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InaiMathi Blog

Grave Encounters

Grave Encounters - © Falcom Media

Nachdem „Paranormal Activity 4“ in meinen Augen eine ziemlich herbe Enttäuschung war (siehe dazu meine Filmkritik), stand mir der Sinn gestern mal wieder nach einem Schocker, der genau das liefert, was sein Genre verspricht: handwerklich solide produzierter Horror vom Feinsten. Nach Rücksprache mit meiner ebenfalls Horror-affinen besseren Hälfte, fiel die Wahl letztendlich auf „Grave Encounters“, einen 2011 veröffentlichten, kanadischen Low-Budget-Movie, welcher auf der Kauf-DVD als „weltweites Horror-Phänomen“ vermarktet wird, was angesichts seiner Unbekanntheit relativ überraschend für mich war und auch ein bisschen großspurig daher kommt. Aber naja, muss ja nix heißen.

Es folgt meine ausführliche Filmreview zu „Grave Encounters“, in deren Verlauf unter anderem die Frage beantwortet werden wird, ob sich der Film mit seinen großen Vorbildern „The Blair Witch-Project“, „Paranormal Activity“, „REC“ und „Chernobyl Diaries“ (siehe meine Review), deren filmerisches Vermächtnis er mehr als einmal bemüht, messen kann – oder nicht.

Grave Encounters
mit Sean Rogerson, Ashleigh GryzkoJuan Riedinger, u.a.
Horror, Kanada, 2011
Twin Engine Films / Falcom Media

Filmtrailer

Inhalt
„2003 gingen Lance Preston (Sean Rogerson) und seine Crew der Geisterjäger-Reality-TV-Serie ‚Grave Encounters‘ für eine Episode in die verlassene Collingwood-Psychiatrie, von wo seit Jahren über ungeklärte Phänomene berichtet wird. Sie schließen sich für eine Nacht im Hospital ein, denn für eine gute Sendung macht man alles. Doch schnell müssen sie feststellen, dass sie es mit einer Macht zu tun haben, die alles, was sie bisher erlebt haben, in den Schatten stellt. Das Gebäude ist nicht einfach nur verflucht oder von Geistern besessen, es lebt selbst und macht keine Anstalten seine neuen Bewohner jemals wieder gehen zu lassen. Verloren in einem Labyrinth von schier endlosen Gängen und Korridoren und terrorisiert von den Geistern früherer Patienten, gleiten Lance Preston und seine Crew selbst immer tiefer in den Wahnsinn.“ – Quelle

Kritik
Um es kurz zu machen: „Grave Encounters“ ist eine kunterbunte Ansammlung, geradezu ein Mischmasch all jener Horror-Elemente, die bereits andere so genannte Found-Footage-Movies der letzten Jahre ausgezeichnet und nicht zuletzt unheimlich populär gemacht haben. Als da wäre die obligatorische Wackelcam samt Filmcrew aus „The Blair Witch-Project“, das dämonische Grundsetting aus „Paranormal Activity“ (siehe meine Filmrezension), und ja, sogar die guten alten Totes-Holz-Medien wurden nicht außen vor gelassen: So gibt’s im Verlauf der gut anderthalb Stunden, in denen der Film darum bemüht ist, beim Zuschauer so etwas ähnliches wie Grusel zu erzeugen, mehrfach Abschnitte, die frappierend an Mark Z. Danielewskis Werk „Das Haus – House of Leaves“ erinnern. So weit, so gut, würde man meinen. Wenn The Vicious Brothers (die könnten vom Namen her auch gut in der Porno-Branche Fuß fassen, oder?) schon keine bis kaum eigene Ideen haben, dann doch wenigstens ein paar gute zusammen klauen. Ja, in der Theorie hätte „Grave Encounters“ unter Umständen wirklich ein guter Horrorfilm werden können – wenn, ja, wenn’s denn bei der Theorie geblieben wäre und man sich die Umsetzung auf Vinyl gespart hätte.

