wurde, an dem u.a. auch Vertreter von Google, Matt Cutts, und Bing, Harry Shum, teilnehmen sollten. Ein Video der Google vs. Bing-Diskussion ist an dieser Stelle zu finden.

“I’ve got no problem with a competitor developing an innovative algorithm. But copying is not innovation, in my book.” - Amit Singhal, Google

Microsofts Antwort ließ nicht lange auf sich warten, und so kommentierte Stefan Weitz, seines Zeichens Director Bing Search bei Microsoft, die ziemlich abstruse Angelegenheit gegenüber SearchEngineLand.com wie folgt:

“As you might imagine, we use multiple signals and approaches when we think about ranking, but like the rest of the players in this industry, we’re not going to go deep and detailed in how we do it. Clearly, the overarching goal is to do a better job determining the intent of the search, so we can guess at the best and most relevant answer to a given query.

Opt-in programs like the [Bing] toolbar help us with clickstream data, one of many input signals we and other search engines use to help rank sites. This “Google experiment” seems like a hack to confuse and manipulate some of these signals.” - Stefan Weitz, Microsoft

Nur wenig später schob die – zumindest gestern – hart an der Belastungsgrenze arbeitende Microsoft-PR Abteilung gegenüber Mary-Jo Foley von ZDNet.com noch ein unmissverständliches “We do not copy Google’s results” nach.

An dieser Stelle möchte ich jetzt einfach auch mal meine 2 Cents zu der Angelegenheit loswerden und betonen, dass ich mich ausdrücklich nicht parteiisch verhalten, sondern meinen zweifelsohne noch vorhandenen gesunden Menschenverstand urteilen lassen werde!

Rufen wir uns also noch einmal ins Gedächtnis, was Google dem Konkurrenten Microsoft eigentlich vorwirft: Dessen Suchmaschine Bing stehle, so Google, klamm und heimlich Google-Suchergebnisse und ließe diese in die eigenen einfließen, um so deren Qualität und Relevanz zu verbessern. Ja, es fiel ausdrücklich das Wort “stehlen”, was allein für sich genommen schon ziemlich over the top ist, aber nun gut. Für einen Laien, der sich nicht so intensiv mit der Materie beschäftigt, bzw. jemanden, der erst heute durch die Medien von der ganzen Sache erfährt, muss das alles ja reichlich dramatisch, ja beinahe schon nach einem neuen Dan Brown-Thriller klingen. Für jemanden, der jedoch ein wenig Hintergrundwissen darüber mitbringt wie “mal eben im Web was suchen” funktioniert, mutet die ganze Geschichte eher an wie ein äußerst schlechter Groschenroman, geschrieben von einem alternden Autor, der den Zenit seines Erfolges bereits hinter sich hat und langsam aber sicher den Druck der Jungen Wilden zu spüren bekommt.

Ok, und wie genau kam Google Bing nun eigentlich “auf die Schliche”? – Google legte im vergangenen Dezember diverse zufallsgenerierte Suchphrasen an und verknüpfte diese mit bestimmten Suchtreffern. Wer beispielsweise nach der absolut sinnfreien, da wirren Buchstabenkolonne “Hiybbprqag” suchte, erhielt diese Google-Suchergebnisse als Ausgabe, mit einer Seite, die normalerweise rein gar nicht mit der eigentlichen Suchphrase zu tun hat. Es ist/war auch der einzige Treffer zu “Hiybbprqag”, weil es schlicht keine weiteren gibt/gab. Von diesen manipulierten Suchphrasen existierten laut Google 100 an der Zahl. Wenn sich Bing bei Googles Suchergebnissen bedient, müssten ja zwangsläufig exakt die selben, vollkommen abstrusen Suchergebnisse ausgegeben werden, so der Gedanke hinter der ganzen Aktion. Da jedoch niemand nach diesen zufallsgenerierten Buchstabenkolonnen sucht, stellte Google 20 (!) Mitarbeiter ab, die von zuhause aus jeden Tag nach eben diesen suchten und immer wieder ein bestimmtes Suchergebnis anklickten. Dies nennt sich “Click Fraud” und ist eine durchaus populäre Methode, den Pagerank einer Website durch bewusste Irreführung/Betrug der Suchmaschine immer weiter in die Höhe zu treiben, bis sie schließlich auf der Suchergebnisseite auf Platz 1 zu finden ist. Dazu nutzten sie eine frische Windows-Installation und den Internet Explorer 8 von Microsoft. Und in der Tat: Nach rund zwei Wochen tauchten in 7-9 von 100 Fällen diese vollkommen unsinnigen Suchergebnisse auch bei Bing auf, was im Umkehrschluss bedeutet: In mindestens 91 Prozent der Fälle unterschieden sich Bings Suchergebnisse von denen Googles! Für Google war trotzdem bewiesen: Microsofts Suchmaschine kopiert/klaut unsere Suchergebnisse – Skandal!

