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InaiMathi Blog

Gegen RasenBallsport Leipzig!

Bayer 04 Leverkusen, VfL Wolfsburg, TSG 1899 Hoffenheim – und wie diese ganzen durchgeplanten Konstrukte multinationaler Großkonzerne wie Bayer, Volkswagen, und spendablen Gönnern wie Dietmar Hopp – ein herzensguter Mann! – mit Null Anziehungskraft und i.d.R. überschaubarer Fanbase alle heißen. Mir, als Fan des glorreichen 1. FC Kölns, eines Traditionsvereins, der vor zwei, drei Jahren vor der Insolvenz stand und sich einzig und allein Dank guter Leistungen des Managements und der Mannschaft wieder berappelt hat, waren diese ganzen durchfinanzierten, ohne jeden wirtschaftlichen Druck agierenden Teams schon immer ein Dorn im Auge und ich habe mich bemüht, sie zu ignorieren wo es nur geht. Mit Red Bu… pardon, RasenBallsport Leipzig drängt nun das nächste Kunstprodukt in die deutsche Fußball-Bundesliga, finanziert von niemand geringerem als Dietrich Mateschitz – ebenfalls ein herzensguter Mann! – und dessen Red-Bull-Konzern, der zuletzt mit Sebastian Vettel die Formel-1 aufgemischt und letzten Endes vor die Wand gefahren hat. Und ganz ehrlich: die schieren Ausmaße dieses Projekts, welchem die bisherigen Grundsätze des deutschen Profifußballs am Allerwertesten vorbeigehen, stellen Werkself, Wölfe und Co. locker in den Schatten.

Man führe sich vor Augen: Noch in der Spielzeit 2009/10 kickte RB Leipzig irgendwo in den Niederungen der deutschen Oberliga ohne größere Beachtung zu erfahren vor sich hin. Dann kam Herr Mateschitz um die Ecke und pumpte ordentlich Scheinchen in sein neues Spielzeug. Was dann folgte, war einer der beachtenswertesten Aufstiege einer Mannschaft in den vergangenen gut und gerne zehn Jahren. Inzwischen tritt RasenBallsport Leipzig in der zweiten Bundesliga an und man muss sich fragen: wie lange noch? Der Kader würde selbst in der ersten Liga nicht unbedingt gegen den Abstieg spielen und wäre das Team von Trainer Alexander Zorniger und Sportdirektor Ralf Rangnick, der sich seit seinem Engagement in der hessischen Provinz Hoffenheim bestens mit seelenlosen, geldverprassenden Fußball-Konstrukten auskennen dürfte, nicht von unglücklichem Verletzungspech heimgesucht worden, läge RB inzwischen wohl mit ziemlicher Sicherheit unangefochten an der Tabellenspitze, wohl aber auf jeden Fall auf einem sicheren Aufstiegsplatz in Richtung Bundesliga. Wohlgemerkt vor etablierten Zweitliga-Teams wie 1860 München, dem FC St. Pauli, Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Kaiserslautern.

Vor der Saison wurde vom RB-Management aus der dritten Liga kommend ganz bescheiden der direkt Aufstieg in die Bundesliga als Ziel ausgegeben, was schon recht eindeutig ist, wenn man bedenkt, dass RB Leipzig vor ein paar Lenzen noch in der deutschen Oberliga antrat. Einmal in der Eliteklasse ankgekommen soll natürlich mittelfristig die Meisterschale ins Visier genommen werden – kein Scherz, das wurde seitens des Brauseclubs so in der Art kommuniziert. Nun hätte ich persönlich nicht viel dagegen, wenn irgendwer dem alles dominierenden FC Bayern München mal ein wenig die Hölle heiß machen – oder zumindest dafür sorgen würde, dass die Bazis ihren Meistertitel nicht schon Anfang Januar klar machen. Nur: Muss es unbedingt dieses Kunstprodukt RasenBallsport Leipzig sein, mit seinen von vorne bis hinten durchgeplanten Methoden, die in unmittelbarer Nähe zur Unsportlichkeit angesiedelt sind?

Man führe sich einmal vor Augen, was genau Red Bull da in den letzten Jahren mit aller Macht aus dem Boden gestampft hat:

  • Mateschitz‘ Brausekonzern hat sich den FC Sachsen Leipzig einverleibt, tritt jedoch nicht nur als klassischer Sponsor auf den Trikots auf, sondern betreibt Sponsoring-Aktivitäten, die weit über die Aktivitäten anderer Unternehmen hinaus gehen: Als da wären Trikotsponsoring, das inzwischen lächerlich marginal an die DFL-Richtlinien angepasste Vereinswappen (dazu später mehr), Vereinsname und Name der Vereinshomepage (Die Roten Bullen) sowie des Trainings- und Nachwuchszentrum (Trainingszentrum der Roten Bullen).
  • Zudem tritt Red Bull als Hauptfremdkapitalgeber, bzw. -Investor auf: Alleine in den nächsten drei Jahren ist vorgesehen, rund 100 Mio. Euro in das Konstrukt zu investieren – davon 30. Mio. in den weiteren Ausbau des Nachwuchsbereichs -, auf dass die Meisterschaft schon möglichst bald eingefahren wird.
  • Weiters zeichnet allein Red Bull für die Aufgaben des operativen Geschäfts verantwortlich: Darunter fallen u.a. die Geschäftsstelle, Fanshop („Red Bull Shop“), Ticketing, Sponsoring, Finanzen und Fanbetreuung)
  • Der Vorstand des Alibi-Vereins wurde zudem fast ausschließlich mit dem Konzern nahestehenden Personen besetzt.
    Ganz ehrlich: Im Grunde müsste man Red Bull nach wie vor Standing-Ovations geben, dass sie es tatsächlich fertiggebracht haben, einen solch offensichtliches Marketing-Instrument wie RB Leipzig auf die Beine zu stellen und dieses dann auch noch von der Deutschen Fußball-Liga lizensiert zu bekommen.

