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Hikari, die holographische Freundin

Japan leidet wie z.B. auch Deutschland und weitere westliche Länder unter einer niedrigen Geburtenrate, was seit Jahren schon einen Bevölkerungsrückgang zur Folge hat. Wissenschaftler der Tokyo University haben unlängst eine Statistik veröffentlicht die besagt, dass, sollte das derzeitige Geburtenniveau von nur 1,4 Kindern pro Frau weiter anhalten – oder gar weiter sinken -, in einigen hundert Jahren in Japan nur noch ein einziges Kind zur Welt kommen wird – im gesamten Jahr, wohlgemerkt! Was ist der Grund für das Aussterben der Japaner? Neben gesellschaftlichen Zwängen und vorherrschender Introvertiertheit, ist es vor allem die daraus entstehende Isolation, die Einsamkeit vieler Menschen, die sich in der Regel nicht mit dem hierzulande beinahe schon glorifizierten Single-Dasein vergleichen lässt, und die in einigen Fällen sogar zum Tod führen kann. Allein im Ballungsgebiet Tokyo soll es rund 3.000 Sterbefälle im Jahr geben, die auf Vereinsamung zurückgeführt werden. Bis diese Toten gefunden werden, ziehen nicht selten Jahre ins Land, weil sie schlicht von niemandem, nicht einmal von Angehörigen vermisst werden.

Da sich diese grundtraurige Situation vieler Japaner geradezu aufdrängt, um aus ihr Kapital zu schlagen, wundert es mich nicht im geringsten, dass ein findiges Unternehmen exakt das nun zu tun gedenkt: So hat GateBox, ein im amgesagten Tokyoter Szene-Stadtteil Akihabara angesiedelter Hersteller von Elektronik-Lösungen, Hikari ersonnen. Hikari ist eine virtuelle Freundin, ein „Hologramm“ um genau zu sein, das einsamen Männern Halt geben soll, damit diese sich nicht mehr einsam fühlen müssen und sich vielleicht sogar dazu durchringen können, das Wagnis einer realen Partnerschaft einzugehen. Ob eben dies dann von Erfolg gekrönt ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Ersatzfreundin Hikari schaut mit ihren großen Kulleraugen aus wie ein typischer Anime-Charakter, „lebt“ in einer knapp 50cm kleinen Glasbox, die auf den ersten Blick an eine futuristische Kaffeemaschine erinnert, und kann ihrem Besitzer, den sie stets devot mit Senpai (dt. „Meister“) anspricht, in vielerlei Hinsicht unter die Arme greifen und motivieren. Sie kann ihn allmorgendlich wecken, ihn vor dem Verlassen der Wohnung daran erinnern einen Regenschirm mitzunehmen, weil die Wettervorhersage für später am Tag Regel angekündigt hat, kann ihm SMS schreiben und darin einen schönen Arbeitstag wünschen und ihn sogar dazu auffordern, sich mit dem nach Hause kommen nicht zu viel Zeit zu lassen, weil sie ihn ansonsten vermissen würde. Hikari, die von ihrem Hersteller erstaunlich unemotional als „Communication Robot“ (dt. Kommunikations-Roboter) bezeichnet wird, kann überdies – dem Vorbild Amazon Echo folgend – das Licht an und aus schalten, sowie Heizung und Klimaanlage regeln, damit ihr Senpai dies nach seinem harten Arbeitstag nicht mehr tun muss.

Was Hikari indes nicht geben kann, dürfte mehr als offensichtlich sein.

Wie auf der Website des Herstellers GateBox zu erfahren ist, wird Hikari ab Dezember 2017 über den eigenen Onlineshop vertrieben. Die Produktion ist zum Launch auf lediglich 300 Exemplare limitiert, von denen eines mit 298.000 Yen (ca. 2.500 Euro) zu Buche schlagen soll.

— InaiMathi, am 22. Januar 2017
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