Skandal? Dass das alles andere als ein Skandal ist, lässt sich leicht erklären: Microsoft geht hin und lässt Nutzerdaten wie Clickstreams in die Gewichtung der Bing-Suchergebnisse einfließen. War schon immer so, ist nix Neues, machen andere nicht anders. Besagte Daten stammen zu einem großen Teil von Nutzern des Internet Explorer 8 (und wohl auch der IE9 Beta) und/oder solchen Browsern, bei denen die Bing-Toolbar installiert wurde. Dort und nur dort loggt Microsoft mit, nach was die Nutzer im Web suchen. Macht Google bei seiner eigenen Toolbar und dem Chrome Browser übrigens nicht anders: Alle dort eingegebene Daten werden unverzüglich und auf direktem Wege an Google gesendet. Bis hierhin also kein Skandal in Sicht. Microsoft geht jedoch noch einen Schritt weiter und loggt auch explizit mit, wonach Nutzer auf der Google-Website suchen und welche Suchergebnisse sie dort anklicken – und lässt diese Daten dann ebenfalls in die Gewichtung der eigenen Suchergebnisse auf Bing.com mit einfließen. Es wird also nichts von Google “kopiert” oder “gestohlen”, sondern lediglich das individuelle Surfverhalten der Nutzer analysiert, ausgewertet und daraufhin entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Das ist absolut kein Skandal, sondern durchaus branchenüblich! Die angesprochenen Nutzerdaten werden darüber hinaus anonym erhoben und laut Microsoft auch nur dann erfasst und an die redmond’schen Server weitergeleitet, wenn der Nutzer dem im Vorfeld ausdrücklich zugestimmt hat. Sowas steht allgemeinhin in den Terms of Use (Nutzungsbedingungen), die man bei der Installation einer neuen Software gerne mal akzeptiert, ohne sie wirklich gelesen zu haben. ;) Oder aber man nimmt an so genannten “Programmen zur Verbesserung der Produktqualität” teil. Auch dann werden üblicherweise anonymisierte Daten erhoben. Wer seine Daten lieber für sich behalten möchte, kann die Erfassung jederzeit schnell und unkompliziert mit ein paar Klicks unterbinden. Im Internet Explorer kann dies über das Optionsmenü getan werden, bei der Bing Toolbar ebenfalls.

Die mitgeloggten Daten durch Nutzer des Internet Explorer 8 und der Toolbar sind jedoch nur einer von mehreren hundert verschiedenen Datenströmen, die Microsofts Suchmaschine Bing für die Gewichtung der eigenen Suchergebnisse heranzieht. Harry Shum, Vice President Bing Search bei Microsoft, spricht in seinem Blogpost auf der Bing Community Website sogar von über 1000 (eintausend!) Faktoren, die bei der Gewichtung des Rankings angeblich eine Rolle spielen sollen. Das Mitloggen, wonach Nutzer u.a. mit Google und ähnlichen Diensten und Websites suchen, gehört ausdrücklich dazu!