Denn: Geht man hin und liest sich in die umfangreichen DFL-Regularien ein, so kommt man nicht umhin zu bemerken, dass RasenBallsport Leipzig gleich mehrfach gegen diese Auflagen verstößt, bzw. sie rechtlich äußerst geschickt umgeht. So wird u.a. die 50+1 Regel der DFL, welche verhindern soll, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, mit Füßen getreten.
Zudem verstößt RB Leipzig wie übrigens seit jeher auch Bayer 04 gegen prinzipiellen Regularien des Deutschen Fußball-Bundes: Unter § 15 Abs. 2 der DFB-Satzung heißt es nämlich: „Änderungen, Ergänzungen oder Neugebungen von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig“. In der dritten Liga trug RB Leipzig noch Red Bull im Namen, und auch das Vereinswappen bestand noch zu großen aus dem unverändert übernommenen Firmenlogo von Red Bull, was vollkommen zu Recht von der DFL beanstandet wurde, weshalb es im Zuge des Lizensierungsverfahrens dezent angepasst wurde. Allerdings erinnert es nach wie vor frappierend dem des österreichischen Brausekonzerns. Auch der Vereinsname wurde von Red Bull Leipzig in RasenBallsport Leipzig geändert – eine Farce, da die omnipräsente Abkürzung „RB“ in Verbindung mit dem Vereinswappen nach wie vor als Red Bull wahrgenommen wird, und somit sowohl der Name des Konstrukts als auch dessen Wappen ganz klar der Werbung, bzw. dem Marketing dienlich sind!

RB Leipzig verstößt darüber hinaus für jeden des Lesens mächtigen Fußball-Fan ersichtlich gegen § 4 Nr. 9 der Lizenzierungsordnung der DFL, welcher Vereine dazu verpflichtet, gewisse Mindestvoraussetzungen hinsichtlich der demokratischen Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung einzuhalten. Laut der Leipziger Vereinssatzung ist es jedoch lediglich 11 ordentliche Mitgliedern vorbehalten, den Vereinsvorstand und -vorsitz wählen. Darüber hinaus ist die Mitgliederstruktur von RB Leipzig ausgrenzend. Stimmberechtigtes, ordentliches Mitglied bei RB Leipzig zu werden, ist für den „kleinen Fan von nebenan“ nicht oder nur sehr schwer möglich – Mateschitz und Co. lassen sich halt nicht so gerne in ihre Geschätzte reinreden, wie es scheint. Auch dieser Umstand wurde im Zuge des Lizensierungsverfahrens durch die DFL bemängelt, weshalb RB Leipzig inzwischen eine gestaffelte sogenannte „Fördermitgliedschaft“ ins Leben gerufen hat. Zwar berechtigt auch diese nicht zur Wahl des Vereinsvorstands, wie das bei anderen Vereinen normalerweise der Fall ist, soll jedoch andere „Vorteile“ mit sich bringen. Angeboten wird sie zu überaus fanfreundlichen Preisen in Höhe von 100 Euro/Jahr (Bronze-Mitgliedschaft), 500 Euro/Jahr (Silber-Mitgliedschaft) sowie 1000 Euro/Jahr (Gold-Mitgliedschaft).

Wie sehr Red Bull und ihre Kunstprodukte der Deutschen Fußball-Liga und auch anderen Ligen auf der Nase herumtanzen, sieht man, wenn man sich u.a. Transferbewegungen zwischen RB Leipzig und dem österreichischen Schwesterkonstrukt Red Bull Salzburg anschaut. Jetzt, wo RB Salzburg die Champions League abschreiben kann, denkt Rangnick, der übrigens auch in Salzburg den Posten des Sportdirektors bekleidet, laut drüber nach, Schlüsselspieler von Salzburg nach Leipzig zu transferieren, um dort den angepeilten Aufstieg in Liga 1 in trockene Tücher zu bringen. Die Rede ist übrigens nicht von ein, zwei Spielern, sondern dem Vernehmen nach vom halben Salzburger Kader, dem man durch diesen Schritt „bessere Perspektiven bieten“ könne. Spieler aus der „Red-Bull-Familie“, wie Rangnick diese abgeschwächte Variante der klassischen Vetternwirtschaft schon des öfteren betitelt hat, spielen quasi nicht mehr nur bei einem Verein, sondern stets da, wo sie gerade am dringlichsten gebraucht werden.
Auch die Tatsache, dass im Red-Bull-Umfeld dieser Tage laut über einen Stadionausbau nachgedacht wurde, zeigt, wie ernst Mateschitz und Co. ihren bis dato unaufhaltsamen Eroberungsfeldzug meinen.

Ich für meinen Teil werde RasenBallsport Leipzig auch in Zukunft vehement entgegentreten, und sollte es in der kommenden Saison zu einem Aufeinandertreffen meines Effzehs mit den Rasenballern kommen, werden meine Pfiffe und Schmährufe in Richtung ggf. mitgereistem Brausedosen-Anhang keine Grenzen kennen. Hier wurden ganz klar Grenzen überschritten und mehr als eine stillschweigend vereinbarte Regel unter Sportsmännern gebrochen, was kein Fußball-Fan kommentarlos hinnehmen sollte.

E-KEL-HAFT!

— InaiMathi, am 16. November 2014
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