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InaiMathi Blog

Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure

Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure - © Ullstein Verlag

Ich bin alles andere als ein Vielleser. Bin niemand, der Bücher wie am Fließband mal eben so wegliest. Ich entscheide mich ganz bewusst für ein Buch, um es in den folgenden Tagen peu à peu durchzuackern, das Geschilderte ganz bewusst zu erleben. Und so muss schon einiges zusammenkommen, dass ich hingehe und ein Buch abbreche. – So geschehen im Falle des in den Medien kontrovers diskutierten Romans „Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure“ aus dem Ullstein Verlag.

Die italienisch-stämmige Autorin Sonia Rossi hat es wirklich geschafft, mich mit ihrer vor Plattitüden und Trivialitäten nur so strotzenden Pseudo-Biographie so unfassbar zu verstören, dass ich mir das alles irgendwann nicht mehr antun wollte. Wie genau sie dies fertiggebracht hat, steht in der nun folgenden Rezension zu „Fucking Berlin“, die in einer ebenfalls noch nie da gewesenen Wertung gipfelt.

Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure
von Sonia Rossi
2008, Biographie / Erotik, 288 Seiten
Ullstein Verlag

Die Autorin
Sonia Rossi, 25, studiert(e?) Mathematik und lebt mit ihrem Sohn in der Bundeshauptstadt Berlin. Bis dato hat sie zwei Bücher geschrieben: Zum einen den Erotikroman (der keiner ist) „Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure“, zum anderen „Dating Berlin – Die Suche nach Mr. Right“, ein Buch über die beschwerliche Suche nach dem Mann für’s Leben.

Sonia Rossi im Interview

Inhalt
„Sie lebt in Berlin, studiert Mathematik, bringt morgens ihr Kind in die Kita und trifft sich am Wochenende mit Freunden. Eine normale junge Frau – auf den ersten Blick. Denn sie hat noch einen Job: Sie verkauft ihren Körper. Und sie sieht darin auch kein Problem. Wie kommt man als harmlose Studentin ins Rotlichtmilieu? Wie ist das, wenn man sich zum ersten Mal gegen Bezahlung einem Freier hingibt? Wie erlebt man den Alltag mit den Kunden und Kolleginnen aus dem Milieu? Und wie kriegt man das überhaupt hin, ein Doppelleben zwischen bürgerlicher Existenz und Prostitution?“ – Quelle

Der erste Satz

„Der Zug hatte die Alpen hinter sich gelassen und brauste durch die mondlose Januarnacht.“

Kritik
Ich war mit großen Erwartungen an dieses Buch herangetreten. Zuvor hatte ich Natascha Tretzscheks „Seelenficker – Tagebuchroman vom Drogenstrich“ (siehe meine Buchrezension) gelesen und war zutiefst beeindruckt vom Mut dieser Frau, sich auf diese Art und Weise mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Mit „Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure“ dachte ich ein ähnlich geartetes Buch gefunden zu haben. Doch dem war ganz und gar nicht so. Um ehrlich zu sein, bin ich äußerst enttäuscht von dem, was mir in diesem abgrundtief miserablen Machwerk der Sonia Rossi vorgesetzt wurde. So dermaßen enttäuscht und bisweilen auch angewidert, dass es es nach gut der Hälfte abgebrochen habe und ich mich an dieser Stelle auch kurz fassen werde. Versprochen!

Sonia Rossi scheint eine kluge Frau zu sein, ein wenig naiv vielleicht, aber gewiss nicht dumm. Und so machte sie sich irgendwann auf, ihre Heimat Italien zu verlassen, um in Deutschland Mathematik zu studieren. Soviel zum noch einigermaßen seriös gehaltenen ersten Kapitel des Buchs, das irgendwie so gar nicht zum noch folgenden Rest passt. Von da an ging es allerdings nur noch bergab. Denn: Rossi vermittelt in ihrem Roman allen ernstes durchgehend den Eindruck, als wäre es in Deutschland für eine Studentin vollkommen normal, ja geradezu notwenig, sich zu prostituieren, ihren Körper für 30 Euro anbieten zu müssen, um sich das Studium finanzieren zu können und zudem noch einigermaßen über die Runden zu kommen. – Unfassbar! Dann wäre da das immer wieder geschilderte Zusammenleben, die Beziehung Zweckgemeinschaft mit ihrem Freund, für den das Prädikat „Vollversager vom Dienst“ noch schmeichelhaft wäre, den sie jedoch irgendwann geheiratet hat (das muss wahre Liebe sein!): Der sitzt nämlich den lieben langen Tag komplett zugedröhnt und dicht zuhause rum, während sich seine Freundin in diversen Clubs und Bordellen die Seele aus dem Leib vögeln lässt, exzessiv raucht, kifft, säuft, ihn betrügt und hintergeht. Und das Beste: All diese menschlichen Totalausfälle, sowie dies von Naivität geprägte durchs Leben schreiten werden dem geneigten Leser von der Autorin oberdreist als wertvolle Lebenserfahrung verkauft!