“We use over 1,000 different signals and features in our ranking algorithm. A small piece of that is clickstream data we get from some of our customers, who opt-in to sharing anonymous data as they navigate the web in order to help us improve the experience for all users.

(…) What we saw in today’s story was a spy-novelesque stunt to generate extreme outliers in tail query ranking. It was a creative tactic by a competitor, and we’ll take it as a back-handed compliment. But it doesn’t accurately portray how we use opt-in customer data as one of many inputs to help improve our user experience.” – Harry Shum, Bing

Dass in 9 der 100 Fällen die von Google ausgelegten Fallen zuschnappten, ist schlicht und ergreifend mit der Tatsache zu erklären, dass Google durch die Verwendung von bewusst manipulierten Suchergebnissen alle weiteren Datenströme, die Bing normalerweise nutzt, um seine Suchergebnisse zu gewichten, ausschaltete und sich Microsofts Suchmaschine somit nur noch auf die gesammelten, von den Google-Ingenieuren beeinflussten Clickstream-Daten (siehe oben) verlassen konnte. Das alles ist so furchtbar logisch und für jeden, der sich ein wenig mit der Materie auskennt, im Handumdrehen nachvollziehbar, dass ich mich frage, weshalb das Gros der Medien schon wieder auf den Evil-Microsoft-Zug aufspringt?! Insbesondere die deutschen Medien sind bei sowas ja immer ganz schnell an vorderster Front dabei, ohne wirklich Ahnung zu haben, worüber sie da eigentlich schreiben…

Nochmal: Microsoft kopiert nicht 1:1 die Suchergebnisse der Konkurrenz, sondern loggt lediglich mit, wonach Nutzer, die dem zuvor ausdrücklich zugestimmt haben, mit Google und anderen Services suchen und was sie anklicken! Es ist keinesfalls so, dass Microsoft, bzw. Bing hingeht, die kompletten Suchergebnisse von Google spidert und diese dann unverändert als eigene ausgibt, wie von Googles PR-Abteilung und – natürlich – den zahlreichen Fanboys überaus angestrengt versucht wird zu suggerieren!

Google beabsichtigt hier ganz eindeutig, einen Skandal an den Haaren herbeizuziehen, wo im Grunde keiner ist, und Microsoft mal wieder das Image des Schmuddelkinds zu verpassen. Klar, man ist in Mountain View dezent angepisst angefressen ob der Tatsache, dass Microsoft die unbestrittene Klasse des Google Suchalgorythmus ausnutzt, um dadurch die Qualität der eigenen Suchergebnisse indirekt zu verbessern. Hinzu kommt die Tatsache, dass Bing seinen Marktanteil in den USA kontinuierlich ausbaut, während Google über das Jahr gesehen bestenfalls stagniert. Aber mein Gott, sag ich da, who cares?! Ich würde Microsofts Vorgehen trotzdem nicht als “Diebstahl von Daten” bezeichnen, die btw sowieso niemanden gehören, sondern vielmehr als einen überaus smarten, da in dieser Form wohl noch nie dagewesenen Schachzug. Google rühmt sich oft und in aller Ausführlichkeit für seinen superben Suchalgorithmus und die Qualität der gelieferten Suchergebnisse. Letztere sind für jedermann frei zugänglich. Schließlich ist auch Google.com nur eine öffentliche Website von vielen. Warum sollte die Konkurrenz nicht davon profitieren, indem sie analysiert, was der Nutzer auf dieser Seite so anklickt, und diese Info zur Verbesserung des eigenes Angebots nutzt? Macht Google schließlich ebenfalls. Außerdem ist Google doch immer so darauf bedacht, sich als “open” zu präsentieren. In diesem speziellen Fall etwa nicht?