Um ehrlich zu sein, kann ich dieses „Ein Filmteam ist während eines Drehs an einem unheimlich schaurigen Ort spurlos verschwunden, aber Gott sei Dank wurde nur wenig später das abgedrehte, unfassbar grauenvolle und Geister-durchzogene Rohmaterial gefunden, so dass der total seriöse Produzent dieses trotzdem noch veröffentlichen kann, um wenigstens die Kosten wieder reinzuholen“-Setting langsam aber sicher nicht mehr ertragen. Was bei „The Blair Witch-Project“ (siehe meine Review), der unangefochtenen Mutter aller Low-Budget-Horror Movies, noch ziemlich cool und insbesondere unverbraucht rüber kam, ist mittlerweile nach dem x-ten Aufwasch nur noch öde und einschläfernd. Die Masche zieht einfach nicht mehr, vielleicht spricht sich das endlich auch mal bis nach Kanada rum?!

Ziemlich unausstehlich sind auch das Team, bzw. die Charaktere an sich, was für einen Film, dessen Ziel es ist – oder zumindest sein sollte, den Zuschauer mit der Zeit emotional an die Charaktere im Film zu binden, während man hautnah an deren unschönem Schicksalsverlauf teilnimmt, schon ein echtes Armutszeugnis darstellt. Die einzelnen Mitglieder der „Grave Encounters“-Filmcrew setzen sich aus gleich mehreren Stereotypen zusammen, die vom Drehbuchautoren stereotypischer nicht hätten angelegt sein können! Als da wäre der Starmoderator (zumindest hält er sich für einen…) der namensgebenden Geistershow „Grave Encounters“, Lance Preston (Sean Rogerson), dessen auf den ersten Blick toughe Assistentin Sascha (Ashleigh Gryzko), die irgendwann nur noch nach ihrer Mami geschrien hat (!) und fertig war mit der Welt, der offensichtlich irgendeinem Hinterhof entsprungene Gangstar-Kameramann T.C. (Merwin Mondesir), das verlogene pseudo-Medium Jerry Hartfield (Ben Wilkinson) sowie Matt White (Juan Riedinger), seines Zeichens für die Technik zuständig und der obligatorische Zweifler.
Alles absolut keine Sympathieträger, denen man ohne weiteres 90 Minuten seines Lebens widmen möchte, allerdings auch keine so dermaßenen Totalausfälle, dass man ihnen allen durch die Bank den Tod oder zumindest einen zünftigen Herzinfarkt an den Hals gewünscht hätte. Eher ein belangloses Zwischending von gemiedenen Allerweltstypen auf der Suche nach einem Fünkchen Charisma. Angesichts dieser Voraussetzungen konnte sich bei mir einfach keine Bindung zu den Charakteren aufbauen, was für mich immer ein gutes Zeichen dafür ist, dass entweder mit dem Drehbuch oder dem besetzten Cast nicht stimmt. Oder gleich beides liegt im Argen. – In diesem Fall tippe ich eindeutig auf letzteres!