„Fucking Berlin“ ist durch und durch anspruchslose Lektüre. Das hat jetzt nichts mit dem behandelten Thema oder dem eher simpel gehaltenen Schreibstil der Autorin zu tun, wie man an meiner eingangs verlinkten Rezension zu „Seelenficker“ merken dürfte, sondern eher mit der Routine, die sich schon nach ein paar Seiten sowohl bei der Protagonistin als auch beim eh schon gelangweilten Leser einstellt: Wer sich vor dem Aufschlagen der ersten Seite ein prickelndes Lesevergnügen erhofft hat, wird bitterlich enttäuscht sein, denn die Passagen über ihre Arbeit im Bordell, die Prunkstücke eines solch voyeuristisch angehauchten Buches, in dem sich jemand hinstellt und lauthals in die Welt hinaus krakeelt: Hey, seht mich an, ich bin eine Nutte und dazu noch eine mit Köpfchen, denn schließlich hab ich u.a. Mathematik studiert! – muten so unheimlich langweilig, öde und repetitiv an, dass man sie schon zwei, drei Seiten später schon wieder vergessen hat. Die Volksweisheit „Kennste eine, kennste alle!“ trifft es ziemlich gut. Dann diese aufgesetzten, im Gesamtkontext des Buchs völlig unglaubwürdig wirkenden Gewissensbisse der Protagonistin á la: Bordell suchen – dort anschaffen – irgendwann aufhören wollen, da irgendwie dann doch nicht komplett ausgefüllt – anschließend wieder ein neues Bordell suchen, um wie gehabt weiter zu machen…

Dieses Machwerk ist keine Biographie, keine Studie über irgendwas. Es ist wieder mitreißend, noch erregend geschrieben und bringt auch sonst nicht allzu viel in Wallung, wie sicherlich der ein oder andere hofft, der sich dieses Buch mit hochrotem Kopf vom Grabbeltisch seiner örtlichen Buchhandlung mitnimmt – oder schüchtern bei Amazon.de bestellt. „Fucking Berlin – Studentin und Teilzeit-Hure“ ist vielmehr ein – zumindest meiner Meinung nach, der ein oder andere mag das eventuell anders sehen – ekelhaft-penetranter Schrei nach Aufmerksamkeit von einer Autorin, die bis dato nichts wirklich erwähnenswertes veröffentlicht hat, auch in dieser Publikation nicht allzu viel zu sagen hat und es offenbar als erstrebenswert ansieht, all jenen bedauernswerten Frauen, die zu dieser Arbeit gezwungen werden, hämisch ins Gesicht zu lachen.

Fazit
„Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure“ – keine Biographie, sondern Selbstdarstellung auf eher in niederen Regionen angesiedelten Niveau. Wer beispielsweise das erheblich lesenswertere, da authentischere und weniger effekthascherisch aufgezogene „Seelenficker – Tagebuchroman vom Drogenstrich“ (siehe meine Review) gelesen hat, wird mit der Lektüre von Sonia Rossis äußerst oberflächlich und trivial geratenen Ausführungen zum Thema Sex und ihrem Job im Rotlichtmilieu, sowie aufgrund der überall durchschimmernden Selbstinszenierung zweifelhafter Art ganz gewiss nicht glücklich werden. – Dieses Buch ist einfach nur dumpf, platt und reine Geldverschwendung!

— InaiMathi, am 23. Juni 2012

Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure

Genre: Biographie / Erotik
Veröffentlichung: 2008
Umfang: 288 Seiten
Verlag: Ullstein Verlag
Autor: Sonia Rossi
Wertung
Fucking Berlin: Studentin und Teilzeit-Hure von Sonia Rossi jetzt online bei Amazon.de bestellen  ➞

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