Des weiteren ist es schlichtweg dreist zu behaupten, Microsoft würde Googles Suchergebnisse unverändert “kopieren” – oder krasser ausgedrückt: “stehlen”! Ganz einfach, weil jeder, aber auch wirklich jeder Mensch da draußen mittels praktischer Tools wie Bing-vs-Google.com in Windeseile überprüfen kann, dass dem nicht so ist. Google und Microsofts Bing liefern nicht dieselben Suchergebnisse!

Apropos, wenn die Verantwortlichen bei Google schon solch freundliche Worte wie “stehlen” in den Mund nehmen, sollte man vielleicht mal aufzählen, was Google seinerseits in den vergangenen Monaten und Jahren bei der Konkurrenz, namentlich bei Bing so alles hat mitgehen lassen. Als da wären:

  • das neue Layout der Suchergebnisseiten mit Sidebar
  • Sublinks im Falle eines als ‘Featured’ ausgegebenen Suchergebnisses
  • der kläglich gescheiterte Versuch, seinen Nutzern ein eigenes Homepage-Pic-of-the-Day anzubieten
  • Infinite Scroll
  • die grundsätzliche Umsetzung der Bildersuche
  • und, und, und…

Da kommt einiges zusammen, was ursprünglich auch nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist, sondern bei Microsofts Decision Engine abgekupfert wurde. Teils sogar ziemlich plumb, wie beispielsweise das halbgare Homepage-Pic.

Google, kehrt lieber erstmal vor der eigenen Tür, bevor ihr die Konkurrenz aus lauter Verzweiflung in einem zugegeben netten PR-Stunt des Diebstahls bezichtigt! Ist ja nicht so, dass ihr nicht auch so eure Probleme hättet, mit denen ihr euch derzeit konfrontiert seht, wie zum Beispiel mehrere laufende EU-Verfahren wegen Manipulation der Suchergebnisse oder die Massen von Spamsites in euren Suchergebnissen, die wohl einzig und allein aus dem Grund nicht im großen Stil herausgefilert werden, weil es sich mit den gerade auf solchen Seiten geschalteten Google Adsense-Anzeigen so vortrefflich gut verdienen lässt.

Übrigens: Frank Watson von SearchEngineWatch.com listet in seiner Zusammenfassung der Geschehnisse einen interessanten Punkt, den ich an dieser Stelle hier nicht unerwähnt lassen möchte:

“What did I learn from all this that may impact my search marketing?

Google CAN manually impact search results and I tend to believe big spending advertisers could influence that. As someone who was in charge of a major spend at Google, I had my organic results changed when an algorithm glitch dropped the site from the rankings.” - Frank Watson, SearchEngineWatch.com

Einfach mal drüber nachdenken.

Ich für meinen Teil kriege bei solchen Aktionen Marke “losheulen und mit dem Finger drauf zeigen” regelmäßig das große Kotzen! Wer wie ich gestern die Big Think-Diskussionsrunde gesehen und mal auf Googles streckenweise unfassbar selbstgefälligen Matt Cutts geachtet hat, wird sicherlich wissen, was ich meine. Hat Google so etwas nötig? Really? So oder so haben sie bei mir massiv Kredit verspielt. Einen Wettbewerber mittels einer wenn man ehrlich ist unfassbar billig inszenierten Finte vom Kaliber “Click Fraud” des Diebstahls zu bezichtigen, die verwendete Wortwahl in ihren Blogposts, die Überheblichkeit, die da an den Tag gelegt wird, das ist unfassbar dreist und markiert eine neue Stufe der Rivalität zwischen Redmond und Mountain View.

Was nun auf gar keinen Fall passieren darf, ist, dass sich irgendwer von Microsofts Bing-Team von diesen Attaken aus der Ruhe bringen lässt. Konzentriert weiterarbeiten lautet die Devise und mit neuen Features und Innovationen wie dem kommenden Bing-HTML5-Update überzeugen. Der bisherige Erfolg der Decision Engine spricht für sich und beweist, dass es da draußen durchaus ein Verlangen nach einer zweiten starken Stimme auf dem globalen Suchmaschinenmarkt gibt!

In diesem Sinne: Bing on!

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