Was mir ebenso wenig gefällt, ist der ausgesprochen plumpe Horror und laue Grusel, welchen man in „Grave Encounters“ vorgesetzt bekommt. Im Unterschied zu den meisten ähnlich konzipierten Streifen aus dem unteren Low-Budget-Bereich, wird dem geneigten Zuschauer das Grauen – in diesem Fall die Geister und gruseligen Erscheinungen – direkt und unmittelbar vor Augen geführt, die Kamera – also in der Regel T.C. – hält voll drauf. Anstatt das Unbekannte lediglich subtil anzudeuten, wird die dämonische Gefahr somit greifbar und nach einer Weile sogar einschätzbar. Wohl, damit auch der dümmste Depp im Dorf mitbekommt, dass es in dem verlassenen Sanatorium, in dem das Team sich zwecks Geisterjagd hat einsperren lassen, nicht mit rechten Dingen zugeht. – So etwas schockt vielleicht einen dumpfen Teenager mit einer Aufmerksamkeitsspanne von maximal 30 Sekunden und verkrüppelter Fantasie und Vorstellungsgabe – mich jedoch nicht einmal ansatzweise!
Das verlassene Sanatorium ist übrigens eine durchaus tolle, da sehr atmosphärische Kulisse, die mich so ein bisschen an die berühmten Beelitz-Heilstätten in Berlin-Brandenburg erinnert hat, in deren wunderschön schaurigen Hallen es übrigens auch spucken soll, aber das nur am Rande. Mein Gott, man hätte aus der Location so viel mehr hätte machen können, anstatt lediglich stupide durch schnurgerade Gänge zu schleichen, ab und an mal in ein der offen stehenden Türen zu filmen und dann plötzlich total erschrocken tun, weil nach dem 738. absolut unspektakulären Durchgang wirklich mal irgendjemand, bzw. irgendetwas im dunklen Zimmer hockt. Übrigens stilecht in der Ecke mit Blick auf die kahle Betonwand, wie schon seinerzeit der gute Mike in der bereits mehrfach angesprochenen Dokumentation über die mysteriöse Hexe von Blair. Und das war bei weitem nicht das einzigste augenscheinlich abgekupferte Element im Film: Auch die Tatsache, dass sich – Achtung, Spoiler! – die bautechnischen Gegebenheiten innerhalb des Gebäudes mit immer weiter voranschreitender Zeit verändern und dass eben diese für alle Beteiligten wie im Fluge zu vergehen scheint, dürfte den ein oder anderen Horror-affinen Bücherwurm da draußen aufhorchen lassen, kamen sie doch u.a. in dem 2007 erschienenen fantastischen Roman „Das Haus – House of Leaves“ von Mark. Z. Danielewski (siehe meine Buchrezension) vor.

„Grave Encounters“ hingegen macht auf mich phasenweise den Eindruck eines Abschlussprojekts engagierter Filmstudenten, die ihr Handwerk zwar durchaus beherrschen, jedoch noch kaum handfeste Erfahrungen in der „echten Welt“ da draußen abseits des Universitäts-Campus gesammelt haben. Vieles im Film wirkt gewollt, aber nicht gekonnt, nicht homogen in die Handlung eingewoben, schlicht aufgesetzt oder einfach bloß billig. Ja, selbst die anderswo zusammengeklauten Elemente erwecken auf Dauer eher den Eindruck ein Fremdkörper im Film zu sein, anstatt einer liebevolle Hommagen an Klassiker und offensichtliche Vorbilder, – sollte es denn wirklich die Intention der Macher gewesen sein, eingangs erwähnte Titel zu zitieren, anstatt plump abzukupfern.

In der letzten halben Stunde legte der Streifen überraschenderweise dramaturgisch eine halbe Schippe drauf: Die Bedrohlichkeit der Umgebung nahm zu, die Panik der noch versammelten Protagonisten ebenso. Irgendwann ging’s sogar den in dem verlassenen Gebäude herum huschenden Nagetieren an den Kragen, was allerdings wie pure Effekthascherei rüberkam! Trotzdem: Hier wurde aus dem bis dato eher uninspirierten Gefilme mit der Wackel-Cam – zumindest ansatzweise – ein ganz passabler Horror-Movie, der mich tatsächlich an ein, zwei Stellen „gekriegt“ hat. Glückwunsch dafür – doch das bei einer Laufzeit von rund 90 Minuten schlicht viel zu wenig!

Fazit
Ich bin mit relativ hohen Erwartungen an dieses sensationelle „Horror-Phänomen“ herangegangen, zumal das Setting und die im Vorfeld bekannte Handlung Lust auf mehr gemacht haben. Doch so kann man sich täuschen! „Grave Encounters“ darf in jeder Hinsicht als ein Machwerk unterster Schublade betitelt werden, an dem allenfalls noch extreme Trash-Liebhaber ihre Freude haben könnten. Wer hingegen auf gut inszenierten Horror steht, sollte tunlichst einen großen Bogen um diesen Streifen machen! 20 Millionen YouTube-Views und fünf aufgedruckte Sternchen auf der DVD-Hülle sind halt eben doch nicht alles…

— InaiMathi, am 5. November 2012

Grave Encounters

Genre: Horror
Release: 2011
Laufzeit: 90 Minuten
Studio: The Vicious Brothers
Publisher: Falcom Media
Wertung
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